
Politiker und Experten streiten weiterhin darüber, wie wichtig die Rolle der Ukraine in dem Krieg sein könnte, den Iran mithilfe von Drohnen gegen amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten, die Staaten des Persischen Golfs und Israel führt. So spricht Volodymyr Zelensky von Hilfsersuchen und der Präsenz ukrainischer Spezialisten, während Donald Trump nicht weniger energisch die Bedeutung und Zweckmäßigkeit ukrainischer Hilfe bestreitet. Doch was die Präsidenten auch sagen mögen – selbst die amerikanischen Drohnen, die im Konfliktgebiet eingesetzt werden, wurden genau an der ukrainischen Front erprobt.
Dass wir in eine neue Epoche eintreten, war bereits in den ersten Monaten des großen Krieges klar, als die Ukrainer vor dem Hintergrund der massiven russischen Offensive zur Besetzung eines großen Teils des Landes und zum Austausch der ukrainischen Führung Lieder über den „Bayraktar“ sangen. Später veränderte sich der Charakter des Einsatzes von Drohnen gerade deshalb, weil Iran begann, Russland günstige Drohnen neuen Typs zu liefern. Erstaunlich ist, dass damals weder in Washington noch in Jerusalem genügend Weitsicht und strategisches Denken vorhanden war, um zu begreifen, dass die Iraner ihre Drohnen nicht einfach so und nicht aus Liebe zu Putin oder aus finanziellen Gründen an den Kreml lieferten, sondern weil sie ein Testgelände brauchten und sich auf einen großen Krieg im Nahen Osten vorbereiteten. Und sie konnten nicht übersehen, dass Iran der amerikanischen Militärmacht wenig entgegenzusetzen hat – außer einem Krieg zur wirtschaftlichen Erschöpfung einer öl- und gasreichen Region. Und genau an diesem Punkt sind wir nun angelangt. An einem Punkt, der uns alle zwingen sollte, Schlussfolgerungen zu ziehen.
Die Frage ist nicht, wie viele Drohnen sich im ukrainischen Arsenal befinden, die iranischen Angriffen entgegenwirken können , sondern dass gerade die ukrainische Armee in den vergangenen Jahren gelernt hat, Drohnen zu bekämpfen, wie es keiner anderen Armee gelungen ist – weil gerade die Ukrainer im Epizentrum dieses neuen Krieges standen. Jetzt sammeln auch die Amerikaner und ihre Verbündeten solche Erfahrungen, aber das ist erst der Anfang großer Konflikte. Deshalb ist die Erfahrung der ukrainischen Militärs für die zivilisierte Welt tatsächlich von unschätzbarem Wert – vorausgesetzt, diese zivilisierte Welt will überleben und nicht in endlosen Abnutzungskriegen untergehen, die ihr von autoritären Regimen aufgezwungen werden. Denn die Welt mit ihren wirtschaftlichen Verflechtungen und ihrer empfindlichen Infrastruktur ist selbst für ein kleines unbemanntes Fluggerät hinreichend fragil und verwundbar geworden.
Natürlich werden neue Kriege und Konflikte – und davon wird es in unserem Leben noch viele geben – zu neuen technologischen Revolutionen führen, und vielleicht werden bereits neue Armeen und Völker die schwierige Kunst des Überlebens im Jahrhundert permanenter Katastrophen und Fehler erlernen müssen. Doch heute, im „Zeitalter der Drohnen“, sind es gerade die Ukrainer, die zu Pionieren des Widerstands und des Überlebens geworden sind – und kein Politiker, selbst wenn er Präsident der Vereinigten Staaten ist, wird diese offensichtliche Wahrheit widerlegen können.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Епоха дронів. Віталій Портников. 16.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.