Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, rief die Russen dazu auf, sich nicht vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump begeistern zu lassen und nicht darauf zu hoffen, dass dieser die Ukraine und die Europäer „in die Schranken weisen“ und Kyiv zwingen werde, den russischen Forderungen zuzustimmen.
Lawrow betonte, dass bereits zwei Verhandlungsrunden in Abu Dhabi stattgefunden hätten. Man würde sich zwar wünschen, dass der Krieg beendet werde, doch davon seien die Russen noch weit entfernt. Dies ist nicht die erste Erklärung eines russischen Funktionärs, in der die Enttäuschung des Kremls über die Schritte hervorgehoben wird, die die amerikanische Seite nach Anchorage unternimmt.
Auch die führende russische Wirtschaftszeitung Wedomosti betont unter Berufung auf einen anonymen Teilnehmer der Gespräche in Abu Dhabi, dass Russland der Ansicht sei, die Vereinigten Staaten erfüllten jene Versprechen und Verpflichtungen nicht, die sie beim Treffen der Präsidenten der USA und Russlands eingegangen seien.
Die Quelle – bei der es sich auch um einen Vertreter des russischen außenpolitischen Apparats handeln könnte – ist der Meinung, dass Putin in Anchorage bereit gewesen sei, sogar bei territorialen Fragen Zugeständnisse zu machen. Selbstverständlich stellte er dabei jedoch die Notwendigkeit einer Kontrolle der gesamten Oblast Donezk durch die Russische Föderation nicht infrage. Es hätte sogar einen Kompromiss über die Stärke der ukrainischen Streitkräfte geben können. Voraussetzung Russlands sei jedoch gewesen, die Oblast Donezk von ukrainischen Truppen zu „säubern“ sowie eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zu etablieren.
In Moskau heißt es, dies sei überhaupt eine zwingende Bedingung für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gewesen – was sehr deutlich die Sorge Putins über die wirtschaftliche Lage des eigenen Landes illustriert. Denn es stellt sich die Frage: Was haben die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Moskau und Washington mit dem Ende des Krieges an der russisch-ukrainischen Front zu tun?
Seitdem jedoch habe Russland von den Vereinigten Staaten keinerlei Belege dafür gesehen, dass Washington bereit sei, Moskau entgegenzukommen. Die Ukraine stimmt dem Abzug ihrer Truppen aus den Gebieten der Oblaste Donezk und Luhansk nicht zu, und die Vereinigten Staaten drängen Russland konsequent von den Energiemärkten und verhängen wirtschaftliche Sanktionen gegen das Land.
So kann man davon ausgehen, dass Russland – trotz Putins offensichtlichem Wunsch, sich nicht mit Donald Trump zu überwerfen – im Dialog mit der amtierenden US-Regierung keinerlei realen Fortschritt sieht. Genau davon spricht Lawrow.
Dies spiegelt zugleich mehrere Tendenzen wider.
Erstens beginnt Putin zu begreifen, dass es ihm mithilfe Trumps weder gelingen wird, die Kapitulation der Ukraine zu erreichen, noch die Europäer dazu zu bringen, ihre Unterstützung für unser Land im Widerstand gegen die Russische Föderation einzustellen.
Zweitens führt die ukrainische Verteidigung im Laufe der Zeit dazu, dass sich die russische Wirtschaft tatsächlich an der Grenze des Überlebens wiederfindet.
Gerade deshalb benötigt der russische Präsident so dringend eine sogenannte umfassende wirtschaftliche Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten. Diese Partnerschaft soll die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation, ihre Rückkehr auf die Energiemärkte – vor allem auf den europäischen Energiemarkt – sowie die Möglichkeit umfassen, die derzeit in der Europäischen Union eingefrorenen russischen Vermögenswerte zu bewahren und an Russland zurückzuführen.
Drittens nutzt Putin die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine ausschließlich als Instrument der Erpressung sowohl gegenüber der ukrainischen Seite als auch gegenüber den Vereinigten Staaten, ohne darauf zu hoffen, dass diese Gespräche zu konkreten Ergebnissen führen könnten.
Wenn der Außenminister der Russischen Föderation erklärt, dass dieser Prozess kaum schnell zu einem realen Ergebnis führen werde, meint er in erster Linie, dass die Verhandlungen sich kaum auf die vorwahlpolitische Position Donald Trumps im Vorfeld der Kongresswahlen auswirken werden. Wir wissen, wie ernst es der US-Präsident mit diesen Zwischenwahlen meint, von denen sowohl seine Fähigkeit abhängen kann, seine ehrgeizigen Pläne umzusetzen, als auch sogar seine Möglichkeit, bis 2029 an der Macht zu bleiben, falls die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses erlangen.
Gerade deshalb besteht das wichtigste Erpressungsinstrument der Russischen Föderation darin, Trump zu demonstrieren, dass Moskau seine Friedensbemühungen, die kurz vor den Zwischenwahlen mit Erfolg gekrönt sein sollen und zeigen sollen, dass er in der Lage ist, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, nicht zulassen wird. Wenn Trump also tatsächlich daran interessiert ist, dass der Krieg endet, müsse er nicht Russland unter Druck setzen, sondern die Ukraine und die Europäische Union.
Das heißt, Kyiv müsse gezwungen werden, den russischen Bedingungen zuzustimmen, die nach Berechnung des Kremls zu einer Destabilisierung der innenpolitischen Lage in der Ukraine führen und das Vorgehen der russischen Truppen erleichtern könnten. Auf diese Truppen setzt Putin weiterhin.
Auch jetzt sprechen Militärexperten von der die Verlegung neuer russischer Truppen in die östlichen und südlichen Richtungen, was auf den Wunsch Moskaus hindeuten könnte, sich auf eine neue Frühjahrsoffensive gegen ukrainische Stellungen vorzubereiten. Oder aber die Stationierung dieser Truppen und Ressourcen ist ein weiteres Element von Putins Bluff – mit dem Ziel, sowohl auf die Ukraine als auch auf die westlichen Länder Druck auszuüben und zu betonen, dass, sollten sie seinen Bedingungen nicht rasch zustimmen – darunter territoriale Zugeständnisse der Ukraine, ihre ideologische Umformung zu einem Satelliten der Russischen Föderation und die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland –, eine neue Offensive beginnen werde, mit Versuchen, weitere ukrainische Gebiete zu erobern.
Vor dem Hintergrund jedoch, dass auch die aktuelle russische Offensive faktisch zu keinen strategisch wichtigen Ergebnissen geführt hat, richten sich diese Elemente des Moskauer Bluffs in erster Linie an einen einzigen Zuschauer: den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Signale, die Putin nun mithilfe Lawrows an Trump sendet, hängen vor allem mit dem Wunsch zusammen, den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, die Ukraine und unsere europäischen Verbündeten wirksamer dazu zu zwingen, der Erpressung des russischen Präsidenten und seines Umfelds zuzustimmen – eines Umfelds, das die Idee eines endlosen Krieges sowie die Destabilisierung der Ukraine und des Westens unterstützt.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Кремль погрожує Трампу | Віталій Портников. 10.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: [Datum10.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.