Eine ukrainische Delegation, der der Leiter des Präsidialamtes Kyrylo Budanow, der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Rustem Umjerow sowie der Vorsitzende der Parlamentsfraktion der Partei Diener des Volkes Davyd Arachamija angehören, ist in die Vereinigten Staaten gereist, um Gespräche mit Vertretern des Weißen Hauses zu führen – darunter mit dem Sondergesandten des US-Präsidenten Steve Witkoff, dem Schwiegersohn des Präsidenten Jared Kushner sowie mit dem Heeresminister Daniel Driscoll, der, wie bekannt ist, sich erst vor Kurzem dem Verhandlungsprozess angeschlossen hat und eigene Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky geführt hat.
Diese Gespräche sind vor allem im Vorfeld des Treffens zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky in Davos von Bedeutung. Bei diesem Treffen könnten – so wird angenommen – Dokumente über die weitere Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten verabschiedet werden. Dabei könnte es entweder um Sicherheitsgarantien für die Ukraine seitens der USA oder um Garantien für Investitionen und Hilfe für die Ukraine in der Nachkriegszeit gehen.
Offensichtlich ist Kiew daran interessiert, eine gemeinsame Sprache mit Washington zu finden und sicherzustellen, dass das Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine erfolgreich verläuft. Meiner Ansicht nach ist dies die wichtigste Aufgabe der ukrainischen Delegation: sich nicht mit den Amerikanern zu zerstreiten und einen gemeinsamen Handlungsnenner sowie gemeinsame Vorschläge zu finden, die dem russischen Präsidenten Putin präsentiert werden könnten.
Man könnte fragen: Warum überhaupt nach gemeinsamen Vorschlägen suchen, wenn die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine, Donald Trump und Volodymyr Zelensky, ihre gemeinsamen Vorschläge bereits bei ihrem letzten Treffen in Mar-a-Lago abgestimmt haben und Donald Trump diese Vorschläge theoretisch dem russischen Präsidenten hätte präsentieren sollen?
Doch wir verstehen sehr gut, dass die Geschichte des sogenannten Friedensprozesses eher einem Herumlaufen im Kreis gleicht. Denn in einer Situation, in der der russische Präsident nicht an einem Ende des Krieges interessiert ist, werden alle gemeinsamen Vorschläge, die Washington selbst nach Abstimmung mit Kyiv vorbringt, keinerlei praktische Bedeutung für ein tatsächliches Kriegsende haben.
Derzeit wird darüber gesprochen, dass Witkoff und Kushner erneut in die russische Hauptstadt reisen wollen. Schon deshalb ist es wichtig, dass sie bei Gesprächen mit Putin jene Ideen vortragen, die gemeinsam mit der ukrainischen Delegation erarbeitet werden. Allerdings sollte man auch nicht erwarten, dass der russische Präsident bei einem weiteren Treffen mit amerikanischen Vertretern seine Position ändern wird.
Daher scheint es mir, dass die Gespräche zwischen Kyiv und Washington nicht länger aus der Perspektive einer möglichen Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges betrachtet werden sollten. Vielmehr müssen sie vor allem als Möglichkeit gesehen werden, eine gemeinsame Position mit den Vereinigten Staaten zu entwickeln und Druck auf Russland auszuüben, um dieses Finale nicht durch Verhandlungen mit Putin, sondern durch die Erschöpfung des russischen Staates und der russischen Armee näherzubringen.
Wie ich bereits mehrfach gesagt habe, ist dies der einzige reale Weg, auf dem wir eines Tages einen Tunnel sehen könnten, in dem vielleicht – möglicherweise erst nachdem Donald Trump nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten ist – das Licht erscheinen kann, das die Finalisierung aller Bemühungen Washingtons und Kiews bedeutet, und wenn nicht die Zustimmung Russlands zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit der Ukraine, dann zumindest die Möglichkeit eines Abklingens des Krieges auf unbestimmte Zeit.
Dazu ist es selbstverständlich notwendig, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine weiterhin helfen und diese Hilfe sogar verstärken. Man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass nach dem Auslaufen jenes Hilfspakets, das wir Präsident Joseph Biden verdanken, die amerikanische Unterstützung für die Ukraine erheblich zurückgegangen ist. Und Präsident Donald Trump ist sogar stolz darauf, wenn er erzählt, dass die Vereinigten Staaten nun keinen einzigen Dollar mehr für die Hilfe an unser Land ausgeben.
Das bedeutet jedoch einen Mangel an Luftabwehrsystemen, einen Mangel an ausreichenden Waffen, um der russischen Aggression entgegenzutreten, und die Notwendigkeit, all diese Waffen in den Vereinigten Staaten für bares Geld zu kaufen – weil Donald Trump Politik nicht als Schutz von Werten betrachtet, sondern als ein System von Geschäften. Und er macht daraus übrigens auch keinen Hehl.
Selbst die Unterzeichnung des Mineralienabkommens, das theoretisch das Weiße Haus dazu hätte bewegen sollen, ein Interesse am Kampf der Ukraine gegen Russland und an der Verteidigung der ukrainischen Souveränität zu entwickeln, hat, wie wir sehen, nichts an der Haltung Donald Trumps und seines Teams zur Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges geändert.
Wenn es der ukrainischen Delegation also gelingt, eine größere Rolle der Vereinigten Staaten bei der Unterstützung der Ukraine zu vereinbaren, wäre das bereits ein nicht schlechtes Ergebnis dieser Gespräche. Doch zu glauben, dass Trump bereit ist, von seiner grundsätzlichen Weigerung abzurücken, unserem Land zu helfen, statt aus diesem Krieg Profit zu schlagen, erscheint mir vergeblich.
Natürlich wäre es ebenfalls kein schlechtes Ergebnis, irgendein Dokument auszuarbeiten, das von den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine während des Davoser Forums unterzeichnet werden könnte. Doch auch dieses Dokument wird keinerlei reale, konkrete Umsetzung erfahren, da sämtliche Vereinbarungen über Sicherheitsgarantien nach dem Krieg, über Investitionen nach dem Krieg oder über die Präsenz irgendwelcher Truppen nach dem Krieg zweifellos dann überprüft werden, wenn die Nachkriegszeit tatsächlich eintritt. Ganz allgemein wirkt die Diskussion darüber, was nach dem Krieg geschehen soll, in einer Situation, in der es keine realen Instrumente zur Beendigung des Krieges gibt, aus politischer Sicht schlicht absurd.
Doch wir sind gezwungen, an dieser offensichtlichen Absurdität teilzunehmen, um uns nicht mit Donald Trump zu zerstreiten und den amerikanischen Präsidenten nicht zu einem offenen Verbündeten des russischen Präsidenten zu machen – zumindest dann, wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg geht.
Wenn man es also ganz konkret formuliert, besteht die Hauptaufgabe der ukrainischen Unterhändler darin, ihren amerikanischen Gesprächspartnern entgegenzukommen und so zu tun, als habe ihre Tätigkeit tatsächlich einen konkreten Inhalt. Vielleicht erlaubt dies Witkoff und Kushner, realistischer mit dem russischen Präsidenten Putin zu sprechen – falls dieser tatsächlich bereit ist, sie in absehbarer Zeit in der russischen Hauptstadt zu empfangen.
Interessant ist übrigens, wann dies geschehen wird – vor oder nach dem Davoser Forum – und wie sich dies auf Donald Trumps Bereitschaft auswirken wird, konkrete Dokumente mit seinem ukrainischen Amtskollegen zu erörtern. Denn wir haben bereits mehrfach gesehen, wie Gespräche zwischen Trump und Putin praktisch alle ukrainischen Bemühungen zunichtegemacht haben.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові перемовини у Вашингтоні | Віталій Портников. 17.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.