Das „Oreschnik“-Signal | Vitaly Portnikov. 12.01.2025.

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Ein weiteres barbarisches Bombardement Kyivs und anderer ukrainischer Städte durch die Russen – und in diesem Fall ist das Wort „barbarisch“ keine pathetische Übertreibung, denn es geht um den Versuch, Millionen Menschen auf dem Höhepunkt der Winterkälte Heizung und Wasser zu nehmen – wurde von einem Schlag mit dem berüchtigten russischen „Oreschnik“ gegen die Region Lwiw begleitet.

Es ist bereits der zweite derartige Angriff nach dem demonstrativen Schlag auf Dnipro. Offensichtlich war der erste Angriff dazu gedacht, zu zeigen: Russland verfügt über ein Waffensystem, das den Luftabwehrsystemen, die die Ukraine schützen, nicht unterliegt. Aber wozu dann der zweite?

Meiner Ansicht nach ist das in letzter Linie der Versuch, die Ukrainer einzuschüchtern. Die Ukrainer werden mit dem gesamten Arsenal an Mitteln, das Putin zur Verfügung steht, zur Kapitulation gezwungen – und der „Oreschnik“ spielt dabei längst nicht die Hauptrolle, verglichen mit dem menschenfresserischen Wunsch, Kyiv oder Odesa „einzufrieren“. Aber die Europäer will Putin erschrecken.

Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin ein schnelles Ende des Krieges nicht weniger, vielleicht sogar mehr wünscht als Trump oder die Ukrainer. Er kann sich der schwierigen Lage seiner Wirtschaft und der enormen Verluste der russischen Armee an der ukrainischen Front nicht entziehen. Doch der russische Machthaber will, dass der Krieg zu seinen Bedingungen endet – zu Bedingungen der Kapitulation der Ukraine.

Und Putin kann durchaus glauben, dass gerade die Europäer mit ihrer Bereitschaft, der Ukraine zu helfen, diesen Traum verhindern. Die Entscheidung der EU, der Ukraine einen Zuschuss von 90 Milliarden Dollar zu gewähren – Gelder, die es der Ukraine ermöglichen werden, die nächsten zwei Jahre durchzuhalten – war für den russischen Präsidenten eine unangenehme Überraschung. Ebenso wie die Bereitschaft der führenden europäischen Länder, weiterhin über ein eigenes Militärkontingent auf ukrainischem Boden zu diskutieren.

Zwar ist derzeit noch von einer Stationierung dieser Truppen erst nach einem Friedensabkommen und einem Waffenstillstand die Rede. Doch niemand weiß, wie sich die Situation entwickeln wird, wenn endgültig klar wird, dass Putin gar keinen Frieden will. Deshalb muss der russische Präsident dafür sorgen, dass die Europäer bis dahin eingeschüchtert sind und nicht einmal mehr von irgendeiner militärischen Präsenz zu träumen wagen.

Und natürlich ist das auch ein Signal an Trump – damit der amerikanische Präsident nicht einmal daran denkt, irgendwelche Friedensbedingungen mit Volodymyr Zelensky und den europäischen Führern abzustimmen. Er soll begreifen: Verhandelt werden muss nur mit Putin und ausschließlich zu dessen Bedingungen. Und Zelensky sowie die Europäer sollen einfach über das informiert werden, worauf sich Putin und Trump geeinigt haben, und gezwungen werden, diesen Vorschlägen zuzustimmen. Andernfalls – Krieg und „Oreschnik“.

Ich behaupte natürlich nicht, dass Putin blufft. Den Gegner zu unterschätzen – und erst recht seine Unberechenbarkeit und Verbissenheit – ist ein direkter Weg in Niederlage und Zusammenbruch. Putins Handlungen und Absichten müssen als reale und ernste Bedrohung verstanden werden. Und als Drohung.

Aber auch Drohungen kann man unterschiedlich begegnen. Man kann sich fürchten und versuchen, auf den Bedingungen des Aggressors zu einem Einvernehmen zu kommen. Oder man kann eigene Signale der Stärke finden – zumal Putin auf solche Signale in der Regel keine wirkliche Antwort hat.

Er konnte seinem Verbündeten Baschar al-Assad, der aus Syrien Hals über Kopf nach Moskau fliehen musste, nicht helfen. Er konnte auch seinem Verbündeten Nicolás Maduro nicht helfen, der sich vor Gericht in New York wiederfand. Und erinnern wir uns daran, wie er 2014 seiner jämmerlichen Marionette Viktor Janukowytsch nicht helfen konnte, als dieser bis nach Rostow davonlief.

Wenn man also mit Putin in der Sprache von Druck, Sanktionen und der Zerstörung seiner Energiekonzerne spricht – dann versteht er das.

Wenn er jedoch sieht, dass man versucht, mit ihm zu verhandeln – dann startet er den „Oreschnik“ nahe den europäischen Grenzen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Сигнал «Орєшніком». Віталій Портников. 12.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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