Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, sagt, dass der Plan, den die amerikanische Delegation in den letzten Tagen in der ukrainischen Hauptstadt präsentiert hat, noch kein endgültiger Vorschlag der Vereinigten Staaten an die Ukraine ist. Und Präsident Zelensky genehmigt die Zusammensetzung der ukrainischen Delegation bei den Verhandlungen, die bereits in der Schweiz eingetroffen ist. An der Spitze dieser Delegation steht der Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak.
Von Seiten Washingtons werden an den Verhandlungen der Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten, Steve Witkoff, teilnehmen, der von allen als der Autor dieses erstaunlichen Trump-Plans betrachtet wird, sowie Außenminister Marco Rubio, der offenbar ebenfalls an diesem Dokument mitgewirkt hat.
Außerdem wird auch der US-Heeresminister Driscoll anreisen, der in diesen Tagen in Kyiv war und als engster Vertrauter des amerikanischen Vizepräsidenten J. D. Vance gilt, der unerwartet zum Kurator des russisch-ukrainischen Friedensprozesses geworden ist. Und auch das ist eine völlig erstaunliche Sache, die wir gerade beobachten.
Wir können also sagen, dass jetzt einer der wichtigsten Momente in der Geschichte beginnt, der mit dem russisch-ukrainischen Krieg und den Bemühungen von Präsident Trump zur Beendigung dieses Krieges verbunden ist. Noch erstaunlicher ist jedoch, was mit diesem Friedensplan geschieht und wie er überhaupt in das Informationsfeld gelangt ist.
Wie bekannt, war die Redaktion des Mediums Axios die erste, die über diesen Friedensplan berichtete. Gerade deren Journalisten erzählten, dass die Trump-Administration diesen 28-Punkte-Plan ausarbeitet, der nach dem Vorbild der Vereinbarung bezüglich Gaza modelliert sei, um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Dieser Beitrag basierte damals auf Kommentaren anonymer amerikanischer und russischer Beamter und enthielt nur ein einziges wörtlich zitiertes Statement.
Und selbstverständlich war diese Person der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitrijew. Kein einziger amerikanischer Beamter willigte ein, zu dieser Situation, die mit dem russisch-amerikanischen Plan und den Verhandlungen darüber verbunden ist, eine Aussage unter Klarnamen zu machen.
Auch hier gibt es einen sehr wichtigen Punkt. Journalisten berichten, dass Kirill Dmitrijew mehrere Tage in Washington verbracht habe, um gemeinsam mit seinem Gesprächspartner Steve Witkoff an diesem Plan zu arbeiten. In Wirklichkeit ist das alles nicht ganz so, denn aus Sicht der Realität, wie wir inzwischen verstanden haben, verbrachte Dmitrijew mit Witkoff lediglich einige Stunden, und wie bekannt, genoss der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation keinerlei besonderen Respekt. Der US-Finanzminister Scott Besant nannte ihn sogar einen Propagandisten, dem man nicht trauen könne.
Dmitrijews wichtigste Aufgabe war es, die Möglichkeit neuer US-Sanktionen gegen die russischen Öl-Giganten Rosneft und Lukoil zu verhindern. Und auch das war ein völlig offensichtlicher Punkt, bei dem Dmitrijew während seines Besuchs in Washington scheiterte.
Die erste Axios-Veröffentlichung rief, wie bekannt, erhebliche Zweifel daran hervor, ob der Trump-Plan überhaupt existiert. Aber buchstäblich einige Stunden nach ihrem Erscheinen folgen weitere Veröffentlichungen. Die Financial Times berichtet, Trump habe tatsächlich einen solchen Plan vorbereitet, und hebt hervor, dass aus Sicht des amerikanischen Präsidenten die Ukraine Russland jenen Teil des Gebiets der Oblast Donezk überlassen müsse, der bis heute unter ukrainischer Kontrolle steht.
Andererseits möchte ich daran erinnern, dass diese Bedingung schon lange im Kopf des US-Präsidenten Donald Trump existiert. Genau darüber sprach er mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky bei dessen letztem Besuch in Washington.
Im Plan ist auch von der Notwendigkeit die Rede, die ukrainische Armee zu verkleinern sowie den Status der russischen Sprache und der antukrainischen Russischen Orthodoxen Kirche zu garantieren. Und das, obwohl nicht einmal die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats sich noch als mit diesem terroristischen Patriarchat unter Führung des Putin-Getreuen Kirill verbunden betrachtet. Das sind bekannte Punkte, das sind Maximalforderungen Russlands, die die Vereinigten Staaten früher schon mehrfach zurückgewiesen haben.
Und auch beim letzten Gespräch des US-Außenministers Marco Rubio mit dem Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, wurden diese Forderungen erneut zurückgewiesen, was schließlich zur Absage des Gipfels zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, in Budapest geführt hat.
In diesem großen Kompromiss blieb eine große Unbekannte: Was genau wird die Ukraine tatsächlich bekommen? Und der Hauptgedanke war, vor allem zu zeigen, was Russland vom Krieg zu erhalten wünscht.
Es erscheinen neue westliche Veröffentlichungen. NBC News und das Wall Street Journal betonen, dass Steve Witkoff zwar formell der Leiter dieses Prozesses war, aber Mitarbeiter hatte. Unter ihnen werden Marco Rubio genannt, der bei den Verhandlungen in Genf dabei sein wird, sowie der Schwiegersohn des US-Präsidenten, Jared Kushner, der an der Ausarbeitung eines ähnlichen Plans für Gaza beteiligt war – eines Plans, der, wie es scheint, ebenfalls nicht funktioniert. Denn just in diesen Stunden vor unserer Sendung erscheinen Meldungen, dass die terroristische Organisation Hamas aus dem Friedensprozess aussteigen und bereit zum Kampf mit der israelischen Verteidigungsarmee sei.
Das heißt, der Krieg im Nahen Osten kann jederzeit neu beginnen. Und wenn Israel der Hamas mit gleicher Münze antwortet, neue Bombardierungen Gazas mit dem absehbaren Tod der Zivilbevölkerung des Sektors beginnen, wird sich das erneut sehr ernsthaft auf die außenpolitische Agenda Donald Trumps auswirken.
Wir haben es also mit einer unglaublichen Situation zu tun. Unglaublich auch deshalb, weil westliche Medien berichten, dass der Plan existiert, aber innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Veröffentlichung dieses Plans durch führende amerikanische Medien kein einziger westlicher Beamter bereit ist, über die bloße Existenz dieses Plans zu sprechen.
Alle westlichen Journalisten stützen sich ausschließlich auf die Aussagen des Sonderbeauftragten des Präsidenten der Russischen Föderation Kirill Dmitrijew. Man kann also sagen, dass die westliche Presse zur Geisel der Interpretation eben dieses russischen Beamten und keineswegs amerikanischer Vertreter geworden ist.
Das Außenministerium schweigt, das Weiße Haus schweigt. Am Mittwochabend taucht in den sozialen Netzwerken eine Aufzeichnung des US-Außenministers Marco Rubio auf, in der er betont: „Die Beendigung eines so komplexen und tödlichen Krieges wie dieses in der Ukraine erfordert den Austausch ernsthafter und realistischer Ideen. Die Erreichung eines dauerhaften Friedens wird von beiden Seiten schmerzhafte, aber notwendige Zugeständnisse verlangen. Genau deshalb erarbeiten wir eine Liste potenzieller Ideen zur Beendigung dieses Krieges auf Basis der Vorschläge beider Konfliktparteien.“
Man könnte sagen, dass Rubio nun versucht, diesen abenteuerlichen Plan einfach als eine Sammlung von Ideen der amerikanischen Administration zu verkaufen. Aber es lohnt sich daran zu erinnern, dass derselbe US-Außenminister buchstäblich eine Woche zuvor beim Treffen der G7-Staaten betonte, dass Russland kein Interesse an Frieden habe und die Ukraine den verbleibenden Teil von Donezk nicht abtreten dürfe. Und nun stellt sich heraus, dass Rubio, als er diese Worte sprach, bereits Architekt einer völlig anderen Vereinbarung war, die auf dem Tisch des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskys landet.
Es gibt also keine wirklichen Kommentare offizieller Vertreter der Vereinigten Staaten. All dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Amerika der Ukraine weiter hilft, als wäre nichts geschehen. Das Außenministerium genehmigt den Verkauf der Möglichkeiten, unsere Patriot-Systeme zu warten. Es geht dabei um Geld zur Instandhaltung dieser Systeme. Skandinavische und baltische Länder versprechen Beiträge zum PURL-System zur Beschaffung von Waffen für die Ukraine. Großbritannien liefert der Ukraine eine große Partie weitreichender Storm-Shadow-Raketen, deren Lieferung bekanntlich die Zustimmung der Vereinigten Staaten erfordert. Das bedeutet, Washington ist einverstanden, dass solche Raketen im Bestand der ukrainischen Armee sein werden.
Ich spreche gar nicht von dem wichtigsten Ereignis der letzten Tage, als das US-Finanzministerium die Initiative der Schweizer Firma Gunvor blockierte, die als persönlicher Geldbeutel Putins gilt und seinem Partner Timtschenko gehört – den Versuch dieser Firma, Lukoil-Aktiva zu kaufen. Das Finanzministerium betont dies, und Präsident Trump erklärt, der Krieg müsse sofort beendet werden. Solange Putin weiter sinnlos tötet, werde die Marionette des Kremls, Gunvor, niemals eine Lizenz für Geschäfte und Profite erhalten.
Bemerkenswert ist nicht nur das Schweigen des Außenministeriums und der Pressestelle des Weißen Hauses. Schweigen tut auch der US-Präsident Donald Trump selbst, der keinen einzigen Tweet in seinem sozialen Netzwerk diesem Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine widmet. Es stellt sich die Frage: Warum? Warum spricht er nicht über eine historische Friedensvereinbarung?
Senator Lindsey Graham, der, wie bekannt, immer einer der wichtigsten Lobbyisten für Sanktionen gegen Länder war, die ihre wirtschaftliche Kooperation mit Russland fortsetzen, sagt, er höre zum ersten Mal von irgendeinem 28-Punkte-Plan. Wir bekommen derzeit Meldungen aus der westlichen Presse, dass praktisch alle führenden Vertreter der amerikanischen Administration nichts über diesen Plan und seine Ausarbeitung wussten. Und daraus ergibt sich eine recht einfache Frage: Wenn Lindsey Graham nichts von einem Friedensplan weiß, warum gibt Trump ihm dann praktisch grünes Licht, ein Gesetz über 500-prozentige Zölle für Länder voranzutreiben, die weiterhin russisches Öl kaufen?
Moskau kommentiert ebenfalls nichts. Marija Sacharowa betont, Russland habe nie irgendein Dokument gesehen und sei damit nicht vertraut gemacht worden. Dasselbe sagt der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow. Und das ist ein völlig erstaunlicher Umgang mit der Sache.
Gleichzeitig tritt auch die US-Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt mit einer ziemlich seltsamen Botschaft in den sozialen Netzwerken auf: „Wir wollen unseren Verbündeten helfen. Wir wollen unsere Feinde verändern.“ Doch dabei stellt sich eine recht einfache Frage: Wie kann man davon sprechen, die Feinde verändern zu wollen, während man nichts über einen Friedensplan weiß, der eben diese Feinde verändern und diesen Verbündeten helfen soll, indem er ihnen Territorium ihrer Verbündeten an die Feinde abtritt? Nun ja, das ist ein ziemlich wichtiger Punkt.
Journalisten in den Vereinigten Staaten versuchen zu verstehen, ob Donald Trump überhaupt über die Details dieser Vereinbarung informiert war und inwieweit er die konkreten Inhalte dessen verstand, was man ihm vorschlägt. Und hier lohnt es sich, daran zu erinnern, wie katastrophal die Vorbereitung des Weißen Hauses auf das Treffen in Anchorage war. Witkoff, der nach seinem Besuch in der russischen Hauptstadt und Gesprächen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin und anderen russischen Beamten völlig unfähig war, die tatsächliche Stimmung Putins zu begreifen, vermittelte Trump den Eindruck, dass der russische Präsident, falls er sich mit ihm in Alaska treffen würde, auf die Vorschläge eingehen werde, die Trump unterbreitet hatte und die gerade mit der Notwendigkeit eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front verbunden waren.
Und ich muss Ihnen sagen, Freunde, dass dieser Ansatz völlig logisch ist. Wenn man das Feuer einstellt, kann man später Friedensverhandlungen führen. Ich denke, das ganze Geheimnis dieser Geschichte ist gerade mit den Friedensverhandlungen verbunden. Ich sage es Ihnen ehrlich: Immer wenn es um den Wunsch geht, Frieden zu erreichen, ist es in einer solchen Situation stets das Land, das Frieden will, das einem Waffenstillstand zustimmt. Es gibt ausgezeichnete Erfahrungen mit Konflikten der jüngeren Vergangenheit, die als völlig klare Wegweiser für all jene dienen, die die Weltkriegsgeschichte ernsthaft betrachten.
Zuerst werden die Möglichkeiten zur Tötung von Menschen beseitigt, wie Donald Trump völlig richtig sagte, und erst danach folgen Friedensverhandlungen. Und solche Beispiele gibt es im 20. Jahrhundert zuhauf. Der Waffenstillstand auf der koreanischen Halbinsel, nach dem es nie einen Friedensvertrag gab. Der Waffenstillstand im Nahen Osten, nach dem Israel jahrzehntelang keine Friedensverträge mit Ländern wie Ägypten und Jordanien hatte – Jahrzehnte vergingen, und diese Jahrzehnte endeten mit dem Abschluss von Friedensverträgen. Mit einem Land wie Syrien wiederum, mit dem es ebenfalls einen Waffenstillstand gibt, hat Israel bis heute keinen Friedensvertrag. Erst jetzt, Jahrzehnte nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens, versuchen Jerusalem und Damaskus irgendeine Möglichkeit einer Vereinbarung zur Stabilisierung der Lage zu finden. Doch wie wir sehen, geschieht das im Prinzip überhaupt nicht.
Daher können wir in dieser Situation klar sagen, dass Putin keinerlei echtes Verständnis dafür hat, den Krieg beenden zu wollen. Er versteht vielmehr, dass er Verhandlungen vor dem Hintergrund laufender Kampfhandlungen führen will, die aus Sicht des russischen Diktators die Ukraine zerstören und letztlich zur Eingliederung ihres ehemaligen Territoriums in die Russische Föderation führen sollen.
Die Journalisten haben keinerlei wirkliche Antworten auf die Frage erhalten, inwieweit man im Weißen Haus überhaupt über die Details des Plans Bescheid weiß. Die Pressestelle des Weißen Hauses erhielt ganz konkrete Fragen: Ob der Präsident die Details des Plans kennt, der eher einer Kapitulation vor Russland gleicht als früheren Vorschlägen; ob das Weiße Haus nicht beunruhigt sei, dass die Russen einfach versuchen, ein Medienszenario aufzuzwingen; und warum Marco Rubio sich von dem Plan distanziert, wenn er dessen Architekt war?
So lautete die Antwort: „Sondergesandter Witkoff arbeitet seit einem Monat still an diesem Plan und holt Vorschläge der Ukrainer und Russen zu akzeptablen Bedingungen ein. Beide Seiten werden Zugeständnisse machen müssen, nicht nur die Ukraine. Der Präsident wurde informiert und unterstützt den Plan.“
Danach beginnt der Versuch, zu ermitteln, was tatsächlich mit den Veröffentlichungen zu diesem Plan geschehen ist. Nur zwei Medien werden derzeit als jene betrachtet, die die Entstehung dieses Plans wirklich recherchiert haben könnten: die New York Post und die ukrainische Zeitung Kyiv Post versuchen von ihren amerikanischen Quellen in Erfahrung zu bringen, wo genau dieser Kernpunkt aus Sicht der Entstehung des Trump-Plans begraben liegt.
Und amerikanische Quellen bestätigen den Journalisten dieser Medien, dass Dmitrijew diese Geschichte tatsächlich bei Axios platziert hat, um das gewünschte Narrativ zu formen, bevor die Amerikaner mit diplomatischem Manövrieren beginnen. Dabei betont der Kyiv-Post-Journalist Alex Raoufulu, unser Kollege, der über diese Geschichte schrieb, dass seine Quellen Personen seien, die direkt Steve Witkoff nahestehen.
Politico schreibt: „Eine Reihe von Personen im Weißen Haus und im Außenministerium, die für gewöhnlich über solche Pläne informiert sein sollten, war dieses Mal überhaupt nicht in deren Besprechung einbezogen. Absolut keine interministerielle Koordination.“ Das Wall Street Journal: „Die Vereinigten Staaten haben keinen konkreten Fahrplan beschlossen und konsultieren weiterhin die Konfliktparteien.“ Auf erstaunliche Weise wird der Heeresminister der Vereinigten Staaten, Driscoll, zum Hauptvermittler, der den Plan den Ukrainern unterbreiten soll. Ursprünglich bestand Driscolls Auftrag darin, gemeinsam mit amerikanischen Generälen in die ukrainische Hauptstadt zu reisen, um Fragen der Waffenbeschaffung und der Drohnen zu erörtern.
Das ist ein Bereich, in dem unser Land heute ein echter Weltmarktführer ist. Und die Vereinigten Staaten mussten offenkundig von der Ukraine den Einsatz von Drohnen lernen. Darin bestand die Mission der amerikanischen Militärs: zu verstehen, wie Amerika von der Ukraine lernen kann. So unglaublich das für jene klingen mag, die glauben, Amerika sei der ganzen Welt voraus. Nein, dieser Krieg hat vieles verändert.
Doch plötzlich wird Driscoll eine zusätzliche Mission angeboten. Er soll Zelensky den russisch-amerikanischen Plan präsentieren. Er soll sich in Kyiv mit europäischen Diplomaten treffen und sie von der Plausibilität dieses Plans überzeugen. Driscoll hat keine wirkliche politische Erfahrung – weder in der Diplomatie, noch im russisch-ukrainischen Konflikt, noch in den russisch-amerikanischen Beziehungen. Dieser Mensch hat keinen blassen Schimmer von dem, worüber er redet. Und dennoch wird er zur Schlüsselfigur, weil der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, versucht, Witkoff die Initiative in der politischen Dimension zu entreißen.
Warum? Für den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten ist es wichtig, das Ende der politischen Karriere Donald Trumps abzuwarten und zum Erben des amtierenden amerikanischen Präsidenten zu werden. Wozu? Damit Donald Trump ihn seinen Nachfolger nennt. Solange Trumps politischer Ruf nicht endgültig durch laute Skandale ruiniert ist – unter denen die Epstein-Akten nur die ersten sein könnten –, muss J. D. Vance nicht nur im Schatten seines Chefs bleiben, sondern auch als jener Mann gelten, auf den Trump im politischen Wettlauf setzt.
Was braucht J. D. Vance heute? J. D. Vance muss die öffentliche Aufmerksamkeit vom lauten Skandal um die Epstein-Akten ablenken, denn viele in den Vereinigten Staaten glauben, dieser Skandal könne Trump beflecken und zu Fall bringen. Und laute außenpolitische Erfolge der Administration – vor allem die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges – könnten aus Trumps Sicht ihm helfen, wieder „trockenen Fußes aus dem schmutzigen Wasser“ zu kommen.
Außerdem versteht J. D. Vance sehr gut, wie eitel Trump in den letzten Jahren geworden ist und wie sehr er sich den Friedensnobelpreis wünscht. Und in dieser Situation möchte der Vizepräsident der Vereinigten Staaten unbedingt einen realen Erfolg erzielen. Darum wird sein engster Vertrauter, dem der Einzug in den Kongress misslang, der dank der Protektion von J. D. Vance den Posten des Heeresministers erhielt und Schritt für Schritt den Verteidigungsminister Pete Hegseth zur Seite drängt, der völlige Inkompetenz und Unfähigkeit zur Führung des Pentagon zeigt, zu dem Mann, der alle von der Richtigkeit dieses 28-Punkte-Papieres überzeugen soll.
Und nun tritt, so würde ich sagen, ein besonderer Moment ein. Die 28 Planpunkte tauchen in den ukrainischen Medien auf – eingebracht vom ukrainischen Parlamentsabgeordneten Oleksij Hontscharenko, der bekanntlich ständig versucht, die öffentliche Meinung von der Logik und Richtigkeit der Handlungen der amerikanischen Administration unter Donald Trump zu überzeugen. Oleksij Hontscharenko ist so etwas wie ein J. D. Vance, nur in Kyiv und nicht in Washington. Und genau wie J. D. Vance versucht er einerseits, seine Nähe zu amerikanischen Quellen zu demonstrieren, und andererseits dies so zu tun, dass es der aktuellen US-Präsidialadministration gefällt.
Ich weiß nicht, ob sich die Menschen, die Oleksij Hontscharenko dieses Dokument zukommen lassen – vielleicht um die Bemühungen der Vereinigten Staaten zu rechtfertigen –, bewusst sind, was sie da tun. Denn sie machen damit alles nur noch schlimmer, da wir ein völlig idiotisches Dokument sehen, das nur jemand als Grundlage für ein Abkommen bezeichnen kann, der aus der Psychiatrie geflohen ist.
Und ich werde diese 28 Punkte jetzt nicht noch einmal kommentieren – wir haben hier im Programm schon mehrfach darüber gesprochen – und wir haben festgehalten, dass dieser Plan in der vorliegenden Form in keiner Weise wie ein Plan wirkt, sondern ausschließlich wie eine Kalkulation Russlands mit Blick auf zwei Dinge.
Das erste ist der Versuch, mithilfe dieses Plans den US-Präsidenten Donald Trump davon zu überzeugen, an Putins Friedfertigkeit zu glauben und auf zerstörerische Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil zu verzichten. Das war die Hauptaufgabe Kirill Dmitrijews. Und gerade mit Hilfe dieses Plans – offensichtlich mit einem Dokument, das ihm Steve Witkoff präsentierte, möglicherweise sogar auf Russisch oder in schlechtem Englisch mit Russismen, worauf u. a. der Guardian und andere Medien hinwiesen, die den Text aus linguistischer Sicht analysiert haben – hoffte er, dass Witkoff auf diese Geschichte hereinfallen und so einen Schlussstrich unter die weitere Entwicklung der Sanktionsereignisse ziehen würde.
Doch hier hat Trump Putin ausgetrickst. Den Plan nahm er an, aber die Sanktionen führte er auch ein. Und nun befindet sich Putin in einer sehr schwierigen Lage, weil er genau versteht, dass selbst wenn irgendwelche Friedensverhandlungen stattfinden, die Russland selbstverständlich nur imitieren wird – denn vier Jahre lang hatte Putin noch nicht einmal den Gedanken, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden –, dies trotzdem Verhandlungen unter den Bedingungen harter amerikanischer Sanktionen sein werden.
Eine weitere Idee Putins ist es, die ukrainische Führung zu kompromittieren. Er will mit Hilfe Trumps Zelensky zwingen, Bedingungen zu unterschreiben, die in der ukrainischen Gesellschaft eine ernste Spannung erzeugen und eine Trennlinie ziehen zwischen jenen Ukrainern, die glauben, man könne jeden Plan unterschreiben, selbst eine Kapitulation, nur damit der Krieg endet – und denen die es egal ist, was für ein Staat das ist, solange er ihre Sicherheit nicht gewährleistet: „Sollen halt die Russen hier sein, Hauptsache, es wird nicht geschossen.“ – und jenen Ukrainern, die dennoch wollen, dass dies hier die Ukraine bleibt. Das ist diese ewige Wasserscheide, die derzeit durch das Eis des großen Krieges ein wenig überdeckt ist.
Auch jetzt wollen die Russen wieder zeigen, dass sie einen ernsthaften inneren Konflikt in der ukrainischen Gesellschaft schüren können, der, wenn er auf die ukrainischen Streitkräfte übergreift, den Russen die Besetzung neuer ukrainischer Gebiete und die Zerstörung des verhassten Nachbarstaates erleichtern soll.
Und natürlich ist auch ein weiterer wichtiger Moment, dass Präsident Zelensky das Vertrauen der Gesellschaft verliert, falls er kapitulantenhafte Bedingungen akzeptiert, zum Beispiel die Übergabe ukrainischen Territoriums an russische Besatzer. Und das ist für sie viel wichtiger als irgendwelche Friedensabkommen. Das ist eine völlig offensichtliche Sache.
Und jetzt befinden wir uns mit Ihnen in einer recht merkwürdigen Situation. Trump möchte, dass all dieser Unsinn noch vor Thanksgiving unterzeichnet wird. Das heißt, das Nordatlantische Bündnis hat fünf Tage Zeit, um endgültig über die Sicherheitsarchitektur auf dem europäischen Kontinent zu entscheiden und sich damit einverstanden zu erklären, zum ersten Mal in seiner Geschichte Satzungsänderungen vorzunehmen, die es einigen Ländern erlauben, der NATO beizutreten, anderen aber nicht – was übrigens genau die Forderung des russischen Außenministeriums an die Vereinigten Staaten im Dezember 2021 / Januar 2022 war, als man ein Dokument vorlegte, das ideologisch die Voraussetzungen für den russisch-ukrainischen Krieg schaffen sollte.
Europa muss innerhalb einer Woche entscheiden, wie es russische Vermögenswerte konfiszieren wird. Immerhin sollen 100 Milliarden Dollar aus russischen Vermögenswerten für den Wiederaufbau der Ukraine verwendet werden. Und die Vereinigten Staaten sollen daraus Gewinn ziehen. Und zusätzlich muss Europa in denselben fünf Tagen noch einmal 100 Milliarden Dollar an Investitionen für den Wiederaufbau der Ukraine finden. Und all das zu einem Zeitpunkt, da die Russen betonen, sie hätten diesen Plan gerade erst erhalten und seien noch nicht einmal mit seiner Prüfung begonnen.
Vor diesem Hintergrund tritt Trump vor die Menschen und sagt: „Ich hatte schon viele Deadlines, aber wenn die Dinge gut laufen, kann man Deadlines verlängern. Aber Donnerstag ist so ein Termin, den wir für angemessen halten.“ Da haben Sie die ganze Geschichte. Heute hören wir von Trump, dass dies noch nicht einmal das letzte Angebot sei.
Was ist also in Wirklichkeit mit all diesem Wahnsinn geschehen? Ich kann es Ihnen sagen: Trump war der Meinung, wenn kurz vor der Verhängung seiner Sanktionen gegen Russland irgendein Plan auftaucht, werde Putin schwach werden und einem Waffenstillstand zustimmen. Und in diesem Moment muss er bereits die Zustimmung Zelenskys zu für Putin komfortablen Bedingungen in der Tasche haben, um dem russischen Präsidenten sozusagen die Pille zu versüßen.
Putin wiederum glaubte, dass dieser von Dmitrijew dem gutgläubigen und inkompetenten Witkoff präsentierte Friedensplan – Witkoff lebt in seiner eigenen Welt, die mit der Realität nichts zu tun hat; eigentlich lebt auch Donald Trump in einer solchen Welt – ihm erlauben werde, auf Sanktionen zu verzichten. Und Trump könne dann, wie er es schon mehrfach getan hat, unter dem Vorwand, Putin nicht zu verärgern, da dieser sonst an Friedensverhandlungen kein Interesse hätte, die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil auf unbestimmte oder auch bestimmte Zeit verschieben.
Am Ende haben sich die beiden großen Kombinatoren gegenseitig ausgespielt. Trump verhängte Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil und betonte, er bereite härtere Sanktionen gegen Russland vor. Putins Kalkül endete ohne ernsthaften Erfolg. Putin konnte Trump zwar den Friedensplan „verkaufen“, erreichte aber keine Aufhebung der Sanktionen.
Und jetzt wissen beide tatsächlich nicht, was sie tun sollen. Denn für Trump gibt es keinen ernsthaften Grund, Russland irgendwelche weitgehenden Zugeständnisse zu machen, solange Putin einem Waffenstillstand nicht zustimmt. Und Putin versteht nicht recht, wie er die Sanktionen aufheben oder zumindest verschieben lassen soll, ohne Entscheidungen zu akzeptieren, die ihm offensichtlich nicht gefallen. Denn Putin braucht nicht die Oblast Donezk. Er braucht die ganze Ukraine.
Und vor diesem Hintergrund reist die ukrainische Delegation nach Genf, um morgen Verhandlungen mit amerikanischen Beamten zu beginnen. Der Hauptsinn all dieser Gespräche besteht nicht darin, den Krieg zu beenden, meine lieben Freunde, sondern den Ruf Donald Trumps zu retten und sich nicht mit ihm zu zerstreiten. Das ist die gemeinsame Aufgabe für Marco Rubio, Steve Witkoff, J. D. Vance, den er dort vertreten wird, Driscoll und die ukrainische Delegation unter Führung von Andrij Jermak – also für Volodymyr Zelensky. Andere Aufgaben, die mit der Beendigung des Krieges zusammenhingen, gibt es heute für die Genfer Verhandlungen nicht.
Nur wenn die Russen sich tatsächlich vor dem für sie drohenden Sanktionsregime erschrecken und in dieser Situation einem weiteren Verhandlungsprozess zustimmen, der mit einem Waffenstillstand verbunden ist – aber es müsste ein schneller Verhandlungsprozess sein und nicht ein monatelanger, von dem wir hier sprechen –, nur dann könnte sich etwas ändern. Das ist eine sehr ernste Sache, über die man bereits jetzt reden muss, wenn man fragt, wie die Lage im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg aussieht.
Das wird morgen das Hauptthema der Verhandlungen in Genf sein, zu denen wir natürlich nach ihren ersten Ergebnissen zurückkehren werden. Nun, ich habe versucht, Ihnen die Anatomie dieses Plans zu erläutern, der im Übrigen zeigt, wie sehr die Russen in der Lage sind, die Kontrolle über den amerikanischen Informationsraum zu gewinnen, indem sie schlicht die Inkompetenz und Kurzsichtigkeit von Vertretern der derzeitigen amerikanischen Administration ausnutzen. Schrecklich.
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Fragen, die während dieser Sendung eingegangen sind:
Frage. Wie meinen Sie, reagieren die Ukrainer nicht zu emotional auf einige Punkte des Plans? Wir werden ohnehin keine Millionenarmee nach dem Einfrieren behalten können, ebenso wenig wird man uns in die NATO aufnehmen, wo man uns nicht haben will.
Portnikov. Die Frage ist nicht die Emotionalität der Ukrainer. Die Frage ist jene, die der US-Vizepräsident J. D. Vance heute gestellt hat: „Wie kann man diesen Krieg beenden, wenn die Gefahr besteht, dass er erneut ausbricht?“ Die einzige wirkliche Garantie dafür, dass der Krieg sich nicht wiederholt, ist eine solche ukrainische Armee, die in der Lage ist, den Feind aufzuhalten.
Wenn die Ukrainer plötzlich beschließen, dass sie keine große Armee brauchen, dass sie das Geld aus dem ukrainischen Haushalt lieber für irgendwelche neuen sozialen Wünsche ausgeben müssten und dass es besser sei, Straßen zu bauen als eine starke Armee zu haben, dann wird der Krieg auf ukrainischen Boden zurückkehren, und Raketen werden neue ukrainische Städte viel schneller in Ruinen verwandeln, als das heute geschieht. Denn die Russen werden sich sorgfältig auf die Verwandlung der Ukraine in eine Wüste vorbereiten.
Darum werden die Ukrainer ein für alle Mal mit dem Mythos vom Sozialstaat Schluss machen müssen und verstehen, dass auch uns, und auch Europäern – wenn sie sich von der Abhängigkeit von China lösen wollen – eine Epoche ehrlicher Armut und eines gewaltigen Grabens zwischen Arm und Reich bevorsteht. Wir kehren ins 19. Jahrhundert zurück. Die Mittelschicht sagt allen „Goodbye“.
Das sind die wirtschaftlichen Realitäten der kommenden Jahrzehnte. Und ja, die Ukrainer werden nicht für Straßen und Restaurants arbeiten, sondern für die Armee, die Armee, die Armee und noch einmal die Armee. Wer Frieden will, muss sich auf den Krieg vorbereiten. Wir leben mit Ihnen in einer Festung, und unsere Kinder und Enkel werden in dieser Festung leben. Und wenn Sie wollen, dass sie nicht auf dem Schlachtfeld sterben, dann geben Sie dafür Geld aus.
Die meisten europäischen Länder erwartet dasselbe wenig erfreuliche Schicksal. Nur eine Militarisierung wird uns vor dem Verschwinden retten. Und das hängt nicht nur mit Russland zusammen. Ich habe es Ihnen schon mehrmals gesagt: Der Konflikt zwischen Marktdemokratien und Marktdiktaturen wird nur durch einen großen Krieg entschieden werden und durch den Tod von Millionen Menschen. Millionen.
Die Zahlen, die Sie jetzt sehen, sind noch nichts – das sind noch keine Friedhöfe. Sie werden die Größe dieser Friedhöfe noch sehen, sofern Sie nicht selbst dort landen. Und wenn Sie nicht auf einem solchen Friedhof enden wollen, müssen Sie eine starke Armee haben, damit der Feind nicht glaubt, er könne Sie mit bloßen Händen nehmen. Putin ist hier eingefallen, weil er dachte, er könne uns mit bloßen Händen nehmen – nicht aus militärischen, sondern aus politischen Gründen. Und das muss man für die kommenden schweren Jahre im Kopf behalten.
Was die NATO betrifft, bin ich überhaupt nicht so sicher, dass man uns dort nicht aufnehmen wird. Die Epoche Trump wird mit einem Schlag enden. Rechts-Populisten in Amerika könnten nie wieder an die Macht zurückkehren. Das Amerika, das das Amerika Trumps war, kann einfach bankrottgehen und untergehen, weil es sich als völlig unfähig erweisen wird, die Standards zu gewährleisten, auf die Trumps Wähler gehofft haben.
Und wenn wir verfassungsrechtlich festschreiben, dass wir nirgendwo beitreten können und es irgendwelche Artikel im NATO-Statut geben wird, dann werden diese viel schwerer abzuschaffen sein, als Sie denken. Wir müssen über die Zeiten nachdenken, in denen es Trump nicht mehr geben wird.
Und dann stellt sich die Frage: Wenn man uns nicht in die NATO aufnimmt – welche Sicherheitsgarantien wird es geben? Welche Garantien, dass der Krieg nicht in einem halben Jahr wieder beginnt, nachdem er geendet hat? So wie wir es jetzt im Nahen Osten sehen könnten.
Frage. Wenn Präsident Zelensky sich weigert, Territorium abzugeben – was erwartet uns dann? Welche Schritte kann unsere Regierung unternehmen?
Portnikov. Zunächst wissen wir nicht, inwieweit die Amerikaner auf dieser Abgabe von Territorium bestehen werden. Ich rate immer noch, die morgigen Verhandlungen abzuwarten. Und danach erwartet uns das, was uns auch vorher erwartet hat: Krieg. Durch die bloße Existenz eines inhaltsleeren Plans ändern sich die Aussichten auf ein Ende des Krieges nicht.
Den Krieg, wie ich schon mehrmals gesagt habe, kann nur eine Person beenden – der Präsident der Russischen Föderation, Putin. Man muss eine einfache Sache verstehen: Es geht in diesem Krieg nicht um Territorien, sondern um den ukrainischen Staat. Den Russen ist dieser Teil der Oblast Donezk herzlich egal. Solange die russische Armee nicht in Uschhorod steht, werden sie sich nicht beruhigen. Solange die Ukrainer ihnen ihr Land nicht überlassen, werden sie sich nicht beruhigen.
Wenn Sie wollen, dass sie sich beruhigen, müssen Sie den Zusammenbruch ihrer Wirtschaft abwarten. Das ist der einzige Weg, damit die Ukraine überlebt. Einen anderen Weg gab es nie, gibt es nicht und wird es absehbar nicht geben. Alle Hoffnungen darauf, dass Sie ihnen Kramatorsk und Slowjansk überlassen, als würden Sie mit fremden Schicksalen und fremdem Leben handeln und dabei in Winnyzja oder Ternopil ruhig weiterleben – das ist eine Lüge. So etwas gibt es nicht.
Wenn Putin nur die Region Donezk gebraucht hätte, hätte er im Februar 2022 keine Truppen nach Kyiv und Tschernihiw geschickt. Seien Sie endlich realistisch. Es geht darum, ob Sie überleben oder nicht – und nicht darum, was mit Kramatorsk geschieht.
Frage. Gibt es in dieser Realität überhaupt verlässliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine? Vielleicht keine ausländischen Truppen, sondern eine übergroße Menge moderner Waffen?
Portnikov. Im von Trump vorgeschlagenen Plan steht ja überhaupt, dass die Ukraine keine weitreichenden Raketen und überhaupt keine Bewaffnung besitzen darf. Ich denke, eine reale Sicherheitsgarantie wäre ein Abkommen, das der Ukraine Garantien nach dem Muster von Artikel 5 der NATO gibt. Das heißt, dass die Vereinigten Staaten und europäische Länder im Falle eines erneuten russischen Angriffs auf die Ukraine direkt an diesem Krieg teilnehmen. Und Russland müsste dann überlegen, ob es sich auf einen Atomkrieg einlässt, in dem strategische Atomwaffen eingesetzt werden könnten, die der Existenz Russlands als Zivilisation ein Ende setzen würden. Zumindest würden Moskau und St. Petersburg zerstört und in Ruinen verwandelt. Wenn die Russen das wüssten, könnten sie sich zurückhalten.
Aber ich bin erstens nicht sicher, dass man uns solche Garantien geben wird. Zweitens bin ich nicht sicher, dass Russland an deren Ernsthaftigkeit glauben würde. Drittens bin ich nicht sicher, dass Russland bereit wäre, ein Abkommen zu unterzeichnen, in dem solche Garantien enthalten sind.
Noch einmal: Wenn wir von einem Friedensvertrag sprechen, steht dort die Unterschrift des Präsidenten der Russischen Föderation. Warum um alles in der Welt sollte er so etwas unterschreiben? Ihn beunruhigt nicht die NATO als solche – zurück zu dieser Geschichte –, ihn beunruhigt die Möglichkeit, die Ukraine zu erobern. Ein NATO-Beitritt der Ukraine minimiert diese Möglichkeit.
Wenn man ihm sagt: „Gut, die Ukraine tritt nicht in die NATO ein, geschenkt. Aber wir werden so tun, als wäre sie in der NATO, und sie mit amerikanischen Waffen schützen“ – das ist eine Katastrophe.
Frage. Können unsere europäischen Partner uns mit Waffen und Finanzen versorgen, wenn wir uns weigern, den Trump-Plan zu unterschreiben?
Portnikov. Die Amerikaner stellen uns keine Waffen im engeren Sinne zur Verfügung. Sie verkaufen sie an die Europäer. Ich glaube nicht, dass Trump einen Grund hätte, auf Gewinne zu verzichten und damit der amerikanischen Rüstungsindustrie Probleme zu bereiten, falls sein Plan nicht greift. Den größten Teil des Geldes bekommen wir von den Europäern. Der Biden-Plan funktioniert nicht mehr. Dieses Paket, das wir von Biden erhalten haben, ist ausgelaufen. Die militärische Hilfe für die Ukraine hat sich ohnehin verringert.
Die Amerikaner teilen tatsächlich geheimdienstliche Informationen mit uns – das stimmt. Das ist der einzige Punkt, der verwundbar sein könnte. Natürlich brauchen wir Wartung für die Patriot-Systeme, wir brauchen, dass die Amerikaner der Lieferung von Storm Shadow zustimmen und so weiter. Das alles ist Fakt. Aber ich sehe keinen Grund, warum die Amerikaner uns für etwas „bestrafen“ sollten, denn – ich wiederhole – diese Verhandlungen müssen logisch enden, nicht im Streit. Und das Niveau der US-Hilfe für die Ukraine lässt ohnehin zu wünschen übrig.
Frage. Sie kennen unsere Feinde recht gut. In welchem Fall, glauben Sie, könnte Russland zu einer massenhaften totalen Mobilisierung der Bevölkerung greifen? Denn diesen Trumpf haben unsere Feinde bisher nicht ausgespielt.
Portnikov. Wenn der Präsident Russlands eine gesellschaftliche Möglichkeit für eine totale Massenmobilisierung gesehen hätte, hätte er das längst getan. Offensichtlich gibt es Gründe dafür, dass er es nicht tut. Zumindest, wenn Sie sich erinnern: Als er versuchte, diese Massenmobilisierung anzugehen, verließen eine Million Menschen Russland. Offensichtlich könnte jeder weitere Versuch ein ähnliches Ergebnis haben. Und Putin hat offenbar begriffen, dass die Russen diesen Krieg nur unterstützen, solange sie auf dem Sofa sitzen und jene, die in den Krieg ziehen, dafür Geld bekommen. Das ist für ihn das ideale Modell – ein Modell zur Fortsetzung des Krieges, nicht zu dessen Beendigung, denn es ist völlig unklar, was er mit dieser verelendeten Bevölkerung anfangen soll, wenn sie von der Front zurückkehrt.
Ich sehe heute also keine Möglichkeit einer Massenmobilisierung. Andererseits gibt es noch ein Problem: ob überhaupt genug „Eisen“ vorhanden ist, damit eine Massenmobilisierung stattfinden kann. Sie verstehen ja: Um eine Massenmobilisierung durchzuführen, muss man diese Menschen bewaffnen. Es geht nicht um die Anzahl der Menschen. Russland hat derzeit genug Soldaten. Es geht um deren Qualität und um die Qualität der Bewaffnung.
Frage. Orbán verspricht nun, jede Hilfe für die Ukraine zu blockieren. Wird Europa diese Blockaden ignorieren können?
Portnikov. Orbán führt seinen eigenen Wahlkampf. Er wird es ohnehin nicht schaffen, alle Hilfe für die Ukraine zu blockieren. Außerdem will er die Hilfe für die Ukraine unter dem Deckmantel des Trump-Plans blockieren. Wenn sich in ein paar Tagen herausstellt, dass dieser Plan nicht funktioniert oder von der Russischen Föderation nicht akzeptiert wird, wird Orbán den Vorwand verlieren, dies zu tun, und die Vereinigten Staaten selbst werden nicht besonders erfreut über seine Bereitschaft sein, jede Hilfe für die Ukraine zu blockieren. Daher würde ich all diese Aussagen als deklarativ betrachten – nicht mit der Realität verbunden, sondern mit dem Wunsch, Trump zu gefallen.
Frage. Wenn J. D. Vance sagt, das Hauptziel des amerikanischen Plans sei es, die Souveränität der Ukraine zu bewahren, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden und sicherzustellen, dass dieser Krieg sich nicht wiederholt – sagen Sie mir bitte, wo sehen Sie all das in den Punkten dieses Plans?
Portnikov. Ich sehe das, ehrlich gesagt, nicht.
Frage. Was wird geschehen, wenn der Name Zelensky auf den Tonaufnahmen auftaucht oder wenn zum Beispiel Tschernyschow sagt, er sei in Korruption verwickelt?
Portnikov. Es wird einen großen Korruptionsskandal geben, aber ich glaube nicht, dass der Name Zelensky auf diesen Aufnahmen vorkommen wird. Ehrlich gesagt habe ich nicht den Eindruck, dass das Staatsoberhaupt sich an irgendwelchen seltsamen Gesprächen beteiligt, bei denen es darum geht, wohin man etwas legen oder wohin man etwas bringen soll. Das ist eine rein instrumentelle Ebene. Ich werde nicht behaupten, Zelensky sei ein Heiliger, der an nichts beteiligt ist. In der Regel taucht der Name des Präsidenten aus verschiedenen Gründen einfach nicht auf solchen Mitschnitten auf.
Frage. Stellen wir uns vor, die Ukraine und Russland stimmen den 28 Punkten zu. Stellen wir uns vor, der Krieg wird für einen ganzen Monat ausgesetzt. Gibt es eine Chance, dass die russischen Truppen auf den Kreml marschieren, weil sie ihre Aggression nirgendwohin loswerden können?
Portnikov. Nein, es gibt keine solche Chance. Das ist nur eine weitere Erfindung. Warum sollten die russischen Truppen auf den Kreml marschieren? Vielleicht lassen sie sich noch irgendwohin schicken – in irgendein europäisches Land? Und im Ernst: Die Auflösung der russischen Armee, die an der ukrainischen Front gekämpft hat, könnte ein ernstes Problem sein, aber ich glaube nicht, dass sie zu einem massenhaften Aufstand führen wird. Ich habe da keine Gewissheit – zumindest sind die Voraussetzungen dafür heute nicht ausgereift. Aber was Putin mit dieser Armee machen wird, ist eine sehr gute Frage. Sie verdient eine eigene Analyse und eigene Überlegungen.
Frage. Wie glauben Sie, wird Putin diesen Trump-Vertrag sicher unterschreiben oder blufft er nur, um Zelensky zum Ablehnen zu bringen und dann Zelensky beschuldigen zu können, dass er keinen Frieden will?
Portnikov. Ich glaube nicht, dass Putin überhaupt vorhat, irgendetwas zu unterschreiben. Ich denke, dass dies für Putin gerade ein Spiel ohne Risiko ist. Zelensky kann diese Vereinbarung nicht unterschreiben – dann wird er Zelensky vorwerfen, keinen Frieden zu wollen. Und falls Zelensky die Vereinbarung mit erniedrigenden Punkten unterschreiben wird – dann wird Putin sich weigern, diese Vereinbarung zu erfüllen.
Was ist das Ergebnis? Russland wollte einerseits den Krieg nicht beenden, und andererseits hat Zelensky ein Abkommen unterschrieben, das viele Ukrainer als Verrat an nationalen Interessen betrachten könnten. Das destabilisiert die Lage und schwächt das Vertrauen in die Regierung. Putin gewinnt in jedem Fall. Warum sollte Putin dann etwas unterschreiben? Noch einmal: Nur wenn Putin entscheidet, dass er schlicht kein Geld mehr für den Krieg hat und sich mit zumindest irgendetwas begnügen muss. Bislang sehe ich das nicht.
Frage. Kann man von diesen Verhandlungen überhaupt etwas Nützliches und Gewichtiges für uns erwarten, wenn die Verhandler Jermak und Umerow uns reparieren?
Portnikov. Jermak und Umerow verhandeln nicht zum ersten Mal mit den Amerikanern. Sie haben zumindest Erfahrung im Umgang mit diesen Leuten. Wie stellen Sie sich die Verhandler vor? In dieser Delegation gibt es viele Profis. Nehmen wir den ersten stellvertretenden Außenminister Kyslyzja – und Umerow ist ein durchaus erfahrener Verhandler. Wenn Ihnen jemand nicht gefällt oder Sie ihn als Menschen mit „falscher“ politischer Position betrachten, heißt das noch lange nicht, dass diese Person keine Verhandlungen mit Witkoff und Rubio führen kann. Entschuldigung, aber Witkoff ist auch nicht gerade Cicero.
Frage. Kann Europa Trump ein Ultimatum bezüglich der Unzulässigkeit territorialer Zugeständnisse stellen?
Portnikov. Bislang habe ich keinerlei Belege dafür, dass die Europäer planen, Trump ein Ultimatum zu stellen. Was für ein Ultimatum soll man einem Mann stellen, der an der Spitze des Landes steht, von dem die europäische Sicherheit abhängt? Was denken Sie sich da aus? Was für ein Ultimatum will man einem Mann stellen, der an der Spitze eines Landes steht, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs den nuklearen Schutzschirm für den europäischen Kontinent stellt, während Europa unmittelbar neben der größten Atommacht der Welt liegt – dem aggressiven Russland?
Aber natürlich werden sie versuchen, Trump zu überzeugen. Und morgen werden wir das sehen. Und wir haben bereits Stellungnahmen europäischer Führer gesehen, die versuchen, Trump schon jetzt zu überzeugen. Ich denke, einige von ihnen sprechen nicht öffentlich, sondern führen möglicherweise private Gespräche mit Trump – so etwa der französische Präsident Emmanuel Macron. Was sie erreichen können, werden wir in den nächsten Tagen verstehen. Und morgen werden wir natürlich darüber sprechen, was bei den Genfer Verhandlungen geschieht.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Починаються перемовини у Женеві |
Віталій Портников. 22.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.