Trump kopiert sich selbst. Kolumne von Vitaly Portnikov. 21.11.2025.


Donald Trump und Volodymyr Zelensky. Foto: Brian Snyder / Reuters

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Die Geschichte des unerwartet aufgetauchten Friedensplans des Weißen Hauses zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erinnert verdächtig an ein Remake eines anderen Friedensplans – der Regelung im Nahen Osten. Man sollte meinen, dass Donald Trump und seine Mitarbeiter in den Wochen seit der Umsetzung dieses Plans all die Unzulänglichkeiten eines solchen Ansatzes hätten erkennen können.

Ja, die aktiven Kampfhandlungen im Nahen Osten wurden bislang gestoppt, und die israelischen Geiseln, die in der Gefangenschaft der Hamas und anderer radikaler palästinensischer Gruppierungen waren, wurden freigelassen. Aber von einem Übergang zur zweiten Phase dieses Friedensplans kann keine Rede sein.

Die Hamas hat sich nicht nur nicht entwaffnet, sondern stellt ihren Einfluss im gesamten Gazastreifen wieder her – mit dem einzigen Unterschied, dass die Terrororganisation dort, wo keine israelischen Truppen sind, völlig legal und selbstbewusst agiert, und dort, wo israelische Truppen präsent sind, illegal.

Keine Friedenskräfte aus arabischen Staaten eilen nach Gaza, weil sie in den Augen der Bewohner des Streifens nicht wie Besatzungstruppen erscheinen wollen. Auch eine Normalisierung der Beziehungen mit neuen Teilnehmern der „Abraham-Abkommen“ findet für Israel nicht statt. Mehr noch, Saudi-Arabien besteht auf Garantien für die Schaffung eines palästinensischen Staates innerhalb der nächsten vier Jahre, während Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sagt, dass Israel eine solche Staatsgründung nicht zulassen werde.

Man sollte meinen, dass Trump angesichts all dieser Umstände vorsichtiger handeln müsste – doch nein! Sein Ansatz ist ungefähr derselbe (mit einem ebenso sinnlosen „Friedensrat“ unter Führung des US-Präsidenten), ob es nun um Gaza geht oder um die Ukraine.

Und auch der Ansatz zur Umsetzung des Friedensabkommens ist nahezu identisch. Im Nahen Osten setzte Trump rücksichtslos Druck auf Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, indem er von ihm die Beendigung der Kampfhandlungen verlangte – ohne Rücksicht auf die Meinung des israelischen Militärs.

Unterschiedliche Haltung

Der amerikanische Präsident wusste genau, dass Netanjahu, der seinen politischen Rückhalt in den vergangenen Jahren auf dem Mythos von Trump als „bestem Freund Israels“ aufbaute und gleichzeitig unter dem Druck von Korruptionsermittlungen stand, ihm einfach nicht würde widersprechen können – selbst dann nicht, wenn Trump offen gegen die Interessen des jüdischen Staates handeln würde.

Und ungefähr denselben Trick möchte das Weiße Haus auch mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky versuchen – vor dem Hintergrund systematischer russischer Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur und eines groß angelegten Korruptionsskandals im Land.

Doch dieser Ansatz hat gravierende Schwächen. In der Ukraine vertraut man Trumps Wohlwollen weit weniger als in Israel – schon allein deshalb, weil Trump nie systematisch versucht hat, das Bild eines „Freundes der Ukraine“ aufzubauen. Im Gegenteil: Er hat stets seine Sympathie für Putin gezeigt.

In diesem Verständnis von Trump als jemandem, der sich ausschließlich von seinen eigenen Interessen leiten lässt, sind die Ukrainer deutlich realistischer als die Israelis, die gewohnt sind, Trump als Präsidenten der letzten Hoffnung wahrzunehmen.

Fortsetzung des Krieges

Der wichtigste Unterschied ist schlicht: Russland ist nicht die Hamas. Als es im Gazastreifen zur Entscheidung über einen Waffenstillstand kam, stand die Terrororganisation vor einer recht einfachen Wahl: Entweder diesem Projekt zustimmen, um ihre Kräfte wiederherzustellen und eine künftige Attacke auf den jüdischen Staat vorzubereiten, oder sich damit abfinden, dass ihre militärische Infrastruktur weiterhin zerstört wird. Gleichzeitig war klar, dass das Weiße Haus Israel in diesem Fall nicht stoppen würde.

In Russland jedoch steht Präsident Putin, der weiterhin über das Erreichen der Ziele der „Spezialoperation“ – also über die Zerstörung der Ukraine – spricht, vor einer solchen Wahl noch nicht.

Die russischen Truppen setzen ihre Offensive fort, wenn auch um den Preis unzähliger Opfer. Russische Raketen zerstören weiterhin die ukrainische Energieinfrastruktur, in der Hoffnung, das Nachbarland schon in den kommenden Wochen in Kälte zu stürzen. Selbst wenn diese Hoffnung Putins erneut scheitert, geht Russland dabei kein Risiko ein, und Putin könnte schlicht keinen Grund sehen, den Krieg zu beenden.

Das Einzige, was den russischen Präsidenten in naher Zukunft wirklich stoppen könnte, ist die Erschöpfung seiner eigenen Ressourcen. Doch um sicherzugehen, dass Russland tatsächlich an dieser gefährlichen Grenze steht, muss man sehen, wie die neuen amerikanischen Sanktionen wirken, und verstehen, ob Russland diese neuen Beschränkungen nicht genauso umgehen kann wie die vorherigen.

Bis dahin kann der russische Präsident darauf setzen, dass Trumps Friedenspläne die ukrainische Gesellschaft destabilisieren und die wiedererstarkte russische Propaganda den Ukrainern die Sinnlosigkeit des Kampfes für einen „korrupten und degenerierenden Staat“ einredet. In diesem Fall könnte die Ukraine in einigen Monaten oder Jahren von selbst Putin in die Hände fallen wie eine überreife Frucht.

Ja, auch das könnte sich als eine weitere Illusion des russischen Präsidenten erweisen. Doch genau diese Illusionen ermöglichen es ihm, diesen großen Krieg nun schon im vierten Jahr fortzusetzen.

Und was wird Donald Trump tun, wenn er erneut mit diesen putinschen Illusionen konfrontiert wird? Vielleicht den „Friedensrat“ im Sudan übernehmen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Трамп копирует сам себя. Колонка Виталия Портникова. 21.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.11.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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