Die Europäer lehnen Trumps Plan ab | Vitaly Portnikov. 21.11.2025.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben begonnen, ein eigenes Projekt eines Friedensplans zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges auszuarbeiten. Und dieses Projekt wollen sie dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, vorlegen.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky führte Gespräche mit dem Präsidenten Frankreichs, Emmanuel Macron, dem Premierminister des Vereinigten Königreichs, Keir Starmer, und dem Bundeskanzler Deutschlands, Friedrich Merz. Und soweit man aus den offiziellen Mitteilungen entnehmen kann, wurde während dieser Konsultationen ebenfalls die Frage der Präsentation eines alternativen Friedensplans zum amerikanischen diskutiert – eines Plans, der alle roten Linien der Ukraine sowie die Erwartungen ihrer europäischen Verbündeten an das Ende des russisch-ukrainischen Krieges berücksichtigen soll.

Damit läuft alles – wie schon vor einigen Monaten – im Kreis. Zunächst legt die amerikanische Administration ein Dokument vor, das aufgrund seiner Widersprüchlichkeit und seiner Bereitschaft, die Appetit des Aggressors zu berücksichtigen, offensichtlich nicht realisiert werden kann. Und anschließend versuchen europäische Staats- und Regierungschefs Donald Trump den tatsächlichen Stand der Dinge im russisch-ukrainischen Krieg sowie ihre eigene Vorstellung davon zu vermitteln, wie dieser Krieg beendet werden sollte.

Gleichzeitig wird jedoch keiner der Friedenspläne in Russland ernst genommen. Wie bekannt, hat die russische Führung überhaupt nicht auf den sogenannten Friedensplan reagiert, der gestern in die Medien gelangt ist und dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, von der amerikanischen Delegation präsentiert wurde. Offensichtlich ist für Moskau das Auftauchen eines solchen Plans, der neben Elementen von Sicherheitsgarantien auch klare Kapitulationsbedingungen für die Ukraine enthält, vor allem ein Teil des Informationskrieges gegen den Nachbarstaat.

Und offensichtlich ist ein solcher Plan für Russland auch eine Möglichkeit, zusätzlichen Zwiespalt zu säen – zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten, zwischen den Vereinigten Staaten und den europäischen Verbündeten der Ukraine und, was noch wichtiger ist, innerhalb der Ukraine selbst, wo es nicht wenige gibt, die wünschen, dass der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky jeden Friedensplan unterschreibt, nur damit der Krieg so schnell wie möglich beendet wird.

Dabei denkt in diesem Umfeld natürlich niemand darüber nach, dass der russische Präsident Wladimir Putin nicht nur überhaupt nicht vorhat, ein Dokument zu unterzeichnen, das mit einer Feuerpause an der russisch-ukrainischen Front verbunden ist, sondern diesen Plan nicht einmal kommentiert. Statt eines Kommentars zum Friedensplan erzählt er den russischen Soldaten, der Krieg werde so lange fortgesetzt, bis die sogenannten Ziele der Spezialoperation erreicht seien.

So kann man sagen, dass der einzige Gewinner der Präsentation des sogenannten Friedensplans heute der Kreml ist. Russland nimmt praktisch nicht an der Diskussion dieses Dokuments teil. Im Außenministerium der Russischen Föderation erklärt man, man wisse nichts über seine Existenz.

Unterdessen beginnen in der Ukraine viele, die amerikanischen Forderungen als faktische Nötigung zur Kapitulation wahrzunehmen, während die Europäer versuchen, die Trump-Administration von der Gefahr eines solchen Ansatzes zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu überzeugen.

Man kann annehmen, dass bereits in wenigen Tagen der Plan, den möglicherweise der Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten, Steve Witkoff, der Schwiegersohn Präsident Trumps, Jared Kushner, und der russische Sonderbeauftragte Kirill Dmitriew ausgearbeitet haben, in Vergessenheit geraten wird – so wie eine ganze Reihe anderer unausgeführter Initiativen aus dem Umfeld Donald Trumps in Vergessenheit geraten sind.

Doch Schaden kann diese Initiative erheblichen anrichten. Denn unter dem Vorwand ukrainischer Unkonstruktivität könnten jene Kräfte in den Vereinigten Staaten, die um jeden Preis auf eine Verbesserung der Beziehungen zum Kreml ausgerichtet sind, sowohl eine Lockerung der Sanktionen gegen die Russische Föderation erreichen – wie bekannt, sind die Sanktionen gegen die russischen Ölunternehmen Rosneft und Lukoil erst heute in Kraft getreten – als auch die Einstellung wirksamer militärischer Unterstützung für die Ukraine.

Zur Erinnerung: Die Vereinigten Staaten liefern Kyiv derzeit keine Waffen, sondern stimmen lediglich zu, sie gegen europäisches Geld zu verkaufen. Dennoch tauschen sie mit den Ukrainern nachrichtendienstliche Informationen aus, die für den Widerstand gegen die russische Aggression äußerst wichtig sind. Und das sind natürlich weitere Schritte hin zur für Putin so notwendigen Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft.

Wenn man also objektiv spricht, ist Trumps Plan ein weiterer Schritt, der zeigt, wie widersprüchlich die Absichten des amerikanischen Präsidenten sein können. Einerseits ist der Präsident der Vereinigten Staaten bereit, Sanktionen zu verhängen, die sich auf das wirtschaftliche und energetische Potenzial Russlands auswirken und Russland dadurch vom Ölmarkt verdrängen könnten. Andererseits könnte die Ukraine die so wichtige militärische Unterstützung der Vereinigten Staaten verlieren – was das Land sowohl das Leben seiner Verteidiger als auch die weitere Zerstörung seiner Energieinfrastruktur unter russischen Angriffen kosten würde.

Und das ist kein Weg zum Frieden, wie manche denken könnten. Das ist der Weg zur Verwandlung des gesamten Raums von Uschhorod bis Wladiwostok in einen Raum der Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Denn einerseits werden die Volkswirtschaften beider Krieg führenden Staaten zerstört, und andererseits wird der Krieg aufgrund der Sturheit und Aggressivität Wladimir Putins sowie der Unfähigkeit Donald Trumps, realistisch auf Wege zur Beendigung dieses Krieges zu blicken, fortgesetzt – Wege, die nicht mit Druck auf die Ukraine verbunden sind, sondern vor allem mit der Zerstörung des wirtschaftlichen und energetischen Potenzials der Russischen Föderation.

Andere Wege, die mit der Beendigung der Kampfhandlungen verbunden sein könnten, existieren schlichtweg nicht. Nun, außer vielleicht in den Köpfen von Steve Witkoff oder anderen Mitarbeitern der amerikanischen Administration.

Offenbar verstehen die Europäer das. Schon mehrmals während Donald Trumps Zeit im Oval Office ist es ihnen gelungen, den amerikanischen Präsidenten von unüberlegten Schritten abzuhalten, die ihm von seinen Beratern nahegelegt wurden – Beratern, die offensichtlich der Psychologie des US-Präsidenten selbst nahestehen.

Ob es Emmanuel Macron, Keir Starmer und Friedrich Merz nun gelingt, Donald Trump von weiteren politischen Fehlern abzuhalten, ist schwer zu sagen. Aber es ist bereits offensichtlich, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs nach dem Gespräch mit dem Präsidenten der Ukraine versuchen, ihren amerikanischen Kollegen zu kontaktieren, um ihm die gesamte Gefahr einer Reihe von Punkten des sogenannten Friedensplans zu erklären.

Zumal vor dem Hintergrund, dass niemand in Russland auf diesen Friedensplan reagiert – offensichtlich in der Hoffnung, Donald Trump erneut als jemanden darzustellen, der absolut nicht versteht, was um ihn herum in einem der komplexesten Konflikte des 21. Jahrhunderts geschieht.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Европейцы отвергают план Трампа | Виталий Портников. 21.11.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.11.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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