Shaheds fliegen nach Europa | Vitaly Portnikov. 13.09.2025.

Polen und Rumänien haben in den an die Ukraine grenzenden Regionen Luftalarm ausgelöst. Rumänien – im Zusammenhang mit dem Auftauchen einer Drohne in seinem Luftraum, die sich nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky 50 Minuten lang im Luftraum des Landes befand. Polen – im Zusammenhang mit dem Auftauchen einer Drohne in unmittelbarer Nähe der polnischen Grenzen, weswegen sogar der internationale Flughafen Lublin geschlossen wurde. Sowohl Polen als auch Rumänien ließen ihre Luftwaffe aufsteigen, um ein mögliches Eindringen von Drohnen in ihren Luftraum zu verhindern. Und Rumänien offenbar auch, um zu versuchen, das unbemannte Luftfahrzeug zu verfolgen und zu zerstören.

So können wir nach der Drohnennacht in Polen den Übergang der Russischen Föderation zu systematischen Provokationen gegen die europäischen Länder, die an die Ukraine grenzen, feststellen. Und nun geschieht dies nicht mehr nur nachts, sondern sozusagen am helllichten Tag. Und dies als Zufall zu bezeichnen, wird natürlich niemand mehr tun – selbst dann nicht, wenn der US-Präsident Donald Trump noch von einem möglichen Irrtum sprach.

Sein eigener Sondergesandter Keith Kellogg hat heute eingeräumt, dass 19 Drohnen im polnischen Luftraum keine Panne gewesen sein können. Das Gleiche sagten auch Vertreter der polnischen Führung. Nun, ich denke, dass auch in Rumänien jedem klar ist, dass das Auftauchen einer Drohne im Luftraum dieses Landes ebenfalls kein Zufall ist.

Was also will der russische Präsident erreichen, wenn er beginnt, Europa in Angst und Schrecken zu versetzen? Übrigens buchstäblich nur wenige Tage nachdem er selbst betont hatte, dass alle Gespräche über einen Angriff Russlands auf europäische Länder Unsinn seien. Die Antwort ist klar: Der russische Staatschef will jene Länder destabilisieren, die der Ukraine helfen und unser Land im Kampf gegen den Aggressor unterstützen.

Darum also Drohnen im Luftraum von Polen und Rumänien. Darum die offenen Drohungen gegen Finnland und die Truppenansammlungen an der Grenze dieses Landes. Darum die Erzeugung einer Atmosphäre der Unsicherheit während der nächsten russisch-belarussischen Manöver.

Und was könnten Putin und seine Marionette Lukaschenko noch ersinnen, um ihre eigenen Positionen zu stabilisieren und die Lage in den europäischen Ländern zu destabilisieren? Werden diese Manöver nicht vielleicht schon Polen und die baltischen Staaten bedrohen?

Natürlich hat Putin, wie immer, eine fast narrensichere Taktik gewählt. Er führt Provokationen durch – so, wie es einst Putins Vorgänger in der Destabilisierung der Welt, Adolf Hitler, tat –, gesteht aber seine Beteiligung an diesen Provokationen nicht ein.

Ganz genauso, wie Russland niemals anerkannt hat – und ich versichere Ihnen, niemals anerkennen wird –, dass das malaysische Passagierflugzeug von seiner Rakete abgeschossen wurde. Genauso wird es nicht zugeben, dass seine Drohnen sich im polnischen Luftraum befanden. Genauso wird es auch die Provokationen nicht zugeben, die in diesem Moment im Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation geplant werden könnten.

Die Russen wollen, dass die Europäer im Zusammenhang mit den russischen Angriffen ein Gefühl von Angst und Ausweglosigkeit verspüren. Denn wie der polnische Außenminister Radosław Sikorski ebenfalls völlig zu Recht sagte: Es gibt keine, die Lust hätten, mit Russland Krieg zu führen.

Wie also auf die russischen Angriffe reagieren, ohne eine direkte Antwort seitens der Russischen Föderation zu provozieren? Es ist völlig unklar, was zu tun ist, falls die nächste Drohne oder gar Rakete einen polnischen oder rumänischen Staatsbürger tötet oder ein wichtiges Objekt zerstört.

Mir scheint, dass dies niemand bis zum Ende wirklich begreift. Denn allein die Vorstellung, dass ein direktes Aufeinandertreffen mit der Russischen Föderation ausgeschlossen sei, egal was Russland tut, lähmt buchstäblich den politischen Willen der europäischen Länder.

Natürlich wäre die adäquateste Antwort auf die russische Bedrohung die Schaffung einer gemeinsamen Luftverteidigungszone über den an die Ukraine grenzenden Woiwodschaften Polens, den Regionen Rumäniens und den westlichen und südlichen Oblasten der Ukraine. Dies würde es den russischen Drohnen und Raketen unmöglich machen, Polen oder Rumänien zu erreichen, weil sie schon zerstört würden, bevor sie im Luftraum dieser Länder auftauchten. 

Das würde das ukrainische Luftabwehrsystem entlasten und erlauben, die Systeme, die derzeit in den westlichen und südlichen Regionen unseres Landes stationiert sind, ins Zentrum und in den Osten zu verlegen, um die russischen Angriffe effektiver abzuwehren – Angriffe, die zusammen mit der Zahl der Drohnen und Raketen nur zunehmen werden. Das müsste dem Präsidenten der Russischen Föderation zeigen, dass seine Provokationen gegen europäische Länder nicht den gewünschten Effekt hätten, nämlich das Ende der Hilfe für die Ukraine im Krieg gegen die brutale und hinterhältige russische Aggression, sondern im Gegenteil die Solidarität der zivilisierten Länder in ihrem gemeinsamen Kampf gegen die Barbarei stärken.

Doch all dem steht nicht ein Mangel an technischen Möglichkeiten im Weg – die gibt es genug – und auch nicht ein Mangel an Geld – das gibt es ebenfalls genug –, sondern das Bewusstsein der Gefahr durch die Russische Föderation. Und dieses Bewusstsein wächst mit jedem Tag und mit jedem neuen russischen Angriff – und blockiert jene völlig logischen Entscheidungen, die sich, man kann sagen, schon seit 2022 aufdrängen.

Es ist die allereinfachste Angst, dass Russland diese gemeinsamen Maßnahmen zum Schutz des Luftraums falsch verstehen und dann nicht mehr nur die Ukraine angreifen könnte. Und so entstünde die Gefahr einer direkten Konfrontation zwischen den Ländern Mitteleuropas und der Russischen Föderation – bei gleichzeitiger Unklarheit, wie weit der Präsident der Vereinigten Staaten bereit wäre, den Artikel 5 zum Schutz dieser Länder anzuwenden, zumal wenn er selbst kein Befürworter der Schaffung eines solchen gemeinsamen Luftverteidigungssystems wäre. Dann wäre es schon auf NATO-Ebene blockiert.

Und wenn keine konkreten Entscheidungen getroffen werden, können wir – wenigstens aus unserer eigenen Erfahrung – klar sagen: Der Drohnenkrieg der Russischen Föderation gegen die europäischen Länder wird nur an Fahrt aufnehmen. Denn ein Raubtier bekommt mehr Appetit, wenn es die Angst und die Unwilligkeit der potenziellen Beute spürt, zu antworten.

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