Trumps Wendung. Kolumne von Vitaly Portnikov. 16.08.2025


Donald Trump verlässt Air Force One bei seiner Ankunft auf der Andrews Air Force Base nach dem Gipfeltreffen mit Wladimir Putin in Anchorage am 16. August 2025. Foto: Manuel Balce Ceneta / AP / East News

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Schon im Vorfeld des Treffens des Präsidenten der Vereinigten Staaten und des Präsidenten der Russischen Föderation in Alaska äußerten viele Beobachter ernsthafte Zweifel an dessen Wirksamkeit. Hätte Donald Trump tatsächlich Druckmittel gegen den russischen Führer gehabt, die zumindest zu einem Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg hätten führen können, hätte er sie schon während der zahlreichen Telefonate eingesetzt. Doch Wladimir Putin wies beharrlich sämtliche Forderungen des amerikanischen Präsidenten zurück.

Allerdings verstand es der russische Staatschef in diesen Gesprächen geschickt, menschliche Schwächen und die politische Kurzsichtigkeit Trumps auszunutzen, um Zeit zu gewinnen – damit er den Krieg fortführen konnte, ohne ernsthaften äußeren Druck befürchten zu müssen. Und das gelang ihm mehrmals.

Der Beginn der Gespräche mit den ständigen Komplimenten an den amerikanischen Kollegen verleitete Trump dazu, auf jegliche neuen Maßnahmen zu verzichten. Selbst als es im Mai den europäischen Staats- und Regierungschefs gelang, ihn zu einem abgestimmten Sanktionspaket gegen Russland zu bewegen – für den Fall, dass Putin bis zum 12. Mai keinen Waffenstillstand einleiten würde –, schlug der russische Präsident einfach die Wiederaufnahme der Verhandlungen in Istanbul vor. Diese Gespräche erwiesen sich als eine weitere Simulation „friedlicher Absichten“, doch Trump verzichtete am Ende auf das abgestimmte Vorgehen.

Nun sehen wir dasselbe Bild. Nach einem weiteren Telefonat Putins mit Trump, dem ein massiver Beschuss von Kyiv und anderen ukrainischen Städten folgte, sah sich der Kreml mit einem 50-Tage-Ultimatum des amerikanischen Präsidenten konfrontiert. Neue Sanktionen hätten nicht nur Russland, sondern auch seine Energiesponsoren – China und Indien – treffen können.

Putin musste unbedingt erreichen, dass Trump von einem solchen Druck absah, zumindest um den Absatzmarkt für sein Öl zu erhalten. Wenn nicht für Indien, mit dem Trump bereits in eine wirtschaftliche Konfrontation getreten ist und dabei den Krieg als Vorwand nutzt, dann doch wenigstens für China.

Und der russische Präsident fand ein wirksames Gegenmittel gegen diesen Druck – ein persönliches Treffen, von dem Trump, wie es hieß, schon lange träumte. Infolgedessen sollen keinerlei neue Sanktionen verhängt werden, und es ertönen erneut Versprechen von „in zwei bis drei Wochen“. Es entsteht der Eindruck, dass nicht Putin auf Zeit spielt, sondern dass Trump selbst darauf verzichtet, ernsthaft Druck auf Russland auszuüben.

Die Verhandlungen endeten vorhersehbar: mit einem Sieg Putins und einer Niederlage Trumps. Der russische Führer erhielt einen weiteren Beweis für das Ende der internationalen Isolation, die Trumps Vorgänger im Weißen Haus mit so viel Mühe durchgesetzt hatte. Auf dem Flughafen in Alaska wurde ihm ein roter Teppich ausgerollt, und der Präsident der Vereinigten Staaten empfing ihn persönlich an der Flugzeugtreppe. Und was noch wichtiger ist – Trump hat sich faktisch auf die Position Putins begeben.

Zur Erinnerung: Alles begann mit der Forderung nach einem bedingungslosen Waffenstillstand und sofortigen Friedensverhandlungen. Doch schon im Mai willigte Trump ein, Bedingungen zu erörtern, unter denen dieser Waffenstillstand stattfinden könnte, und beteuerte gegenüber den westlichen Führern, er habe nie auf „Bedingungslosigkeit“ bestanden. Nun stimmt er offen mit Putin überein, dass ein Waffenstillstand unmöglich sei und dass es „besser sei, über einen Friedensvertrag zu sprechen“.

Aber wie viele Jahre werden Diplomaten brauchen, um diesen Vertrag auszuarbeiten? Wie viele Raketen und Bomben werden in dieser Zeit noch auf ukrainische Städte fallen? Wie viel ukrainisches Land wird noch unter russische Besatzung geraten? Und Trump wird nur mit den Schultern zucken und erklären können, er habe „Raum für Diplomatie geschaffen“.

Darin besteht Putins Strategie: den Krieg fortsetzen und gleichzeitig verhandeln, um dem Westen die Möglichkeit zu nehmen, den Sanktionsdruck zu verstärken und die Hilfe für die Ukraine auszuweiten. In Alaska hat der russische Präsident vorhersehbar genau dies erreicht. Denn Trumps Sympathien lagen von Anfang an auf Putins Seite – nicht auf der Seite der Ukraine und des „kollektiven Westens“.

Trump, so zeigen die Ergebnisse des Treffens, fühlt sich selbst nicht mehr als Teil dieses Westens. Wenn es so weitergeht, wird sich zum endgültigen Schwenk Putins in Richtung China auch noch ein Schwenk der Vereinigten Staaten gesellen – weg vom Westen und weg von der Demokratie selbst. Der Unterschied besteht nur darin, dass Russland tatsächlich eine Richtung hat, in die es sich wenden kann – nach China. Die USA dagegen haben außer ihren westlichen Verbündeten schlicht niemanden.

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