Der Chef des Russischen Direktinvestitionsfonds, Kirill Dmitrijew, hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin überzeugt, sich in den Verhandlungen mit Donald Trump, vor allem auf die Geschäftsinteressen und die Geschäftsmöglichkeiten zu konzentrieren, die sich zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation ergeben könnten. Das behaupten Korrespondenten der Agentur Bloomberg, die mit Teilnehmern der Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation gesprochen haben.
Die Tatsache, dass Putin diesem Ansatz zugestimmt hat, erklärt die Anwesenheit von Kirill Dmitrijew bei den Verhandlungen, sowie das für viele überraschende Erscheinen des Nahost-Vertreters von Donald Trump, Steve Witkoff, in der amerikanischen Delegation.
Witkoff, der seine Bemühungen zur Bewältigung der Nahost-Krise nun mit Kontakten zu Vertretern Russlands und vor allem natürlich zu Kirill Dmitrijew verbindet, steht viel weiter von der Politik entfernt als beispielsweise der US-Außenminister Mark Rubio oder andere amerikanische Beamten. Dafür gilt er im engsten Kreis von Donald Trump als bewährter Problemlöser, als jemand, der seine Karriere als Unternehmer und nicht als politischer Akteur oder Aktivist gemacht hat. Und wahrscheinlich hat Trump Putins Angebot angenommen, vor allem über Geschäftsinteressen zu sprechen, also ist er auf den Köder reingefallen.
Es stellt sich jedoch eine wichtige Frage: Wie werden die neuen Geschäftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation gestaltet? Das heißt, inwieweit hängen sie vom Ende des russisch-ukrainischen Krieges ab? Bloomberg behauptet, es gehe vor allem darum, Geschäftskontakte aufzubauen, die entstehen können, nachdem ein Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front geschlossen wurde und die Parteien zu einem umfassenden Friedensabkommen voranschreiten. Ich habe ernsthafte Zweifel daran, dass Wladimir Putin Kirill Dmitrijew genau diesen Auftrag erteilt hat.
Wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen Versuch handelt, mit Geschäftsinteressen zu spekulieren und der amerikanischen Seite eine vorteilhafte Zusammenarbeit vor dem Hintergrund des andauernden russisch-ukrainischen Krieges anzubieten. Bisher hat die russische Führung buchstäblich keinen einzigen Schritt und keine einzige Erklärung unternommen, die auf den Wunsch Moskaus hindeuten würde, die Kampfhandlungen einzustellen. Dies hat sogar der US-Außenminister Mark Rubio indirekt zugegeben, um den Fantasien Trumps nicht zu widersprechen und seine Position im Umfeld des amtierenden US-Präsidenten zu erhalten.
Rubio hat kürzlich indirekt zugegeben, dass es in Riad, wo sich die amerikanische und die russische Delegation zum ersten Mal trafen und Witkoff ein vertrauliches Gespräch mit Dmitrijew führte, keine wirklichen Verhandlungen gab, sondern nur ein Abtasten der Positionen, ein Versuch zu verstehen, inwieweit die russische Führung bereit ist, ihre maximalistischen Forderungen bezüglich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges aufzugeben. Aber ich glaube, man konnte ziemlich schnell zu dem Schluss kommen, dass Putin dazu gerade nicht bereit ist. Sowohl der russische Präsident selbst als auch seine Beamten bleiben auf dem Standpunkt, der von Wladimir Putin im Juni letzten Jahres auf der Konferenz des russischen Außenministeriums vertreten wurde.
Und ich glaube, dass dies weniger eine maximalistische Position als vielmehr ein Vorwand für die Fortsetzung des Krieges ist. Wenn man sich vorstellt, dass Washington dieser Position zustimmt, wird Putin sofort neue, für das Weiße Haus und übrigens auch für die Ukraine und die europäischen Länder noch inakzeptablere Bedingungen für die Friedensfindung vorlegen.
Daher ist es für Putin sehr wichtig, Trump zu beweisen, dass eine wirtschaftliche Zusammenarbeit auch während der andauernden Kampfhandlungen möglich ist, dass man auf Sanktionen verzichten und neue Modelle der Zusammenarbeit mit Russland finden kann, während man Verhandlungen über einen möglichen Friedensprozess führt, aber nicht vom russischen Führungspersonal die Beendigung der Kampfhandlungen an der Front verlangt und schon gar nicht die Ukraine dabei unterstützt, den Vormarsch der russischen Truppen aufzuhalten.
Das ist im Wesentlichen die Aufgabe von Kirill Dmitrijew: Menschen, die so weit vom Verständnis der Politik entfernt sind wie Steve Witkoff, zu überzeugen und sie dazu zu bewegen, Donald Trump zu beeinflussen, Zeit zu gewinnen, zumindest bis die militärischen und wirtschaftlichen Ressourcen der Ukraine, die mit amerikanischer Hilfe verbunden sind, erschöpft sind. Von der amerikanischen Seite zu verlangen, der Ukraine keine Hilfe zukommen zu lassen, mit der Drohung, dass Russland in diesem Fall nach dem Ende des Krieges keine vorteilhaften Wirtschaftsabkommen mit den Vereinigten Staaten eingehen wird, d. h. eine für Wladimir Putin günstige Atmosphäre und im Wesentlichen die Bedingungen für den andauernden russisch-ukrainischen Krieg zu schaffen.
Für den russischen Präsidenten ist es nicht so sehr wichtig, seinen amerikanischen Amtskollegen zu bestechen, als vielmehr seinen politischen Ansatz zu nutzen, um ihn zu einem Komplizen bei der Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit zu machen und sich so die Möglichkeit zu verschaffen, die Ukraine nicht nur zu unterwerfen und zu besetzen, sondern auch in Mittel- und Osteuropa weiter vorzudringen. Denn man darf nicht vergessen, dass der Putins Krieg gegen die Ukraine nur ein Teil eines großen politischen Plans ist, der mit dem Bestreben verbunden ist, die Vereinigten Staaten aus Europa zu verdrängen und sich selbst, unter Nutzung der Armee und der Angst der Europäer vor dem Krieg, in einer Situation, in der China sich bemüht, sich zum Hegemon des asiatisch-pazifischen Raums zu entwickeln, zum politischen Hegemon des europäischen Kontinents zu entwickeln.
Und in der Zwischenzeit werden sich Trump und seine Mitarbeiter weiterhin der Illusion hingeben, dass sich bereits lukrative Wirtschaftsbeziehungen mit Russland anbahnen, dass bald ein Öl-Dollar-Regen auf Elon Musk und andere Trump nahestehende Geschäftsleute niedergehen wird und dass Washington Russland von China dadurch trennen wird.
Und all diese Illusionen von Menschen, die nach den Präsidentschaftswahlen 2024 im Weißen Haus sein werden, werden sowohl von Wladimir Putin als auch natürlich vom Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, genutzt werden, um den amerikanischen Einfluss in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum und möglicherweise auch in Afrika und Lateinamerika endgültig zu zerstören, wo China nach den jüngsten, viel beachteten Entscheidungen von Donald Trump, z. B. zur Einstellung der Arbeit von USAID oder zu den Wirtschaftsangriffen auf Mexiko und Kolumbien, seine Positionen nun schnell ausbaut.
Manchmal hat man den Eindruck, es gehe weniger um die Bereitschaft, neue wirtschaftliche Möglichkeiten für die Vereinigten Staaten zu erreichen, als vielmehr um die Bereitschaft, dem Russland und China einen großen geopolitischen Scheck zu bezahlen.