Mariupol, eine Stadt, über die nicht gesprochen wird. Nadia Sukhorukova. 02.08.24.

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Ist es wirklich passiert? Ist Mariupol eine Stadt, über die nicht gesprochen wird?

Mariupol blieb Mitte März 2022. Einsam und unglücklich. Wie ein verlassenes Kind.

Er wurde unter Fremden und bösen Wesen vergessen und wird nicht abgeholt. Er kann nicht verstehen, warum. Er ist verletzt und verängstigt. Er möchte zurück in sein eigenes Land gehen.

Auf Facebook gibt es eine Geschichte über ein Mädchen aus Mariupol.

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Sie ist wie die anderen gestorben. Sie war zwanzig und verliebt.

Sie war sehr verängstigt, als die Bomben fielen und geschossen wurde. Sie wollte leben, aber die Angst nahm ihr die Hoffnung.

Sie schrieb ihrem Geliebten, solange noch die Verbindung gab. Und dann brach die Verbindung ab. Es gab keine Wärme, kein Wasser, kein Essen, keine Hoffnung, kein normales Leben.

Sie konnte vor Verzweiflung nicht mehr atmen. In ihrem Kopf machte nichts mehr Sinn. Nur Entsetzen. Es gab nichts mehr außer Bomben und Unheil.

Es ist sehr beängstigend, im Alter von zwanzig Jahren den Untergang zu spüren. Jede Minute kann dich umbringen.

Und man möchte den Kopf zurückwerfen und in den Himmel schauen. Und man möchte, dass es derselbe Himmel ist wie vorher. Und nicht ein düsterer und beängstigender Abgrund über dem Kopf. Wo der Tod alle zehn Minuten fliegt. Der Tod zwingt jeden, nach seinen Regeln zu spielen.

Mit zwanzig möchte man laut lachen und mit einem Kätzchen spielen. Unbeschwert, wie ein Kind.

Zwanzig Jahre sind voller Glück. Aber nicht in der Stadt des Todes. Das Kätzchen ist klein und lustig. Und es ist auch dem Untergang geweiht.

Und das Weiterleben ist so ein Vergnügen. Einfach zu leben wie immer, wie früher.

Das Haus zu verlassen und ins Stadtzentrum zu gehen. Freunde in der Nähe des Nielsenturms treffen. Ein Croissant in einer französischen Bäckerei kaufen und die frechen Tauben in der Nähe des Theaters füttern.

Aber das hat sie nicht mehr. Und das wird sie auch nicht. Ein russischer Pilot hat alles für sie entschieden. Er hat ihr Leben durchgestrichen wie einen Fehler in einem Schulheft. Er hat einen schwarzen Fleck auf dem Dach ihres Hauses hinterlassen. Er hat sie zum Tode verurteilt. Er hat sie für nichts bestraft.

Und sie blieb in ihrer Stadt. Für immer. Zusammen mit ihrer Familie.

Und anstelle des Himmels und der Tauben gab es ein Schild mit Zahlen. Das Geburts- und das Sterbedatum.

Im Frühling blühten Narzissen unter dem Schild. So zart und fröhlich, so wie sie früher war.

Es ist so seltsam. Sie ist fort, aber das Leben geht weiter.

Viele Menschen sind fort. Aber Mariupol ist noch da.

Nur über unsere Stadt wird kaum gesprochen, außer über uns. Es ist, als hätte jemand das Wort „Mariupol“ durchgestrichen, wie einen Fehler in einem Schulheft

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