„Vier Quellen und ein Besuch in Belarus. Warum spricht Putin über „Verhandlungen“ mit der Ukraine? Vitaly Portnikov. 25.05.24.


Die russischen und Belorussischen Staatschefs Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko bei einem Treffen in Minsk. Belarus. 24. Mai 2024

https://www.radiosvoboda.org/a/ukrayina-putin-viyna/32963382.html

Unmittelbar nachdem die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf vier Quellen aus dem inneren Kreis Putins die Information verbreitet hatte, dass der russische Staatschef angeblich zu Friedensgesprächen mit der Ukraine bereit sei, sprachen Wladimir Putin selbst und sein Sprecher Dmitri Peskow von der Möglichkeit solcher Gespräche, wenn auch in einem etwas anderen Ton. Wir haben es also mit einer geplanten Informationskampagne zu tun, deren Ziele verstanden werden sollten.

Ich muss gleich sagen, dass ich keinen Quellen aus dem Umfeld von Wladimir Putin Glauben schenke. Ich bin mir sicher, dass die Korrespondenten einer seriösen Agentur die Wahrheit sagen und dass hochrangige russische Beamte, vielleicht sogar Mitglieder des russischen Sicherheitsrates, tatsächlich mit ihnen gesprochen haben. Die Beamten im Kreml sind jedoch anders als Beamten im Weißen Haus oder im Elysee-Palast. Keiner von ihnen wird mit einem Auslandskorrespondenten sprechen, solange sie keine Anweisungen von oben erhalten. Und die Aufgabe der Gesprächspartner der Reuters-Journalisten war es, den Hintergrund für Putins Besuch in Minsk und seine Äußerungen zu den Verhandlungen vorzubereiten.

Diese Äußerungen lassen keinen Zweifel daran, dass Putin, wie auch Peskow, die Verhandlungen als Kapitulation der Ukraine begreift. Selbst wenn man davon ausgeht, dass der russische Staatschef ein Ende des Krieges – also der „Sonderoperation“ – andeutet, soll dieses Ende gleichzeitig die Voraussetzungen für eine neue „Sonderoperation“ schaffen, wenn Russland dazu bereit ist. Nicht umsonst spricht Peskow also – wieder einmal – von Verhandlungen, um die Ziele der „Sonderoperation“ zu erreichen. Und zu diesen Zielen gehört, wie wir wissen, nicht nur die Anerkennung des russischen Status der besetzten Gebiete durch die Ukraine, sondern auch die Entmilitarisierung der Ukraine.

Das wirklich Neue an Putins Äußerungen ist sein Versuch die Legitimität der ukrainischen Regierung, mit der er angeblich verhandeln will, in Frage zu stellen. Das war auch zu erwarten; ich hatte keinen Zweifel daran, dass die russische Propaganda nach dem 20. Mai ständig von der Illegitimität des Präsidenten Zelenskyy schwadronieren würde. Ich habe jedoch nicht erwartet, dass Putin selbst der Hauptpropagandist sein würde.

Der russische Staatschef behauptet nun, der Friedensgipfel in der Schweiz werde nur einberufen, um die Legitimität des ukrainischen Präsidenten zu bestätigen. Offensichtlich war dies das Letzte, woran Zelensky dachte, als er sich an die Schweizer Bundespräsidentin Viola Amherd mit dem Vorschlag wandte, eine solche Konferenz abzuhalten. Putin scheint jedoch die Führer des Globalen Südens zu überzeugen versuchen: Ihr braucht nicht dorthin zu fahren, sie wollen euch nur als Statisten benutzen, um die Legitimität eines anderen zu bestätigen. Und dieses Signal zeigt, dass der Hauptgrund, warum Putin überhaupt von den Verhandlungen gesprochen hat, darin besteht, nicht nur die Legitimität des ukrainischen Präsidenten in Frage zu stellen, sondern auch den Sinn des Forums in der Schweiz.

Und der russische Staatschef versucht es natürlich auch. Und er ist nicht der Einzige. Gerade als Putin sich auf den Weg nach Minsk machte, überzeugte der chinesische Außenminister Wang Yi den brasilianischen Chefberater des Präsidenten, Celso Amorim, von den Aussichten der chinesischen Vorschläge zur Beendigung des „Konflikts“ in der Ukraine.

Und ich muss sagen, es ist ihm gelungen – jetzt haben die chinesischen Vorschläge für das „Einfrieren“ des Konflikts, denen Putin bei seinem Besuch in Peking zugestimmt hat, auch brasilianische Unterstützung, einen gemeinsamen Plan zwischen China und Brasilien und eine weitere Alternative zur ukrainischen Vision.

Putin macht also keine Vorschläge für Friedensverhandlungen, er erzeugt Chaos, um den Krieg fortzusetzen.

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