„Entsakralisierung“ der Krim-Brücke. Vitaly Portnikov. 05.03.24.

https://ru.krymr.com/a/desakralizatsiya-krymskogo-mosta/32849815.html

Die russische Propaganda spekuliert seit Tagen über das Durchsickern eines Gesprächs zwischen deutschen Bundeswehroffizieren. Die Veröffentlichung des Mitschnitts des Gesprächs hat in der Tat zu einem großen politischen Skandal in Deutschland und zu Diskussionen unter den westlichen Verbündeten geführt. Ich denke, wir können der Meinung von Michael Winiarski, einem Kolumnisten der führenden schwedischen Publikation Dagens Nuheter, zustimmen, der betonte, dass, Zitat: „Putin hat zwei konsequente und übergreifende außenpolitische Ziele: den demokratischen Westen zu spalten und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Dank des Abhörskandals, der den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz schockierte, hat er beide Ziele erfolgreich erreicht.“

Und doch könnte die Geschichte des Gesprächs einen weiteren wichtigen Punkt aufgezeigt haben, der in direktem Zusammenhang mit Russlands Krieg gegen die Ukraine steht. Es scheint, dass es für die westlichen Verbündeten der Ukraine keine „heilige“ Brücke von Kertsch (Krim) gibt und dass Diskussionen darüber, wie diese für den Kreml wichtige Infrastruktureinrichtung zerstört werden kann, wie beiläufig geführt werden, ohne dass dies bei irgendjemandem Ablehnung hervorruft. Die Brücke gehört zu den Objekten, die zerstört werden können um den Widerstand der Ukraine erfolgreich zu gestalten und die Fähigkeit Russlands zu verringern seinen aggressiven Krieg gegen den Nachbarstaat zu führen.

Natürlich wird dies auf offizieller Ebene niemand anerkennen – die Diplomatie ist dazu da, innerhalb der Grenzen des Anstands zu bleiben, obwohl Russland diese Grenzen erfolgreich überschreitet und die „roten Linien“ hartnäckig ignoriert. Wichtig ist jedoch auch, was hinter den Kulissen geschieht. Russische Propagandisten, denen das belauschte Gespräch von Vertretern der russischen Sicherheitsdienste angeboten wurde, haben in ihrem Wunsch, ihren Vorgesetzten zu gefallen, das Wichtigste nicht verstanden – sie haben die Brücke von Kertsch (Krim) „entsakralisiert“. Zuvor waren es vor allem ukrainische Politiker und Militärs, die „laut“ über die Möglichkeit der Zerstörung der Brücke sprachen. Jetzt ist klar, dass auch im Westen darüber gesprochen wird. Dass auch der Westen sehr wohl versteht, dass die Brücke keineswegs gebaut wurde, um das Leben der Menschen zu verbessern, sondern um Tod und Hilfe im Krieg zu sichern. Und an dieser Haltung gegenüber der Krim-Brücke und dem Wunsch, sie loszuwerden, bin ich mir sicher, definitiv keine Schuld der deutschen Militärs und keine Schande von Olaf Scholz gibt.

Die Schuld liegt bei Wladimir Putin, der das Völkerrecht zerstört und die Ukraine angegriffen hat.

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