Russland rekrutiert Terroristen | Vitaly Portnikov. 22.02.2026.

Der Organisation des Terroranschlags in Lwiw wird eine Einwohnerin von Kostopil im Gebiet Riwne, Iryna Sowetzi, verdächtigt, die wenige Wochen vor der Tat nach Lwiw gezogen war. Nach vorläufigen Angaben könnte sie Anweisungen zur Durchführung dieses Anschlags über Telegram erhalten haben.

Und wir sehen, dass die Durchführung dieser sogenannten weiteren Spezialoperation ziemlich amateurhaft wirkt. Die Frau verließ den Ort, an dem der Sprengsatz deponiert wurde, mit einem gewöhnlichen Taxi. Sie wurde relativ schnell gefunden. Doch das ist eine absolut typische Taktik der russischen Geheimdienste – nach Menschen zu suchen, die bereit sind, ein Verbrechen zu begehen. Diese Menschen kümmern ihre Kuratoren selbstverständlich nicht. Das Wichtigste ist, in der Gesellschaft eine Atmosphäre des Misstrauens und des Hasses zu säen.

Hasses – gegen wen? Wir verstehen, gegen wen. Gegen den Staat. Denn die Idee besteht darin, dass die Begehung terroristischer Aktionen gerade gegen Vertreter des Staates es ermöglicht, entsprechende Propagandakampagnen in denselben sozialen Netzwerken zu starten, die zur Rekrutierung von Saboteuren genutzt werden, die Terrorakte begehen – gegen die Territorialen Rekrutierungszentren, gegen andere staatliche Institutionen, die „doch einfach leben, wie sie wollen, während wir im Krieg leiden“. Auf dieser Grundlage können Tausende Bots aktiviert werden.

Und das ist ebenfalls, wie ich bereits mehrfach betont habe, Teil des Krieges. Denn für Putin und seine Mitstreiter ist Krieg nicht nur militärisches Handeln. Mehr noch, ich würde sagen, dass diese Leute sich mit militärischen Handlungen gar nicht besonders auskennen, weil sie aus dem System des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion stammen. Und genau deshalb halten sie jegliche Spezialoperationen, jegliche terroristische Handlungen für ein viel gewichtigeres Argument bei der Schaffung entsprechender Stimmungen in der Gesellschaft als alle anderen Handlungen, die mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse an der Front zusammenhängen.

So haben sie auch im eigenen Land gehandelt. Ich möchte daran erinnern, dass während der Tschetschenienkriege, besonders während des zweiten Tschetschenienkrieges, vor allem versucht wurde, in der russischen Gesellschaft eine Atmosphäre der Panik und Angst zu säen. Die Idee bestand darin, dass eine solche Atmosphäre es der Macht erlauben würde, im Kaukasus zu tun, was immer sie wollte.

Ich erinnere mich sehr gut, wie der erste Tschetschenienkrieg mit Hilfe von Geschichten über Russen vorbereitet wurde, die bei den Tschetschenen als Sklaven gehalten würden. Ich erinnere mich, was während des zweiten Tschetschenienkrieges geschah, als Wohnhäuser in Moskau und anderen russischen Städten explodierten und die Menschen bereit waren, jeder Handlung ihrer eigenen Regierung zuzustimmen – solange sie nur Ordnung schuf und das terroristische Nest in Tschetschenien vernichtete.

Und dass faktisch Teppichbombardements von Grosny und anderen tschetschenischen Städten und Siedlungen stattfanden, kümmerte in Russland natürlich niemanden. Denn wenn ein Mensch in Angst lebt, denkt er nicht über solche Kategorien nach. Er will nur, dass ihm und seiner Familie ein Gefühl von Sicherheit gegeben wird.

Hier ist im Grunde die gleiche Situation, nur mit einem anderen Nenner. Die Ukrainer sollen Sicherheit wünschen und begreifen, dass ihre Regierung diese Sicherheit nicht garantiert, dass Sicherheit für sie und ihre Familien nur im Falle der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gewährleistet werden kann. Und der russisch-ukrainische Krieg hat nur ein reales Rezept für sein Ende: die Kapitulation der Ukraine vor Russland und das Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte dieser Welt.

Welchen Unterschied macht es, unter welcher Flagge Sie leben, wenn Ihnen nichts droht, wenn Sie von einer viel effektiveren Regierung geschützt werden als Ihrer ukrainischen? Dass diese effektive russische Regierung selbst Anschläge inszeniert und nun auch uns Anschläge beschert – das wird die von der terroristischen Welle verängstigten Menschen natürlich nicht interessieren, zumal wenn sie entsprechend in sozialen Netzwerken vorbereitet wurden. Denn das ist eine mehrschichtige Arbeit: Einerseits die Suche, Vorbereitung und Bezahlung von Saboteuren in sozialen Netzwerken, andererseits die Suche, Vorbereitung und Propagierung nützlicher Idioten in sozialen Netzwerken.

Und hier muss klar gesagt werden, dass die Russen Meister sind. Schon die Entstehung  von Telegram zeigt, dass die alte Schule nicht vergessen wurde. Telegram ist zu einem echten, ich würde sagen, meisterhaften Instrument der Desinformation geworden.

Ich erinnere mich gut daran, wie in den Zeiten meiner beruflichen Jugend, als klar wurde, dass niemand Vertrauen in die Informationen der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS hatte – auch nicht ausländische Journalisten, die damals in die Sowjetunion kamen, um über Gorbatschows Perestroika zu berichten – eilig eine unabhängige Nachrichtenagentur Interfax gegründet wurde, deren Sitz und Büros sich im staatlichen Rundfunk- und Fernsehkomitee der Sowjetunion befanden und später auch am Alten Platz im Zentralkomitee der KPdSU, die jedoch als unabhängige Agentur wahrgenommen wurde. Diese schuf übrigens später auch eine entsprechende Filiale in der Ukraine, die dem zweiten Präsidenten der Ukraine, Leonid Kutschma, half, der für seine engen Beziehungen zu Boris Jelzin und dessen Premierminister Wiktor Tschernomyrdin bekannt war. Und man muss sagen, dass ausländische Journalisten vollkommen in diese Falle tappten und lange Zeit Interfax vertrauten, während entsprechende Nachrichten von TASS bei ihnen keinerlei Vertrauen erweckten.

So ist es auch mit Telegram: Als die Russen erkannten, dass die Ukrainer ihren Fernsehsendern nicht mehr vertrauen, dass es keine Medwedtschuk-Kanäle mehr gibt, verstanden sie schnell, dass man ein Netzwerk anonymer Kanäle schaffen kann, die einerseits das schreiben, was der durchschnittliche Ukrainer entsprechend seinem recht einfachen Politikverständnis lesen möchte – ein Verständnis, das zusätzlich noch durch die Fernsehserie über „Diener des Volkes“ geprägt wurde – und andererseits unter diesem Deckmantel Informationen liefern, die der russischen Führung und den russischen Geheimdiensten nützen, und gleichzeitig auf Telegram Ausführende für die Absichten der russischen Geheimdienste suchen.

Und in diese Falle geriet nicht nur der durchschnittliche Ukrainer, der anonyme Information nicht von professioneller unterscheiden kann. Nein, in diese Falle geriet ein ganzes Büro des ukrainischen Präsidenten, das ein eigenes Netzwerk von Kanälen schuf – angeblich, um den Informationsraum zusätzlich zum unbeholfenen „Marathon“ zu monopolisieren, in Wirklichkeit aber, um genau nach dem Szenario zu handeln, das in den Büros an der Lubjanka geschrieben wurde.

Und wenn der Präsident der Ukraine jetzt von einer möglichen Rekrutierung der Saboteurin über Telegram spricht, sollte er daran denken, dass in eben diesem Telegram ein ganzes Netzwerk von Kanälen existiert, die weniger auf reale Information als auf Propaganda im Interesse bestimmter politischer Kräfte und einzelner Personen ausgerichtet sind – Personen, die entweder tatsächlich mit der Macht verbunden sind oder Teil der Macht sind –, auf den Kampf gegen die Opposition, auf den Kampf gegen nüchterne Meinungen.

Und das ist ebenfalls Sabotage. Sabotage, die den Russen ungefähr so nützt wie der Terroranschlag in Lwiw und alles, was sie weiter planen werden – sowohl mit Hilfe dieses sozialen Netzwerks als auch mit anderen, an der Lubjanka gut bekannten Instrumenten.

Das sind die Schlussfolgerungen, die man ziehen muss, wenn wir über die Tragödie von Lwiw sprechen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія вербує терористів | Віталій Портников. 22.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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