Die falsche Opposition: Wie Nawalnys Umfeld das Putin-Regime normalisiert. Vitaly Portnikov. 06.01.2026.

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Vor dem Hintergrund des Skandals um den Leiter der politischen Projekte des FBK, Leonid Wolkow, möchte ich an meine Position erinnern: Das eigentliche Wesen dieser „politischen Projekte“ besteht in der Normalisierung des in Russland bestehenden Regimes.

Zu dieser Normalisierung hat bereits der Gründer des FBK, Alexei Nawalny, beigetragen, als er an den „Russischen Märschen“ teilnahm – das war genau die Normalisierung des russischen Nazismus, die es Putin in Zukunft ermöglichen sollte, eine „patriotische Gesellschaft“ für die aggressive Unterstützung eines Krieges gegen die Nachbarn zu formen.

Auch das „Smart Voting“ ist eine Form der Normalisierung. Eine Normalisierung der Kommunisten, der Schirinowski-Leute und all dieses übrigen Gesindels als angebliche reale Alternative zum Regime und zu „Einiges Russland“. Dabei ist das alles Unsinn und Lüge.

Auch „Die Krim ist kein Butterbrot“ ist Normalisierung, selbst wenn Nawalny vor seinem Tod von diesen Ansichten Abstand genommen hat. Denn schon die Fragestellung selbst setzt eine Diskussion zwischen Aggressor und Opfer über den Status eines besetzten Territoriums voraus und ruft dazu auf, die Position der Kollaborateure zu berücksichtigen.

Sogar die Fokussierung auf den Kampf gegen Korruption ist ebenfalls Normalisierung. Denn das Hauptproblem Russlands ist überhaupt nicht die Korruption, sondern das Fehlen jeder Möglichkeit der Bürger, auf die Macht in irgendeiner Frage Einfluss zu nehmen – ein totalitäres, tyrannisches, aggressives und furchterregendes Regime. Und mich interessiert: Wenn dieses Regime nicht stehlen würde, sondern einfach so seine eigenen Bürger ignorieren, sie ins Gefängnis stecken und Ukrainer töten würde – wäre dann alles in Ordnung?

Möglicherweise hatte Nawalny in den letzten Monaten seines Lebens die Gelegenheit, die ganze Fehlerhaftigkeit seiner Position zu überdenken. Doch seine Mitstreiter sind zu einer solchen Neubewertung offensichtlich nicht bereit. Die Normalisierung geht weiter – nun sogar in der Anwendung des Begriffs „Denazifizierung“ auf jene, die mit Waffen in der Hand gegen das Putin-Regime kämpfen, während Wolkow hektische Aktivität simuliert. Und in der Verachtung gegenüber den Vertretern der ukrainischen Führung als provinziellen Minderbegabten, die man nicht mit der „Elite des großen Russland“ vergleichen könne. Egal ob es die kremltreue Elite ist oder die Elite des FBK – entscheidend ist nur, dass sie sich für etwas Besseres halten als normale Menschen, besonders als jene, die aus Moskau fliehen mussten oder nie zur Macht gehörten.

Und in der Forderung, die russischen Bürger von der Verantwortung für den Krieg frei zu sprechen. Und in der Weigerung, die Berliner Erklärung zu unterzeichnen, um – Gott bewahre – nicht den erfundenen Wählerstamm zu verlieren. Und das ist schon keine private Korrespondenz von Leonid Wolkow mehr, das ist die politische Position von Julia Nawalnaja und des gesamten FBK.

Und ich verstehe überhaupt nicht, warum man diesen Teil der russischen Emigranten als Opposition bezeichnen sollte. In Wirklichkeit ist das ein gewöhnlicher Symbioseverbund aus Tschekisten-Agenten und nützlichen Idioten. Man muss lernen, die Dinge beim Namen zu nennen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Flucht vor der Wahrheit. Vitaly Portnikov. 17.12.2025.

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Schon in den Jahren meiner aktiven journalistischen Arbeit in Russland habe ich mich davon überzeugt, dass Zynismus und die Verdrehung von Begriffen untrennbare Merkmale der russischen politischen Kultur sind.

Deshalb „übersetze“ ich gewohnheitsmäßig das, was öffentlich oder sogar in einem privaten Gespräch gesagt wird, um zu verstehen, was der jeweilige politische Akteur tatsächlich sagen oder tun will – unabhängig von seinen deklarierten Überzeugungen.

Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass die Weigerung eines Teils der russischen Gegner des Putin-Regimes, die Berliner Erklärung zu unterzeichnen, keineswegs damit zu tun hat, dass diese Erklärung von Chodorkowski oder von irgendwem sonst verfasst wurde. Sondern damit, dass Wladimir Kara-Murza, Ilja Jaschin oder eine hypothetische Julija Nawalnaja auf institutioneller Ebene die Aggression ihres Landes gegen die Ukraine nicht verurteilen und sich nicht mit echter – und nicht bloß imitierter – gesellschaftlicher Aktivität befassen wollen.

Denn diese Menschen haben sich eine Realität ausgedacht, in der sie auf dem Wahlweg Anspruch auf Macht in Russland erheben und ihren potenziellen Wähler nicht verärgern dürfen. Das ist die Welt, in der sie leben. Aber das ist nicht die reale Welt, in der Ukrainer durch Raketen und Kugeln sterben.

Und ich verstehe sehr gut, warum Garri Kasparow außer sich geraten ist. Bei einem normalen Menschen können Zynismus und Lüge nur Wut hervorrufen. Und Garri hat immer so reagiert. Vielleicht wird jemand sagen, dass er deshalb ein schlechter Politiker ist.

Aber wenn du beanspruchst, ein Land zu vertreten, in dem es überhaupt keine Politik gibt, musst du kein guter Politiker sein. Du musst ein anständiger Mensch sein und zumindest an deine eigene Ehre denken – denn das ist letztlich das Beispiel für jene, die auf Ehre und Würde verzichtet haben.

Man muss zumindest lernen, nicht zu lügen.


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.12.2025.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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