Ertrage nicht – Geduld wird dich nicht retten. Mychajlo Hensjor.

Das Gedicht von Mychajlo Hensjor (verfasst im Jahr 2009) ist eine Art poetische Polemik bzw. eine bewusste Antwort auf das berühmte Werk von Vasyl Stus Ertrage, ertrage – Geduld wird dich formen. Hensjor widerspricht der zentralen These von Stus: Statt „ertrage“ sagt er „ertrage nicht“ und verwandelt damit ein stoisches Gebet in einen Aufruf zum Handeln und zum individuellen Aufbegehren.

Ertrage nicht – Geduld wird dich nicht retten.
Stähl deinen Geist, sei unbeugsam bis zum Tod.
Nur der von dir erwählte Weg wird dich erretten,
auch wenn Gott zornig mit dem Finger droht.
Folgt auch niemand dir auf deinem Wege,
so weich nicht ab von deinem schwersten Pfad.
Persönlichkeiten härten sich in Flammen und im Regen,
die Welt wird gnädiger, wenn du ans Ziel gelangst.

Ти не терпи - терпець тебе не порятує.
Стали свій дух, і впертим ти до смерті будь.
Лиш вибраний тобою шлях тебе врятує.
Хоча би гнівний перст Господь поклав на грудь.
Якщо й ніхто не піде слідом за тобою,
Ти не звертай із власної найтяжчої тропи,
Лиш особистості гартуються вогнем й водою,
Добрішим світ постане, коли дійдеш ти до мети.

🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Gedicht
Titel des Originals: Ти не терпи – терпець тебе не порятує. Михайло Генсьор.
Autor: Mychajlo Hensjor
Veröffentlichung / Entstehung: 2009
Originalsprache:
uk

Plattform / Quelle: Facebook

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Ertrage, ertrage – Geduld wird dich formen. Vasyl Stus.

Ertrage, ertrage - Geduld wird dich formen,
Sie stählt deinen Geist – drum halte aus.
Keiner wird dich aus der Not erlösen,
Keiner stößt vom eigenen Pfad hinaus.
Auf dem steh und schreite bis an das Ende,
solange es Welt und Sonne gibt.
Ob's zum Himmel, zur Hölle, zur Haft sich wendet –
Steh alles durch, so hart es auch tritt.
Bahne den Weg, der als deiner erkoren,
Der dich erwählte für alle Zeit.
Von Kindheit an hast du dich ihm verschwören
Und Gott selbst hat dich ihm verdammt.

70-80 Jahre 20. Jahrhundert 

Ertrage nicht – Geduld wird dich nicht retten. Mychajlo Hensjor.


Терпи, терпи — терпець тебе шліфує,
сталить твій дух — тож і терпи, терпи.
Ніхто тебе з недолі не врятує,
ніхто не зіб'є з власної тропи.
На ній і стій, і стрій — допоки скону,
допоки світу й сонця — стій і стій.
Хай шлях — до раю, пекла чи полону —
усе пройди і винести зумій.
Торуй свій шлях — той, що твоїм назвався,
той, що обрав тебе навіки вік.
До нього змалку ти заповідався
до нього сам Господь тебе прирік.

🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Gedicht
Titel des Originals: «Терпи, терпи — терпець тебе шліфує» Василь Стус
Autor: Vasyl Stus
Entstehung: 70-80 Jahre 20. Jahrhundert
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Ich bin da – und nicht da. Julia Styrkina.

Alles scheint unverändert zu sein – überall,
doch die Koordinaten des Lebens sind fort,
und die Schaukel schwankt so, als wär sie ein Ort,
eine Brücke zwischen Zukunft und dem, was verhallt,
Zeit gekreuzigt – der Raum verschwindet im Trug,
zarte Stimmen erscheinen der Schaukel im Traum,
und so sehr man auch will – wiederkehren wird kaum
echtes Lachen sorgloses, im Frühlingsanflug,
Jemand Fernes, verloren, in Fremde verirrt,
und die Luft ohne ihn oder sie – liegt so still,
bleibt das andre – doch das ist es nicht, was man will;
es bleibt Leere in dir, eine Falle in dir,
wie die Adern zerrissen Blutbände so roh,
und Laternen – sie warten vergeblich auf Eigenes,
und vergeblich erwarten die Felder und Heinen es:
alles ist illusorisch, und alle nicht so,
ich bin da – und nicht da, bin nicht da – und doch hier,
und die Lippen im Dunkel der Nacht flüstern leis’
alle höllischen Flüche dem, der entfesselt den Krieg,
und mich trennte für immer von Meinem und mir....



Ще подекуди наче усе, як було,
але координати утратили зміст,
і гойдається гойдалка, нібито міст
між майбутнім та тим, що давно відгуло,
час розіп'ято, простір тікає у сни,
сняться гойдалкам інші тонкі голоси,
і ніколи не вернеться, як не проси,
щирий сміх безтурботний і барви весни,
хтось далекий – далеко, в незнаній юрбі,
і повітря без нього чи неї пусте,
залишається інше, та інше не те,
залишається пустка і пастка в тобі,
мов судини, надірвані крівні зв'язки,
і ліхтарні намарно чекають своїх,
і намарно чекають лани та гаї –
все примарне тепер, і усі не такі,
я і є – і немає, немає – і є,
тільки губи шепочуть у сутінь нічну
всі пекельні прокльони тому, хто війну
розв'язав, розірвавши мене і моє...