Europa unterwirft sich Usmanow | Vitaly Portnikov. 23.09.2026.

Die russischen Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman, die man zu den Wladimir Putin am nächsten stehenden Oligarchen zählen kann, sind nach jahrelangem Kampf um eine solche Streichung von der Sanktionsliste der Europäischen Union gestrichen worden.

Für Aufsehen bei dieser Entscheidung sorgte die Tatsache, dass ausgerechnet Frankreich das Land war, das die Streichung Alischer Usmanows faktisch durchgesetzt hat. Der französische Präsident Emmanuel Macron weigerte sich, einer Verlängerung der Sanktionsliste der Europäischen Union zuzustimmen, solange Usmanow auf ihr stand. Damit wurde erneut demonstriert, über welch realen Einfluss die russischen Magnaten verfügen können.

Man könnte meinen, dass sich auf der Liste der Europäischen Union weiterhin zahlreiche führende russische Politiker, Oligarchen und Propagandisten befinden. Doch woher haben Usmanow und übrigens auch Fridman einen solchen Einfluss, dass sie von der Sanktionsliste gestrichen wurden?

Usmanow nutzte all seine zahlreichen internationalen Verbindungen, um seine Streichung von der Sanktionsliste der Europäischen Union zu erreichen. In verschiedenen Jahren setzte sich der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán dafür ein. Später schloss sich ihm der slowakische Ministerpräsident Robert Fico an. Nun, das sind durchaus verständliche Figuren, die für ihre Verbindungen zu Moskau bekannt sind.

Jedes Mal gelang es, diesen Versuchen Budapests und Bratislavas entgegenzutreten, obwohl die Schwester Alischer Usmanows von der Sanktionsliste gestrichen wurde, damit Ungarn sein Veto gegen die Verlängerung der Sanktionen gegen russische Politiker und Geschäftsleute zurücknahm. Diesmal ging es jedoch bereits um Usmanow selbst.

Wie es heißt, kamen entsprechende Bitten sowohl von der Führung der Slowakei und später Frankreichs als auch vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und vom usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev. Entscheidend wurde jedoch das Bestreben des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev.

Zwischen Paris und Baku laufen derzeit vertrauliche Verhandlungen über die Freilassung eines französischen Staatsbürgers, der sich in einem aserbaidschanischen Gefängnis befindet. Und wahrscheinlich war gerade dieser Dialog der Grund dafür, dass für Emmanuel Macron die Streichung des russischen Oligarchen von der Sanktionsliste zu einem angemessenen Preis für die Freiheit eines eigenen Staatsbürgers wurde.

Doch über welchen Einfluss verfügt Alischer Usmanow dann in der turksprachigen Welt, wenn die Präsidenten gleich mehrerer Staaten versuchen, seine Streichung von der Sanktionsliste zu erreichen? Und welchen tatsächlichen Einfluss auf die Politik dieser Länder hat dann Wladimir Putin, von dem Alischer Usmanow, wie wir sehr gut verstehen, bei seinen Geschäftsprojekten abhängig ist? Ja, möglicherweise handelt es sich um eine gegenseitige Abhängigkeit, um eine Symbiose von Geheimdienstlern und Oligarchen, aber diese Symbiose besteht weiterhin.

Michail Fridman, der stets darauf bedacht war, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, und der trotz seiner Nähe zum Kreml viele Jahre lang verschiedene Kulturveranstaltungen in seiner Heimatstadt Lwiw finanzierte und ein Idol der dortigen politischen und kulturellen Elite war, ist, könnte man sagen, noch auf den letzten Waggon des Zuges aufgesprungen, der es ihm ermöglichte, als Letzter von der Sanktionsliste gestrichen zu werden. Denn die gesamte übrige Liste wurde um drei Jahre verlängert. Auch das ist der Preis dafür, dass Usmanow und Fridman nicht mehr auf ihr stehen. Und hätte sich der Oligarch nicht rechtzeitig darum gekümmert, wären in den kommenden drei Jahren jegliche Lobbyversuche für Streichungen von der Sanktionsliste ausgeschlossen gewesen.

So aber schaltete sich Luxemburg, mit dem Fridman einen Rechtsstreit wegen der Blockierung seiner bei Banken dieses Staates liegenden Vermögenswerte führt, in den Streit um die Streichung Usmanows ein und erzielte sein eigenes Ergebnis – diesmal offenbar im Zusammenhang mit dem Wunsch, einen Prozess gegen einen russischen Oligarchen, der der Führung seines eigenen Landes nahesteht, nicht zu verlieren.

Nun können wir natürlich über die Distanzierung der zivilisierten Welt von Russland, seiner Führung und seinen Oligarchen sprechen. Doch die Geschichte mit Usmanow und Fridman beweist erneut:

  • Erstens ist diese Distanz nicht so groß, wie es uns scheint.
  • Zweitens bleibt Moskaus Einfluss auf die Länder des postsowjetischen Raums und auf Staaten, die besondere wirtschaftliche Beziehungen zu Russland unterhalten, weiterhin bestimmend. Und wir unterschätzen schlicht das Ausmaß dieses Einflusses, wenn wir lautstarke offizielle Erklärungen mit den tatsächlichen Positionen in der Wirtschaft und den realen finanziellen Interessen der führenden Persönlichkeiten verwechseln, die niemandem Rechenschaft ablegen müssen.
  • Drittens bleibt für die Europäische Union der Begriff der Zweckmäßigkeit noch immer wichtiger als der Begriff der Prinzipien.

Und das eröffnet die Möglichkeit, jede beliebige Form der Beziehungen zum russischen Geschäftsleben wiederherzustellen, falls es gelingt, zu irgendeiner Art von Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu kommen.

Wir sprechen häufig davon, dass Amerikaner aus dem engsten Umfeld Donald Trumps gemeinsam mit den Russen Geld verdienen wollen. Doch für Steve Witkoff und Jared Kushner sind das lediglich Projekte, die möglicherweise niemals verwirklicht werden. Für europäische Politiker und für diejenigen hingegen, die sich für die Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow und Fridman eingesetzt haben – mit all ihren Konten bei westlichen Banken, all ihren Unternehmen, all ihren Jachten und Möglichkeiten –, ist das bereits eine völlig andere Geschichte. 

Diese Geschichte handelt nicht vom Einfluss von morgen, sondern vom Einfluss von heute. Und sie ist eine Bewährungsprobe dafür, den Einfluss führender russischer Oligarchen einzudämmen, die bei ihrem Handeln stets die Wünsche und Begehrlichkeiten des Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin und der Spitze des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation berücksichtigen.

Das muss nun natürlich berücksichtigt werden, wenn wir über die politische Landschaft Europas sprechen und darüber, wer dieses Europa in den kommenden Jahren führen wird, und darüber, auf welchen Wegen nun Finanzströme kanalisiert werden können, die der Unterstützung von Politikern dienen, die bereit sind, sich mit Moskau zu verständigen, sowie von Geschäftsleuten, die bereit sind, mit Moskau Geschäfte zu machen. 

Das ist also der Triumph von Alischer und Michail, der sich bei näherer Betrachtung als Triumph Wladimir Putins erweisen könnte.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Европа легла под Усманова| Виталий
Портников. 23.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.09.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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