Unter dem Verdacht der Korruption beim Bau von Schutzbauten für ukrainische Flugzeuge wurden der Logistikkommandeur der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine, Oberst Andrij Ukrajinez, sowie der Leiter der SBU-Verwaltung in Schytomyr, Oberst Wolodymyr Kompanijtschenko, festgenommen.
Es ging dabei nicht um einzelne Fälle korrupter Missbräuche, sondern um die Schaffung – man könnte sagen – eines ganzen Korruptionssystems, das mit der Bestechung von Mitarbeitern der militärischen Gegenspionage sowie mit der Suche nach loyalen Prüfern verbunden war, um umfangreiche Korruptionsvergehen zu verschleiern.
In solchen Korruptionsfällen erstaunt mich vor allem die Psychologie der Menschen, die sich daran beteiligen. Denn wir verstehen, dass bereits die Idee, beim Bau von Schutzbauten für Flugzeuge zu betrügen, unmittelbar mit der faktischen Zerstörung des militärischen Potenzials der Streitkräfte der Ukraine verbunden ist.
Wenn dies ein feindlicher Agent tut, der Befehle seines Kommandos ausführt und daran interessiert ist, dass möglichst viele ukrainische Flugzeuge durch feindliche Luftangriffe, Drohnen oder Raketen zerstört werden, dass die Schutzbauten minderwertig sind – dann kann man das zumindest nachvollziehen. Das ist die Logik des Krieges, die Logik des Kampfes.
Wenn es jedoch ein eigener Militär tut, zerstört er faktisch die Voraussetzungen für sein eigenes Überleben – nicht nur für das Überleben des Landes, das er verteidigt. Wenn es der Leiter einer gesamten regionalen Verwaltung des Sicherheitsdienstes der Ukraine tut, untergräbt er ebenfalls die Grundlagen seines eigenen Überlebens und seiner Karriere. Denn es ist offensichtlich: Wenn Russland die Ukraine zerstört und die Gebiete besetzt, in denen beide Obersten arbeiten oder dienen, werden sie weder Logistikchefs noch Leiter einer regionalen SBU-Verwaltung sein. Und kein gestohlenes Geld wird sie schützen.
Hier fehlt es an Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen – nicht einmal auf dem Niveau eines Durchschnittsbürgers, sondern auf dem eines Kindes. Die Hoffnung, dass niemand Schaden nehmen wird, wenn jemand auf einem militärischen Objekt riesige Summen stiehlt, dass mit den Flugzeugen nichts Schreckliches geschieht. Und wenn doch – dann geschieht es eben, was macht es schon für einen Unterschied, wie sorgfältig die Schutzbauten errichtet wurden?
Übrigens folgten Menschen, die in der ukrainischen Energiewirtschaft stahlen – angefangen beim ehemaligen Minister Haluschtschenko bis hin zum berüchtigten Mindych – einer sehr ähnlichen Logik. Sie glaubten, bei ihnen werde das Licht schon brennen, und wenn infolge ihres Diebstahls Millionen Menschen ohne Strom bleiben, nun gut – das ist Krieg. Der Krieg, sozusagen, schreibt alles ab.
Und dass im Falle des Verschwindens der ukrainischen Staatlichkeit der Energieminister kein Minister mehr sein wird und kaum hohe Positionen in einer Besatzungsverwaltung bekleiden dürfte, wird offenbar ebenfalls nicht bedacht. Die Menschen leben nicht einmal im Heute, sondern in einem einzigen Moment – dem Moment, in dem man Geld stehlen kann.
Das wirft auch grundsätzlich die Frage nach der Personalpolitik auf. Inwieweit können Menschen, die heute in verantwortlichen Behörden arbeiten und bedeutende Positionen innehaben, nicht nur integer sein – was selbstverständlich eine wichtige Voraussetzung für die Ausübung von Macht in einer Zeit ist, in der es um das Überleben der Staatlichkeit selbst geht, und überhaupt in jeder Zeit –, sondern zumindest auch weitsichtig?
Weitsicht kann Integrität ersetzen, wenn ein Mensch sich der Folgen seiner kriminellen Tätigkeit bewusst ist. Das Bewusstsein, dass kriminelles Handeln sich nicht nur auf die Interessen des Staates und der Gesellschaft auswirken kann, sondern auch auf die eigenen Interessen – auf die Interessen eines ehemaligen Ministers oder Obersten, der seine Position, seinen Rang, seinen Platz in der Macht erhalten will. Selbst wenn man annimmt, dass Menschen solche Ämter des korrupten Geldes wegen anstreben – sollte man doch darüber nachdenken, welche Rolle dieses Geld im Falle des Verschwindens des Staates spielen kann, dem sie dienen. Warum geschieht das nicht?
Andererseits ist es wichtig, dass solche Korruptionsverbrechen inzwischen untersucht werden können, dass nicht nur die nationalen Antikorruptionsorgane arbeiten, sondern auch die Dienste der inneren Sicherheit – sowohl in der SBU als auch in den Streitkräften. Denn es ist offensichtlich, dass ohne gründliche Arbeit der inneren Sicherheitsdienste solche eklatanten Missbräuche in einem Bereich, der tatsächlich eine Frage des Überlebens der ukrainischen Armee ist, kaum ans Licht gekommen wären. Es geht um den Schutz vor russischen Luftangriffen, um die Bewahrung der Technik, die wir unseren Verbündeten buchstäblich abringen – jedes Flugzeug, jedes Luftverteidigungssystem, jede Rakete. Man sieht, wie schwer das derzeit ist, insbesondere nachdem Donald Trump in den Vereinigten Staaten an die Macht gekommen ist. Und deshalb ist es so wichtig, diese Arsenale für die kommende Phase des russisch-ukrainischen Krieges zu bewahren.
Doch wir sehen, dass die Probleme keineswegs nur in russischen Beschüssen liegen, sondern auch in eigenen Korrupten. Das erfordert selbstverständlich, dass in der nächsten Phase des russisch-ukrainischen Krieges die Antikorruptionsstrukturen sorgfältig arbeiten und die inneren Sicherheitsdienste in den zuständigen Behörden ernsthaft tätig sind, damit es dort keine Korruption gibt. Wir sollten darüber nachdenken, wie die entsprechenden Sicherheitsstrukturen in der Vergangenheit gebildet wurden, als es für viele Menschen, die dorthin kamen, in erster Linie einfach nur ein Job oder eine Möglichkeit zur Bereicherung war – als diese Menschen sich des gesamten Ausmaßes der Herausforderungen, vor denen der ukrainische Staat stehen würde, nicht bewusst waren, wenn er wirklich eigenständig würde; wenn die Ukraine aufhören würde, eine umbenannte sowjetische Republik zu sein, wie sie es im Wesentlichen bis zum Sieg des Maidan 2013–2014 war, und ihre Armee, ihr Sicherheitsdienst und andere Sicherheitsorgane real und nicht nur simuliert wären, deren einzige Aufgabe es war, Geld für ihre Familien zu verdienen und Tätigkeit zu imitieren.
Nein. Nachdem die Ukraine ein echter Staat geworden ist und sich im Kampf mit einem echten Imperium befindet, das sein Territorium auf unsere Kosten wiederherstellen will, ist das kein Kinderspiel mehr, keine bloßen Korruptionsvergehen, kein Gelderwerb für eigene Bedürfnisse auf Kosten des Staates und seiner Bürger. Es ist eine viel ernstere Frage – eine Frage des Überlebens des Staates und der Nation selbst. Und genau so muss man jedes Verbrechen eines hochrangigen Beamten, eines Militärs, eines Leiters, eines Vertreters des Sicherheitsdienstes oder des Innenministeriums betrachten.
Jeder Korruptionsfall trägt faktisch zum möglichen Verschwinden des ukrainischen Staates in naher Zukunft bei, zur Zerstreuung des ukrainischen Volkes außerhalb seines Lebensraums – also zur Verwirklichung jener Ziele, die der Präsident Russlands seiner Armee und seiner Gesellschaft nicht erst 2022, sondern bereits 2014 gesetzt hat, als die grundsätzliche Entscheidung zur Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit getroffen wurde. Und jeder Korruptionstäter in der ukrainischen Regierung, im ukrainischen Militär oder im Sicherheitsdienst unterstützt diese ehrgeizige, grausame Aufgabe Putins und seiner Landsleute. Daran sollte man sich immer erinnern, wenn wir über jeden solchen Fall sprechen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Полковники на відкатах | Віталій Портников. 25.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 25.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von
Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
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