Der US-Außenminister Marco Rubio betonte bei Anhörungen im Kongress, dass beim nächsten Verhandlungsrundgang zwischen Russland und der Ukraine die amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner nicht anwesend sein werden. Rubio erklärte den Kongressabgeordneten, dass zwar einige amerikanische Vertreter bei diesen Gesprächen dabei sein könnten, jedoch nicht Witkoff und Kushner. Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten jene Verhandlungsrunde, die bereits in dieser Woche stattfinden soll, als rein technisch betrachten.
Wir verstehen, dass Witkoff und Kushner, die direkten Zugang zu Präsident Trump haben, Druck auf die Verhandlungsteilnehmer ausüben können und dass zumindest ihre Meinung von der russischen Seite berücksichtigt wird. In Abwesenheit von Witkoff und Kushner wird jede Diskussion zwischen den Delegationen ausschließlich technische Details betreffen. Und meiner Ansicht nach sollte man diese Gespräche auch genau so wahrnehmen. Vertreter Russlands und der Ukraine können – mit oder ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten – bestimmte technische Details und Vereinbarungen diskutieren, die jedoch nur dann Sinn ergeben, wenn zuvor eine politische Entscheidung getroffen wird.
Der US-Außenminister versuchte den Kongressabgeordneten zu erklären, dass sich die politische Entscheidung derzeit ausschließlich auf eine einzige Frage bezieht – die territoriale – und dass dies jene Brücke ist, die bislang nicht überquert werden konnte. Rubio betonte, dass die Ukraine sehr schmerzhaft an die Frage eines Verzichts auf eigene Territorien zugunsten der Russischen Föderation herangeht. Doch auch auf russischer Seite sei die Situation ähnlich. Ihre Propaganda habe den Bürgern jahrelang erklärt, dass sie den Krieg gewinnen. Deshalb könnten jegliche Kompromisse mit der Ukraine nach Ansicht des Leiters des amerikanischen außenpolitischen Ressorts bei russischen Bürgern auf Unverständnis stoßen.
Meiner Meinung nach überschätzt Rubio jedoch die Rolle der russischen Gesellschaft in den Kalkulationen von Präsident Putin. Die Russen werden jeder Version zustimmen, die ihnen vom Präsidenten Russlands und seinen Propagandisten präsentiert wird. Putin selbst aber ist tatsächlich entschieden nicht bereit, irgendwelche Zugeständnisse zu machen, in der Hoffnung, so lange Zeit zu schinden, wie Donald Trump mit seiner Administration im Weißen Haus bleibt.
Denn die Vorstellung des US-Außenministers, dass sich derzeit alle Probleme auf eine einzige Frage reduziert hätten – wie ich es verstehe, auf den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenen Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk, die unter Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung stehen – könnte später zu einer großen Enttäuschung führen.
Erstens stellt der russische Präsident diese Bedingung in dem Wissen, dass ihr zumindest in der aktuellen Phase der Verhandlungen niemand zustimmen wird, und er behält sich damit freie Hand für die Fortsetzung des Krieges und der Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur.
Zweitens: Selbst wenn man sich theoretisch vorstellt, dass es gelingen könnte, irgendein Einvernehmen in der sogenannten territorialen Frage zu finden – und die Amerikaner suchen, wie wir wissen, aktiv nach einem solchen Einvernehmen, etwa in Form einer sogenannten demilitarisierten freien Wirtschaftszone im Donbas –, könnte Putin sofort neue Fragen aufwerfen, die aus seiner Sicht nicht weniger wichtig sind, und darauf bestehen, nun gerade diese zu diskutieren.
Ein Beispiel dafür sind Sicherheitsgarantien. Der Westen besteht weiterhin auf der Idee einer möglichen Stationierung von Kontingenten europäischer NATO-Mitgliedstaaten auf ukrainischem Territorium. Die Europäer diskutieren dies aktiv mit der amerikanischen Administration. Doch wir verstehen sehr gut, dass Russland niemals der Möglichkeit zustimmen wird, dass Truppen von NATO-Mitgliedstaaten auf dem Territorium der Ukraine erscheinen. In dieser Situation werden sämtliche Vorschläge, die mit realen Sicherheitsgarantien für die Ukraine verbunden sind, ebenfalls auf offensichtlichen russischen Widerstand stoßen.
Die Frage ist hier nicht einmal, welche neuen Bedingungen Moskau vorbringen wird, um den sogenannten Verhandlungsprozess zu bremsen. Die eigentliche Frage ist, ob die Amerikaner begreifen, dass Putin praktisch zu keinerlei Einigung mit Trump bereit ist und lediglich die Gutgläubigkeit des amerikanischen Präsidenten oder Trumps Bereitschaft, ihm entgegenzukommen, ausnutzt. Oder ob man in Washington tatsächlich glaubt, dass der russische Präsident zu Zugeständnissen bereit ist und das Hauptproblem lediglich darin besteht, die Ukraine zu überzeugen, eine „rationale“ Lösung der territorialen Frage zu finden und dann Putin so unter Druck zu setzen, dass er dieser rationalen Variante zustimmt.
Genau darin liegt das eigentliche, ernsthafte Problem dieses Verhandlungsprozesses: im mangelnden Verständnis für die Realitätsnähe der Positionen gerade der amerikanischen Administration. Also darin, ob Trump, Witkoff, Rubio und andere Beteiligte des Prozesses wirklich glauben, dass Putin bereit ist, mit Washington und Kyiv zu verhandeln. Oder ob sie bereits erkannt haben, dass der russische Präsident keinerlei echtes Interesse an einem Kriegsende hat und dass die amerikanischen Druckinstrumente auf Putin zumindest unter den gegenwärtigen Umständen stark begrenzt sind.
Dann bleibt – wie so oft in der politischen Karriere Trumps und seiner Mitstreiter – nur, gute Miene zum bösen Spiel zu machen: den Prozess der Suche nach einer Friedenslösung zu demonstrieren und zu betonen, dass man diesem Ziel angeblich nur noch wenige Meilen entfernt sei, dass es nur noch eine zentrale Frage gebe, nur noch eine Brücke, die nicht überquert werden könne. Mit anderen Worten: die Illusion eines Friedensprozesses zu erzeugen und alle – vielleicht sogar sich selbst – davon zu überzeugen, dass es sich um einen realen Friedensprozess handelt.
Alles wäre halb so schlimm, wenn dieses Spiel mit dem Friedensprozess nicht die militärische Hilfe für die Ukraine behindern würde. Wenn dieses Spiel den Transfer von Langstreckenwaffen an die Ukraine nicht faktisch gebremst hätte – Waffen, mit denen wir längst eine große Zahl strategischer russischer Objekte hätten zerstören und die Russen zumindest zwingen können, auf all das barbarische Vorgehen zu verzichten, das wir heute vor unseren Augen sehen.
Und man muss ehrlich sagen: Jene, die versuchen, die Realität durch eine weitere außenpolitische Illusion zu ersetzen, tragen im Grunde zur Fortsetzung dieses Barbarentums bei – selbst dann, wenn sie ihre mangelnde Bereitschaft, der Ukraine wirksam zu helfen, mit friedensstiftender Aktivität oder mit der angeblichen Gefahr einer direkten Konfrontation mit der Russischen Föderation rechtfertigen, die – wie wir verstehen – bei einer solchen Haltung zur Situation früher oder später ohnehin eintreten wird.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини без Віткоффа і Кушнера | Віталій Портников. 29.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.