Pro-russische Telegram-Kanäle in Kirgisistan verbreiten aktiv die Information, dass drei Abgeordneten des Landesparlaments, die derzeit um ihre Wiederwahl in das neue Gesetzgebungsorgan kämpfen, die Einreise in die Russische Föderation wegen ihrer Beteiligung an der Verabschiedung eines Gesetzes, das angeblich Basmaschi* und Kollaborateure rehabilitiert, verboten worden sei. Diese Abgeordneten sind Zhanar Akaev, Mirlan Samojkascho und Chalpon Sultanbekov.
Dabei wurde das Gesetz zur Rehabilitierung der Opfer politischer Repressionen im ersten Lesung vom Parlament Kirgisistans einstimmig angenommen. Die Angriffe auf diese Gesetzgebung sind in diesem Fall ein Signal an alle Kandidaten für das neue Parlament Kirgisistans, ihren Eifer zu mäßigen und nicht einmal daran zu denken, sowjetliche Klischees in ihrem historischen Ansatz zu überdenken.
Denn wir wissen sehr wohl, welche Ziele die russische Propaganda verfolgt. Der Kampf gegen die Rote Armee, gegen diese Bande von Mördern, die alle vernichtete, die sich gegen die bolschewistische Ideologie und den großrussischen Chauvinismus stellten, soll weiterhin als Verbrechen gelten. Die stalinistischen Repressionen, nachdem Kirgisistan zusammen mit anderen zentralasiatischen Ländern erneut von den Bolschewiken besetzt worden war und nachdem der Kampf gegen die nationale Intelligenzija und gegen alle, die an nationale Würde dachten, begonnen hatte, müssen als Kampf gegen Kollaborateure und Verräter betrachtet werden.
Und wenn Zhonard Akaev das Thema der Rehabilitierung der Opfer politischer Repressionen zu einem Teil seines Hintergrunds als Parlamentarier macht, muss das in den Augen der kirgisischen Gesellschaft und derjenigen, die im neuen Parlament Kirgisistans sitzen werden, als schwarzes Mal erscheinen — ein Makel, den die prorussische Propaganda erhob, weil er vorgeschlagen hatte, im höchsten Gesetzgebungsorgan Kirgisistans auf Kirgisisch aufzutreten und die Priorität der kirgisischen Sprache in Kirgisistan (nicht in Russland) in Betracht zu ziehen.
Und natürlich sind derartige Vorwürfe Teil einer allgemeinen Kampagne, alle Politiker einzuschüchtern, die über die Priorität der kirgisischen Sprache, der Geschichte und der nationalen Tradition nachdenken. Solche Vorwürfe richteten die prorussischen Propagandisten auch gegen Chalpon Sultanbekowa.
Das heißt: Diese drei Abgeordneten des kirgisischen Parlaments wurden nicht zufällig zum Angriffsziel gewählt. Praktisch immer, wenn sich ein Politiker im postsowjetischen Raum Gedanken über die Bewahrung der eigenen Sprache und historischen Tradition macht oder sich an der Schaffung von Möglichkeiten zur Rehabilitierung des Andenkens derjenigen beteiligt, die für die Interessen ihres eigenen Volkes kämpften und nicht für die Interessen der Bolschewiken und des russischen Chauvinismus, taucht umgehend irgendeine offizielle Reaktion aus Moskau auf.
Wir wissen noch nicht, ob das Einreiseverbot in die Russische Föderation tatsächlich verhängt wurde oder ob es sich lediglich um ein propagandistisches Signal handelt bzw. ob verschiedene Ressourcen der russischen und prorussischen Propaganda eingesetzt werden, um mit einer Hetzjagd gegen Menschen zu beginnen, die nationalen und national-demokratischen Positionen anhängen. In der politischen Geschichte der Ukraine geschah dies ständig, und auch jetzt, während des großen russisch-ukrainischen Krieges, geschieht es.
Wir haben uns daran gewöhnt, dass derjenige, der für die Staatlichkeit der eigenen Sprache eintritt, als Nationalist gilt, während derjenige, der verlangt, dass Menschen, die in ihrer Muttersprache sprechen, diese nicht bewahren können sollen, keineswegs ein russischer Chauvinist ist, sondern ein Internationalist und Anhänger der richtigen politischen und historischen Wahl.
Wir wissen, was mit den Völkern passiert, die diese Ideologie des russischen Chauvinismus nicht für richtig halten: Sie werden bombardiert, Truppen werden auf ihr Territorium eingeführt, Zivilisten werden beschossen. Und, wie wir sehen, betrifft ein derartiges ideologisches Programm keineswegs nur die Ukraine.
Überall dort, wo man anfängt, über reale Möglichkeiten eigener Staatlichkeit nachzudenken, beginnt man, die Menschen mit allen möglichen Methoden und Mitteln einzuschüchtern. Und es geht am Ende nicht darum, welcher Abgeordnete des kirgisischen Parlaments nach Russland einreisen kann und welcher nicht, sondern darum, dass die Parameter dessen, wer für die Russische Föderation und für die von ihr unterstützte Propaganda als verlässlich gilt, klar abgesteckt werden.
Das sind Leute, die bereit sind, auf ihre eigene nationale Würde und auf die staatsbürgerlichen Interessen ihres Landes zu verzichten. Der Kreml braucht genau solche Staatsoberhäupter. Deshalb tut Russland stets alles, um in den ehemaligen sowjetischen Republiken seine Marionetten an die Macht zu bringen oder diejenigen, die bereits an der Macht sind, zu Marionetten zu machen.
Der Kreml braucht nicht einfach Einwohner dieses oder jenes Landes, sondern Völker, die ein Gefühl der Minderwertigkeit, der Zweitrangigkeit gegenüber dem russischen Volk empfinden. Der Kreml will nicht Nachbarstaaten, mit denen gleichberechtigte, gute nachbarschaftliche Beziehungen aufgebaut werden können, sondern Territorien für Militärbasen.
Hätte Moskau die Möglichkeit, würde es ganz Zentralasien in ein großes Semipalatinsk verwandeln. Und wenn jemand sagt, man müsse derjenigen gedenken, die die Interessen des kirgisischen Volkes verteidigt haben, dass man kirgisisch sprechen und die Geschichte Kirgisistans studieren solle, erregt das sofort Hass, Ärger und das Versprechen zu verbieten und unterbinden.
* Die Basmaschi waren Mitglieder einer bewaffneten antikommunistischen Widerstandsbewegung in Zentralasien, die nach der bolschewistischen Revolution (1917–1930er Jahre) gegen die sowjetische Herrschaft kämpfte. Sie setzten sich vor allem aus lokalen Bauern, Stammesführern und ehemaligen Militärs zusammen und wollten die russisch-bolschewistische Besatzung beenden und die Unabhängigkeit bzw. islamisch geprägte Selbstbestimmung der zentralasiatischen Völker (u. a. in Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan und Turkmenistan) wiederherstellen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Россия унижает кыргызов | Виталий Портников. 10.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 10.11.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.