Wenn Kinder sich an den Krieg gewöhnen. Julia Novoselova. 07.08.2026.

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5.08 Uhr, Zug Charkiw–Iwano-Frankiwsk. Neben meinem Waggon sind zwei Kinderwaggons, und wir sind um 00.40 Uhr nachts in Kyiv. Wir hören Sirenen, die Apps melden die Gefahr ballistischer Raketen, die Zugbegleiterin bittet uns, uns in Sicherheit zu bringen.

Schnell gehen wir, verschlafen, in den Schutzraum in der Metrostation. Kleine Hunde, Katzen in Transportboxen. Viele Kinder – ganz kleine und etwas ältere. Manche schlafen auf dem Arm ihrer Mutter, manche haben sich fest an den Hals ihrer Mutter geklammert und schauen den Erwachsenen aufmerksam in die Augen. Die stickige Luft ist unerträglich, die Menschen haben sich auf den Boden gesetzt.

Wir hören Explosionen, unsere Augen kleben am Handybildschirm mit den Nachrichten.

„Shahed! Sofort alle in den Schutzraum!“ Die Menge geht tiefer hinein.

Und ich kann die ganze Zeit nicht verstehen – was stimmt hier nicht? Ich habe mir die Menschenmenge genau angesehen.

Viele Kinder, und viele von ihnen schlafen nicht. Stille! Und kein einziges Kind quengelt oder weint (erinnert ihr euch an Flugzeuge oder Züge auf dem Weg ans Meer?)!!! Wir sind müde und schon seit fast zwei Stunden hier. Ich möchte weinen!!

Kein einziger Hund bellt oder ist unruhig. Alle sitzen einfach still da und warten gehorsam. 🤦🏻‍♀️

Und da bekam ich Angst.

Als Mutter mit Erfahrung, die weiß, wie emotional und sensibel Kinder sind. Kinder haben keine Wahl. Sie müssen Schönes sehen, denn das prägt die MENTALITÄT, es ist wie ein aufgeräumtes Zimmer am Morgen: Du öffnest die Augen, und im Kopf herrscht Ordnung.

Das prägt die Mentalität, die neuronalen Verbindungen, die Maßstäbe für die Zukunft: eine saubere Serviette, ein ganzes, nicht kaputtes Spielzeug, Blumen auf dem Tisch und ein schöner Teller.

… Wahrscheinlich ist das Schrecklichste, was der Krieg tut, dass er uns Stück für Stück unsere Normalität nimmt, unsere elementaren Bedürfnisse, unsere Ruhe, unser Gefühl für die Zukunft.

Wir gewöhnen uns daran, und die Kinder gewöhnen sich daran, Zerstörung zu sehen, Schutzräume, irgendwelche unterirdischen Kindergärten und Schulen. 🤦🏻‍♀️ „Mama, wenn du stirbst, wohin soll ich dann gehen?“

Ich maße mir keinesfalls an, Erwachsenen vorzuschreiben, wie sie leben sollen und ob sie ihre Kinder wegbringen sollten. Jeder hat seine eigenen Umstände. Sehr oft hängen sie mit Finanzen, Familie und Arbeit zusammen.

Ich verurteile keinen einzigen Menschen – weder denjenigen, der mit seinen Kindern weggegangen ist, noch denjenigen, der geblieben ist. Jeder trifft seine eigene Entscheidung und entscheidet, wie er handeln soll.

Ich wünsche mir, dass die Erwachsenen, die bei den Kindern sind, ihnen so weit wie möglich das Gefühl einer Kindheit geben. Eltern, Mütter, das hängt von euch ab. Sucht nach Möglichkeiten, denkt darüber nach, was die Kinder in sich aufnehmen. Liebt sie, respektiert sie.

Damit sie trotz allem Kinder bleiben und Freude am Leben haben.

Danke, @ukrainianrailways, danke den Streitkräften der Ukraine. 🤝♥️


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media
Autor: Julia Novoselova
Veröffentlichung: 07.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Ich plane geboren zu werden. Natalia Leliukh

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„Ich plane, im Januar 2023 geboren zu werden. Die Entbindungsklinik wird sich wahrscheinlich im Keller befinden, oder meine Mutter wird in eine funktionierende U-Bahn laufen oder zu Hause entbinden, denn niemand wird unter Beschuss in das Stadtteilzentrum gehen. Ich werde versuchen, meine Mutter nicht zu verletzen, damit sie nicht nach einem Arzt suchen muss. Meine Mutter wird mich warm halten, auch in einer kalten Wohnung mit zerbrochenen Fenstern, denn sie ist eine Mutter und weiß, wie das geht. Allerdings wird sie höchstwahrscheinlich keine Milch haben und ich werde mit Säuglingsnahrung gefüttert werden, die von Freiwilligen geliefert wird. Das sind die Leute in den Autos, mit müden Augen, die es immer eilig haben, weil sie Angst haben, irgendwohin nicht zu schaffen, wo sie sehr erwartet werden. Meine Mutter wird nie ein Feuerwerk zu meinem Geburtstag bestellen. Und noch viele Jahre lang werden wir mit ihr irgendwo in der Nähe eines offenen Kellers oder der U-Bahn oder eines Schulbunkers spazieren gehen…“

„Ich plane, im Mai 2023 geboren zu werden. Papa hat meine Mama in die sichere Ausland geschickt, und hier kann ich in relativer Sicherheit geboren werden. Mama wird oft weinen und mir Schlaflieder zuflüstern. Papa wird zu uns kommen und wir werden uns hier niederlassen. Ich werde eine andere Sprache lernen, auch wenn die Wiegenlieder auf Ukrainisch sein werden, das ich nicht kennen werde. Eines Tages werden wir an den Ort gehen, worüber meine Mutter weinte und sagte, dass ihr Herz dort geblieben wäre. Vielleicht werden mir die Kopfsteinpflaster und Pappeln und der Blick auf das linke Ufer gefallen, vielleicht werde ich aber auch nicht spüren, was genau das Herz meiner Mutter geraubt hat. Denn meines wird in einem anderen Rhythmus schlagen…“

„Ich werde als Frühchen geboren, im März 2023. Die Ärzte werden um mein Leben und das meiner Mutter kämpfen. Ich werde aus einem Narkosetraum hören, dass „sie nicht kämpfen will“, „vielleicht wird das Baby sie ins Leben zurückholen“… Ich werde versuchen zu überleben, um meine Mutter zu retten, um ihr Sinn zu werden, denn sie hat ihn verloren, nachdem sie auf dem Sarg meines Vaters lag, der nie geöffnet wurde, weil er erst einen Monat später vom Schlachtfeld geholt wurde, um ihn nach Hause zu bringen. Und meine Mutter lag auf diesem Sarg und verlor den Sinn des Lebens. Ich klopfte innerlich, versuchte sie zu beruhigen und ihr zu sagen, dass ich die blauen Augen meines Vaters hätte und dass ich sie sehr lieben würde. Meine Mutter hörte mich nicht… sie umarmte ein kaltes Etwas, mit einem kalten Etwas, und sie wurde innerlich kalt“.

„Ich habe vor, im Mai 2024 geboren zu werden, wenn die Gärten um die Ruinen in Dowhenke, Dolyna, Kamianka, Pisky Radkiwski, Kuchary und Tausenden anderen kleinen Dörfern und Weilern in der Ukraine blühen werden. Üppige weiße Blumen verdecken die ausgebrannten Häuser. Niemand wird kommen, um die Früchte in diesen Gärten zu pflücken, denn es gibt niemanden, der das tun könnte. Aber ich bitte Sie, verstecken Sie diese Dörfer nicht vor mir. Ich möchte sie sehen. Ich will verstehen, warum und wer das getan hat. Ich will mich mein ganzes Leben lang daran erinnern…“

„Ich habe vor, geboren zu werden.

Meine Eltern haben sich noch nicht einmal kennengelernt. Aber sie wissen schon, welche Bücher sie mir vorlesen werden, welche Filme ich sehen werde und in welcher Sprache ich singen werde. Meine Eltern sind noch dabei, als Nation geboren zu werden. Meine Mutter arbeitet, meine Mutter spendet, meine Mutter arbeitet ehrenamtlich, meine Mutter kauft ein und liefert aus, meine Mutter schläft in Schlafsäcken und putzt Waffen. Mein Vater arbeitet, mein Vater spendet, mein Vater meldet sich freiwillig, mein Vater kauft und liefert, mein Vater schläft in einem Schlafsack mit einer Katze als Haustier, oder mein Vater sucht nach einem Weg, hundert Jeeps für die Streitkräfte zu beschaffen, oder er schreibt einfach Software, denn jemand muss arbeiten und die Wirtschaft des Landes unterstützen, das Kinder gebären wird und sich daran erinnern wird, wie sie geboren werden.

Und wie sie sterben.“


„Я планую народитись в січні 2023. Пологовий будинок напевно буде в підвалі, або мама забіжить в працююче метро, або народить вдома, бо під обстрілами ніхто не поїде в райцентр. Я буду намагатись не нашкодити мамі, щоб не знадобилось шукати лікаря. Мама мене зігріє, навіть в холодній квартирі з вибитими вікнами, бо вона мама і вона вміє. Правда, у неї скоріш за все пропаде молоко і мене будуть годувати сумішами, які передадуть волонтери. Це такі люди в машинах, з втомленими очима, які постійно поспішають, бо бояться не встигнути кудись, де їх дуже чекають. Моя мама ніколи не замовить мені на день народження салют. І ще багато років ми з нею будемо гуляти десь поруч з відкритим підвалом, або метро, або шкільним бомбосховищем…

Я планую народитись в травні 2023. Татко відправив маму в цей безпечний „закордон“ і тут можна народитись з відносним комфортом. Мама буде часто плакати і шепотіти мені колискові. Татко приїде до нас, ми остаточно облаштуємось тут. Я буду вчити якусь іншу мову, хоча колискові будуть вже незнайомою мені українською. Ми колись згодом поїдемо в те місце, про яке мама плакала і казала, що там залишилось її серце. Можливо, мені сподобається бруківка, і тополі, і вид на Лівий берег, а може я не відчую, що саме вкрало мамине серце. Тому що моє буде стукати в іншому ритмі…

Я народжусь передчасно, в березні 2023. Лікарі будуть воювати за моє і мамине життя. Я буду чути з наркозного сну, що „вона не хоче боротись“, „може дитина її поверне до життя“… я буду намагатись вижити, щоб спасти свою маму, щоб стати її сенсом, бо вона його втратила після того, як пролежала на татковій труні, яку так і не відкрили, бо з поля бою його змогли забрати лише через місяць, щоб привезти додому. А мама на цій труні лежала і втрачала сенс життя. Я стукався зсередини, я намагався заспокоїти неньку і розказати, що у мене таткові сині очі і що я буду її дуже любити. Маманічогонечула… вона обіймала холодне щось, з холодним чимось, і сама ставала холодною всередині…

Я планую народитись в травні 2024, коли заквітнуть садки навколо руїн в Довгенькому, Долині, Кам’янці, Пісках Радьківських, Кухарях та в тисячі інших маленьких сіл та хуторів України. Буйний білий квіт заховає обгорілі домівки. За плодами в цих садах ніхто не прийде, бо нікому. Але я прошу вас, не ховайте від мене ці села. Я хочу бачити. Я хочу розуміти чому і хто це зробив. Я хочу пам’ятати це все своє життя…

Я планую народитись.

Мої батьки ще навіть не зустрілись. Але вони вже розуміють, які книжки вони будуть мені читати, які фільми дивитись і якою мовою співати пісень. Мої батьки ще самі народжуються як нація. Мама працює, мама донатить, мама волонтерить, мама закуповує і довозить, мама спить в спальниках і чистить зброю. Татко працює, татко служить, татко волонтерить, татко закуповує і довозить, татко спить в спальнику з кошкою приблудою, або татко шукає як пригнати стопятсот джипів для ЗСУ, або просто пише прогі, бо хтось повинен працювати і підтримувати економіку країни, що буде народжувати дітей і буде пам’ятати, як вони народжуються.

І як вони гинуть.“

© Наталія Лелюх