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5.08 Uhr, Zug Charkiw–Iwano-Frankiwsk. Neben meinem Waggon sind zwei Kinderwaggons, und wir sind um 00.40 Uhr nachts in Kyiv. Wir hören Sirenen, die Apps melden die Gefahr ballistischer Raketen, die Zugbegleiterin bittet uns, uns in Sicherheit zu bringen.
Schnell gehen wir, verschlafen, in den Schutzraum in der Metrostation. Kleine Hunde, Katzen in Transportboxen. Viele Kinder – ganz kleine und etwas ältere. Manche schlafen auf dem Arm ihrer Mutter, manche haben sich fest an den Hals ihrer Mutter geklammert und schauen den Erwachsenen aufmerksam in die Augen. Die stickige Luft ist unerträglich, die Menschen haben sich auf den Boden gesetzt.
Wir hören Explosionen, unsere Augen kleben am Handybildschirm mit den Nachrichten.
„Shahed! Sofort alle in den Schutzraum!“ Die Menge geht tiefer hinein.
Und ich kann die ganze Zeit nicht verstehen – was stimmt hier nicht? Ich habe mir die Menschenmenge genau angesehen.
Viele Kinder, und viele von ihnen schlafen nicht. Stille! Und kein einziges Kind quengelt oder weint (erinnert ihr euch an Flugzeuge oder Züge auf dem Weg ans Meer?)!!! Wir sind müde und schon seit fast zwei Stunden hier. Ich möchte weinen!!
Kein einziger Hund bellt oder ist unruhig. Alle sitzen einfach still da und warten gehorsam. 🤦🏻♀️
Und da bekam ich Angst.
Als Mutter mit Erfahrung, die weiß, wie emotional und sensibel Kinder sind. Kinder haben keine Wahl. Sie müssen Schönes sehen, denn das prägt die MENTALITÄT, es ist wie ein aufgeräumtes Zimmer am Morgen: Du öffnest die Augen, und im Kopf herrscht Ordnung.
Das prägt die Mentalität, die neuronalen Verbindungen, die Maßstäbe für die Zukunft: eine saubere Serviette, ein ganzes, nicht kaputtes Spielzeug, Blumen auf dem Tisch und ein schöner Teller.
… Wahrscheinlich ist das Schrecklichste, was der Krieg tut, dass er uns Stück für Stück unsere Normalität nimmt, unsere elementaren Bedürfnisse, unsere Ruhe, unser Gefühl für die Zukunft.
Wir gewöhnen uns daran, und die Kinder gewöhnen sich daran, Zerstörung zu sehen, Schutzräume, irgendwelche unterirdischen Kindergärten und Schulen. 🤦🏻♀️ „Mama, wenn du stirbst, wohin soll ich dann gehen?“
Ich maße mir keinesfalls an, Erwachsenen vorzuschreiben, wie sie leben sollen und ob sie ihre Kinder wegbringen sollten. Jeder hat seine eigenen Umstände. Sehr oft hängen sie mit Finanzen, Familie und Arbeit zusammen.
Ich verurteile keinen einzigen Menschen – weder denjenigen, der mit seinen Kindern weggegangen ist, noch denjenigen, der geblieben ist. Jeder trifft seine eigene Entscheidung und entscheidet, wie er handeln soll.
Ich wünsche mir, dass die Erwachsenen, die bei den Kindern sind, ihnen so weit wie möglich das Gefühl einer Kindheit geben. Eltern, Mütter, das hängt von euch ab. Sucht nach Möglichkeiten, denkt darüber nach, was die Kinder in sich aufnehmen. Liebt sie, respektiert sie.
Damit sie trotz allem Kinder bleiben und Freude am Leben haben.
Danke, @ukrainianrailways, danke den Streitkräften der Ukraine. 🤝♥️
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Social Media
Autor: Julia Novoselova
Veröffentlichung: 07.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.