Der Generalstaatsanwalt ist zurückgetreten | Vitaly Portnikov. 08.09.2026.

Der Generalstaatsanwalt der Ukraine, Ruslan Krawtschenko, hat seinen Rücktritt angekündigt. Der Leiter der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine selbst bezeichnet dies als politische Entscheidung. Es ist jedoch offensichtlich, dass sie infolge einer großen Antikorruptionsoperation des NABU und der SAP getroffen wurde – einer Operation mit dem Namen „Karthago“, die gezeigt hat, dass innerhalb der Generalstaatsanwaltschaft eine kriminelle Organisation existierte, die offenbar illegale Callcenter unter ihren Schutz stellte.

Ob der Generalstaatsanwalt selbst unmittelbar an dieser organisierten Gruppe beteiligt war, wird sich im Zuge der weiteren Ermittlungen zeigen. Doch bereits jetzt ist bekannt, dass Durchsuchungen in Räumlichkeiten stattfanden, die der inzwischen ehemalige Generalstaatsanwalt nutzte, wie die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine selbst eingeräumt hat. Die Medien wiederum betonten, dass die Durchsuchungen unmittelbar in Krawtschenkos Büro stattfanden, woraufhin er faktisch aus der Öffentlichkeit verschwand. Und die Journalisten mussten mehrere Tage lang nach ihm suchen.

Heute erschien der Generalstaatsanwalt wieder und betonte, dass er nicht zurücktreten werde. Doch seine Haltung änderte sich nach einem Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky und dem Vorsitzenden der Parlamentsfraktion der Partei „Diener des Volkes“, Dawyd Arachamija.

Für den Präsidenten und die Parlamentsmehrheit ist es ein schwerer Reputationsschaden, wenn das Amt des Generalstaatsanwalts von einem Menschen bekleidet wird, der möglicherweise in derart massive Korruptionsvergehen, faktisch in die Existenz einer Mafia im Land, verwickelt ist. Das kompromittiert die Staatsführung nicht nur gegenüber der Gesellschaft, die sich, wie es scheint, bereits an den korrupten Charakter der Vorgänge an der Staatsspitze gewöhnt hat, sondern auch gegenüber den ausländischen Geldgebern, die natürlich verstehen möchten, wie die ukrainische Staatsführung mit dem Geld westlicher Steuerzahler umgeht.

Und möglicherweise ist es kein Zufall, dass der Rücktritt des Generalstaatsanwalts kurz nach dem Besuch der Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten in der ukrainischen Hauptstadt erfolgte. Denn das Bild eines korrupten Staates, dem man nicht helfen sollte, gehört zu den bevorzugten Motiven im politischen Vokabular Donald Trumps. Und immer stellt sich die Frage, ob man dem amerikanischen Präsidenten dabei helfen sollte, Belege zur Untermauerung dieses Bildes zu finden.

Die Tatsache, dass Krawtschenko mehrere Tage, nachdem die sensationellen Ermittlungen des NABU bekannt geworden waren, nicht einmal daran dachte, schnell zurückzutreten, charakterisiert den inzwischen ehemaligen Generalstaatsanwalt nicht weniger deutlich als die Antikorruptionsermittlungen selbst. Krawtschenko empfand keine Verantwortung für die Situation, in die die Generalstaatsanwaltschaft infolge seiner eigenen Tätigkeit, infolge seiner Personalentscheidungen und seiner möglichen Beteiligung an korrupten Machenschaften geraten war, und suchte nach Möglichkeiten, einen Posten zu behalten, der wohl kaum seiner beruflichen Kompetenz und, was noch wichtiger ist, seiner Integrität entsprach.

Übrigens, was die Integrität betrifft. Wie bekannt ist, bewarb sich Krawtschenko um den Posten des Leiters eben jenes Nationalen Antikorruptionsbüros, das seiner rasanten Karriere nun offenbar ein Ende gesetzt hat, und scheiterte ausgerechnet an der Integritätsprüfung. In jedem zivilisierten Staat, in dem Entscheidungen nicht von einer einzigen Person, sondern von funktionierenden Institutionen getroffen werden, wäre die politische und administrative Karriere eines solchen Menschen zumindest für einige Jahre unterbrochen worden – bis seine Integrität durch weitere Arbeit bestätigt worden wäre, und zwar nicht auf den höchsten Posten eines Staates, der in einem brutalen Krieg um seine Existenz kämpft. Aber das gilt natürlich nicht für die Ukraine.

Personalentscheidungen werden im ukrainischen Machtsystem seit 2019 ausschließlich nach dem Prinzip der Loyalität gegenüber der ersten Person im Staat getroffen, ohne jede wirkliche Beteiligung des Parlaments und der Regierung unseres Landes. Und natürlich ohne der Öffentlichkeit auch nur irgendwie zu erklären, aus welchem Grund diese oder jene unbekannte Person plötzlich an die Spitze von Institutionen gelangt, von deren Funktionsfähigkeit die Existenz des ukrainischen Staates selbst und seine Effektivität abhängen.

Die Generalstaatsanwaltschaft gehört zweifellos zu diesen Institutionen und müsste für einen wirklichen Kampf gegen die Kriminalität eingesetzt werden – und nicht dafür, Sanktionen gegen diejenigen zu bestätigen, die der amtierende Präsident weiterhin für seine politischen Gegner hält, oder kriminelle Callcenter unter ihren Schutz zu stellen, die bereits zu einem der auffälligsten Merkmale der geschäftlichen Aktivitäten ukrainischer Beamter und Geschäftsleute in aller Welt geworden sind.

Das ist die traurige Reputation eines Staates, der die europäische Integration anstrebt, sich aber in ein typisches Land des Globalen Südens verwandelt – mit Vetternwirtschaft, Loyalität gegenüber der Staatsführung, kriminellen Machenschaften innerhalb der Strafverfolgungsbehörden und so weiter.

Und nun überlegen Sie selbst: Was wäre geschehen, wenn der Staatsführung das Manöver gelungen wäre, die Antikorruptionsinstitutionen der vertikalen Kontrolle der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine zu unterstellen, und Krawtschenko zu dem Mann geworden wäre, der die gesamte Antikorruptionsstruktur aus NABU und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft beaufsichtigt hätte? Hätten wir dann von den Missständen innerhalb der Generalstaatsanwaltschaft erfahren? Wäre der Generalstaatsanwalt selbst zurückgetreten, der sich, wie wir sehen, buchstäblich bis zur letzten Minute dagegen wehrte und nicht einmal seine Verantwortung für die gesamte Katastrophe begriff – sowohl für die desaströsen Folgen für das Ansehen als auch für die rechtlichen Folgen –, zu der seine Tätigkeit geführt hatte?

Nein, natürlich wäre all das nicht geschehen. Die Staatsanwaltschaft hätte im NABU ihre eigenen Regeln durchgesetzt, und kein Ermittler hätte ihre Mitarbeiter daran gehindert, unmittelbar im Büro des Generalstaatsanwalts eine organisierte kriminelle Vereinigung aufzubauen und weiterzuentwickeln. Wenn schon stehlen, dann Millionen, und wenn schon intime Beziehungen, dann mit Personen königlichen Geblüts – um die Träume und Wünsche zufälliger anonymer Gestalten zu zitieren, die aus niemandem bekannten – ach, was sage ich, aus allen wohlbekannten – Gründen an hohe Posten gelangt sind.

Und die staatlichen Institutionen sind überfüllt mit solchen anonymen Gestalten ohne Fähigkeiten, ohne Integrität, ohne Verantwortungsbewusstsein und ohne Respekt vor dem Land. Ihre Säuberung kann nicht allein durch die Anstrengungen der Antikorruptionsorgane erfolgen, denn dann müssten diese jahrelang Tag und Nacht arbeiten.

Das ist nur möglich, wenn wirksame Arbeit geleistet wird, um die Funktionsfähigkeit des ukrainischen Staates selbst wiederherzustellen, die durch Jahre persönlicher Herrschaft und den Verfall des Parlamentarismus untergraben wurde. Eine solche Degradation endet immer damit, dass an der Spitze eines solchen Staates nicht eine einzelne Person steht – und sei sie bei ihren Anhängern noch so beliebt –, sondern eine organisierte Mafia, die nicht einmal am Erhalt eines solchen Staates interessiert ist, sondern daran, ihn auszuplündern und zu zerstören.

Und genau das muss schließlich auch Volodymyr Zelensky selbst verstehen. Die Menschen in seinem Umfeld, die sich in Mafiosi verwandeln, sind nicht einmal daran interessiert, dass er als Präsident der Ukraine an der Macht bleibt und den Staat vor einer weiteren Besetzung schützt. Sie werden Zelensky zusammen mit der Ukraine völlig bedenkenlos preisgeben, sobald sie zu dem Schluss kommen, dass sie bereits die gewünschte Zahl von Millionen zusammengeraubt haben.

Und auch das muss begriffen werden, bevor es zu spät ist, diese ungeheuerlichen und offensichtlichen personellen und institutionellen Fehler zu korrigieren.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Генпрокурор пішов у відставку | Віталій Портников. 08.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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