Ukraine wartet seit über einem Jahr auf die Genehmigung der polnischen Seite für Sucharbeiten in Polen. Halyna Tereschtschuk. Radio Liberty. 26.08.2026


Am 25. August begann in Lwiw die zweite Etappe der Such- und Exhumierungsarbeiten. Die polnische Seite spricht von den sterblichen Überresten von 100 bis 120 Soldaten der polnischen Armee, die Lwiw im September 1939 gegen die deutsche Armee verteidigten.

Україна понад рік чекає на дозвіл від польської сторони для проведення пошукових робіт на території Польщі. • Галина Терещук. 26.08.2026.

LWIW – In Lwiw hat das polnische Institut für Nationales Gedenken am 25. August bereits die zweite Etappe der Such- und Exhumierungsarbeiten auf einem Gelände begonnen, auf dem nach Angaben von Forschern 100 bis 120 Soldaten der polnischen Armee bestattet sind, die die Stadt im September 1939 gegen Nazideutschland verteidigten.

Gleichzeitig hat die Ukraine bis heute von Polen keine einzige Genehmigung für Such- und Exhumierungsarbeiten auf dem Gebiet des Nachbarstaates erhalten, wie an den Sucharbeiten beteiligte Fachleute Radio Liberty mitteilten. Dabei geht es insbesondere um die Dörfer Laskiw und Sahryn, wo während des Zweiten Weltkriegs friedliche ukrainische Zivilisten von bewaffneten polnischen Untergrundformationen getötet wurden.

Das Gelände in Lwiw, auf dem am 25. August die Sucharbeiten begannen, ist eingezäunt. Bäume wurden gefällt und eine Stromversorgung eingerichtet. All dies wurde vom Stadtrat von Lwiw durchgeführt. Für diese Vorbereitungsarbeiten wurden rund 170.000 Hrywnja ausgegeben.

Jewhen Bojko, Geschäftsführer des Exekutivkomitees des Stadtrats von Lwiw, sagte Radio Liberty, dass die örtlichen Behörden der polnischen Seite sämtliche Genehmigungen für die Arbeiten in der Stadt in kürzester Zeit erteilt hätten. Die Stadt stellte zudem den Schutz des Geländes sicher.

„Lwiw hat sich sowohl in der ersten als auch in der zweiten Etappe der Arbeiten aktiv an der Arbeit der Expeditionsteams beteiligt. Die Stadt hat den Prozess umfassend unterstützt, dabei geht es um Sicherheit, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und die Vorbereitung des Geländes. Dieses Gelände wurde in den vergangenen zwei Wochen für die Exhumierung vorbereitet“, sagt Jewhen Bojko.

Auch stellte der Stadtrat rasch fest, wem das Grundstück gehört, auf dem die Sucharbeiten durchgeführt werden. Ein Teil des Geländes gehört einer Religionsgemeinschaft, ein anderer der Stadt. Denn auch diese Frage wird im Verfahren zur Durchführung einer Exhumierung berücksichtigt.

Vertreter des polnischen Instituts für Nationales Gedenken bestätigten gegenüber Radio Liberty, dass sie alle erforderlichen Genehmigungen erhalten hätten.

„Im Moment läuft alles auf bestmöglichem Niveau. Wir kennen die in der Ukraine geltenden Verfahren sehr gut“, sagt Dominika Siemińska,

die beim polnischen Institut für Nationales Gedenken für die Such- und Exhumierungsarbeiten verantwortlich ist.

Die Arbeiten an der Grabstätte der polnischen Soldaten werden bis Oktober dauern. Unter denjenigen, die Lwiw im September 1939 gegen die deutsche Armee verteidigten, waren auch Ukrainer aus der Region Riwne, Wolhynien und Galizien. Sie alle dienten in der polnischen Armee.

Ljubomyr Horbatsch

Nach Angaben von Ljubomyr Horbatsch, dem Leiter der „Gesellschaft zur Suche nach Kriegsopfern ‚Pamjat‘“, wurden bei früheren Sucharbeiten Erkennungsmarken mit ukrainischen Nachnamen und Angaben zur Religionszugehörigkeit – griechisch-katholisch oder orthodox – gefunden.

„Wir fanden die sterblichen Überreste eines Soldaten der polnischen Armee, der einen kleinen Spiegel bei sich trug, auf dessen Rückseite sich ein Porträt von Iwan Franko befand. Das bestätigt, dass Ukrainer gemeinsam mit Polen und Vertretern anderer Nationalitäten die nationalsozialistische und die kommunistische Aggression abwehrten“, sagt Ljubomyr Horbatsch.

In den Jahren 2015–2016 wurden die sterblichen Überreste von rund 140 Soldaten der polnischen Armee umgebettet, die bei der Verteidigung Lwiws gefallen waren. Danach wurden die Such- und Exhumierungsarbeiten aufgrund polnisch-ukrainischer Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage bis 2019 ausgesetzt.

Im vergangenen Jahr wurden in Lwiw die sterblichen Überreste von 34 Soldaten der polnischen Armee gefunden, die im Kampf gegen deutsche Soldaten gefallen waren. Sie wurden auf dem Soldatenfriedhof in Mostyska in der Region Lwiw umgebettet.

„Wir hoffen, bei diesen Such- und Exhumierungsarbeiten die sterblichen Überreste von fast 120 weiteren Soldaten zu finden. Anschließend werden wir Identifizierungsarbeiten durchführen und die sterblichen Überreste auf dem Friedhof in Mostyska erneut bestatten“, teilte Dominika Siemińska mit.

Das polnische Institut für Nationales Gedenken wird jedes gefundene menschliche Fragment zur Identifizierung übergeben, um die DNA der Verstorbenen festzustellen.

„Wir müssen diese Menschen identifizieren und sie dem Vergessen entreißen“, betonte Tomasz Trzaska, Vertreter des polnischen Instituts für Nationales Gedenken.

Wie steht es um die Suche in Polen?

Gleichzeitig ist unbekannt, wann ukrainische Fachleute mit den Such- und Exhumierungsarbeiten in den ukrainischen Dörfern Laskiw und Sahryn im Chełmer Land, im Kreis Hrubieszów der Woiwodschaft Lublin, beginnen werden.

Denn bis heute hat die Ukraine von Polen keine einzige Genehmigung für diese Arbeiten erhalten. Darauf hat der ukrainische Botschafter in Polen, Wassyl Bodnar, bereits mehrfach hingewiesen.

Die Frage der Such- und Exhumierungsarbeiten ist Gegenstand der Arbeit einer bilateralen Gruppe. Wassyl Bodnar betonte in einem Interview mit einem polnischen Medium, dass die Ukraine entsprechend den Anträgen der polnischen Seite systematisch Genehmigungen erteile. Genau dafür gebe es die Arbeitsgruppe.

Die Situation mit den Genehmigungen für Arbeiten in Laskiw und Sahryn ist seit Monaten ungelöst, sagte Swjatoslaw Scheremeta, Leiter des Gedenk- und Suchzentrums „Dolja“, das die Sucharbeiten in Polen durchführen soll, gegenüber Radio Liberty. Seinen Angaben zufolge stellt die polnische Seite jedes Mal neue bürokratische Anforderungen.

Swjatoslaw Scheremeta

„Bereits im vergangenen Jahr haben wir einen Antrag gestellt, um Suchuntersuchungen in Laskiw auf dem Gelände des ukrainisch-orthodoxen Friedhofs durchzuführen. Mitarbeiter des Zentrums ‚Dolja‘ haben das Gelände vor Kurzem von Gestrüpp, Sträuchern und wild gewachsenen Bäumen befreit. Im Grunde haben sie es für die Sucharbeiten vorbereitet. Seit mehr als einem Jahr warten wir auf die Genehmigung. Die Ukraine hat den Beginn der Arbeiten für September/Oktober geplant. Das bürokratische Verfahren in Polen ist außerordentlich kompliziert“, sagt Swjatoslaw Scheremeta.

Während die Vertreter des polnischen Instituts für Nationales Gedenken das Verfahren zur Erlangung von Genehmigungen in der Ukraine gut kennen, hat Polen der ukrainischen Seite bis heute keine vollständige und klare Liste darüber vorgelegt, welche Schritte dafür erforderlich sind.

„Mir ist eine solche Liste nicht bekannt. Wenn wir einen Antrag auf Genehmigung stellen, entstehen jedes Mal neue bürokratische Anforderungen, die erfüllt werden müssen. Und diese tauchen auf, nachdem die Ukraine den Antrag bereits eingereicht hat. Dann werden neue Anforderungen gestellt, und die Angelegenheit verzögert sich wieder und wieder um Monate. Es entsteht der Eindruck, dass die Arbeit der Beamten entweder extrem bürokratisiert ist oder dass dahinter Politik steckt“, bemerkt Swjatoslaw Scheremeta.

Die lokalen Behörden in der Ukraine klären Fragen zur Vorbereitung von Geländen für den Beginn von Sucharbeiten der polnischen Seite schnell, während es in Polen zu Verzögerungen kommt.

„Um die Zustimmung für solche Arbeiten zu erhalten, mussten wir dreieinhalb Monate warten. Dabei halten wir uns an das gesetzliche Verfahren gemäß dem zwischenstaatlichen Abkommen. Im Dorf Laskiw, wo bekannt war, dass die orthodoxe Kirche Eigentümerin des Grundstücks ist, wurde dies mehr als einen Monat lang geklärt“, sagt Swjatoslaw Scheremeta.

2019 wurden die Such- und Exhumierungsarbeiten auf dem Gebiet der Ukraine und Polens an Orten wieder aufgenommen, an denen nach Angaben von Forschern Opfer des ukrainisch-polnischen Konflikts des 20. Jahrhunderts sowie im Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten bestattet wurden, wie beispielsweise in Lwiw.

2024 wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu Fragen des historischen Gedenkens eingerichtet, die Pläne für Such- und Exhumierungsarbeiten auf dem Gebiet der Ukraine und Polens festlegte.

2026 setzte die polnische Seite gemäß einem gemeinsam verabschiedeten Dokument auf ukrainischem Gebiet die im vergangenen Jahr begonnenen Arbeiten fort, und zwar am Standort des ehemaligen Dorfes Puschnyky sowie in Lwiw. Die ukrainische Seite sollte im Dorf Jureczkowa in der Woiwodschaft Karpatenvorland arbeiten.

Darüber hinaus führte das polnische Institut für Nationales Gedenken Sucharbeiten im Dorf Uhly in der Region Riwne, in Huta Pieniacka in der Region Lwiw sowie in Ostrówki und Wola Ostrowiecka in Wolhynien durch.

Entsprechend sollte das Ukrainische Institut für Nationales Gedenken (UINP) mit Sucharbeiten in Polen in den Dörfern Laskiw und Sahryn beginnen. Wegen fehlender Genehmigungen haben die Arbeiten jedoch bis heute nicht begonnen, ebenso wenig wurden sie im Dorf Jureczkowa fortgesetzt.

Einige ukrainische Historiker sind der Ansicht, dass die Verzögerung bei der Erteilung von Genehmigungen für Sucharbeiten in Laskiw und Sahryn damit zusammenhängt, dass dort ukrainische Zivilisten, darunter ältere Menschen und Kinder, im Morgengrauen des 10. März 1944 getötet wurden. Damals töteten die polnische Heimatarmee und die Bauernbataillone auf brutale Weise mehr als 600 Ukrainer, deren Namen bekannt sind. Es war die größte antiukrainische Operation.

Am selben Tag töteten bewaffnete polnische Untergrundkämpfer in Laskiw nach unterschiedlichen Schätzungen von Forschern zwischen 250 und 300 Ukrainer, darunter Frauen und Kinder. Das Dorf wurde vollständig niedergebrannt.

Die gemeinsamen Such- und Exhumierungsarbeiten sollten ein wichtiges Instrument zur Verringerung der politischen Spannungen zwischen der Ukraine und Polen sein. Zumindest gab es dazu zahlreiche Erklärungen von Politikern und Regierungsvertretern in Polen, als die Ukraine 2017 ein Moratorium für die Erteilung neuer Genehmigungen für Such- und Exhumierungsarbeiten der polnischen Seite verhängte.

Diese Entscheidung war eine Reaktion der ukrainischen Seite auf den Abriss des ukrainischen Denkmals für UPA-Kämpfer im polnischen Dorf Hruszowice sowie auf die grundsätzliche Weigerung, zerstörte ukrainische Gedenkstätten wiederherzustellen.

Obwohl die Such- und Exhumierungsarbeiten seit 2019 wieder aufgenommen wurden, bestehen bis heute keine spiegelbildlich gleichen Bedingungen für die ukrainische und die polnische Seite.

Nach Angaben von Dominika Siemińska vom polnischen Institut für Nationales Gedenken sind die Suche nach den sterblichen Überresten polnischer Soldaten in Lwiw und deren Umbettung die abschließenden Arbeiten der polnischen Seite im Jahr 2026. Alles, was für dieses Jahr geplant war, sei erledigt.

Unterdessen warten ukrainische Forscher auf die Genehmigung der polnischen Seite, damit auch sie – wie das polnische Institut für Nationales Gedenken – Ukrainer identifizieren können, die Opfer des ukrainisch-polnischen bewaffneten Konflikts wurden, und sie dem Vergessen entreißen können.


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Titel des Originals: Україна понад рік чекає на дозвіл від польської сторони для проведення пошукових робіт на території Польщі. • Галина Терещук. 26.08.2026.
Autor: Halyna Tereschtschuk.
Veröffentlichung: 26.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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