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Sie haben sicherlich bereits gehört, dass die polnische Ultrarechte eine neue Stufe des Rassismus erreicht hat und nun vom polnischen Sejm Erklärungen darüber verlangt, warum sich Personen ukrainischer Herkunft in der Regierung befinden. Sie haben sich nicht verhört – genau dieselben Leute, die die Ukrainer des Nationalsozialismus beschuldigen. Und ja, des Nationalsozialismus hat sie nicht etwa ich bezichtigt, sondern Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty, der meint, der nächste Schritt werde das Vermessen von Schädeln und die Feststellung nationaler Reinheit sein.
Dies ist die Fortsetzung eines großen Skandals und der Angriffe auf den stellvertretenden Minister Andrzej Scheptycki (übrigens den Urenkel des Bruders von Andrej Scheptyzkyj), der es gewagt hat – o Gott! – zu erklären, dass die UPA für viele Ukrainer mit dem Kampf um die Unabhängigkeit verbunden wird.
Für viele polnische Nationalisten (nennen wir die Dinge doch endlich beim Namen) wurde dies zum Anlass für eine „Hexenjagd“ auf „Verbrecher, die den Völkermord der UPA rechtfertigen“.
Nun gut. Dann bin ich bereit, ihnen die ersten beiden Kandidaten vorzuschlagen, die man im heutigen Polen wegen „Heroisierung der UPA und Verherrlichung der Bandera-Ideologie“ ans Kreuz schlagen würde.
Wie man so schön sagt: Bleiben Sie dran, es wird interessant.
Kandidat Nr. 1. Ein Held des polnischen Volkes und des polnischen Widerstands, ein „unbeugsamer Soldat“, der in Polen verehrt wird und zugleich ein Kriegsverbrecher, auf dessen Gewissen Tausende ermordete Ukrainer lasten.
Darf ich vorstellen: Marian Gołębiewski.
Genau Marian Gołębiewski war als Kommandeur des Bezirks Hrubieszów der Heimatarmee (Armia Krajowa) Initiator einer Reihe von Angriffen auf die ukrainischen Dörfer Pryhorile, Metke, Sahryń, Schychowytschi, Terebiń, Strzyżeniec und Turkowice.
Falls Sie es nicht wissen: Diese ethnische Säuberung wird von den Polen als die „Hrubieszówer Revolution“ bezeichnet.
Allein in Sahryń ermordeten die Bauernbataillone von Stanisław Basaj „Ryś“ und das AK-Bataillon von Zenon Jachymek „Wiktor“ (über diese beiden Henker, die in Polen mit Straßennamen und Wandgemälden geehrt werden, müsste man gesondert schreiben), auf Befehl Gołębiewskis bis zu 1.200 friedliche Ukrainer auf grausamste Weise.
Danach zogen sie weiter, um weitere Dörfer niederzubrennen – ebenfalls auf seinen Befehl hin.
Nun aber zur Komplexität dieser historischen Persönlichkeit.
Nach der Besetzung Polens durch das kommunistische Regime wurde Marian Gołębiewski zu einem aktiven Befürworter der Verständigung mit den Ukrainern.
Wie er später erinnerte:
„Im September 1944 berief ich eine Besprechung von 23 Kommandeuren der Heimatarmee aus dem Cholmer Land, dem Raum Zamość und Hrubieszów ein. Ich befahl, statt Kämpfen mit den Ukrainern nach Möglichkeiten der Verständigung und Zusammenarbeit zu suchen. Unter den Anwesenden herrschte Verwunderung, denn viele hatten im Kampf gegen die Ukrainer ganze Familien verloren. Niemand sprach sich dagegen aus.“
Die Kontakte zwischen der Heimatarmee und der UPA sowie die gegenseitigen Verhandlungen führten zum Abschluss eines Waffenstillstands.
Gołębiewski schrieb über dessen wichtigstes Ergebnis – die Operation Hrubieszów:
„Unsere Vereinbarung wurde in vielen Punkten – soweit es die damaligen Möglichkeiten (1944–1947) zuließen – von beiden Seiten ehrlich umgesetzt. Der Beweis dafür ist, dass die Ukrainer, als die Notwendigkeit bewaffneter Zusammenarbeit entstand, sich in größerem Umfang am Kampf beteiligten. Dies geschah in Hrubieszów am 26. oder 28. Mai 1946, als es darum ging, 50 AK-Angehörige zu befreien, von denen mehrere von der Todesstrafe bedroht waren und deren Urteil mit Sicherheit vollstreckt worden wäre. Die damalige Führung unserer Einheiten (WiN) bat die UPA um Hilfe, und die Ukrainer beteiligten sich mit einer Truppe von 1.200 Kämpfern. Sie griffen ein NKWD-Bataillon an, während die WiN-Einheiten die Verhafteten befreiten, das Gebäude des Sicherheitsdienstes vollständig zerstörten und einen Teil der Sicherheitsbeamten sowie andere Personen ausschalteten. In Hrubieszów befanden sich neben den Sowjets ein Armeeregiment, eine Milizkompanie und bewaffnete Sicherheitskräfte, dennoch gelang die Aktion. Es war die erste so große gemeinsame Aktion seit den Zeiten von Piłsudski und Petljura.“
Der polnische Sicherheitsdienst (UB) verhaftete ihn am 21. Januar 1946 und ließ ihn erst zehn Jahre später, am 21. Juni 1956, frei.
Er hatte ein langes Leben, in dem vieles Platz hatte – antikommunistischer Widerstand, die Gründung einer Untergrundorganisation, eine zweite Haftstrafe und die Fortsetzung seines Kampfes.
Der Link zu einem Artikel über ihn
Marian Gołębiewski
https://pl.wikipedia.org/wiki/Marian_Go%C5%82%C4%99biewski_(%C5%BCo%C5%82nierz)
Er starb 1996.
Und nun das Wichtigste für uns.
Nicht ich schreibe das, sondern es ist ein wörtliches Zitat aus einer polnischen Quelle:
„Als einziger polnischer Veteran des Zweiten Weltkriegs sprach er sich dafür aus, den UPA-Partisanen in Polen Veteranenrechte zuzuerkennen.“
Noch einmal.
Marian Gołębiewski, Kommandeur des Bezirks Hrubieszów der Heimatarmee, sprach sich dafür aus, den UPA-Kämpfern Veteranenstatus zu verleihen – nicht in der Ukraine, sondern in Polen.
Die polnische Wikipedia schreibt wörtlich:
„Jako jedyny z polskich weteranów II wojny światowej był za przyznaniem partyzantom UPA w Polsce praw kombatanckich.“
Man stelle sich das vor – er nannte die UPA Partisanen und nicht „Schlächter“.
Überhaupt erlaubt sich die polnische Wikipedia in ihrem Artikel über Marian Gołębiewski aus heutiger polnischer Sicht erstaunlich viel:
„In der neuen Situation wurde er zu einem überzeugten Befürworter der Verständigung mit den Ukrainern, gegen die seine unterstellten Einheiten kurz zuvor noch blutige Kämpfe geführt hatten. Er stellte sein Konzept im September 1944 bei einer Besprechung der Kommandeure der Bezirke Hrubieszów, Chełm und Zamość vor. Nach der Besprechung wurde den Ukrainern ein Flugblatt übergeben, das zur Einstellung der Kampfhandlungen und zur Einheit gegen den gemeinsamen Feind aufrief. Verhandlungen auf höherer Ebene begannen erst im Mai 1945. Nach Aussage Gołębiewskis, der daran teilnahm, erkannten beide Seiten die Notwendigkeit an, den Kampf für die Unabhängigkeit ihrer Länder fortzusetzen, und erklärten ihre gegenseitige Unterstützung bei diesen Bemühungen.“
Was geht hier eigentlich vor?
Die UPA-Partisanen waren also keine Völkermörder, sondern Kämpfer für die Unabhängigkeit der Ukraine?
Die Führung der Heimatarmee erkannte ihr Recht auf die „Fortsetzung des Kampfes für die Unabhängigkeit der Ukraine“ an und unterstützte diesen Kampf?
Dann darf man in der Ukraine wohl auch Militäreinheiten nach solchen Helden benennen?
Wahrscheinlich wird man diesen Artikel bald aus der polnischen Wikipedia löschen.
Er passt nicht in die historische Hysterie – oder die hysterische Geschichtsschreibung, ich weiß nicht, was hier der treffendere Ausdruck ist.
Zur Kenntnis der polnischen Ultrarechten und von Präsident Nawrocki:
Auszeichnungen von Marian Gołębiewski:
- Silbernes Kreuz des Ordens Virtuti Militari (1943)
- Kampfkrüz der Polnischen Streitkräfte im Westen (1992)
- Ritterkreuz des Ordens Polonia Restituta (1989)
- Komturkreuz des Ordens Polonia Restituta (29. Juli 1994)
- Komturkreuz mit Stern des Ordens Polonia Restituta (8. November 2007, posthum)
Nach ihm wurde eine Straße in Lublin benannt.
Über den zweiten Kandidaten werde ich vielleicht später schreiben.
Denn jeder von ihnen verdient einen eigenen Beitrag.
Bis dahin schlage ich den polnischen Nationalisten vor, nicht stehenzubleiben und Marian Gołębiewski wegen „Heroisierung der UPA und Verherrlichung der Bandera-Ideologie“ seine polnischen Auszeichnungen abzuerkennen und die Straße in Lublin umzubenennen.
Besonders sorgfältig sollte überprüft werden, dass auf der Straße dieses „UPA-Komplizen“ kein polnischer öffentlicher Nahverkehr mehr fährt.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Sozialmedia
Autor: Volodymyr Rysenko
Veröffentlichung / Entstehung: 13.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.