Erklärung des Polnischen PEN-Clubs zur Zunahme antiukrainischer Stimmungen in Polen. Von dem ukrainischen PEN-Club veröffentlicht. 16.06.2026.

Заява Польського ПЕН-клубу щодо зростання хвилі антиукраїнських настроїв у Польщі. 16.06.2026.

„Wir erteilen weder stillschweigende Zustimmung noch erklären wir uns mit der antiukrainischen Kampagne in Polen einverstanden. Der polnische PEN-Club protestiert gegen Verleumdungen, wonach die heutige Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk angeblich ‚ukrainischen Interessen‘ diene, weil ihr ein in Polen geborener Minister aus der Familie Scheptyzkyj angehört, ein Nachkomme Aleksander Fredros. In einem demokratischen Staat werden Minister, Beamte und Staatsbedienstete danach beurteilt, wie sie ihre Pflichten erfüllen, nicht nach ihrer ethnischen Herkunft. Nach der ethnischen Herkunft ihrer Mitbürger urteilten Anhänger und Akteure totalitärer Regime. Öffentliche Aufrufe zu einer ‚Lustration‘ nach ethnischer Zugehörigkeit wecken sofort Assoziationen an politisch motivierte Kampagnen der Ausgrenzung und Diskriminierung, wie etwa die ethnischen Säuberungen in der Volksrepublik Polen: die Aktion ‚Weichsel‘ oder der März 1968.

Der polnische PEN-Club ist eine Organisation, die die Meinungsfreiheit im Rahmen des Gesetzes verteidigt. Die Äußerung von Minister Andrzej Scheptyzkyj in einem polnischen Medium im Zusammenhang mit der tragischen Geschichte der Konflikte zwischen Polen und Ukrainern entsprach den Tatsachen und verstieß nicht gegen das Gesetz. Dennoch wurde sie von politischen Kräften für Angriffe missbraucht, die auf diese niederträchtige Weise die Unterstützung von Wählern gewinnen wollten. Entgegen den wiederholten Erklärungen der Regierung behaupten einige Politiker weiterhin gegenüber der Öffentlichkeit, ein Teil der Mittel aus dem EU-Programm SAFE werde an die Streitkräfte der Ukraine fließen, die gegen die russische Aggression kämpfen.

Fast täglich kommt es in Polen zu verbalen und physischen Angriffen gegen Ukrainer sowie gegen polnische Staatsbürger, die die Ukraine unterstützen. Dies geschieht auf den Straßen und im Sejm. Nationalisten haben in sozialen Netzwerken und in ihnen nahestehenden traditionellen Medien eine auf Lügen basierende antiukrainische Kampagne entfaltet. Diese Kampagne verstößt gegen polnisches Recht und zerstört die gesellschaftliche Debatte. Noch schlimmer ist, dass die Behörden unter dem Druck dieser schmutzigen Welle ukrainischen Flüchtlingen staatliche Hilfen entziehen, die ihnen zuvor gewährt wurden. Für von Ukrainern begangene Vergehen werden unverhältnismäßige Strafen verhängt. Es wird eine Atmosphäre der Bedrohung für 200.000 ukrainische Kinder in polnischen Schulen geschaffen.

Als Russland in die Ukraine einmarschierte, nahmen wir eine enorme Zahl von Flüchtlingen auf. Wir wurden zu einem Vorbild für die ganze Welt. Wir überwanden das tragische Erbe der Vergangenheit in den Beziehungen zwischen unseren Staaten und Völkern. Wir handelten im Geiste der Doktrin von Mieroszewski und Giedroyc, wonach es kein freies Polen ohne eine freie Ukraine geben kann.

Heute befinden wir uns auf einem Irrweg: Wir steuern darauf zu, diese Errungenschaften zu verspielen. Die extreme Rechte zieht erneut einen Teil der Gesellschaft in alte Muster antiukrainischen Hysterie hinein. Wir rufen die polnischen Behörden und alle Menschen guten Willens dazu auf, durch gemeinsame Anstrengungen von Staat und Zivilgesellschaft die ukrainische Gemeinschaft in Polen wirksamer vor der nationalistischen Kampagne aus falschen Anschuldigungen, Feindseligkeit und Vorurteilen zu schützen.“

Vorstand des Polnischen PEN-Clubs

Warschau, 15. Juni 2026, an dem Tag, an dem die Streitkräfte der Russischen Föderation die Petscherska Lawra in Kiew bombardierten.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Sozialmedia
Titel des Originals: Заява Польського ПЕН-клубу щодо зростання хвилі антиукраїнських настроїв у Польщі. 16.06.2026.
Autor: Polnischer PEN-Club
Veröffentlichung / Entstehung: 16.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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