Der Orden des Subedei. Vitaly Portnikov. 24.05.2026.

Орден Субедея. Віталій Портников. 24.05.2026.

Subedei blickte mit gierigen Augen auf das Panorama, das sich von den durch sein Heer verbrannten Wyschhoroder Wäldern aus eröffnete. Die Regimenter des Khans Batu hatten bereits viele ruthenische Städte durchquert – und nun verstand er, dass in jeder von ihnen, selbst in der kleinsten, der Schatten dieser bislang unbekannten und unbezwingbaren Stadt zu spüren war.

Die Kuppeln der Kirchen glänzten golden, die Flüsse waren zu erkennen, die direkt durch die Stadt flossen und sie mit ihren Ufern teilten. Und der große Fluss hinter ihren Hügeln wirkte hier besonders feierlich. Ja, das war nicht einfach nur eine Hauptstadt. Das war ein Herz.

Er gab dem Pferd die Sporen und ritt zu Batu hinüber, der ebenfalls unweit stand und ebenfalls Kyiv betrachtete.

– Wenn wir das zerstören – zerstören wir alles! – sagte Subedei zu Batu, der mutige Feldherr, die Hoffnung des Ulus Dschötschi, Bezwinger Chinas, Georgiens und Bulgariens, Zerstörer von Rjasan und Wladimir an der Kljasma.

Der Khan kniff nur müde die Augen zusammen.

Fast achthundert Jahre nach jenem schrecklichen Sturmangriff, der mit dem Fall und der Verbrennung der ruthenischen Hauptstadt endete, gründete der Oberste Chural der Republik Tuwa – eben jenes Landes, auf dessen Territorium Subedei der Legende nach geboren wurde – einen Orden zu Ehren des großen Feldherrn, jenes Kriegers, der die Rus unterwarf und zerstörte. Mit diesem Orden sollen jene russischen Militärangehörigen ausgezeichnet werden (natürlich in Tuwa geboren), die während des Krieges Russlands gegen die Ukraine außergewöhnlichen Mut zeigen.

Die Einführung dieser Auszeichnung im heutigen Russland (wie wir sehen, dachte niemand daran, die Führung Tuwas aufzuhalten, obwohl der Kreml in allen anderen Fällen die Initiativen der lokalen Behörden aufmerksam überwacht) ist für mich eine zivilisatorische Offenbarung. Die Russen – im weiten politischen Sinne dieses Wortes, denn Tuwa ist Teil Russlands – haben anerkannt, dass sie genau jenen Krieg führen, zu Ende führen, dass sie zu vollenden versuchen, was Batu und Subedei letztlich nicht gelungen ist. Ja, sie zerstörten und verbrannten Kyiv – aber die alte Hauptstadt konnte wiederauferstehen und zwar nicht mehr Zentrum, aber Teil einer anderen, europäischen und freien Welt werden. Moskau jedoch (das übrigens ebenfalls von Subedei zerstört wurde) zog es vor, zum Schatten der Eroberer zu werden und ihre Staatlichkeit auf eigenem Boden nachzubilden. Und ja, die Moskauer Zaren, Fürsten und Kaiser blickten stets gierig nicht nur auf die alten Länder der Rus, sondern auch auf die Gebiete der alten mongolischen Eroberungen (Tuwa wurde von Dschötschi, dem Vater Batus, erobert).

Als ich an einem sonnigen Herbsttag in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch die Straßen der tuwinischen Hauptstadt Kysyl spazierte, versuchte ich zu verstehen – vielleicht entstand dieser Gedanke damals zum ersten Mal mit solcher Klarheit – wer eigentlich wen verschlungen hatte? Russland Tuwa oder doch der Ulus Dschötschi Russland? Die Menschen, die an mir vorbeigingen, wirkten in den Interieurs dieser eher asiatischen als sowjetischen Stadt deutlich natürlicher als die Moskauer, die verzweifelt Europäer spielten. Hier, in der Heimat Subedeis, erinnerte alles daran, wer in Wirklichkeit Sieger gewesen war – selbst wenn man das in Moskau nicht anerkennen wollte und gerade dafür den Kyiver Mythos benutzte – unsere Geschichte, unsere und nicht ihre Zivilisation.

Doch jetzt sind die Masken gefallen. Jetzt wird auf den Brüsten jener, die Kyiv zerstören wollen, ein Orden zu Ehren dessen hängen, der es tatsächlich zerstört hat. Erinnern wir uns daran, dass Stalin im Zweiten Weltkrieg versuchte, sich an einen anderen Mythos zu halten – den von der gemeinsamen Heimat und der Brüderlichkeit. Deshalb führte das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR neben den neuen Orden Suworows, Kutusows und Fürst Alexander Newski auch den Orden des Hetmans Bohdan Chmelnyzkyj ein, mit dem vor allem Ukrainer ausgezeichnet wurden – und zwar für die Befreiung der Ukraine. Stalin versuchte, den Krieg als Kampf für die Befreiung der „gesamten Rus“ darzustellen. Doch nun wird man im putinschen Russland für ihre Zerstörung auszeichnen.

Es ist natürlich bedauerlich, dass ich heute keine Kontakte mehr in der Führung des Obersten Churals von Tuwa habe wie einst in den ersten Jahrzehnten meiner journalistischen Arbeit. Denn ich würde unbedingt empfehlen, mit dem neuen Orden nicht nur tuwinische Teilnehmer der „Speziellen Militäroperation“ auszuzeichnen, die Moskau gekauft hat, damit sie fremdes Land schänden.

Ich würde empfehlen, mit dem Orden Subedeis denjenigen auszuzeichnen, der täglich den Befehl gibt, Kyiv und Tschernihiw, Lwiw und Charkiw, Dnipro und Odesa zu bombardieren, der den Weg Batus geht – und wie er mit Berichten und Bitten in die wirkliche Hauptstadt des Imperiums fährt, nach Peking. Denjenigen, der Ukrainer tötet und ihre Städte zerstört. Denjenigen, der nicht weiß, wie er ohne die Eroberung Kyivs überleben soll.

Ich würde Putin mit diesem Orden auszeichnen.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Орден Субедея. Віталій Портников. 24.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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