
„Gedanken von Militärangehörigen“ – das ist eine Rubrik, in der ich Ausschnitte aus Gesprächen mit einem klinischen Psychologen veröffentliche, ohne Namen und Details, einfach um zu zeigen, womit Militärangehörige leben und worüber sie nachdenken.
Mein Ziel ist es, dass sich die Kluft zwischen Militärangehörigen und Zivilisten verkleinert. Die Informationen wurden bereinigt, obszöne Sprache, Orte und Daten entfernt, übrig bleiben nur Gedanken.
Wichtig anzumerken ist, dass jede Geschichte mit Erlaubnis veröffentlicht wird.
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Es gibt bei uns in der Ukraine zwei parallele Welten.
Eine dort, eine hier – und sie überschneiden sich fast nicht.
Man steht manchmal zwischen den Leuten, hört zu. Und versteht, dass sie die Militärs nicht einmal ansatzweise verstehen.
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12 meiner Jungs sind gefallen.
Und mir hatte man 43 zugeteilt.
Nur 11 von uns kamen heraus.
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Das war vor zwei Jahren.
Damals hat es mich zum ersten Mal erwischt.
Das ist doch keine Statistik. Das sind meine Jungs. Das sind die, die ich ausgebildet habe. Meine.
Ich habe jetzt Angst – dass ich verschüttet werde.
Ich habe große Angst davor, in einem geschlossenen Raum verschüttet zu werden.
Wenn es einen Keller oder ein Loch gibt – es müssen immer zwei Ausgänge sein. Diese beschissenen Träume habe ich. Davon träume ich immer.
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Ich hatte einen Scharfschützen, Kolja. Was für ein kluger Junge das war.
Eine Drohne hat ihn getroffen.
Dort ist Sand im Serebrjanskij-Wald.
Man hätte ihn ausgraben können.
Aber die Drohnen haben es nicht zugelassen. Ich erinnere mich an ihn. Er erscheint mir im Traum.
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Jeden Tag hunderte Male.
Sie reden mit mir.
Ich bin nicht verrückt. Aber manchmal rede ich mit mir selbst.
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Früher sagte man mir: Freunde dich nicht mit deinen Untergebenen an. Kommandeure leben getrennt. Aber ich habe immer mit den Jungs gelebt. Ich brauche es, dass sie mir vertrauen. Und dass ich ihnen vertraue.
Denn heute sind wir zusammen. Und morgen werden wir entweder zusammen sterben oder zusammen durchkommen.
Unser Bataillon war neidisch auf meine Jungs. Weil wir Lebensmittel immer auf einen Haufen gelegt haben. Ich habe alles geteilt.
Von uns sind drei übrig geblieben. Einer ist eingeschränkt tauglich, bewacht den Gefechtsstand. Der Zweite bin ich. Und der Dritte ist Petja.
– Du siehst gar nicht wie ein Tiger aus.
– Aber ich schnarche laut – sagt er zu mir und lacht.
Aber bei minus 17 ist er durch den Fluss geschwommen.
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Ein Auto ist ein Wegwerf-Verbrauchsgegenstand.
Ein Monat ist schon ein Segen.
2–3 Fahrten. Und das war’s.
Abwurf. Da kann alles Mögliche sein. Eine Blechdose. Du fährst drüber. Und die Räder werden zerrissen.
FPV ständig.
Ich schlafe immer angezogen. Nur die Socken ziehe ich aus. Und Telefon und Dokumente habe ich immer bei mir. Und hier habe ich die Chats.
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Ein Mann führt seinen Hund aus.
Das heißt, er hat genug Gesundheit, um seinen Hund auszuführen.
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Wenn sie sagen: „Na, wie ist es dort, wann endet der Krieg?“
Dann wechsle ich auf die andere Straßenseite, weil ich Angst habe, mich nicht beherrschen zu können und etwas anzustellen.
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Auf den Positionen trocknet alles aus.
Es kam vor, dass es ein paar Tage lang kein Wasser gab.
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Wasser und Zigaretten – das ist das Wichtigste, dass es sie gibt.
Beim Einrücken geht man 3–4 Tage garantiert nicht aufs Klo.
Man will einfach nicht.
Und das ist bei allen so.
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Adrenalin. Es wird produziert. Feuchttücher.
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Wir werfen nichts weg – selbst unsere Abfälle kommen in Tüten. Denn sie entdecken es sonst sofort.
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Ich werde nicht mehr an die Front gehen. Ich halte das nicht aus. Der Kopf funktioniert nicht mehr. Es ist, als hätte mich eine Glocke zugedeckt.
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Ich kann nur mit Ihnen reden. Und das war’s. Nun ja, und mit meinen lieben Jungs.
Wir sind alle gläubig.
Wir beten am Tag hundert-, zweihundertmal.
Ich sage meinen Jungs immer: Sobald du an Ihn gedacht hast – danke sofort.
Sag einfach danke. Und bitten sollst du erst, wenn wirklich alles völlig am Arsch ist.
Ansonsten sag einfach danke.
Was der Krieg mit den Männern gemacht hat – er hat sie zu Gott zurückgeführt.
Alle glauben. Hoffen auf Ihn.
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Ich denke bei der Zukunft immer an die schlimmste Variante. Nicht an die mittlere Variante. Nicht an die beste. Sondern immer an die schlimmste.
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Angeln hilft sehr bei der Erholung.
Ich sitze einfach da und schaue aufs Wasser.
Ganz egal, ob etwas anbeißt – das beruhigt sehr.
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Ich bin moralisch zerbrochen.
Ich fühle nichts mehr.
Ich verstehe nicht, wofür dieses Opfer gebracht wurde. Die besten Söhne der Ukraine.
Diejenigen, die am Leben bleiben, werden die Toten beneiden.
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Wut ist entstanden.
Burnout.
Völliges Burnout.
Nervenzusammenbrüche.
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Es gibt auch positive Veränderungen – wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Dann kannst du Entscheidungen treffen, die du früher nicht getroffen hättest.
Ich bin rücksichtsloser geworden.
Früher habe ich mir Sorgen gemacht.
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Was sind die häufigsten Beschwerden?
Man will nichts mehr. Apathie gegenüber allem. Keine Trigger mehr. Stille. Und die ständige Erwartung von Gefahr.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Social Media
Autor: Volodymyr Bahnenko
Veröffentlichung / Entstehung: 22.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.