Putin bereitet eine Zwangsmobilisierung vor | Vitaly Portnikov. 30.03.2026.

Im Institute for the Study of War besteht man darauf, dass der russische Präsident Wladimir Putin zu einer neuen massiven Mobilisierung greifen könnte, in einer Situation, in der das Modell der Söldnerarmee zu scheitern beginnt. Wie realistisch diese Prognosen sind, werden wir schon in einigen Monaten sehen. 

Offensichtlich ist jedoch die Tatsache, dass es dem russischen Präsidenten in der jetzigen Situation, in der der Krieg Russlands gegen die Ukraine in seiner härtesten Form bereits im fünften Jahr andauert, immer schwerer fällt, Menschen zu finden, die bereit sind, für Geld zu töten. Das hängt sowohl damit zusammen, dass – wie in jedem Krieg – die Söldner früher oder später ausgehen, als auch damit, dass der russischen Führung schlicht das Geld für Söldner ausgeht vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise in Russland.

Und hier entsteht eine paradoxe Situation. Einerseits nimmt die Zahl der marginalisierten Bevölkerung zu, weil es in der russischen Provinz nicht so leicht ist, eine Arbeit zu finden, die ausreicht, um eine Familie zu ernähren. Andererseits fehlt es in derselben russischen Provinz an Geld, um die föderalen Verträge für den Dienst in den Streitkräften der Russischen Föderation aufzustocken. Und auch dem russischen Staat selbst fehlt es an ausreichend Geld, um diese Verträge auf ein Niveau zu erhöhen, das im Hinblick auf das Lebensrisiko tatsächlich attraktiv wäre.

Denn mit der Zeit wird immer mehr Russen klar, dass man aus dem russisch-ukrainischen Krieg möglicherweise nicht zurückkehrt, insbesondere seit dem Moment, in dem sich dieser Krieg in einen echten Drohnenkrieg verwandelt hat. Und selbst russische Militärkorrespondenten und Propagandisten sagen, dass bis zu 90 % der russischen Soldaten, die ihren Dienst an der russisch-ukrainischen Front erst beginnen, die Frontlinie gar nicht erreichen.

Doch hier stellt sich die Frage der Mobilisierung. Wie bekannt, endete ein früherer solcher Versuch Putins, den er gleich zu Beginn des großen Krieges gegen unser Land unternahm, eher mit einem Fiasko für die russische Führung. Damals verließen Hunderttausende Menschen Russland. Und es handelt sich genau um jene Menschen, die für die Entwicklung der Wirtschaft gebraucht werden. Offensichtlich können selbst Gerüchte über eine massive Mobilisierung eine neue Ausreise potenzieller Soldaten auslösen, selbst in einer Situation, in der sie noch gar nicht zu den russischen Wehrersatzämtern einberufen werden.

Derzeit wird in Russland tatsächlich vieles getan, um die Grenzen zu schließen und eine Flucht der Bevölkerung zu verhindern. Aber es ist unklar, wie diese Flucht diesmal aussehen wird, wenn bereits der vorherige Mobilisierungsversuch zur Flucht von nahezu einer Million Bürgern der Russischen Föderation geführt hat. Unter den Bedingungen der Wirtschaftskrise, die wir heute in Russland beobachten und die sich parallel zu ukrainischen Angriffen auf russische Ölhäfen und den Raffineriesektor dieses Landes nur verstärken wird, wird die Verringerung der Zahl der arbeitsfähigen und – was wichtig ist – kreativen Bevölkerung zu einem weiteren Stressfaktor für die russische Wirtschaft, die Putin zur Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges benötigt.

Und hier entsteht ein echter Teufelskreis für den russischen Präsidenten und seine Generäle. Die Generäle schlagen seit Jahren vor, eine Massenmobilisierung zu beginnen und auf das Modell der Söldner zu verzichten. Und Putin fürchtet sich davor aus wirtschaftlichen wie auch sozialen Gründen. Denn es stellt sich immer die Frage, wie man den Menschen, die zwangsweise in der russischen Armee dienen werden, erklären soll, dass sie neben jenen stehen werden, denen für das Töten von Ukrainern enorme Summen gezahlt werden.

So erhalten wir an der russisch-ukrainischen Front gleich zwei Armeen: eine Armee von Söldnern und eine Armee von Mobilisierten. Und dann stellt sich die Frage, wie effektiv eine Armee von Mobilisierten unter solchen Bedingungen sein kann, wie ernst man hoffen kann, dass die Mobilisierung von Menschen in eine solche Armee tatsächlich zu den vom russischen Präsidenten gewünschten Ergebnissen führen kann. Es sei denn, es geht um sogenannte „Fleischangriffe“, aber selbst in diesem Fall muss es zumindest ein minimales Interesse des Soldaten geben, sein Leben zu riskieren.

Die Bürger der Russischen Föderation, die heute dienen, riskieren für Geld. Wenn nicht für sich selbst, dann zumindest für ihre Familien, die jene so wichtigen, so begehrten Entschädigungen im Todesfall erhalten werden. Aber wenn du selbst für deinen Dienst in den Streitkräften der Russischen Föderation kein Geld bekommst, warum solltest du dann in den Tod gehen? Zumal es um die Besetzung des Territoriums eines fremden Landes geht.

Wir verstehen doch sehr gut, dass die überwältigende Mehrheit der Russen, selbst jener, die heute an der russisch-ukrainischen Front kämpfen, die aggressiven Motive ihres eigenen Staates sehr wohl begreift. Man kann diese Motive ideologisch teilen. Man kann sie akzeptieren, wenn man für die Umsetzung der Ziele der russischen politischen Führung bezahlt wird. Aber für solche aggressiven Motive zu sterben, dazu ist bei weitem nicht jeder bereit.

Aber andererseits hat Putin auch ein anderes Problem. Ein Problem, das damit zusammenhängt, dass er, wenn er den russisch-ukrainischen Krieg beenden will, mit einer Söldnerarmee dastehen wird, die Geld verlangen wird, unter Bedingungen, in denen sie an der Front nicht mehr gebraucht wird. Wann auch immer das geschieht, der russische Präsident wird vor einer ernsthaften sozialen Explosion stehen, die die Fähigkeit seines Regimes, an der Macht zu bleiben, untergraben kann.

Und aus dieser Sicht kann bei ihm die Idee entstehen, dass es vielleicht schon jetzt notwendig ist, die Söldnerarmee mit mobilisierten Soldaten zu „verdünnen“, während die Söldner an der russisch-ukrainischen Front schneller sterben werden. Und auf diese Weise werden die Streitkräfte der Ukraine Putin einen kostenlosen Dienst bei der „Entsorgung“ jener leisten, die nach dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges – wann immer er endet – zu einer sozialen Bedrohung für sein bankrottes Regime werden könnten.

Aber auch diese Situation erscheint im Hinblick auf ihre Umsetzung ziemlich riskant, denn selbst jene, die ohne Geld mobilisiert werden, können nach ihrer Rückkehr von der Front ihre sozialen Ansprüche gegenüber dem Staat geltend machen – und zwar viel stärker unterstützt von der Gesellschaft, schon allein deshalb, weil diese Menschen im Gegensatz zu den verhassten Söldnern ohne Geld gedient haben und auf staatliche Hilfe hoffen werden, nachdem ihr Militärdienst beendet ist.

So ist jede Variante für den russischen Präsidenten ziemlich riskant. Doch der Wunsch, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen, könnte für Putin wichtiger sein als jedes politische und soziale Risiko in der Zukunft. Denn es geht um die Verwirklichung seiner imperialen Ambitionen, die im Föderalen Sicherheitsdienst, aus dem der amtierende russische Präsident hervorgegangen ist, als nahezu die wichtigste Aufgabe jedes Präsidenten aus den Reihen der Tschekisten angesehen werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін готує примусову мобілізацію | Віталій Портников. 30.03.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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