
Der Krieg gegen Iran hat eine Wahrheit gezeigt, die man gewöhnlich erst versteht, nachdem der Kampf begonnen hat: Militärische Operationen sind immer Praxis und nicht Theorie. Die Vereinigten Staaten entwickelten einen Plan für Luftangriffe und die Zerstörung des militärischen Potenzials der Islamischen Republik, doch in den ersten Tagen des Krieges gaben sie Millionen Dollar für den Kampf gegen iranische „Shaheds“ aus – dieselben Shaheds, mit denen die Ukrainer in den ersten Monaten des Krieges Russlands gegen die Ukraine „Bekanntschaft“ machten und die unser Land nun schon im fünften Jahr terrorisieren.
Und übrigens: Schon damals, im Jahr 2022, schrieb ich, dass die Iraner Drohnen nicht einfach so und nicht einmal nur des Geldes wegen an die Russen liefern. Die Ukraine erwies sich für Iran als ein echtes Testgelände zur Erprobung künftiger Kriege im Nahen Osten. Die Iraner halfen ihrem Verbündeten im Kreml – und lernten zugleich selbst.
Und nun haben diese neuen Kriege begonnen – und es stellte sich heraus, dass die Gegner Irans darauf nicht vorbereitet waren und nicht nur in eine sicherheitspolitische, sondern auch in eine finanzielle Falle geraten sind. Schon die Tatsache, dass man sich an die Ukraine mit der Bitte wandte, im Kampf gegen iranische Drohnen zu helfen, ist ein guter Beweis dafür.
Vier Jahre russisch-ukrainischer Krieg sind eine wichtige Erfahrung für beide Armeen. Man kann sagen, dass der moderne Krieg heute sowohl in Moskau als auch in Kyiv erprobt wird. Nur spielt Russland für eine andere Mannschaft. Es hilft Iran und Nordkorea, führt gemeinsame Militärübungen mit China durch und ist an der Destabilisierung Europas interessiert. Die Russen werden den Iranern helfen, amerikanische Ziele zu treffen – und nicht den amerikanischen Militärs erklären, wie sie sich vor feindlichen Angriffen schützen können.
So verfügt die zivilisierte Welt heute nur über die Erfahrung der ukrainischen Armee – und das ist eine unschätzbare Erfahrung. Denn die ukrainische Armee hat in diesen vier Jahren nicht nur den modernen Krieg gelernt und ihn zugleich mitgestaltet. Sie hat auch die Erfahrung des Widerstands eines kleineren Gegners gegen einen größeren ausgearbeitet – und genau deshalb können die Ukrainer die Taktik Irans verstehen. Und genau die Ukrainer können erklären, wie man sich gegen Iran verteidigt und wie man sein Regime dazu zwingt, auf aggressive Handlungen gegenüber seinen Nachbarn zu verzichten – Handlungen, die bereits jetzt die Weltwirtschaft destabilisieren und schnell zu einem unvorhersehbaren Kollaps führen können.
Ja, der Krieg der USA und Israels gegen Iran kann viele Risiken für die Ukraine mit sich bringen. Dazu gehört der Anstieg der Ölpreise, der Putin die Möglichkeit geben könnte, den russischen Staatshaushalt mit neuen Petrodollars zu füllen. Dazu gehört auch ein möglicher Mangel an Abfangraketen – denn wenn man Drohnen mit „Patriot“-Raketen abschießt, wird dieser Mangel bereits in den nächsten Wochen spürbar sein. Und vergessen wir nicht, wie viele Länder inzwischen nach Abfangraketen „jagen“ werden.
Gleichzeitig wird jedoch die Notwendigkeit gemeinsamer Maßnahmen im Kampf gegen autoritäre Regime immer offensichtlicher. Man kann natürlich die wirklichen Absichten Russlands ignorieren – aber das wäre so, als würde man einen Elefanten im Raum nicht bemerken. Früher oder später wird die Administration von Präsident Trump einfach zu einer einfachen Schlussfolgerung gelangen müssen: Ohne die ukrainische Erfahrung ist es unmöglich, die Sicherheit amerikanischer Militärstützpunkte im Nahen Osten (und nicht nur dort) zu gewährleisten und überhaupt die Logik des modernen Krieges zu verstehen.
Und das bedeutet die Notwendigkeit, der Ukraine zu helfen, sich gegen die russische Aggression zu verteidigen – anstatt gefährliche Illusionen über ein Einvernehmen mit Putin zu pflegen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Україна і виклик іранської війни. Віталій Портников. 09.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.