Während der Münchner Konferenz traf sich der Präsident Aserbaidschans, Ilham Aliyev, nicht nur mit seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky, sondern erklärte auch gegenüber ukrainischen Journalisten, dass er die systematischen Beschüsse der aserbaidschanischen Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt nicht für zufällig halte.
Aliyev gab diese Erklärung bereits nach seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ab, und in Moskau beeilte man sich, von einer angeblichen Normalisierung der russisch-aserbaidschanischen Beziehungen zu sprechen – trotz eben dieser systematischen Beschüsse und der russischen Angriffe auf Objekte der aserbaidschanischen Energieinfrastruktur in der Ukraine.
Von einer tatsächlichen Normalisierung kann also keine Rede sein, auch wenn Putin sich zumindest zu Worten eines scheinbaren Bedauerns gegenüber den Angehörigen der Opfer der Katastrophe des aserbaidschanischen Passagierflugzeugs durchrang, das durch eine russische Flugabwehrrakete im Luftraum der Russischen Föderation abgeschossen worden war. Zumindest der Präsident Aserbaidschans hat nicht die Absicht zu vergessen, wie Russland mit der diplomatischen Vertretung seines eigenen Landes umgeht und wie es die Präsenz aserbaidschanischer Energieunternehmen auf ukrainischem Boden behandelt – als, um es in Putins Sprache zu sagen, „legitime Ziele“.
Das ist ebenfalls eine völlig logische Reaktion auf russische Handlungen. Wenn man in Moskau die aserbaidschanische Botschaft und Energieinfrastruktur für legitime Ziele hält und glaubt, auf diese Weise Signale an Baku senden zu können, dann sollte man sich auch in der aserbaidschanischen Hauptstadt nicht zimperlich gegenüber einem Staat verhalten, der Aserbaidschan offen als feindlichen Nachbarn betrachtet. Ja, bislang destabilisiert Russland die Lage auf dem Territorium dieses Nachbarn nicht direkt – aber es zeigt bereits, was geschehen könnte.
Selbstverständlich verlieh der jüngste Besuch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, J.D. Vance, in Baku und Jerewan Ilham Aliyev zusätzliche Sicherheit. Während dieses Besuchs wurde das offensichtliche Interesse der amerikanischen Administration an einem Transportkorridor demonstriert, der über das Gebiet Aserbaidschans und Armeniens verlaufen soll – ein Projekt, dessen Realisierung ohne eine Normalisierung der Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern unmöglich ist. Jahrzehntelang befanden sie sich gewissermaßen in einer geopolitischen Falle, errichtet vom selben Kreml.
Und das Abkommen über eine strategische Partnerschaft, das zwischen Aserbaidschan und den Vereinigten Staaten unterzeichnet wurde, ist ein weiterer Beweis dafür, dass Ilham Aliyev bemüht ist, sein Land selbst aus dem Restschatten der russischen Einflusssphäre herauszuführen, der noch geblieben war. Zur Annäherung an die Türkei, die in den vergangenen Jahrzehnten zum bestimmenden Faktor der aserbaidschanischen Außen- und Sicherheitspolitik geworden ist, kommt nun auch eine strategische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten hinzu.
Zumal allen klar ist, wie sehr Donald Trump, der sich weder im russisch-ukrainischen Krieg noch bei einer langfristigen Regelung im Nahen Osten mit echten friedensstiftenden Ergebnissen rühmen kann, an einer friedlichen Lösung im Südkaukasus interessiert ist. In Washington besteht ein klares Verständnis dafür, dass es dort keine Lösung geben wird, solange Moskau präsent ist. Und Aliyev versteht das selbstverständlich ebenfalls sehr gut, weshalb er es sich erlaubt, von den russischen Handlungen als gezielten Maßnahmen gegenüber Aserbaidschan zu sprechen.
Natürlich ruft das wachsende Irritation in der russischen Hauptstadt hervor – und diese ist bereits spürbar. Russische Propagandisten behaupten bereits, Aliyev habe Putin getäuscht. Tatsächlich hat es keine wirkliche Versöhnung zwischen Moskau und Baku gegeben. Doch andererseits: Was hatte man in Moskau eigentlich von Baku erwartet, als man beschloss, die Botschaft der Republik Aserbaidschan in Kyiv zu beschießen, als man entschied, die aserbaidschanische Energieinfrastruktur in der Ukraine zu zerstören? Dass die Aserbaidschaner das einfach schlucken und sich bedanken würden?
Noch dazu vor dem Hintergrund des Verhaltens, das Putin und andere russische Führer am Tag der Tragödie mit dem aserbaidschanischen Flugzeug zeigten – als deutlich wurde, dass Aserbaidschan für Russland keineswegs ein souveräner Staat ist, bei dem man sich für eine durch einen Fehler des russischen Flugabwehrsystems verursachte Tragödie entschuldigen müsste, sondern lediglich eine ehemalige Sowjetrepublik, die schon dankbar sein sollte, dass Putin etwas vom „ukrainischen Spuren“ murmelte.
Das Entscheidende in den Beziehungen zwischen Russland und Aserbaidschan ist natürlich die Verachtung, die man in Moskau nicht einmal zu verbergen versucht. Und ja, wenn es keinen Schutz vor dieser Verachtung gibt, muss man mit ihr leben, manövrieren und so tun, als nehme man sie nicht wahr. Genau so haben die Führer ehemaliger Sowjetrepubliken all diese Jahrzehnte existiert. Der russisch-ukrainische Krieg, die Tatsache, dass alle russischen Ressourcen auf die Ukraine konzentriert sind, und das wachsende Interesse des Westens an Ländern wie Aserbaidschan – dem angesichts seiner Energieressourcen eine besondere Rolle zukommt, da es eine Energiealternative zu Russland sein kann – all das ermöglicht es nun Ilham Aliyev und nicht nur ihm, jene Missachtung und Geringschätzung wahrzunehmen, mit der die russische Führung dem aserbaidschanischen Souveränitätsanspruch stets begegnet ist: von den Putschversuchen in den 1990er Jahren bis hin zu jüngeren Ereignissen, die man ertragen musste, um eine Eskalation zu vermeiden.
Und genau das ist die Schlussfolgerung, die man in Russland schon heute ziehen könnte: Wenn man aufhört, dich zu fürchten, dann sollte man vielleicht selbst aufhören, überheblich und grob zu sein, und versuchen, sich wie ein zivilisierter Staat zu verhalten. Obwohl – zu wem sage ich das eigentlich? Von welcher Zivilisation können wir überhaupt sprechen? Schließlich sind die Angriffe auf die aserbaidschanische Botschaft oder auf aserbaidschanische Infrastruktur Teil der russischen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte mit dem Ziel, Frauen, Kindern und alten Menschen Wärme und Licht zu entziehen. Kann ein Staat, der zu solchen schrecklichen Verbrechen bereit ist, überhaupt Anspruch auf das Prädikat „zivilisiert“ erheben?
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Алиев троллит Путина | Виталий Портников. 15.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
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