Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet über ein Dokument, das Vorschläge der Administration des Präsidenten der Russischen Föderation an die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten enthält und sich auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit bezieht, die nicht nur die russisch-amerikanischen Beziehungen, sondern auch den Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China verändern könnte.
Das Dokument enthält sieben Punkte gemeinsamer Ziele, die Moskau und Washington helfen könnten, eine solche wirtschaftliche Zusammenarbeit wiederaufzunehmen und aufzubauen:
- Es handelt sich um langfristige Luftfahrtverträge, die eine Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Erneuerung der russischen Flugzeugflotte vorsehen, die in den Jahren des russisch-ukrainischen Krieges unter den westlichen Sanktionen erheblich gelitten hat.
- Es sind gemeinsame Ölprojekte sowie Projekte zur Erschließung von Gasfeldern, einschließlich maritimer und schwer zugänglicher Lagerstätten, die sowohl frühere Investitionen der Vereinigten Staaten als auch neue Investitionen dieses Landes und amerikanischer Unternehmen in das Energiegeschäft der Russischen Föderation berücksichtigen würden.
- Es sind Vorzugsbedingungen für die Rückkehr amerikanischer Unternehmen auf den Markt der Russischen Föderation. Dabei geht es natürlich um den Konsumgütermarkt.
- Es ist eine Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie und der künstlichen Intelligenz in diesem Bereich.
- Es ist die Rückkehr der Russischen Föderation zum Abrechnungssystem in Dollar. Und das, nachdem Putin jahrelang von der Dedollarisierung Russlands und möglichen, sogar russischen Energie-Transaktionen ohne Dollar gesprochen hatte.
- Es ist eine Zusammenarbeit im Bereich der für die Vereinigten Staaten so wichtigen Rohstoffe wie Lithium, Kupfer, Nickel und Platin.
- Es ist eine gemeinsame Arbeit zur Förderung fossiler Brennstoffe als Alternative zu einer Energiepolitik, die mit kohlenstoffarmen Lösungen verbunden ist. Wie Sie wissen, ist dies ein durchaus wichtiger Punkt für die Trump-Administration, die ständig davon spricht, gerade fossile Brennstoffe unterstützen zu müssen, und sich gegen die neue alternative grüne Energie ausspricht.
Das sind natürlich, wie wir gut verstehen, ziemlich ernsthafte Vorschläge. Und sie spiegeln im Grunde die Vision Donald Trumps selbst vom weiteren Ausbau der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation wider. Man kann sagen, dass er ständig genau von einer solchen Entwicklung spricht. Diese sieben Punkte sollen ihn davon überzeugen, dass er seinem Ziel nahe ist.
Aber hier stellt sich eine durchaus ernsthafte Frage: Worauf müsste die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten verzichten, damit diese Punkte in Kraft treten? Denn wir verstehen, dass genau darüber der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitrijew, ständig mit Trumps Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner spricht.
Man kann eine klare Antwort auf diese Frage geben: Damit die Russische Föderation solche ehrgeizigen Projekte mit den Vereinigten Staaten beginnt und amerikanische Unternehmen sowohl auf ihren Energie- als auch auf ihren Konsummarkt zulässt, damit die Russische Föderation zum Dollar zurückkehrt, damit sie Donald Trumps energiepolitische Vorstellungen unterstützt und gemeinsam mit ihm gegen die grüne Energie kämpft, muss der Präsident der Vereinigten Staaten die Ukraine preisgeben und sich aus dem postsowjetischen Raum insgesamt heraushalten.
Es ist kaum vorstellbar, dass Donald Trump diesen Vorstellungen Putins über die Zukunft zustimmen kann. Die Ukraine vor den Augen der gesamten amerikanischen Gesellschaft an Putin zu übergeben – noch dazu im Austausch gegen Projekte, die amerikanischen Unternehmen Vorteile verschaffen sollen – würde faktisch nicht nur seine eigene politische Karriere, sondern auch die Perspektiven der Republikanischen Partei durchstreichen, deren Mehrheit der Wähler gegen den aggressiven Kurs Russlands auftritt. Und wir verstehen sehr gut, dass sich dies bei allen kommenden Wahlen und auch bei den Zwischenwahlen 2026 bemerkbar machen würde.
Natürlich wäre dies nicht das wichtigste Thema der Wahlen, aber wenn der Wähler erkennt, dass Trump die Ukraine vor den Augen der ganzen Welt einfach für Geld verkauft, könnte dies die Haltung vieler verändern – vor allem jener Wähler, die noch unentschlossen sind, ob sie für einen Demokraten oder einen Republikaner stimmen sollen. Gerade die Stimmen solcher Wähler entscheiden in der Regel über den Ausgang von Wahlen in den Vereinigten Staaten.
Zweitens sehen wir, dass Trump absolut nicht bereit ist, Putin dieses Nichteingreifen im postsowjetischen Raum zuzugestehen. Der jüngste Besuch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, in Armenien und Aserbaidschan hat das deutlich gezeigt. Im Gegenteil: Im Weißen Haus versucht man, die Schwäche Russlands auszunutzen, um es endgültig von dort zu verdrängen, von wo es aus Sicht des Kremls eigentlich unmöglich schien, Russland zu vertreiben.
Auch hier geht es um ehrgeizige wirtschaftliche Projekte, auf die die Vereinigten Staaten in einem solchen Fall verzichten müssten und dabei nicht nur Geld – es geht um Milliarden im Zusammenhang mit der Eröffnung neuer Handelsrouten –, sondern auch ihre Reputation als verlässlicher Partner verlieren würden, die sie ohnehin täglich durch unbedachte Äußerungen des amerikanischen Präsidenten einbüßen. Erinnern wir uns nur an die Geschichte mit der Unterstützung iranischer Protestierender.
Drittens ist klar, dass eine solche Wiederherstellung der Beziehungen zur Russischen Föderation ohne Berücksichtigung der Position der Europäer unmöglich ist, die kaum bereit sein werden, sich an diesem Geschäft zu beteiligen, wenn Trump im russisch-ukrainischen Krieg offen an Putins Seite tritt – auch wenn ich wiederhole, dass dies dennoch nicht geschehen wird.
Und es gibt noch eine weitere Frage, die man eher Putin als Trump stellen sollte. Und was ist mit China? Wie wird man in Peking auf jene Vorschläge der russischen Führung reagieren, die faktisch die Grundlagen der chinesisch-russischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit untergraben? Warum sollte der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, Putin durch den Kauf von Öl helfen, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen und das Putin-Regime zu unterstützen, wenn dieses Regime jederzeit seinen chinesischen Verbündeten zugunsten der Amerikaner verraten kann, die aus Sicht Pekings die Hauptgegner der Volksrepublik China im gesamten 21. Jahrhundert bleiben? Und sollte Xi Jinping in einer solchen Situation nicht vielleicht in Moskau nach einem neuen Putin suchen, der die Unmöglichkeit so enger Beziehungen zu den Vereinigten Staaten erkennt?
All diese Fragen wird Putin natürlich zu hören bekommen. Aber wir müssen uns ebenfalls bewusst sein, dass Putin kein naiver Mensch ist, der glaubt, Xi Jinping werde auf solche Initiativen nicht reagieren. Daher handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um ein reales Paket von Vorschlägen an die Vereinigten Staaten, sondern um einen weiteren Kreml-Bluff, der darauf abzielt, die Unterstützung der Ukraine durch die Trump-Administration in Erwartung großer Geldsummen zu schwächen.
Das heißt, Putin spielt weiterhin mit Trump und seinen Vertrauten – ebenso wie mit Geschäftsleuten, die die wahren politischen Ziele nicht erkennen. Und die Veröffentlichung solcher Dokumente bestätigt einmal mehr das Wesen der Kreml-Taktik.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін купує Трампа | Віталій Портников. 12.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.