
Nach den ersten trilateralen Verhandlungen in Abu Dhabi seit Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges ließen Quellen in der amerikanischen Administration verlauten, dass es bald zu einem persönlichen Treffen zwischen Volodymyr Zelensky und Putin kommen könnte. Politische Fantasie? Möglich. Aber auch das trilaterale Treffen selbst galt bis vor Kurzem noch als politische Fantasie. Und dennoch hat es stattgefunden.
Wenn wir inzwischen fast schon routinemäßig davon sprechen, dass Putin weniger verhandelt als vielmehr Verhandlungen imitiert – also Zeit schindet –, müssen wir verstehen: Selbst für eine Imitation braucht es eine Agenda. Das Entscheidende ist jedoch, dass der russische Präsident offenkundig nicht an einer direkten Konfrontation mit seinem amerikanischen Amtskollegen interessiert ist und alles tut, um eine solche Konfrontation zu vermeiden.
Dazu muss er vor allem Friedfertigkeit demonstrieren und Bereitschaft zeigen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Und hier scheint das Arsenal an „Tricks“, mit denen der Kreml-Zauberer versucht, sein Publikum zu hypnotisieren, allmählich erschöpft zu sein.
In den ersten Monaten nach der Rückkehr Donald Trumps ins Oval Office reichten Telefonanrufe und Gespräche über mögliche Wege zur Beendigung des Krieges aus: Der amerikanische Präsident drängte auf einen Waffenstillstand, der russische lehnte höflich ab.
Später, als Trump von „wunderbaren Telefonaten“ sprach, die zu keinerlei Ergebnissen führten, schlug Putin vor, den Istanbuler Prozess zu „reaktivieren“ – ohne reale Fortschritte. Es kam zu einem bilateralen Treffen in Anchorage, doch auch dort gelang keine Einigung; später sprach man lediglich vom „Geist“ dieses Treffens, worunter man in Moskau weiterhin den Abzug ukrainischer Truppen aus den nicht besetzten Gebieten des Donbas versteht.
Danach versuchte Putin, die Lieferung weitreichender Waffen an die Ukraine zu verhindern, und vereinbarte mit Trump ein Treffen in Budapest. Dieser Gipfel scheiterte jedoch, nachdem die Außenminister keine möglichen Vereinbarungen abstimmen konnten. Ein verärgerter Trump verhängte daraufhin Sanktionen gegen russische Ölgiganten. Und genau in diesem Moment tauchte der von russischer Seite dem Weißen Haus vorgeschlagene „Friedensplan“ auf. Doch um diesen zu diskutieren und Ernsthaftigkeit zu demonstrieren, muss man sich treffen.
Und genau an diesem Punkt befinden wir uns jetzt. Die Russen mussten sich sogar auf ein trilaterales Treffen einlassen, um Friedfertigkeit zu demonstrieren. Doch Washington wird Moskau zu weiteren Schritten drängen – sogar zu einem Treffen der Präsidenten, das dann zweifellos als diplomatischer Triumph Donald Trumps gelten würde. Denn Zelensky und Putin an einen Tisch zu bringen, ist ungleich schwieriger, als etwa den armenischen Premier Paschinjan und den aserbaidschanischen Präsidenten Alijew zusammenzuführen, die sich vor ihrem Besuch im Oval Office bereits mehrfach persönlich getroffen hatten.
Bedeutet das, dass wir uns dem Ende des Krieges nähern? Keine Verhandlungen, selbst auf höchster Ebene, garantieren dies. Es gibt jedoch eine andere wichtige Formel, die mit dem realen Zustand der russischen Wirtschaft und Putins Bereitschaft zusammenhängt, neue westliche Sanktionen zu riskieren. Sollte der russische Präsident zu dem Schluss kommen, dass seine wirtschaftlichen Möglichkeiten es nicht erlauben, den Krieg noch mehrere Jahre fortzusetzen, und dass neue Sanktionen die Lage der russischen Wirtschaft erheblich verschlechtern würden, dann wird er sowohl einem Treffen mit Zelensky als auch einem Ende der Kampfhandlungen zustimmen.
Kann man sagen, dass wir bereits Anzeichen eines solchen Sinneswandels sehen – vor dem Hintergrund der brutalen Bombardierungen der ukrainischen Energieinfrastruktur und der Versuche, die Zivilbevölkerung buchstäblich erfrieren zu lassen? In gewissem Maße sind solche Anzeichen gerade die trilateralen Verhandlungen selbst sowie die Zusammensetzung der russischen Delegation, in der wir den „Historiker“ Medinski nicht mehr sehen, dafür aber von der Anwesenheit von Generälen wissen – sogar des Chefs der Hauptverwaltung des Generalstabs, Admiral Igor Kostjukow. Solche Beamten sind nicht mehr „Dekoration“, sondern für Gespräche über wirklich ernste Fragen da.
Das zeigt, dass auf Putins Schreibtisch derzeit mehrere Szenarien für die weitere Entwicklung des Konflikts liegen. Es bleibt nur zu verstehen, welchem davon der Kremlchef den Vorzug geben wird – und was ihn letztlich dazu zwingen könnte, sich für den Frieden zu entscheiden.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Чи зустрінуться Зеленський і Путін. Віталій Портников. 26.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 26.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.