Verhandlungen in Abu Dhabi: erste Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 24.01.2026.

Die ersten trilateralen Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten sind nach zwei Tagen Diskussionen in Abu Dhabi zu Ende gegangen. Und hier ist natürlich die wichtigste Nachricht das Verhandlungsformat selbst, zu dem übrigens Donald Trump seit den ersten Tagen seiner Zeit im Oval Office tendierte: Die Amerikaner sind nicht nur Vermittler zwischen Moskau und Kyiv, sondern sitzen gemeinsam mit der russischen und der ukrainischen Delegation an einem Tisch und können zumindest unmittelbar beobachten, wie der tatsächliche Verhandlungsprozess abläuft.

Was die Ergebnisse dieser Gespräche betrifft, so gibt es allerdings bislang noch viele Unklarheiten. Bereits mit einer offiziellen Erklärung meldete sich der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, zu Wort. Er betonte, dass sich die Gespräche vor allem auf mögliche Parameter zur Beendigung des Krieges konzentriert hätten. „Es gibt ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer amerikanischen Überwachung und Kontrolle des Prozesses der Beendigung des Krieges sowie der Einhaltung realer Sicherheitsgarantien“, unterstrich Zelensky. Allerdings ist dabei von entscheidender Bedeutung, wer einer solchen amerikanischen Überwachung zustimmt – nur die Ukraine oder sowohl die Ukraine als auch Russland.

Die amerikanische Seite habe laut Zelensky Fragen möglicher Formate zur Festschreibung der Parameter des Kriegsendes sowie der dafür notwendigen sicherheitspolitischen Voraussetzungen angesprochen. Doch erneut wissen wir nichts über die russische Reaktion. Wir wissen lediglich – und auch darauf wies Zelensky hin –, dass die Seiten vereinbart haben, in ihren Hauptstädten über jeden einzelnen Aspekt der Verhandlungen Bericht zu erstatten und die weiteren Schritte mit ihren jeweiligen Staats- und Regierungschefs abzustimmen.

Auch die Vertreter der Streitkräfte haben eine Liste von Fragen für ein mögliches nächstes Treffen festgelegt. Sollte es eine Einigung darüber geben, weiterzumachen – und die Ukraine hat ihre Bereitschaft dazu bereits betont –, könnten weitere Treffen stattfinden, möglicherweise sogar schon in der kommenden Woche.

Nach der Rückkehr der Delegationen in ihre Hauptstädte ist zudem zu erwarten, dass deren Vertreter nach Konsultationen mit den Präsidenten ihrer Länder entsprechende Stellungnahmen abgeben werden. Von amerikanischer Seite gab es bislang keinerlei Kommentare, was allerdings auch durch den enormen Zeitdruck erklärt werden kann, unter dem sich die amerikanischen Unterhändler befinden. Denn nach den Gesprächen in Abu Dhabi reisten Steve Witkoff und Jared Kushner weiter nach Israel, um dort Gespräche mit dem Premierminister des Landes, Benjamin Netanjahu, zu führen.

Auch dies ist eine äußerst komplizierte Situation, in der die amerikanischen Unterhändler parallel zur Lösung der schwierigen Fragen des russisch-ukrainischen Krieges auch komplexe Probleme der Regulierung der Lage im Nahen Osten erörtern müssen. Zumal sich Israels Vorstellungen über die Parameter einer solchen Regelung in den vergangenen Wochen von jenen unterscheiden, die Donald Trump vertritt. Dies betrifft unter anderem die Struktur der sogenannten Friedensratsinitiative, die – aus anderen Gründen als im ukrainischen Fall – ebenfalls für den israelischen Premierminister und seine Regierung nicht akzeptabel ist.

Kehren wir jedoch zu den russisch-ukrainisch-amerikanischen Gesprächen zurück, so sehen wir bereits jetzt, dass es zahlreiche Gerüchte geben wird. Sowohl die ukrainische als auch die russische Delegation erklären im Grunde, dass die Verhandlungen nicht schlecht verlaufen seien und dass es gewisse Ergebnisse gebe. Doch welche Ergebnisse genau?

So tauchte bereits die Nachricht auf, dass der Präsident Russlands angeblich bereit sei, Reparationen an die Ukraine zu zahlen, insbesondere für den Wiederaufbau der ukrainischen Energieinfrastruktur auf Kosten der Russischen Föderation selbst.

Das wirkt jedoch äußerst merkwürdig vor dem Hintergrund der schrecklichen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur, die buchstäblich während der Verhandlungen weitergehen. Denn genau in jener Nacht, als sich die Delegationen auf die nächste Verhandlungsrunde in Abu Dhabi vorbereiteten, führte Russland erneut Angriffe auf Energieobjekte in der Ukraine durch.

Daraus ergibt sich eine durchaus logische Frage: Wenn Putin tatsächlich bereit ist, perspektivisch beim Wiederaufbau der ukrainischen Energieinfrastruktur zu helfen und dafür russisches Geld zu zahlen, warum erhöht er dann selbst die Rechnung für sich – und was verlangt er im Gegenzug von der ukrainischen Delegation für die Begleichung dieser Rechnung? Schließlich verstehen wir, dass es keinerlei reale Instrumente gibt, um den russischen Machthaber zu Reparationen zu zwingen, außer dem Druck des Westens. Und wir wissen nicht, wie wirksam dieser Druck derzeit ist, ebenso wenig wie wir wissen, ob Putin selbst tatsächlich bereit ist, zur wirtschaftlichen Erholung der Ukraine beizutragen.

Deshalb ist die wichtigste Frage bei diesen Verhandlungen natürlich der Preis des Friedens, die Ernsthaftigkeit möglicher Sicherheitsgarantien und inwieweit diese Sicherheitsgarantien von der Russischen Föderation selbst akzeptiert würden.

Noch gestern Abend berichteten Journalisten, dass die russisch-amerikanisch-ukrainischen Gespräche an der Territorialfrage festgefahren seien. Russland bestehe weiterhin darauf, dass die ukrainischen Truppen jenen Teil der Oblast Donezk verlassen müssten, der derzeit von den legitimen ukrainischen Institutionen kontrolliert wird und in dem sich ukrainische Streitkräfte befinden. Gleichzeitig solle der Konflikt in den Gebieten der Oblaste Cherson und Saporischschja „eingefroren“ werden – also ohne Verzicht Russlands auf seine territorialen Ansprüche auf jene Teile der Oblaste Saporischschja und Cherson, die künftig unter ukrainischer Kontrolle bleiben würden.

Derzeit ist davon jedoch, wenn wir über die russisch-ukrainisch-amerikanischen Gespräche sprechen, überhaupt keine Rede mehr. Die Seiten äußern sich nicht zur Territorialfrage – weder in Kyiv noch in Moskau.

Natürlich ist zu erwarten, dass in einigen Stunden neue Informationen auftauchen werden, insbesondere in Form von Kommentaren aus dem Kreml, etwa von offiziellen Vertretern der russischen Führung, und möglicherweise auch von Stellungnahmen der Delegationen Russlands und der Ukraine.

Von amerikanischer Seite erwarte ich hingegen keine konkreten Details, da wir bereits Erfahrungen mit früheren Kommentaren von Steve Witkoff haben, der in der Regel einfach von positiven Ergebnissen jeglicher Gespräche spricht, an denen er beteiligt ist. Sollten nun entsprechende positive Kommentare Witkoffs erscheinen – und ich denke, sie werden bald erscheinen –, werden sie weder den Einschätzungen ukrainischer noch russischer Quellen widersprechen.

Und wir verstehen sehr gut, dass die Russen Informationslecks deutlich sorgfältiger kontrollieren als die Amerikaner und die Ukrainer. Wenn russische offizielle Nachrichtenagenturen beschlossen haben zu berichten, dass die Verhandlungen nicht schlecht verlaufen seien und man nicht sagen könne, sie seien ergebnislos gewesen, dann bedeutet das, dass der Kreml zumindest an einer Fortsetzung dieses Verhandlungsprozesses interessiert ist.

Und nun stellt sich die wichtigste Frage: Ist der Kreml daran interessiert, in den kommenden Wochen – oder zumindest Monaten – ein reales Ergebnis zu erzielen? Oder geht es weiterhin um Putins Taktik der Verzögerung der Verhandlungen, um Trump nicht zu provozieren? Oder hat Putin begonnen zu begreifen, dass er ohne neuen Druck seitens des Westens und insbesondere der Vereinigten Staaten nur noch begrenzte Möglichkeiten hat, Zeit zu schinden? All das werden wir schon sehr bald sehen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини в Абу-Дабі: перші підсумки | Віталій Портников. 24.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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