Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, hat auf einen Auftritt beim Internationalen Wirtschaftsforum in Davos verzichtet, da er sich nach einem weiteren barbarischen Angriff der Russen auf das ukrainische Energiesystem entschlossen hat, im Land zu bleiben.
Der Aufenthalt Zelenskys auf diesem prestigeträchtigen internationalen Forum hätte zu den wichtigsten Ereignissen seiner Reise zählen sollen – vor allem im Zusammenhang mit den erwarteten Kontakten des ukrainischen Präsidenten mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Der Präsident der Vereinigten Staaten und der Präsident der Ukraine sollten sich nicht nur treffen, sondern auch ein Abkommen über den Beitrag der Vereinigten Staaten zum sogenannten ukrainischen Wohlstand unterzeichnen.
Meiner Ansicht nach wirken jedoch derzeit jegliche Abkommen über amerikanische Investitionen in den Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft geradezu blasphemisch. Schon allein deshalb, weil die Vereinigten Staaten nicht nur nicht auf Putins Versuche reagieren, ukrainische Bürger in ihren Wohnungen erfrieren zu lassen, sondern gleichzeitig den russischen Präsidenten in den sogenannten Friedensrat einladen, den Donald Trump vor allem zur Regelung der Lage im Nahen Osten schaffen will, der aber offenbar auch zur Förderung der Beilegung aller Konflikte dienen soll, die sich heute weltweit abspielen.
Und natürlich wirkt die Anwesenheit unter den von ihm in den Friedensrat Eingeladenen des russischen Präsidenten Putin und seines belarussischen Kollegen Lukashenko – von dessen Territorium aus bekanntlich 2022 der Angriff auf unser Land erfolgte und der ein treuer Verbündeter des russischen Aggressors bleibt – wie ein offener Hohn des Präsidenten der Vereinigten Staaten gegenüber der Ukraine, gerade vor dem Hintergrund einer möglichen Begegnung der Präsidenten der Ukraine und der USA in Davos.
Darüber hinaus muss gesagt werden, dass sich nun auch die Grönland-Krise auf die Situation möglicher Vereinbarungen zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten auswirkt. Wie bekannt ist, sollten der Präsident der Vereinigten Staaten, der Präsident der Ukraine und die europäischen Staats- und Regierungschefs gerade deshalb zusammentreffen, um Sicherheitsgarantien für die Ukraine und den Beitrag des Westens zum Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft zu erörtern, falls es tatsächlich gelingen sollte, den russisch-ukrainischen Krieg in absehbarer Zeit zu beenden. Zwar gibt es bislang keinerlei objektive Gründe anzunehmen, dass dies tatsächlich geschehen wird. Die Grönland-Krise kann jedoch Putins Entschlossenheit, die Kampfhandlungen fortzusetzen, nur noch verstärken.
Nun versuchen die Europäer selbstverständlich, vor allem mit Trump über Grönland zu sprechen und nicht über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Dafür gibt es offensichtliche Gründe. Erstens: Inwieweit kann man überhaupt mit den Amerikanern über irgendwelche Sicherheitsgarantien für die Ukraine sprechen, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten nichts Besonderes darin sieht, die territoriale Integrität Dänemarks zu verletzen – eines langjährigen Verbündeten im Nordatlantischen Bündnis, eines Landes, dessen territoriale Integrität und Souveränität die Vereinigten Staaten zu schützen versprochen haben und dessen Zugehörigkeit Grönlands wiederholt in zahlreichen internationalen Verträgen sowie in bilateralen Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark anerkannt wurde.
Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten all diese Verpflichtungen, die seine Vorgänger eingegangen sind, nicht ernst nimmt, worin unterscheidet sich dann Kyiv von Kopenhagen, und in welchem Maße kann man überhaupt irgendwelchen Vorschlägen vertrauen, die nun aus dem Weißen Haus vor dem Hintergrund der Grönland-Krise kommen?
Es liegt daher auf der Hand, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen mit Donald Trump bereits am nächsten Tag in erster Linie versuchen werden, die Sichtweise des Präsidenten der Vereinigten Staaten auf einen Ausweg aus der Grönland-Krise zu verstehen, die Situation zu entschärfen und die euroatlantische Einheit zu bewahren, die sich buchstäblich vor unseren Augen in Nichts auflöst – und erst danach Fragen gemeinsamer Maßnahmen im Hinblick auf den russisch-ukrainischen Krieg zu klären.
Man kann völlig objektiv feststellen, dass die Situation rund um Grönland der Ukraine im Hinblick auf die Aufmerksamkeit des Westens schlicht schadet. Denn sich auf die Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu konzentrieren, ist in einer Lage, in der es keine Einigkeit unter den Verbündeten gibt und in der europäische Länder gerade im Zusammenhang mit der Ukraine dem Risiko einer Erpressung durch die Vereinigten Staaten ausgesetzt sind, äußerst schwierig. Etwa nach dem Muster: „Wenn ihr meine Rechte an Grönland nicht anerkennt, werde ich euch keine Waffen für die Ukraine verkaufen und auch nicht mehr mit Putin sprechen.“ In einer solchen Situation wirkt jeder Dialog, gelinde gesagt, wenig ernsthaft.
Die Amerikaner selbst setzen ihre Gespräche jedoch fort – allerdings ausschließlich mit der russischen Delegation. Nach Davos ist bekanntlich der Sondergesandte des russischen Präsidenten, Kirill Dmitrijew, gereist, der in den letzten Monaten von Putin für ständige Kontakte mit der Administration von Präsident Trump eingesetzt wird. Ich erinnere daran, dass gerade Dmitrijew – offenbar gemeinsam mit dem außenpolitischen Berater Präsident Putins, Juri Uschakow – der Autor jenes Friedensplans war, der später als Trump-Plan bezeichnet wurde. Möglicherweise deshalb, weil zu den vom Kreml vorgeschlagenen Punkten der Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, die Idee der Schaffung eines Friedensrates für die Ukraine hinzufügte, nach dem Vorbild jenes Friedensrates, der nach dem Waffenstillstand im Gazastreifen geschaffen wurde.
Obwohl es mir derzeit scheint, dass es gar keine verschiedenen Friedensräte geben wird, da Trump versucht, eine neue internationale Organisation unter seinem eigenen Vorsitz zu schaffen – mit derselben Beteiligung von Stephen Witkoff und Jared Kushner an der Führung dieser Organisation. Und selbstverständlich mit der Präsenz von Putin und Lukashenko.
Auf diese Weise setzen die Vereinigten Staaten das Gespräch mit Russland fort, so als wünsche Moskau tatsächlich ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges. Was jedoch reale ukrainisch-amerikanische Kontakte betrifft, ist dies bereits eine gute Frage. Wenn Volodymyr Zelensky überhaupt nicht in die Schweiz reist, ist völlig unklar, wann nun sein nächstes Treffen mit Präsident Donald Trump stattfinden wird. Vor allem aber verstehen wir nicht, ob ein Treffen zwischen Trump und Zelensky in Davos überhaupt stattfinden wird – und worüber sie sprechen sollen.
Selbst wenn ein solches Treffen tatsächlich geplant sein sollte und Zelensky doch noch in den Schweizer Bergkurort reist, wird er Fragen Donald Trumps zu seiner eigenen Teilnahme am Friedensrat beantworten müssen. Dabei sollte man daran erinnern, dass Zelensky – wie er selbst sagt – kaum mit großer Freude an einer neuen Struktur teilnehmen wird, zu der Putin und Lukashenko eingeladen sind. Denn das wäre eine völlig offensichtliche und absurde Verhöhnung der Ukraine nach vier Jahren eines blutigen großen russisch-ukrainischen Krieges und fast zwölf Jahren des russisch-ukrainischen Konflikts, der mit der Annexion der Krim begann – jener Annexion, die heute offenbar Donald Trump zu einer Annexion Grönlands inspiriert und es dem Präsidenten der Vereinigten Staaten erlaubt, über das Schicksal einer Insel zu sprechen, die ein autonomer Staat und Teil des Königreichs Dänemark ist, als ob internationaler Souveränität überhaupt nicht existierte und alles durch das Recht der Stärke entschieden werden könne.
Und wer hat als Erster verstanden, dass man so handeln und keine angemessene Reaktion des Westens zu befürchten hat? Das war keineswegs Donald Trump. Das war in erster Linie Putin mit seinem Krim-Abenteuer, das sich nun vor dem Hintergrund der Absichten des amerikanischen Präsidenten rasch von einer regionalen zu einer weltweiten Abenteuergeschichte zu entwickeln droht.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Гренландський скандал вдарив по Україні | Віталій Портников. 20.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.