
Das Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine in der privaten Residenz von Donald Trump endete ohne jede konkrete Vereinbarung — und für mich war das ehrlich gesagt keine Sensation. Eine Sensation wären vielmehr konkrete Abmachungen gewesen, die bereits während dieses Treffens hätten umgesetzt oder zumindest zur Unterzeichnung vorbereitet werden können. So war für mich eher die Existenz einer Schokoladentorte mit dem Namen „Trump“ eine Entdeckung, mit der der amerikanische Präsident die ukrainische Delegation bewirtete — hoffentlich erfahren wir eines Tages noch ihr Rezept.
Aber ernsthaft gesprochen ist ein solches Ergebnis bereits ein gar kein schlechtes Ergebnis. Denn letztlich hängt das Ende des Krieges nicht vom Wunsch Trumps und nicht vom guten Willen Volodymyr Zelenskys ab, sondern von der Bereitschaft Putins. Und genau diese Bereitschaft ist nicht zu erkennen — trotz all der optimistischen Schlussfolgerungen, die Trump aus seinem durchaus erwartbaren Telefongespräch mit dem russischen Machthaber gezogen hat. Putin will den Verhandlungsprozess nur imitieren, um den Krieg fortzusetzen — und bislang gelingt ihm das. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten brauchen in dieser Situation vor allem eines: dass die USA den Druck auf Russland nicht verringern, sondern erhöhen.
Denn die Formel dieses Krieges ist klar: Gelingt es Russland, die Ukraine zu erschöpfen, wird es ihr Territorium — oder zumindest einen großen Teil davon — erobern; gelingt es der Ukraine und ihren Verbündeten hingegen, Russland zu erschöpfen, wird der Kreml gezwungen sein, seine Aggression gegen die Ukraine zu beenden und auf neue Eroberungskriege zu verzichten. Die einzige Frage ist, an welchem Punkt dieser Erschöpfung wir uns befinden. In Wirklichkeit aber hat die Ukraine trotz aller Schwierigkeiten mehr Trümpfe in der Hand als Russland, weil der Westen sie weiterhin unterstützt. Und die 90 Milliarden Euro an neuen europäischen Krediten sind ein guter Beweis dafür. China und Indien werden Russland ihr Geld jedenfalls nicht einfach schenken.
Der wichtigste Ertrag dieses Treffens, das eben nicht historisch wurde, besteht daher darin, dass es in freundlicher Atmosphäre stattfand und Trump keinen Anlass hat, Zelensky oder den europäischen Staats- und Regierungschefs böse zu sein. Alle unterstützen den „Trump-Plan“ und sind bereit zu konstruktiver Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Präsidenten, alle diskutieren die wichtigsten Grundsatzfragen und mögliche Kompromisse. Die einzige offene Frage bleibt, ob Putin bereit ist, den Krieg zu beenden.
Was geschieht als Nächstes? Als Nächstes wird die Bürokratie arbeiten. Es werden Arbeitsgruppen eingerichtet — sowohl für die Zusammenarbeit mit den Ukrainern als auch für die mit den Russen. Diese Arbeitsgruppen werden nicht mehr nur aus Trumps Vertrauten wie Steve Witkoff oder Jared Kushner bestehen. Ihnen werden auch Regierungsvertreter angehören: Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs Dan Caine. Und diese Leute werden schlicht nicht in der Lage sein, die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu überschreiten — ebenso wenig wie die ukrainischen und russischen Beamten, die mit ihnen zusammenarbeiten. Das bedeutet: Wenn die Russen nicht von Forderungen abrücken, die sich nicht in das ukrainische Rechtssystem integrieren lassen, werden die Verhandlungen zwangsläufig in einer Sackgasse enden — was Putin natürlich braucht, Trump jedoch nicht.
Noch ist es schwer zu sagen, wie der amerikanische Präsident auf ein mögliches Scheitern reagieren würde und ob Putin es sich angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Russland überhaupt leisten kann, Trump demonstrativ zurückzuweisen. Vor uns liegen also vermutlich noch viele überraschende Wendungen, Treffen, Telefonate und Positionswechsel. Und die Hoffnung, dass dieses ganze Chaos helfen wird, den Krieg bereits 2026 zu beenden — und dass der Schokoladen-„Trump“ beim nächsten Mal schon zur Unterzeichnung eines echten Friedensabkommens gebacken wird.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Шоколадний «Трамп». Віталій Портников. 29.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.