Putin und der Krieg bis zum letzten Ukrainer. Vitaly Portnikov. 01.12.2025

https://hromada.us/uk/articles/2025/12/01/putin-and-the-war-to-the-last-ukrainian?fbclid=IwZnRzaAOcEs5leHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeUSVesH-ptEXG25CSsDpBKDxVvR79KPgEgGDzHaXRYhxZkV34zZuTHkpQtCM_aem_gpC2ufJEEvZxq7bWUuXclQ

Bei einem Treffen mit Journalisten in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek sagte der russische Präsident Wladimir Putin – als würde er auf jene antworten, die „bis zum letzten Ukrainer kämpfen wollen“ –, dass sein Land auf ein solches Szenario vorbereitet sei.

Und diese Aussage des russischen Staatschefs bestätigt genau das, woran ich seit Februar 2022 unermüdlich erinnere. Für Putin ist dieser Krieg keineswegs ein Kampf um das Territorium der Krim oder des Donbas. Und nicht einmal nur ein Krieg gegen den ukrainischen Staat und die Staatlichkeit als solche. Es ist auch ein Krieg um die „endgültige Lösung der ukrainischen Frage“.

Die Sache ist die, dass russische Chauvinisten aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts sehr einfache und primitive Schlüsse gezogen haben: Sie schaffen es nicht, die Ukrainer zu täuschen. Im Russischen Imperium galten die „Kleinrussen“ als ein Teil eines einzigen „russischen Volkes“, zusammen mit den „Großrussen“ und den Belarussen. Doch kaum war das Imperium zerfallen, proklamierten die Ukrainer in Kyiv erst die Autonomie und dann die Unabhängigkeit der Ukrainischen Volksrepublik – und nur die bolschewistische Besetzung verhinderte die Verwirklichung dieses Staates.

Man könnte meinen, die Bolschewiki hätten es geschafft, die ukrainische Staatlichkeit durch die Kulisse einer Ukrainischen SSR zu ersetzen. Doch sobald die Sowjetunion zu zerfallen begann, erklärte die Ukraine sofort die Unabhängigkeit – und dieser Schritt führte dazu, dass das ehemalige kommunistische Imperium buchstäblich innerhalb weniger Wochen wie ein Kartenhaus zusammenbrach.

Also stellte sich heraus: Die einzige Möglichkeit, die Kontrolle über ukrainische Gebiete zu erlangen, besteht darin, die Ukrainer loszuwerden. Man könnte sagen, dass dies weder politische noch wirtschaftliche Logik besitzt: Wozu Land, auf dem keine Menschen leben? Nun, erstens würden viele Russen ihre verarmten, verfallenden Städte und Dörfer im Norden verlassen, um auf die fruchtbaren ukrainischen Böden umzuziehen – das haben sie schon mehrfach getan. Und zweitens – wann hat es Russland jemals gestört, eine Region in eine Wüste zu verwandeln? Schauen Sie nach Sibirien, das seit den Eroberungszügen Ermaks entvölkert ist. Oder nach Karelien, das die Sowjetunion Ende der 1930er Jahre Finnland abnahm – dieses wunderschöne Land verlor den Großteil seiner indigenen Bevölkerung und wirkt heute wie eine stumme, leblose Wüste. Und? Hauptsache, das Land ist groß. Von der Fläche her.

Drittens betrachtet die russische Führung jedes Territorium als Militärbasis. Die ganze Ukraine, wie zuvor die besetzte Krim, wird vom Kreml nicht für Entwicklung gebraucht, sondern um Raketen und Militärbasen so nah wie möglich an Europa heranzuschieben. Denn dem Westen von neuen „alten“ Territorien aus drohen zu können – das ist Putins wichtigste geopolitische Träumerei. Was wäre er ohne diese Drohungen? Der Leiter eines armen Provinzstaates, der ohne den Verkauf von Öl und Gas nichts wert wäre?

Genau deshalb ist er bereit, die Ukrainer loszuwerden. Wenn man ihn direkt fragte, wie er solche menschenverachtenden Reden halten könne, würde Putin antworten, das sei lediglich eine Reaktion auf diejenigen, die den Krieg fortsetzen wollten, während er selbst den Frieden anstrebe. Aber wir wissen genau, dass all das nichts weiter als gezielte Manipulation ist. Putin sagte bereits etwas Ähnliches nach dem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2014, als er behauptete, dass Frauen und Kinder sich vor die russische Armee stellen würden, falls sie auf ukrainisches Territorium vorrücke. Und erneut erklärten russische Propagandisten, ihr Anführer habe etwas ganz anderes gemeint. Dass er nur habe sagen wollen, ukrainische Frauen und Kinder würden sich selbst vor die Besatzer stellen.

Doch er sagt genau das, was er sagt. Putin ist bereit, ukrainische Frauen und Kinder vor die russische Armee zu stellen. Und er spricht vom Krieg bis zum letzten Ukrainer – genau dieser Krieg ist es, den er braucht.

Was ist dann mit dem Friedensprozess, was mit dem „Trump-Plan“? Nichts. Solange der russische Präsident der Möglichkeit eines Waffenstillstands nicht zustimmt, wirken alle Friedensverhandlungen eher wie eine Demonstration des guten Willens der US-Regierung als wie ein realer Prozess, der in naher Zukunft zum Ende des Krieges führen könnte.

Doch nun – durch Putin selbst – wissen wir genau, dass wir nicht einfach den Krieg stoppen müssen, sondern einen im Kreml gebilligten und abgesegneten Völkermord. Genau deshalb muss der Druck auf Russland erhöht werden: Russische Ölhäfen und Raffinerien müssen brennen und explodieren, und russische Besatzer müssen in den ukrainischen Steppen und Halden fallen. Das ist der wirkliche Friedensplan – der einzige Plan, der helfen kann, das ukrainische Volk zu retten.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Путін і війна до останнього українця. Віталій Портников. 01.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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