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Bei einem Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde in der Ukraine erinnerte sich der israelische Außenminister Gideon Sa’ar daran, dass dies sein zweiter Besuch in Kyiv sei. Der erste habe noch im Jahr 1999 stattgefunden – damals sei er als Teil einer israelischen Delegation gemeinsam mit Premierminister Benjamin Netanjahu angereist, der sich mit dem damaligen Präsidenten Leonid Kutschma getroffen habe.
Diese Erinnerung hätte einfach nur sentimental wirken können – wäre da nicht der Kontext. In Wirklichkeit handelt es sich um den ersten Besuch eines hochrangigen israelischen Vertreters in der Ukraine seit Beginn des umfassenden Kriegs im Februar 2022. Erst jetzt, mehr als zwei Jahre nach dem Einmarsch, bespricht der israelische Außenminister mit seinem ukrainischen Amtskollegen gemeinsame strategische Schritte – gegen den Iran.
Aber eben erst jetzt. Obwohl schon in den ersten Monaten des Krieges, als iranische „Shahed“-Drohnen am ukrainischen Himmel auftauchten, klar wurde, dass die Ukraine für den Iran zu einem Testfeld für künftige Angriffe auf Israel wird.
Gleichzeitig – kein Wort über ähnliche Schritte gegen Russland. Obwohl kein Analyst Zweifel daran hat: Russland ist ein strategischer Verbündeter des Iran. Moskau hilft Teheran, sich über Wasser zu halten, koordiniert die militärisch-technische Zusammenarbeit und unterstützt Proxymilizen wie die Hamas und die Hisbollah, die die Existenz Israels bedrohen. Genau diese Themen hätte der ukrainische Präsident ansprechen können, wenn er nach dem 7. Oktober Israel besucht hätte. Doch dieser Besuch fand nie statt – nicht nur, weil man in Kyiv seine möglichen Folgen fürchtete, sondern auch, weil man ihn in Jerusalem nicht besonders herbeisehnte.
Das Paradoxe daran ist: Zwei Staaten – die Ukraine und Israel –, die faktisch vor derselben existenziellen Bedrohung stehen, haben bisher nicht erkannt, wie sehr ihre Herausforderungen einander ähneln. Sie agieren weiterhin im Modus vorsichtiger Diplomatie, die sich häufig nicht an den Realitäten orientiert, sondern an alten Ängsten und künstlichen „roten Linien“. In Jerusalem fürchtet man, den Zorn Moskaus zu provozieren – obwohl Russland längst klar Stellung im Nahostkonflikt bezogen hat. In Kyiv hingegen glaubt man weiterhin an die Bedeutung guter Beziehungen zum Globalen Süden – obwohl es gerade diese Länder sind, die durch wirtschaftliche Partnerschaften mit Russland dem Kreml helfen, den Krieg fortzusetzen.
Tatsächlich gibt es weder für die Ukraine noch für Israel irgendwelche realen Gründe, ihre Zusammenarbeit zu beschränken. Das Einzige, was sie davon abhält, sind unprofessionell gesetzte Prioritäten und die Weigerung, anzuerkennen: Die Welt hat sich verändert. Und sie wird nie wieder so sein wie früher.