Laut der Financial Times könnte der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky in Kürze Washington besuchen, um bei der endgültigen Vereinbarung und Unterzeichnung eines Abkommens über die gemeinsame Entwicklung von Bodenschätzen mit den Vereinigten Staaten anwesend zu sein.
Die neue Version des Abkommens, das der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha und der US-Außenminister Marco Rubio unterzeichnen sollen, sieht keine Erfüllung der maximalistischen Forderungen vor, die der ehemalige US-Präsident Donald Trump zuvor gestellt hatte. Es wird betont, dass ein Fond geschaffen wird, in den die Ukraine 50% der Einnahmen aus der zukünftigen Monetarisierung der Bodenschätze, die dem ukrainischen Staat gehören, einzahlen wird. Dazu gehören Öl, Gas und die damit verbundene Infrastruktur.
Es wurde auch bekannt, dass die Mittel aus diesem Fonds für Investitionsprojekte in der Ukraine verwendet werden sollen. Die bereits bestehenden staatlichen Vermögenswerte wie Naftogaz und Ukrnafta werden jedoch nicht Teil der erzielten Vereinbarungen sein.
Früher hatte Donald Trump bekanntlich vorgeschlagen, dass die Ukraine 50 % aller Einnahmen aus dem Abbau von Bodenschätzen, darunter Öl und Gas, abgeben sollte, bis die Summe dieser Zahlungen 500 Milliarden Dollar erreicht.
Der amerikanische Präsident erklärte dies mit der Notwendigkeit, dieses Geld – ich erinnere daran, dass es sich um Zuschüsse und nicht um Kredite handelte – zurückzuerhalten, die die Vereinigten Staaten der Ukraine während der Amtszeit seines Vorgängers Joseph Biden gewährt hatten. Obwohl die Höhe der amerikanischen Hilfe für die Ukraine bei weitem nicht 500 Milliarden Dollar erreichte und sogar geringer war als die Hilfe, die die Ukraine von europäischen Ländern erhielt.
Der Inhalt dieses Abkommens, das nun zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten unterzeichnet werden könnte, bleibt unklar. Denn es ist nicht klar, welches Interesse die USA an der Teilnahme an solchen Projekten haben werden.
Es gibt auch keine Sicherheitsgarantien für die Ukraine in diesem Abkommen, und es ist offensichtlich, dass es sie auch nicht geben konnte, denn alle Sicherheitsgarantien, die die Vereinigten Staaten der Ukraine hätten gewähren können, würden eine direkte Beteiligung der Vereinigten Staaten an einem bewaffneten Konflikt zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine voraussetzen. Also genau das, was Donald Trump um jeden Preis zu vermeiden versucht.
Und die Zusicherungen amerikanischer Beamter, dass die Anwesenheit amerikanischer Unternehmen an sich schon eine wichtige Garantie für die ukrainische Sicherheit darstellt, sind nicht haltbar, denn wir haben Dutzende von Fällen gesehen, in denen amerikanische Unternehmen gezwungen waren, bestimmte Länder zu verlassen, weil ihr Land nicht an bestimmten bewaffneten Konflikten teilnehmen wollte, oder einfach den Folgen eines Machtwechsels oder eines militärischen Aufstands nicht standhalten konnte. Die Beteiligung der Amerikaner an Wirtschaftsprojekten in irgendeinem Land ist also, wenn diese Beteiligung nicht von der Beteiligung der amerikanischen Armee und der Geheimdienste begleitet wird, praktisch nichts wert, und das wissen alle sehr gut.
Der Sinn des Abkommens selbst für die Vereinigten Staaten bleibt ebenfalls ungeklärt. Vielleicht werden einige Details erst bei einem Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Präsidenten der Ukraine klar. Beamte aus der Verwaltung von Volodymyr Zelensky sagen, dass die Tatsache seiner Reise nach Washington es ihm ermöglichen wird, Donald Trump das Bild in einem breiteren Panorama zu erklären.
Nach dem gestrigen Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der amerikanischen Hauptstadt konnte man jedoch bereits den Schluss ziehen, dass es sich nicht lohnt, Donald Trump etwas zu erklären, selbst wenn der Gesprächspartner eine ziemlich realistische Position vertritt, denn der amerikanische Präsident wird seine eigenen Vorstellungen von der Realität behalten.
So versuchte Emmanuel Macron mehrere Stunden lang, Donald Trump davon zu überzeugen, dass die Bereitschaft europäischer Länder, sich an der Bildung eines Friedenstruppenkontingents zu beteiligen, auf das Trump zuvor bestanden hatte, sollte zumindest von der Unterstützung der USA begleitet werden, aber Donald Trump hat dem französischen Präsidenten diesbezüglich keine Garantien gegeben. Was die Beteiligung der Europäer an der Schaffung eines friedenserhaltenden Kontingents angeht, auf der er zuvor bestanden hatte, sagte er nur, dass er diese Option nicht ablehne, was sich von seiner früheren Position unterscheidet.
Jegliche Absprachen mit dem amerikanischen Präsidenten, selbst wenn sie erzielt werden, können von ihm selbst innerhalb weniger Wochen wieder aufgehoben werden. Dies zeigt das Beispiel des mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum und des kanadischen Premierministers Justin Trudeau. Sie einigten sich beide mit Donald Trump auf eine Verschiebung der für Kanada und Mexiko vorgeschlagenen überhöhten Zölle und auf Verhandlungen, die die Möglichkeit eines solchen wirtschaftlichen Ansatzes in Amerika hätten widerlegen sollen. Jetzt spricht Donald Trump wieder von Zöllen, so als ob seine Gespräche mit dem kanadischen Premierminister und der mexikanischen Präsidentin nie stattgefunden hätten.
Das Wichtigste ist jedoch der absolute Surrealismus der Situation. Der Präsident der Ukraine und der Präsident der Vereinigten Staaten werden die Schaffung eines Fonds für den Abbau von Bodenschätzen erörtern, der theoretisch nach der Ausrufung eines Waffenstillstands im russisch-ukrainischen Krieg funktionieren soll, während Donald Trump die elementare Frage nicht beantworten kann, wie er diesen Waffenstillstand mit dem russischen Präsidenten, Wladimir Putin, erreichen will.
Dabei bietet Putin amerikanischen Unternehmen die Beteiligung an der Erschließung russischer Bodenschätze an. Und zwar, nebenbei bemerkt, seltene Erden ohne Waffenstillstand im Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Nur durch eine Normalisierung der russisch-amerikanischen Beziehungen, die auch nicht besonders normalisiert werden, denn Russland beeilt sich nicht einmal mit der Bildung von Verhandlungsgruppen, die die Frage der vollständigen Wiederaufnahme der Arbeit der Botschaft der Vereinigten Staaten in Moskau und der Botschaft der Russischen Föderation in Washington lösen könnten.
Ohne die Frage eines Waffenstillstands im russisch-ukrainischen Krieg zu lösen, kann man über alle Vereinbarungen über die Erschließung von ukrainischen Bodenschätzen unglaublichen Ausmaßes, deren tatsächlicher Preis nur geschätzt werden kann, da niemand weiß, wie viel Öl und Gas sich in den ukrainischen Bohrlöchern befindet, nur träumen. Genau wie über dei Idee, dass ein europäisches Friedenskontingent auf ukrainisches Gebiet kommt oder nicht kommt mit oder ohne amerikanische logistische Unterstützung, was Russland bekanntlich vehement ablehnt.
Und anstatt die einzige logische Frage anzusprechen, die auf der Hand liegt: Donald Trump kann die Frage eines Waffenstillstands im russisch-ukrainischen Krieg nicht sofort lösen, fährt der US-Präsident selbst fort, über Fragen zu diskutieren, die erst nach Beginn des Waffenstillstands gelöst werden sollten. Und alle anderen Politiker sind gezwungen, bei diesem kindischen Spiel mitzuspielen, um zu zeigen, dass auch sie die wirkliche Hilflosigkeit des US-Präsidenten in dieser Frage nicht bemerken. Deshalb kann man eine solche Politik schlichtweg als erklärten Wahnsinn bezeichnen, dessen ganzes Wesen auf den aufrichtigen Wunsch fast aller Präsidenten und Premierminister abzielt, nicht zu sagen, dass der König im Oval Office des Weißen Hauses, um das unsterbliche Bild von Hans Christian Anderson zu verwenden, vergessen hat, seine Jacke anzuziehen.