Nachdem die Delegation der Russischen Staatsduma aus Washington abgereist ist, äußern Mitglieder des Repräsentantenhauses des amerikanischen Kongresses – sowohl Demokraten als auch Republikaner – ihre Empörung darüber, dass dieser Besuch überhaupt stattgefunden hat und dass Abgeordnete des russischen Parlaments sich mit amerikanischen Kongressmitgliedern getroffen haben.
Unter den Teilnehmern dieser Treffen war bei weitem nicht nur die odiose Kongressabgeordnete Paulina Luna, die in letzter Zeit als wichtigste Verbindungsperson zur Russischen Staatsduma genutzt wird. Es waren auch andere trumpistische Kongressmitglieder anwesend.
Und um zu unterstreichen, dass der Besuch tatsächlich offiziellen Charakter hatte und keine private Initiative einzelner Kongressmitglieder war, führten die Abgeordneten der Staatsduma der Russischen Föderation Treffen im Donald-Trump-Institut für Frieden sowie mit Vertretern der Administration des US-Präsidenten durch; bei all diesen Treffen war selbstverständlich auch ein Vertreter des State Department anwesend.
Ohne das State Department, das müssen wir genau verstehen, hätte dieser Besuch überhaupt nicht stattfinden können, denn genau in dieser Behörde wurde entschieden, wer nach Washington kommen durfte und wer nicht. Schließlich stehen die Abgeordneten der Staatsduma der Russischen Föderation, die wiederholt für Gesetze gestimmt haben, die zum Krieg Russlands gegen die Ukraine geführt haben, unter Sanktionen der Vereinigten Staaten.
Im State Department entschied man nicht nur darüber, gegen wen diese Sanktionen aufrechterhalten werden und wer einreisen darf. Man bestimmte im Grunde auch die Zusammensetzung der Delegation, die beispielsweise nicht vom Abgeordneten der russischen Staatsduma Leonid Sluzki angeführt wurde, der ohne Visum blieb, sondern von einem anderen Abgeordneten – dem odiosen russischen Propagandisten Wjatscheslaw Nikonow, der weniger durch politische Verdienste und politologische Kommentare bekannt ist als durch seine Abstammung.
Nikonow ist der Enkel des stalinistischen Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare für auswärtige Angelegenheiten der Sowjetunion, Wjatscheslaw Molotow. Und darin liegt heute eine gewisse merkwürdige Symbolik, denn gerade Molotow wurde von Stalin als Hauptdiplomat bei den Verhandlungen mit dem Hitler-Regime eingesetzt. Eben Molotow sagte der Außenminister des Reiches Joachim von Ribbentrop nach seiner Ankunft in Moskau im Jahr 1939, dass er sich wie unter alten Kampfgefährten fühle. Und eben Molotow schüttelte 1940 in Berlin dem Reichskanzler Adolf Hitler und dem Reichsführer SS Heinrich Himmler die Hände, mit denen das sowjetische Imperium eine fruchtbare Zusammenarbeit bei der Aufteilung des damaligen Europas aufzubauen hoffte.
Allerdings konnte man dem Großvater Nikonows, als er Hitler und Himmler umarmte, kaum jene Souvenirs überreichen, die sich im Gepäck der Abgeordneten der Staatsduma der Russischen Föderation befanden. Socken mit dem Bild des amtierenden Staatsoberhauptes – in diesem Fall Donald Trump. Das ist der Stil unserer Zeit, ebenso wie das unverhohlene Interesse der Abgeordneten der unteren Kammer der Russischen Föderalversammlung an Flaschen Coca-Cola, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 den russischen Markt verlassen hat.
Und wir sehen, wie man in Washington einfach versucht, vor diesem Angriff die Augen zu verschließen. Tatsächlich wird offensichtlich, dass man in der Administration von Donald Trump die Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen zu Moskau wünscht. Und der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist für den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine Mitstreiter lediglich ein lästiges Hindernis, das die Möglichkeit einer Annäherung zwischen Trumpisten und Putinisten einschränkt.
Und genau deshalb kann Washington Druck auf die Ukraine ausüben, in der Erwartung, dass territoriale und politische Zugeständnisse der ukrainischen Führung gegenüber der Führung der Russischen Föderation nicht nur den Krieg beenden – was gewissermaßen nicht einmal das Hauptziel ist –, sondern Donald Trump endlich ermöglichen werden, öffentlich und selbstbewusst zu verkünden, dass Wladimir Putin sein wahrer Freund und Partner ist. Im Gegensatz zu den Führern der Länder der demokratischen Welt, gegenüber denen der amtierende amerikanische Präsident und viele seiner ultrarechten Anhänger immer neue Vorwürfe erheben.
Möglicherweise kann deshalb der Enkel Wjatscheslaw Molotows, dem Berliner Gast seines Großvaters folgend, in Washington ausrufen, er befinde sich unter alten Kampfgefährten. Doch das wäre eine Übertreibung.
Wir verstehen sehr gut, dass Stalin und Molotow für Ribbentrop keine Kampfgefährten waren, denn der Außenminister des Hitler-Reiches dachte schon damals gemeinsam mit der Führung Nazi-Deutschlands über die Zerstörung der Sowjetunion und die Besetzung der Territorien der sowjetischen Republiken durch hitleristische Truppen zur Erweiterung des Lebensraums gemäß der Ideologie Adolf Hitlers nach.
Wladimir Putin hat eine ähnliche Ideologie. Natürlich hat er Nikonow und seine Begleiter ausschließlich geschickt, um den Druck der Vereinigten Staaten auf die Russische Föderation zu bremsen. Doch insgesamt können Putins Ziele gegenüber Amerika durchaus mit Hitlers Zielen gegenüber der Sowjetunion verglichen werden. Und keine ideologische Nähe hebt das auf.
Genauso wie Adolf Hitler davon ausgehen konnte, dass auf dem Thron geopolitischen Einflusses nur ein einziges Land sitzen könne, so kann auch Wladimir Putin denken, dass die Schwächung des politischen Einflusses der Vereinigten Staaten auf dem europäischen Kontinent der Russischen Föderation jene Rolle zurückgeben wird, die sie infolge der unvermeidlichen Niederlage der kommunistischen Sowjetunion im Kalten Krieg verloren hat.
Gerade für diese Niederlage möchte Putin Revanche nehmen. Und der Krieg gegen die Ukraine ist ein wichtiges Instrument, mit dessen Hilfe er das Gewünschte erreichen will. Und die politische Kurzsichtigkeit der Administration des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten sowie die Unredlichkeit solcher Kongressmitglieder wie Paulina Luna tragen schlicht dazu bei, jene politischen Ziele zu fördern, die Putin selbst und der Föderale Sicherheitsdienst Russlands formuliert haben – mit dem, wie wir verstehen, die Abgeordneten der russischen Staatsduma vor ihrer Reise nach Washington aktiv zusammenarbeiteten und sich berieten, um kurzsichtige amerikanische Gesprächspartner zu umgarnen.
Schon die Tatsache dieses Besuchs – darin haben die Kongressmitglieder recht, die mit Protesterklärungen auftreten – ist eine Schande für die amerikanische Politik, eine Schande für den Kongress, in dem sich erneut Menschen gefunden haben, die bereit sind, denen die Hand zu schütteln, die für Krieg und die Tötung von Frauen und Kindern stimmen. Eine Schande für die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die die Teilnehmer von Kriegsverbrechen nicht auf dem Weg nach Washington aufgehalten hat. Eine Schande für das State Department der Vereinigten Staaten, das Sanktionen gegen eine Gruppe von Abgeordneten aufgehoben hat, damit sie endlich genug Coca-Cola trinken konnten.
Und selbst wenn man annimmt, dass die Gäste der amerikanischen Administration in neuen Socken nach Moskau zurückkehren, wird das kaum etwas an der Einschätzung ihrer Tätigkeit ändern, die jeder vernünftige Mensch hat – ebenso wenig wie an der Einschätzung ihrer Absichten gegenüber dem Land, dessen Präsident auf diesen Socken abgebildet ist.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Депутаты Госдумы в объятиях трампистов | Виталий Портников. 29.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.03.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.