Zelensky ernennt Umerov zum Chef des Auslandsgeheimdienstes | Vitaly Portnikov. 03.08.2026.

Eine ganze Reihe ukrainischer Medien hat berichtet, dass Präsident Volodymyr Zelensky den inzwischen offensichtlich ehemaligen Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Rustem Umerov, zum Leiter des Auslandsgeheimdienstes unseres Landes ernennen will.

Die Diskussion dreht sich dabei natürlich um die Kompetenz Umerovs selbst und nicht um die Logik dieser Personalentscheidungen, die aus meiner Sicht der entscheidende Faktor ist, auf den man achten sollte. Ich möchte Ihnen diese Logik noch einmal in Erinnerung rufen.

Nachdem Rustem Umerov das Amt des Verteidigungsministers der Ukraine verlassen hatte, wurde der inzwischen ebenfalls ehemalige Ministerpräsident des Landes, Denys Schmyhal, auf diesen Posten berufen. Dabei wurde die Situation um Schmyhals Rücktritt und seine Ablösung durch Julija Swyrydenko in keiner Weise erklärt.

Nachdem der Präsident in aller Eile einen neuen Leiter des Energieministeriums suchen musste, versetzte er Denys Schmyhal an die Spitze dieses Ressorts. Verteidigungsminister wurde unterdessen gewissermaßen zufällig der Minister für Digitalisierung Mychajlo Fedorov, damals einer der engsten Vertrauten des Präsidenten, der über viele Jahre hinweg und in allen unter Zelensky gebildeten Regierungen das Ministerium für Digitalisierung geleitet hatte.

Als der Präsident schließlich beschloss, die Regierung umzubilden und Fedorov nicht länger Verteidigungsminister bleiben sollte, schlug er den Innenminister Ihor Klymenko als neuen Leiter dieses Ministeriums vor. Doch auch dieser Plan scheiterte, weil Klymenkos Kandidatur eine empörte Reaktion in der Öffentlichkeit hervorrief. Daraufhin entschied der Präsident, Klymenko nicht als Verteidigungsminister zu empfehlen, sondern ihn zum Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine zu ernennen, da das Amt des Innenministers nach der entsprechenden Abstimmung in der Werchowna Rada bereits neu besetzt war.

So blieb Rustem Umerov ohne Amt und wird nun – sofern die öffentliche Reaktion nach den Medienberichten Volodymyr Zelensky nicht erneut zu einer anderen Entscheidung zwingt – an die Spitze des Auslandsgeheimdienstes der Ukraine versetzt.

Ich erinnere daran, dass vor dieser Personalentscheidung davon die Rede war, Zelensky wolle den Botschafter der Ukraine in den Vereinigten Staaten auswechseln. Für diesen Posten waren entweder die ehemalige Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko vorgesehen, über deren Rücktritt als Regierungschefin ebenfalls nichts bekannt ist, oder eben Rustem Umerov. Am Ende erklärte jedoch die amtierende Leiterin der ukrainischen diplomatischen Vertretung in den Vereinigten Staaten, sie werde ihre Tätigkeit auf diesem Posten fortsetzen.

Wir sehen also eine zufällige Situation nach der anderen. Hätte es den Rücktritt des Energieministers nicht gegeben, wäre Schmyhal im Verteidigungsministerium geblieben. Hätte man den neuen Verteidigungsminister Fedorov nicht auswechseln müssen, dessen Beziehungen entweder zum Präsidialamt oder zur Führung der ukrainischen Streitkräfte nicht funktionierten, hätte man Klymenko nicht auf diesen Posten berufen müssen. Und hätte es keinen öffentlichen Protest gegen Klymenkos Ernennung gegeben, hätte man Umerov nicht versetzen müssen.

Mir scheint, dass eine solche Logik von Personalentscheidungen – wie auf einem Schachbrett, auf dem Dame gespielt wird – für das Funktionieren des Staatsorganismus weitaus gefährlicher ist als die Frage nach der Kompetenz einer bestimmten Person. Erstaunlich ist jedoch, dass weder die Öffentlichkeit noch meine Kollegen darüber überhaupt nachdenken wollen. Viele möchten den Elefanten im Raum nicht sehen, während sie darüber diskutieren, wie effizient der Fuchs oder der Hase ist.

Doch in unserem Raum der Personalentscheidungen steht ein Elefant. Der Elefant des Zufalls und des begrenzten Personalreservoirs. Der Elefant des Fehlens von Gegengewichten. Der Elefant des Fehlens einer Regierung der nationalen Einheit, die eigentlich schon längst hätte gebildet werden müssen. Der Elefant der fehlenden Eigenständigkeit des Parlaments. Der Elefant der fehlenden Eigenständigkeit der Regierung.

Fragen Sie mich nicht, wie unter solchen Umständen der Staat überhaupt funktionieren kann, denn ich weiß es nicht und ich verstehe es nicht. Offensichtlich werden alle Personalentscheidungen im Staat von genau einer Person getroffen – nun gut, vielleicht von eineinhalb Personen, wenn man sich an die frühere Rolle des ehemaligen Leiters des Präsidialamtes erinnert, über den jetzt im Zusammenhang mit der möglichen Ernennung Umerovs wieder gesprochen wird.

Und diese Person hat kein Vertrauen in die überwiegende Mehrheit derjenigen, die solche Ämter bekleiden könnten. Gleichzeitig fürchten sich viele Menschen, die solche Positionen einnehmen und vom Präsidenten ernannt werden könnten, selbst davor, in den Staatsdienst oder auf hohe Posten zu gehen, weil sie sehen, welches Schicksal diejenigen ereilt hat, die diesen Schritt bereits getan haben.

So stellt sich heraus, dass es nicht nur kein System der Gegengewichte gibt, sondern auch nicht genügend Menschen, die für Ämter infrage kommen, die mit einer unmittelbaren Zusammenarbeit mit dem Präsidenten der Ukraine verbunden sind – und die zugleich das Vertrauen der Verbündeten genießen.

Vergessen wir nicht, dass der Präsident der Ukraine Rustem Umerov mit nach Washington nahm, wo er sich im kleinen Kreis mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und führenden Vertretern der amerikanischen Regierung traf. Diese Anwesenheit zeigt ebenfalls, dass der Präsident sein Vertrauen in Umerov bewahrt, selbst wenn dieser den Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat verlässt.

Das sehen auch die Amerikaner. Sie verstehen dadurch, dass Umerov als Leiter des Auslandsgeheimdienstes das besondere Vertrauen der ersten Person im Staat genießen wird. Was braucht ein Behördenleiter mehr als das?

Und genau diese Begrenztheit des Personals, die Abhängigkeit dieser Personen von ihren besonderen Beziehungen zu Zelensky, die mangelnde Bereitschaft vieler Menschen, im Staatsdienst mitzuarbeiten, sowie das Fehlen eines Systems der Gegengewichte werden während der gesamten kommenden Epoche zu paradoxen Personalentscheidungen führen.

Einer Epoche, die bereits heute bestimmt, wie der ukrainische Staat sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten funktioniert – beginnend mit dem für die ukrainische Demokratie und den Zustand der ukrainischen Gesellschaft schwierigen Jahr 2019 und fortgesetzt durch das für die ukrainische Staatlichkeit tragische Jahr 2022. Es ist die Epoche Volodymyr Zelenskys.


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Titel des Originals: Зеленський призначає Умєрова головою СЗР| Віталій Портников. 03.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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