Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat zur sofortigen Verhaftung eines seines Vorgängers, Barack Obama, aufgerufen, den er der Fälschung von Daten beschuldigt, die mit seinen angeblichen Verbindungen zu Russland im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2016 zusammenhängen.
Trump greift dieses Thema nicht zum ersten Mal auf. Er hat wiederholt behauptet, Obama habe Daten im Zusammenhang mit seinen Beziehungen zum Kreml fälschen wollen – sowohl im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2016 als auch nach dem Bekanntwerden von Trumps Wahlsieg.
Nach Trumps Darstellung, die zuvor von der Direktorin der nationalen Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten, Tulsi Gabbard, unterstützt wurde, erhielt Obama eine Einschätzung der US-Geheimdienstgemeinschaft, wonach es keinerlei Einfluss Russlands auf die Präsidentschaftswahlen gegeben habe. Dennoch habe Obama es vorgezogen, diese Informationen zu verfälschen und die Geheimdienstgemeinschaft dazu zu zwingen, einen anderen Bericht zu veröffentlichen – einen Bericht, in dem von russischem Einfluss die Rede war.
Allerdings sollte man daran erinnern, dass bereits nachdem Trump Präsident der Vereinigten Staaten geworden war, eine entsprechende unabhängige Kommission tätig war, die zu klären versuchte, in welchem Ausmaß Russland die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2016 beeinflusst haben könnte. Dies geschah nicht mehr während der Präsidentschaft Obamas, sondern bereits während der Amtszeit Trumps selbst.
Die Abneigung des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten gegenüber Obama ist jedoch seit Langem bekannt. Viele sind der Ansicht, dass Trumps hartnäckiges Streben nach dem Friedensnobelpreis genau damit zusammenhängt, dass Barack Obama diesen Preis bereits in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft erhalten hat. Und genau deshalb zeigte sich Donald Trump aufrichtig verwundert darüber, warum er selbst diese verdiente Auszeichnung nicht in etwa demselben Zeitraum erhalten könne wie Obama. Schließlich war der damalige Präsident der Vereinigten Staaten im Grunde noch vor seinem Amtsantritt für den Nobelpreis nominiert worden – allein aufgrund seiner friedensstiftenden Absichten.
Wie dem auch sei: Der Aufruf des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten zur sofortigen Verhaftung seines Vorgängers ist zweifellos eines der schärfsten Signale, die Trump in seiner gesamten politischen Laufbahn gegenüber seinen politischen Gegnern ausgesandt hat. Und hier ist es wichtig zu verstehen, welche realen Ziele Donald Trump mit einer solchen Erklärung verfolgt, die die amerikanische Gesellschaft noch weiter spalten und polarisieren wird.
Selbstverständlich muss man berücksichtigen, dass bis zu den Zwischenwahlen zum US-Kongress nur noch wenige Monate verbleiben, wenn man die Logik des Wahlkampfs betrachtet. Trump fürchtet diese Wahlen tatsächlich, denn er ist überzeugt, dass eine Kontrolle beider Kammern des Kongresses durch die Demokraten – was bislang noch nicht feststeht, da derzeit nur vom Repräsentantenhaus die Rede ist, während die Demokraten auch ernsthaft um den Senat kämpfen wollen – den Zusammenbruch seiner Präsidentschaft bedeuten würde, und zwar vorzeitig.
Es ist klar, dass die Demokraten alles daransetzen werden, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den amtierenden Präsidenten einzuleiten und ihn aus dem Weißen Haus zu drängen. Der Kampf ist äußerst ernst. Es geht dabei nicht nur um Macht, sondern auch um Freiheit. Denn Trump kann davon ausgehen, dass er im Falle seines Rücktritts infolge eines Impeachments sowohl in neuen als auch in alten Gerichtsverfahren zum Angeklagten werden könnte.
Ein weiteres Motiv besteht darin, dass der Präsident der Vereinigten Staaten beweisen will, dass er keines der gegen ihn erhobenen Vorwürfe vergessen hat. Und der Vorwurf der Verbindungen zum Kreml ist genau derjenige, der Trump stets mehr verärgert hat als alle anderen Anschuldigungen, weil er die Legitimität seines Sieges im Jahr 2016 infrage stellte und ihn zu einer Person machte, an deren Erfolg Wladimir Putin interessiert gewesen sein soll.
Mitunter stellt sich jedoch die Frage: Warum beunruhigt Trump das so sehr? Schließlich hängt im Weißen Haus an prominenter Stelle ein Foto des amerikanischen und des russischen Präsidenten während ihres Treffens in Anchorage. Und niemand zwang Donald Trump, Wladimir Putin Beifall zu spenden, als dieser selbstbewusst die Treppe seines Präsidentenflugzeugs hinabstieg, nur um Trump eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu verweigern und erneut seine eigene Unabhängigkeit von sämtlichen Vorschlägen und Ansichten des amerikanischen Präsidenten zu demonstrieren.
Wenn man sich daran erinnert, wie oft Donald Trump von seinen guten persönlichen Beziehungen zu Putin gesprochen und den russischen Präsidenten bewundert hat, ließe sich allein aus dieser Perspektive vermuten, dass Putin am Sieg eines solchen Bewunderers bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten interessiert gewesen sein könnte. Eine andere Frage ist jedoch, welche realen Möglichkeiten Russland tatsächlich hatte, die Ergebnisse dieser Wahlen zu beeinflussen.
Wie aass an der bekannt ist, wurden trotz der festgestellten Interessiertheit des Kremls – die sowohl in den Berichten aus der Zeit der Präsidentschaft Barack Obamas als auch später während der Arbeit der unabhängigen Untersuchungskommission öffentlich gemacht wurde – niemals konkrete Fakten vorgelegt, die auf eine unmittelbare Beteiligung russischer Geheimdienste oder Beamter an Trumps Präsidentschaftskampagne 2016 hindeuteten oder darauf, dass eine solche Beteiligung die Wahlergebnisse beeinflusst hätte.
Daher gibt es für Trump im Grunde keinen wirklichen Anlass, Barack Obama hierfür zu beschuldigen. Gleichwohl ist klar, dass ein solcher Konflikt dazu dienen soll, die republikanische Wählerschaft erneut an die vermeintliche Unsauberkeit ihrer politischen Gegner zu erinnern.
In den kommenden Monaten wird Trump alles daransetzen, diese Wählerschaft zu mobilisieren und zu zeigen, dass diejenigen, denen die Republikaner gegenüberstehen, zu jeglichen Schritten bereit sind, nur um Trump zu stoppen und ihm die Macht zu entziehen. Wenn man 2016 versucht habe, die Geschichte über seine angeblichen Verbindungen zu Russland zu fälschen, so sei klar, dass man nach der Erringung einer neuen Mehrheit im Kongress erneut Anschuldigungen gegen den Präsidenten erheben und versuchen werde, ihm zum dritten Mal in seiner politischen Laufbahn ein Amtsenthebungsverfahren anzuhängen.
Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, inwieweit es Trump gelingt, republikanische Wähler zu mobilisieren, sondern wie sehr sein offener und harter Konflikt mit Barack Obama – der bis heute gewissermaßen eine politische Ikone der Demokraten ist – die Meinung unabhängiger Wähler beeinflussen wird, von denen im Grunde alles in den Vereinigten Staaten abhängt. So war es 2016, so war es 2020, so war es 2024, und auch bei den Kongresswahlen 2026 wird es davon abhängen, wie diese Menschen, die ihre Entscheidung in der Regel anhand der politischen Situation und Atmosphäre im Land treffen, die Angriffe des amtierenden Präsidenten auf seinen Vorgänger bewerten. Werden sie dieses Verhalten für akzeptabel halten?
Oder werden sie der Ansicht sein, dass Donald Trump damit das Amt des Präsidenten selbst untergräbt, also den Ast absägt, auf dem er sitzt? Und was für den traditionellen republikanischen Wähler möglicherweise kein Problem darstellt, kann für jene Wähler, die zwischen Republikanern und Demokraten schwanken, zu einem zusätzlichen Grund werden, nicht für die Republikaner zu stimmen.
Zumal dann, wenn es den Demokraten gelingt nachzuweisen, dass der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten auf diese Weise versucht, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der Epstein-Akten-Affäre auf die längst vergangenen und nahezu vergessenen Präsidentschaftswahlen vor zehn Jahren zu lenken.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп требует арестовать Обаму | Виталий Портников. 01.02.2026.
Autor: [Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.02.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
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