„Völkermord“ in Gaza | Vitaly Portnikov | 04.08.2025.

Die Videoaufnahmen, die die reale Situation der israelischen Geiseln zeigen – entführt von der Terrororganisation Hamas bereits am 7. Oktober 2023 –, haben im Westen erwartungsgemäß für Schock gesorgt.

Der französische Präsident Emmanuel Macron, der gerade demonstrativ einen palästinensischen Staat anerkannt hat, fordert nun von der Hamas die Freilassung der Geiseln und ein Ende des Kriegs. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich empört über das Schicksal der unschuldigen Menschen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte, Hamas müsse entwaffnet und die Kontrolle über den Gazastreifen abgeben. Übrigens äußern sich in ähnlicher Weise auch Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Noch vor Kurzem jedoch stand die Lage der Zivilbevölkerung in Gaza im Mittelpunkt – die humanitäre Katastrophe, die in den letzten Wochen durch das destruktive Handeln der Hamas-Administration entstanden ist: Zuerst missbrauchte sie ihre Mitbürger als menschliche Schutzschilde, um sich gegen das Vorrücken der israelischen Armee zu verteidigen – und jetzt benutzt sie dieselben Menschen als Druckmittel, um Israel zu einem Waffenstillstand zu zwingen und der Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen zu sichern.

Über die israelischen Geiseln sprach fast niemand. Der Westen reagiert vorhersehbar: impulsiv, auf Bilder und Videos. Aber man würde doch gern fragen, wie sich – in der Vorstellung von Emmanuel Macron oder Friedrich Merz – Menschen fühlen sollen, die seit Jahren in den Händen einer grausamen, fanatischen und terroristischen Organisation leben, die alles andere als humanistisch ist.

Gerade deshalb versucht Israel ja nicht nur, seine Bürger aus den Kerkern der Hamas zu befreien, sondern auch der Existenz dieser Terrororganisation ein Ende zu setzen – einer Organisation, die, solange sie den Gazastreifen kontrolliert, Israel angreifen wird, wann immer sich die Gelegenheit bietet.

Auch das ist Realität, die man nicht ausblenden darf. Seit den ersten Tagen nach der Geiselnahme im Gazastreifen ist der Gedanke, den Krieg gegen die Freilassung Unschuldiger einzutauschen, aktuell geblieben. Doch Hamas denkt gar nicht daran – stattdessen stellt sie immer neue Bedingungen für die Freilassung der beim Terrorüberfall vom 7. Oktober 2023 verschleppten israelischen Bürger.

Mich interessiert schon lange, wie man in westlichen Hauptstädten dazu steht, dass Hamas Unschuldige gegen Terroristen austauschen will – gegen Menschen, die an Anschlägen, Morden, Sabotageakten, Bombenattentaten beteiligt waren, allesamt gegen israelische Zivilisten gerichtet. Warum müssen für die Freilassung Unschuldiger Terroristen entlassen werden, die von einem rechtsstaatlichen und fairen Gericht verurteilt wurden?

Doch das sind heute fast belanglose Fragen, denn wir wissen längst, was nach dem 7. Oktober 2023 wirklich begann – und wie bestimmte Kreise im Westen die Nahosttragödie als Vorwand nutzen, um das jüdische Staat anzugreifen und eine antisemitische Welle zu verstärken, die nach dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg scheinbar verschwunden war – oder zumindest als gesellschaftlich inakzeptabel galt, selbst für die zahlreichen Antisemiten, die in keiner westlichen Gesellschaft je verschwunden sind: Menschen, die Zeugen oder sogar Beteiligte am Holocaust waren und das Morden an ihren jüdischen Nachbarn mit angesehen haben.

Heute findet dieser nicht verarbeitete Hass seinen Ausdruck auf Demonstrationen unter den Fahnen eines immer noch nicht existierenden palästinensischen Staates und in antiisraelischen Parolen. Und angesichts der Stimmung ihrer potenziellen Wählerschaft scheuen sich selbst Politiker nicht, an diesen postnazistischen und postfaschistischen Demonstrationen teilzunehmen – dieselben Politiker, die sich vor nicht allzu langer Zeit noch nicht hätten vorstellen können, sich mit solcher Hetze zu beflecken.

Die Realität sieht indes genau so aus, wie sie nun einmal aussieht: Hamas will die Vernichtung der israelischen Bevölkerung und die Zerstörung des jüdischen Staates. Das ist ihr politisches Hauptziel. Und sie wird es verfolgen, solange sie existiert.

Dabei genießt die Organisation nahezu vollständige Unterstützung – sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland, wo die Palästinensische Autonomiebehörde an der Macht ist. Diese wird von der Mehrheit der Bevölkerung nicht ernst genommen, gerade weil sie nicht hart oder laut genug die Zerstörung Israels fordert – also nicht entschlossen genug in der Rhetorik ist, die Hamas in ihrer Radikalität verkörpert.

Ganz Palästina – auf dem Gebiet des ehemaligen britischen Mandats – das ist es, was man im Westjordanland und im Gazastreifen will. Das ist es, was die Anhänger der Hamas und vieler weiterer palästinensischer Terrorgruppen fordern.

In diesem Sinne lügt der Korps der Islamischen Revolutionsgarden nicht, wenn er sagt, die Schaffung von zwei Staaten im Nahen Osten sei ein „Gewaltakt gegen das palästinensische Volk“. Er drückt damit aus, was nahezu jeder Bewohner von Ramallah oder Rafah tatsächlich denkt. Und daran lässt sich nichts ändern – außer durch jahrelange, systematische Aufarbeitung. Ohne die Vernichtung der Terroristen, ohne eine langfristige, ernsthafte, geduldige Arbeit mit ihren Unterstützern – so wie man sie in Europa mit der Bevölkerung unter ehemaligen NS- oder faschistischen Regimen geleistet hat. Und das, obwohl auch dort die Mehrheit die Diktaturen einst unterstützt hatte.

Die Vorstellung, man könne mit Hamas Frieden schließen, ist dieselbe Utopie, mit der sich auch viele nützliche Idioten der Linken weltweit trösten – genau wie die Idee, man könne mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verhandeln. Noch vor Kurzem dachte auch der Präsident der Vereinigten Staaten so – doch inzwischen scheint auch er begriffen zu haben, dass es mit Hamas nichts zu verhandeln gibt.

Wenn die Hamas die Zerstörung Israels zum Ziel hat und Russland die Vernichtung der Ukraine, dann werden ihre Führer und Anhänger dieses Ziel um jeden Preis verfolgen – und sich selbstverständlich auf keinen Kompromiss einlassen. Terror und Aggression lassen sich nur aufhalten. Wenn das nicht gelingt, dann muss man sich auf einen langen und düsteren Krieg einstellen – mit großem Leid für die Zivilbevölkerung.

Israel ist militärisch stärker als Hamas im Gazastreifen. Deshalb leidet dort die palästinensische Zivilbevölkerung mehr. Die Ukraine ist schwächer als Russland. Deshalb leidet dort die ukrainische Zivilbevölkerung mehr. So funktioniert der Krieg. Es leidet nicht, wer im Recht ist, sondern wer schwächer ist. Und wenn jemand militärisch stärker wird, schlägt sich das zwangsläufig auch auf die Zivilbevölkerung der angreifenden Seite nieder. So war es mit dem Gazastreifen. Und so ist es jetzt auch mit den russischen Grenzgebieten, wo die Zivilbevölkerung durch ukrainische Angriffe auf russische Militärziele ebenfalls zu Schaden kommt.

Diese Logik des Krieges mag einem nicht gefallen. Man kann sie ignorieren, verdrängen, so tun, als gäbe es sie nicht. Aber sie verschwindet deshalb nicht. Wenn man sich für eine Seite entscheidet, weiß man ganz genau, was man tut. Wer mit palästinensischer oder russischer Flagge demonstriert, weiß genau: Er unterstützt Terror, Mord und Aggression. Und keine Bilder palästinensischer oder russischer Kinder auf diesen Fahnen werden jemals rechtfertigen, was Hamas oder Russland tun. Sie werden nicht rechtfertigen, dass Hamas bereit ist, bis zum letzten Juden zu kämpfen – selbst wenn dafür unzählige Palästinenser sterben müssen. Genauso wenig wie Russland bereit ist, bis zum letzten Ukrainer zu kämpfen – selbst wenn dabei Millionen Russen umkommen.

Man muss sich immer erinnern: Wer ist der Aggressor? Wer hat den Krieg begonnen? Und was ist sein Ziel? Wer dieses Verständnis verweigert, wird zwangsläufig zum Komplizen von Terror und Krieg – selbst wenn er Fehler oder Versäumnisse aufseiten derer sieht, die sich gegen diesen Krieg verteidigen.

„Der Völkermord geht weiter – aber nicht in Gaza“. Gorgona Bobrovytska. 

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In der The Times erschien heute ein Artikel von Niall Ferguson, der sich mit der Heuchelei westlicher Politiker befasst, die ihre Beliebtheit durch pathetische Unterstützung für Gaza steigern, während sie den tatsächlichen Völkermord in der Ukraine praktisch ignorieren. So etwas in einer britischen Zeitung zu drucken, ist mutig – der Text wird vielen nicht gefallen. Der Artikel ist eine Reaktion auf die Absicht einiger Regierungen, Palästina als eigenen Staat anzuerkennen. Falls es euch interessiert – hier einige Auszüge in meiner amateurhaften Übersetzung:

„Unsere Unterstützung für diese beiden Demokratien ist bestenfalls zwiespältig, schlimmstenfalls heuchlerisch. 22 Monate nach dem Massaker an Unschuldigen durch die Hamas und den Palästinensischen Islamischen Dschihad – blutige Auswüchse der Islamischen Republik Iran – schließen sich westliche Liberale den Iranern und Hamas-Apologeten an, indem sie Israel scheinheilig und fälschlich des Völkermords bezichtigen.

Dazu kommt, dass die Regierungen Frankreichs, Großbritanniens und Kanadas ankündigen – im Fall Frankreichs sogar bedingungslos – im September auf der UN-Generalversammlung Palästina als Staat anzuerkennen… und dann ihre fromme Aufmerksamkeit dem Präsidenten Volodymyr Zelensky zuwenden und ihn der mangelnden Härte gegenüber der Korruption bezichtigen – obwohl westliche Unternehmen weiterhin vom Handel mit dem weitaus korrupten faschistischen Regime Putins profitieren, und der kontinuierliche Strom westlicher Waffenlieferungen in die Ukraine vom internen Kompetenzgerangel in Washington abhängt.**

Diese Haltung lässt sich unter einer Überschrift zusammenfassen: „Neue Kapitulationshaltung“ (defeatism). Es ist die moralische Pose von Politikern und Publizisten, denen es wichtiger ist, ihre verworrene Ethik zu inszenieren, als Demokratien dabei zu helfen, autoritäre Regime zu besiegen.

Der Begriff „Statusüberzeugungen“ (luxury beliefs – ich habe noch keine gute Entsprechung um es zu übersetzen gefunden) stammt von dem brillanten jungen Psychologen Rob Henderson. Er beschreibt damit absurde Ideen, die sich progressive Menschen leisten können – „Schafft die Polizei ab!“, „Öffnet alle Grenzen!“, „Ein Mann kann eine Frau sein!“ – weil sie selbst weitgehend vor den realen Konsequenzen solcher Vorstellungen geschützt sind. Die Anschuldigung des Völkermords gegen Israel sowie die Anerkennung eines nicht existenten Staates sind Statusüberzeugungen westlicher Außenpolitik – geäußert als Reaktion auf irreführende Fotos auf den Titelseiten und manipulierte Todesstatistiken – vollständig losgelöst von strategischer Realität.

Beginnen wir mit der falschen Behauptung, Israel begehe in Gaza einen Völkermord – eine Behauptung, die seit langem vom Iran und seinen Stellvertretern erhoben wird, mittlerweile jedoch beinahe täglich von linken Politikern sowie zunehmend auch von rechten Populisten wiederholt wird – und von liberalen Medien wie der BBC bis zur New York Times verstärkt wird. Diese Behauptung wird rasch zum Konsens.

Im März dieses Jahres bestätigte die ukrainische Regierung, dass seit Beginn des Krieges 19.456 ukrainische Kinder aus den besetzten Gebieten nach Russland verschleppt wurden. Die Yale-Labor für humanitäre Forschung schätzt die Zahl sogar auf 35.000. Dem Institute for the Study of War zufolge nutzt Russland mindestens 43 Kindereinrichtungen im ganzen Land, davon mindestens 32 als Umerziehungslager. Russische Quellen belegen, dass viele dieser Kinder zur Adoption freigegeben werden – in einem Prozess, der ihnen ihre ukrainischen Namen und Herkunftsorte raubt. Ukrainische Jugendliche laufen zudem Gefahr, zwangsweise russifiziert und anschließend in der russischen Armee gegen ihre eigenen Landsleute eingesetzt zu werden.

Die israelische Regierung hat nicht die Absicht, palästinensische Zivilisten zu töten. Die russische Regierung hingegen hat genau das zur Absicht. In den letzten Monaten erlebte die Ukraine einen beispiellosen Anstieg an Raketen- und Drohnenangriffen auf zivile Ziele.

Laut der UN-Mission zur Überwachung der Menschenrechte in der Ukraine war der Juni der tödlichste Monat für Zivilisten seit drei Jahren: 232 Tote und 1.343 Verletzte. Russland verübte im Juni zehnmal so viele Angriffe wie im selben Monat des Vorjahres. In der ersten Jahreshälfte 2025 wurden insgesamt 6.754 Zivilisten getötet oder verletzt – 54 % mehr als im gleichen Zeitraum 2024. Seit dem Beginn der Invasion im Februar 2022 hat die UN mindestens 13.580 zivile Todesopfer dokumentiert, darunter 716 Kinder.

Ich wünschte, all jene – auch ein gewisser prominenter britischer Historiker – die täglich Klickraten mit Schlagzeilen über Gaza erzeugen, würden sich einmal Gedanken über den echten Völkermord machen, der in Osteuropa stattfindet. Doch der Guardian vom Freitag zeigt die verdrehten Prioritäten des liberalen Bewusstseins. Die Hauptschlagzeile: „Mathematik des Hungers: Verursachte Israel eine Hungersnot in Gaza?“ Darunter: „Justin Timberlake spricht über seine Borreliose-Diagnose“, „Zelensky fordert ‚Regimewechsel‘ in Russland nach Angriff auf Kyiv mit 16 Toten“ und „Protestierende in Kyiv feiern Abstimmung zur Wiederherstellung der Antikorruptionsbehörden.“

Richtig: Die Ukraine ist eine Demokratie. Die Bürger können protestieren und eine Änderung der Regierungspolitik fordern. Dasselbe gilt für Israel – dort finden Proteste gegen Netanjahu häufiger statt als Luftalarm. Und Gaza? Seit März wagen es einige mutige Einwohner zu protestieren – gegen Mord und Korruption durch die Hamas. Doch diese Proteste werden mit Gewalt und Einschüchterung beantwortet – und bleiben wirkungslos.

Ein palästinensischer Staat ist reine Fantasie. Genau das macht die Anerkennung Palästinas durch Frankreich, Großbritannien und Kanada zu einem Paradebeispiel für Statusüberzeugungen. Denn nichts, was einem funktionierenden Staat ähnelt, existiert aktuell. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändert. Vor 30 Jahren, in den Oslo-Abkommen, stimmte Israel einer palästinensischen Selbstverwaltung zu – laut Premier Rabin einem „palästinensischen Gebilde, das kein Staat ist“. Ehud Barak ging im Jahr 2000 in Camp David noch weiter – doch Jassir Arafat verließ den Verhandlungstisch. Haben die Palästinenser seither ihre Argumente für Eigenstaatlichkeit gestärkt? Nein. Die Palästinensische Autonomiebehörde ist ein Widerspruch in sich; sie wird von Palästinensern verachtet und besitzt keine Autorität. Die Hamas genießt weiterhin breite Unterstützung – in Gaza, und laut manchen Umfragen sogar mehr auf der Westbank. Auf die Frage, ob die Entwaffnung der Hamas zur Beendigung des Krieges befürwortet wird, antworteten 64 % der Einwohner Gazas mit Nein. Die wahre Natur der Hamas offenbarte sich am 7. Oktober 2023 – ein Ereignis, das von den meisten Israelis, die ich kenne, als Beleg dafür gesehen wird, dass den Palästinensern das Recht auf Selbstverwaltung entzogen werden sollte, anstatt ihnen eines zu geben. Neun von zehn Palästinensern leugnen weiterhin die Verbrechen vom 7. Oktober.

Kennzeichnend für Statussymbole ist, dass sie extrem teuer sind. Dasselbe gilt für Statusüberzeugungen. Der Glaube, Israel begehe Völkermord, ebenso wie der Glaube westlicher Führer, dass man Palästina auf Knopfdruck zum Staat machen könne – ist eine Vorstellung wie eine Hermès-Handtasche. Der Glaube an einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine ohne harten wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Moskau ist wie eine Patek-Philippe-Uhr. (Diese Analogien zu Luxusgütern – wo man für das Etikett zahlt, weil es „alle machen“ – sind schwer ins Deutsche zu übertragen.)

Wer seine Energie auf Statusüberzeugungen verwendet, übersieht, wie sehr man damit autoritären Regimen hilft, den Westen zu besiegen. Und man merkt auch nicht, wie sehr sie wiederum euch helfen – über soziale Medien, deren Manipulation sie bestens beherrschen – damit ihr ihre nützlichen Idioten seid. Was ihr auch seid.“

Der Artikel ist unter anderem mit einem Foto aus Tschassiw Jar illustriert:

„Das ukrainische Tschassiw Jar wurde durch russische Bombardements zerstört. Russland hat mindestens 12.580 ukrainische Zivilisten getötet.“

Übrigens: Fergusons historische Bücher gibt es auch auf Ukrainisch. Ich hatte allerdings mal eine Kritik an seiner „Zivilisation“, weil er die Ukraine darin durch eine russische Brille betrachtete und nicht verstand, dass wir schon immer ein Teil Europas waren – in jeder Hinsicht. Aber das ist, meiner Meinung nach, ein verbreitetes Problem unter westlichen Historikern.

Abschnitt über Nahost aus dem Gespräch von Vitaly Portnikov mit Rashkin Report. 21.07.20265. 

Rashkin: Ich habe gerade auf meinem Kanal einen langen Artikel aus der New York Times vorgelesen, aus der Long-Read-Rubrik, über Netanjahu und darüber, wie er sich an die Macht in Israel klammert.

Portnikov: Ich habe diesen Artikel gelesen.

Rashkin: Das dachte ich mir. Und was meinen Sie: Ist das eine schmutzige propagandistische Arbeit, ausgeführt von irgendwelchen Spionen?

Portnikov: Nein, das denke ich nicht. Ich gehöre nicht zu den großen Bewunderern von Benjamin Netanjahu. Ich denke einfach etwas anderes. Ich denke, dass Benjamin Netanjahu natürlich daran interessiert ist, die politische Kontrolle in Israel zu behalten, weil diese Kontrolle ein Mittel seines politischen und, ich würde sogar sagen, persönlichen Überlebens ist – angesichts der Strafverfahren, in denen er eine zentrale Rolle spielt. Daran habe ich keinen Zweifel. 

Aber ich weiß schon seit vielen Jahren noch etwas anderes: Ich weiß, dass die Hamas nicht daran interessiert ist, den Krieg zu beenden. Und genau das ist das Problem, verstehen Sie? Ich denke, dass genau dies das Problem ist, das viele in Israel und viele im Westen nicht sehen. Übrigens ist Netanjahu hier mit Zelensky vergleichbar, denn viele Leute sagen, dass auch für Zelensky die Fortsetzung des Krieges gleichbedeutend mit Machterhalt ist. Das habe ich oft gehört.

Und ich sage: Hören Sie zu – nehmen wir das doch einfach mal an. Dass für Netanjahu die Fortsetzung des Krieges Machterhalt bedeutet. Dass für Zelensky die Fortsetzung des Krieges ebenfalls Machterhalt bedeutet. Aber ich möchte eine einfache Frage stellen: Sagen Sie bitte, will die Hamas den Krieg beenden? Will Putin den Krieg beenden?

Es wäre ganz einfach, Netanjahu loszuwerden. Die Hamas müsste nur den Krieg beenden wollen und die israelischen Geiseln freilassen – aber sie will das nicht. Es wäre ganz einfach, Präsidentschaftswahlen in der Ukraine abzuhalten, bei denen Zelensky – wie es in Demokratien oft passiert – auch verlieren könnte. Putin müsste nur den Krieg beenden wollen. 

Wenn Putin sagen würde: “Wissen Sie was, morgen erklären wir einen Waffenstillstand”, dann könnte Zelensky ihn daran nicht hindern. Zelensky würde nicht sagen: “Nein, wir kämpfen weiter.” Und wenn die Hamas-Führer morgen sagen würden: “Wir sind bereit, alle israelischen Geiseln freizulassen, und wir fordern, dass die israelische Armee im Gegenzug die Kampfhandlungen einstellt” – glauben Sie, die israelische Verteidigungsarmee würde dann weiterkämpfen? Natürlich nicht. Aber die Geiseln befinden sich immer noch in den Händen der Hamas.

Rashkin: Aber wir sehen laut demselben Artikel, dass Netanjahu wiederholt Friedensverhandlungen sabotiert hat, die…

Portnikov: Die Autoren dieses Artikels glauben das, weil sie denken, dass die Hamas einem Waffenstillstand zugestimmt hätte. Aber sie bringen dafür keinen einzigen Beweis. Das ist die Schwäche des Artikels – nicht die Charakterisierung Netanjahus, sondern der völlig naive, kindliche Glaube, dass die Hamas wirklich aufhören wollte. Warum sollte die Hamas aufhören? Erklären Sie es mir bitte. In der aktuellen Situation würde die Hamas ihre Stellung im Gazastreifen verlieren, wenn sie den Krieg beendete.

Erinnern Sie sich ans letzte Waffenstillstandsabkommen – es hätte für genau solche Menschen wie die Autoren dieses Artikels eine ernüchternde Erfahrung sein sollen. Aber das wurde es nicht. Der Waffenstillstand wurde vermittelt – erinnern Sie sich – unter Donald Trump, noch unter President Biden. Und die Hamas ging sofort auf die Straßen – und es zeigte sich, dass sie die Lage im Gazastreifen vollständig unter Kontrolle hatte.

Rashkin: Nicht vollständig, denn es gab Proteste gegen die Hamas im Gazastreifen.

Portnikov: Es gab Proteste, die innerhalb von zwei Stunden niedergeschlagen wurden.

Rashkin: Und danach hatten sie wieder die totale Kontrolle.

Portnikov: Ja, sie behalten die volle Kontrolle. Sie haben nur dort keine Kontrolle, wo israelische Truppen stationiert sind. Dort gibt es einige Clans, die mit ihnen auf einem sehr kleinen Gebiet konkurrieren. Und für diese Konkurrenz ist es notwendig, dass die israelische Armee dieses Quadrat vollständig kontrolliert. Sobald sie abziehen, verschwinden diese Gruppen. In Rafah zum Beispiel gibt es einen Milizenführer, der gegen die Hamas kämpft. Aber alle sagen: “Was, wenn die israelische Armee abzieht?” Natürlich bleibt dann von ihm nichts übrig, weil die Hamas über eine echte Basis verfügt – wie Trump, wie Putin. Und diese Basis unterstützt die Hamas. Man kann die Hamas nur mit Gewalt aus Gaza vertreiben. Es gibt keine andere Möglichkeit.

Rashkin: Es gibt eine Basis, die den Führer fürchtet, und eine, die ihn nicht fürchtet – das sind unterschiedliche Beziehungen zwischen Führung und Basis.

Portnikov: Ich denke, dass Trumps Basis ihn nicht fürchtet. Trump drückt einfach die Werte dieser Basis aus, deshalb gibt es ja auch dieses Problem mit Epstein. Sie fürchten ihn nicht – er steht einfach für ihre Überzeugungen.

Rashkin: Aber ich denke, Putins Basis fürchtet ihn.

Portnikov: Nein, Putins Basis unterstützt die Idee der Gebietserweiterung. Hören Sie auf – denken Sie sich das nicht aus.

Rashkin: Aber später werden sie sagen, dass es ihnen egal war.

Portnikov: Sie sagen, es war ihnen egal, wenn sie verlieren. 1945 sagten die Deutschen den Amerikanern, den Briten, den Russen: “Wir sind keine Nazis. Die Nazis – das sind die da drüben im Nachbarhaus, schreckliche Leute. Wir sind keine.” So ist es immer, wenn man verliert. Wenn israelische Truppen in eine Stadt einmarschieren, sagen die Leute im Gazastreifen auch: “Wir haben nichts mit der Hamas zu tun.”

Es gibt da ein berühmtes sowjetisches Kriegsplakat von Kukryniksy: “Morgens sprach der Fritz zum Bauern: „Hut vom Kopf – das ist der Brauch!“ Nachts nahm’n ihm die Partisanen Hut und Kopf – da staunt man auch.” So ist das. Am Tag wird man dich grüßen, und nachts wird man dich abschlachten. Die Interessen der Hamas und der Bevölkerung des Gazastreifens stimmen fundamental überein, weil die Bevölkerung des Gazastreifens die Zerstörung des Staates Israel und die Vernichtung der dort lebenden Bevölkerung will – des sogenannten “zionistischen Gebildes”, wenn man die Terminologie der Bevölkerung dort benutzt.

Ich habe noch nie jemanden aus diesem Umfeld getroffen, der anders dachte. Und im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen und Freunde kenne ich die Situation sehr genau. Verzeihen Sie, ich habe meine Studentenzeit unter Palästinensern verbracht, mein Zimmernachbar im Wohnheim war ein junger Mann aus dem Gazastreifen. Das ist kein theoretisches Wissen.

Rashkin: Die Frage ist vielleicht nicht Antisemitismus – den gab es immer, gibt es und wird es geben.

Portnikov: Das ist kein Antisemitismus. Das ist ein klares Verständnis davon, dass es auf dem Gebiet des ehemaligen Mandats Palästina nur ein einziges Land geben soll, und dieses Land soll arabisch sein. Und die Juden, die dort leben, sollen vernichtet werden. Das ist kein Antisemitismus – das ist etwas anderes. Und Menschen in den USA, die glauben, dass diese Leute eine andere Position hätten oder einen anderen Lösungsvorschlag, belügen sich selbst.

Rashkin: Ich denke, das ist nicht die Hauptfrage. Die Hauptfrage ist jetzt, dass am 7. Oktober 1.300 unschuldige Menschen getötet wurden, und seitdem über 50.000 Menschen gestorben sind.

Portnikov: Ja, das ist eine schreckliche Situation, aber leider ist es genau das Gleiche, was mit der Bevölkerung Nazi-Deutschlands geschah, als die alliierten Armeen in ihr Gebiet eindrangen. Es wurden sehr viele Zivilisten getötet. Und noch mehr wurden von ihren Wohnorten vertrieben – Ostpreußen, Königsberg, Danzig, Stettin, Breslau. Ich kann diese Städte ewig aufzählen – heute heißen sie Kaliningrad, Gdańsk, Szczecin oder Wrocław. Die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei – das waren Frauen und Kinder. Sehr viele Menschen starben, als sie nach Westen zogen, auf der Suche nach einem neuen Leben in einem von Bomben zerstörten Land. 

Ja, so ist das. Das ist der natürliche Preis, den eine Bevölkerung zahlt, die radikale Ideologien unterstützt. Daran kann man nichts ändern. Ich glaube, dass im Verlauf dieser Ereignisse leider noch mehr Menschen sterben werden. Und das habe ich immer gesagt, wenn ich mit meinen arabischen Bekannten aus dem Gazastreifen, vom Westjordanland, aus Judäa und Samaria über die Zukunft eines palästinensischen Staates gesprochen habe.

Ich habe ihnen gesagt: “Ihr müsst jetzt einen normalen Staat aufbauen – damals, als es noch das Oslo-Abkommen gab. Ihr verliert eine historische Chance. Je mehr Zeit vergeht, desto weniger werdet ihr gebraucht. Ihr wurdet als Projekt erschaffen, das Israel torpedieren soll. Und sobald die arabischen Länder anfangen, mit Israel zu kooperieren, werdet ihr überflüssig. Dann verliert ihr nicht nur euren Staat, sondern auch euer Land.” Das habe ich ihnen in den 80ern und 90ern gesagt. Und alles ist genau so gekommen. 

Wenn sie sich jetzt nicht besinnen und so weitermachen wie bisher, dann wird Israels Ruf leiden – wegen des zunehmenden Antisemitismus weltweit, weil Europa den Holocaust zu vergessen scheint. Aber warum sollten die Palästinenser darüber nachdenken, wenn sie als staatliches Projekt zu existieren aufhören? Sie leben am Ende einer Epoche, in der man sie noch als fähig ansah, einen Staat zu gründen – und zahlen dafür jetzt mit ihrem Leben.

Aber es waren genau diese Menschen, die Hamas gewählt haben. Bei freien Wahlen in der Palästinensischen Autonomiebehörde hat die Mehrheit für die Hamas gestimmt. Und diese Mehrheit kam vor allem durch Stimmen aus dem Gazastreifen zustande. Das muss man sich merken. Denn die Haltung der Fatah, die versuchte, irgendwie mit Israel zusammenzuleben oder es zu täuschen – nennen wir die Dinge beim Namen: “Lullen wir sie ein” – die wurde von der Mehrheit im Gazastreifen nicht mehr akzeptiert. Und jetzt zahlen die Kinder – in einer sehr jungen Bevölkerung – für den Radikalismus und Kannibalismus ihrer Väter.

Rashkin: Ich verstehe nicht, wie hier die Demokratie als Rechtfertigung für Terrorismus herangezogen wird. Viele Menschen machen bei Wahlen Fehler – und bei den nächsten Wahlen korrigieren sie diese. Aber seitdem gab es keine weiteren Wahlen.

Portnikov: Es gab eben nie irgendwelche nächsten Wahlen. Die Hamas kontrolliert den Gazastreifen seit Jahrzehnten, und niemand kann sie von dort vertreiben. Und laut allen soziologischen Erhebungen unterstützt die Bevölkerung sie dort.

Rashkin: Unterstützt sie – oder fürchtet sie?

Portnikov: Nein, sie fürchten sie nicht. Es geht nicht um Angst – es geht um Überzeugung. Sie waren einfach nie dort. Jeder dort versteht: Man muss das vernichten, was auf der anderen Seite liegt. Ich möchte Sie daran erinnern, dass am 7. Oktober nicht nur Hamas-Kämpfer Menschen getötet haben, sondern auch Leute, die in den Kibbuzim gearbeitet haben – sie haben Menschen ermordet, die ihnen Medikamente gebracht, ihnen geholfen, mit ihnen familiäre Beziehungen gepflegt haben. Denn das waren meist Menschen mit linken oder sogar radikal linken Überzeugungen, die nicht verstanden, was ihre Nachbarn jenseits des Zauns über sie dachten. Also bitte erfinden Sie nichts.

Rashkin: Inwiefern rechtfertigt die Tatsache, dass sich Palästinenser sehr negativ gezeigt haben, deren massenhafte Vernichtung?

Portnikov: Es gibt keine massenhafte Vernichtung der Palästinenser. Das ist Propaganda – betrieben von Leuten, die gerade weltweit antisemitische Einstellungen verbreiten. Was Sie gerade sagen, entspricht genau der Propaganda jener, die einen neuen Holocaust vorbereiten – und Sie machen dabei mit. Es gibt keine massenhafte Vernichtung von Palästinensern.

Was es gibt, ist der Tod von Menschen, die von der Hamas als menschliche Schutzschilde benutzt werden. Und die Zahlen, mit denen Sie operieren, stammen direkt von der Hamas. Das ist, als würden Sie mir jetzt Zahlen nennen, die das Goebbels-Ministerium veröffentlicht hätte. Um zu wissen, wie viele Zivilisten im Gazastreifen tatsächlich gestorben sind, muss man zuerst das Gebiet von der Hamas säubern. Erst wenn das Gebiet gesäubert ist, die Hamas vernichtet wurde und der Gazastreifen von moderaten Kräften oder arabischen Staaten kontrolliert wird – erst dann kann man verstehen, was dort wirklich passiert ist.

Das ist wie bei dem angeblichen Angriff auf das Krankenhaus. Erinnern Sie sich an diese berühmte Geschichte? Israel soll ein Krankenhaus bombardiert haben – was nie passiert ist. Aber diese Lüge führte zu einem weltweiten Ausbruch von Antisemitismus und sogar zur Absage des Besuchs des US-Präsidenten im Nahen Osten.

Man darf keine Zahlen verwenden, die vom Gesundheitsministerium der Hamas stammen. Das ist nicht koscher. Keine Zahl, die die Hamas nennt, hat irgendeine Bedeutung. Denn die Zahlen, die die israelische Regierung nennt, kann man überprüfen. In Israel gibt es eine freie Presse, Journalisten, die recherchieren, es gibt ausländische Journalisten, Botschaften. In Gaza gibt es das alles nicht. Erfinden Sie also nichts.

Sie nennen hier einfach willkürliche Zahlen. Das ist genau das Gleiche, wie wenn Kommunisten oder Nazis die Opferzahlen ihrer eigenen Regime herunterspielten und die der anderen übertrieben. Bis heute wissen wir nicht, wie viele Menschen im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion ums Leben kamen, weil die sowjetische Regierung an einer Verkleinerung dieser Zahlen interessiert war. Und hier ist es genau umgekehrt – die Hamas ist an einer Vergrößerung der Opferzahlen interessiert.

Deshalb bitte ich Sie ehrlich: Nennen Sie keine Zahlen, die Sie nicht kennen. Keine New York Times, kein Guardian, keine andere Zeitung, die heute als Sprachrohr dieses neuen Antisemitismus unter dem Deckmantel von Anti-Israelismus fungiert, kann mit Zahlen argumentieren, die sie nicht verifizieren kann. Das ist der Weg zurück in die Massengräber des 20. Jahrhunderts.

Wir haben das alles schon einmal erlebt – Russland hat das Gleiche über Tschetschenen behauptet, die angeblich massenhaft Russen als Geiseln nahmen oder versklavten. Und mit diesem Vorwand konnte Russland wunderbar Tschetschenien bombardieren, weil das gesamte russische Volk davon überzeugt war, dass Tschetschenen keine Menschen seien. Das ist genau dasselbe, was jetzt durch die Propaganda der Hamas geschieht.

Rashkin: Ich habe heute tatsächlich mehrmals an Tschetschenien gedacht – insbesondere im Zusammenhang mit der Ukraine. Denn ich frage mich, worin sich dieser Krieg eigentlich von jenen Kriegen unterscheidet. Denn sie sind offensichtlich unterschiedlich.

Portnikov: Nein, sie unterscheiden sich nicht – nur in der Größe des Territoriums. Im Grunde ist es derselbe Krieg. Die Methoden sind dieselben. Nur das Gebiet ist größer. Tschetschenien konnte man einfach wegbomben.

Rashkin: Es gibt Verbündete, eine ganz andere Situation.

Portnikov: Natürlich. Ich sage nur: Die Methode von Putin ist dieselbe. Er betreibt Luftterror, um die Bevölkerung einzuschüchtern, sie zur Kapitulation zu zwingen und eine Marionettenregierung zu etablieren – denn anders kann er es nicht. Das hat er alles in Tschetschenien durchgezogen.

Rashkin: Wenn wir über Zahlen sprechen – ob es 50.000 oder 20.000 oder 10.000 sind –, dann scheint mir, dass die Welt auf Israels Reaktion schaut und urteilt. In den USA, möglicherweise beeinflusst durch anti-israelische und antisemitische Propaganda, glauben nur noch 27 % der Amerikaner, dass Israels Handeln gerechtfertigt ist. Und ich frage mich, ob das alles mit dem politischen Überleben eines Einzelnen zu tun hat…

Portnikov: Ich denke nicht, dass es mit dem politischen Überleben eines Einzelnen zu tun hat. Es hängt mit dem natürlichen Mitgefühl der Amerikaner für den Staat Israel zusammen – nach dem Holocaust, der zum großen Teil auch durch die Gleichgültigkeit und Untätigkeit der USA ermöglicht wurde.

Ich denke, dass die USA – ebenso wie die europäischen Länder, vielleicht noch stärker – eine direkte moralische Verpflichtung haben. Aber das bedeutet gar nichts im Hinblick auf die Lösung der Nahostfrage. Diese muss in Form von Sicherheitsgarantien für die Bevölkerung in der Region geregelt werden.

Dazu ist notwendig: die Vernichtung des iranischen Regimes, die Zerschlagung der Hamas, die Zerschlagung der iranischen Proxy-Armeen – Hisbollah und Ansarullah. Dazu sind ernsthafte militärische Maßnahmen erforderlich, um den Terror zu beseitigen. Wenn der Terror weiterbesteht, wird von der Zivilbevölkerung nichts übrig bleiben. Denn immer wird sich jemand verteidigen, einer wird stärker sein, der andere schwächer.

Aber Hamas, das iranische Regime, Ansarullah und Hisbollah sind alle daran interessiert, den Krieg am Laufen zu halten. Denn sie sind Strukturen, die für den Krieg geschaffen wurden. Sie existieren nicht, um etwas aufzubauen. Hamas existiert nicht, um die Landwirtschaft in Gaza zu entwickeln.

Ich erinnere Sie noch einmal daran: Aus dem Gazastreifen wurden alle israelischen Truppen abgezogen, alle Siedlungen aufgelöst. Der Gazastreifen erhielt riesige westliche Subventionen – von der UNO, von europäischen Ländern, von wem auch immer. All dieses Geld wurde zur Schaffung einer Terror-Infrastruktur verwendet: Tunnel, Waffen, die Vorbereitung von Selbstmordattentätern – alles, was am 7. Oktober geschah.

All das Geld, alles, was in den jüdischen Siedlungen hinterlassen wurde, wurde zerstört und zum Aufbau dieser Terrorstruktur verwendet. Und die Mehrheit der Bevölkerung hat daran teilgenommen, denn man war stolz darauf, dass die eigenen Kinder Selbstmordattentäter wurden – und dafür erhielt man Geld und Unterstützung vom Hamas-Regime.

Länder wie Katar haben dieses System tatsächlich finanziert – anstatt dort ein normales Territorium aufzubauen. Der Gazastreifen hätte ein Keim eines Staates sein können – ein Ort ohne einen einzigen israelischen Soldaten. In Judäa und Samaria ist das schwieriger, wie Sie wissen – ein Staat lässt sich schwerer aufbauen, wo es israelische Siedlungen und gemeinsame Kontrollzonen gibt.

Aber in Gaza gab es keine gemeinsame Kontrolle. Die Araber in Gaza lebten eigenständig. Seit Ariel Sharon den Abzug beschlossen hat, gab es dort keinen einzigen Israeli mehr. Ich erinnere mich gut daran – ich war Zeuge all dessen. Ich erinnere mich an die Fotos in israelischen Zeitungen von jungen Soldaten der Golani-Brigade, die bei der Verteidigung von Siedlungen im Gazastreifen ums Leben kamen.

Damals sagte jeder – außer vielleicht Benjamin Netanjahu, das muss man ihm lassen –: “Wir müssen da raus.” Und was war das Ergebnis? Dieses Gebiet wurde nicht nur von Israel aufgegeben – es wurde auch von den arabischen Nachbarn blockiert, von Ägypten, das es eigentlich beschützen sollte.

Wir reden hier über arabische Staaten – warum machen sie die Araber aus Gaza zu Geiseln und zu Werkzeugen im Kampf gegen Israel? Das ist doch auch eine gute Frage. Warum wird diese Frage nicht diesen Ländern gestellt? Die USA geben Ägypten Milliarden Dollar. Und Ägypten hat nicht einmal die Grenze bei Rafah geöffnet, um Frauen und Kinder aus Gaza rauszulassen, damit sie nicht unter Bomben sterben.

Wie hätte man diese Menschen retten können? Einfach die Grenze bei Rafah öffnen – alle wären am Leben geblieben. Israel hätte dann nur noch die Tunnel zerstört.

Sie wundern sich ja auch nicht, dass europäische Länder acht Millionen Ukrainer aufgenommen haben – ebenso die USA, Kanada, Australien. Stellen Sie sich vor, diese Länder hätten ihre Grenzen für Frauen und Kinder aus der Ukraine geschlossen. Wir hätten mehr Tote, mehr wirtschaftliche Probleme – ich versichere Ihnen das.

Warum stellen Sie arabischen Ländern keine Fragen, warum sie keine Flüchtlinge aus Gaza aufnehmen wollen? Was hat das mit Israel zu tun?

Rashkin: Nein, darüber wird gesprochen – auch die Trump-Administration war unzufrieden und will, dass Länder der Region helfen, denn sie wollen diese Menschen offenbar nicht aufnehmen.

Portnikov: Richtig. Aber warum eigentlich? Warum stellt man alle Forderungen an Israel, aber nicht an die Länder, die die palästinensischen Araber als Werkzeug zur Destabilisierung der Region benutzen?

Rashkin: Weil der Tod durch die IDF viel schneller und massenhafter kommt als der Terror durch arabische Nachbarn.

Portnikov: Welcher Terror? Ich sage Ihnen nochmal: Ägypten könnte einfach die Grenze öffnen – dann gäbe es keinen Terror mehr.

Rashkin: Ja, aber sie tun es nicht.

Portnikov: Sie tun es nicht, weil sie wollen, dass die Hamas die Zivilbevölkerung Gazas als menschliche Schutzschilde einsetzen kann.

Rashkin: Ich denke, die Kritiker Israels wissen durchaus über Ägypten Bescheid.

Portnikov: Ja, aber sie sind zufrieden mit Ägypten, weil sie es genau so haben wollen – seit dem 14. Mai 1948. Seitdem werden diese Menschen als Instrument benutzt. Sie leben in diesen Ländern als Flüchtlinge. Seit 1948 hat man ihnen weder Staatsbürgerschaft, noch das Recht gegeben, Städte zu bauen, noch die Möglichkeit zu wählen – da, wo es Wahlen gibt. Man benutzt diese Menschen als Werkzeug zur Vernichtung des jüdischen Staates. Lassen Sie uns damit den Punkt setzen. Denn damit muss man anfangen.