Trumps ‚Rat‘: ein Szenario für die Ukraine | Vitaly Portnikov. 19.02.2026.

Donald Trump hat die erste Sitzung des Friedensrates abgehalten, die seine Bereitschaft demonstrierte, die Funktionen dieses Organs nicht nur auf den Nahostkonflikt, sondern auch auf andere weltweite Konflikte auszuweiten. Trump selbst sprach auf der ersten Sitzung des Friedensrates darüber, als er sagte, dass es mit Hilfe seiner Teilnehmer gelingen werde, Frieden im Nahen Osten herzustellen, die Frage des Gazastreifens zu lösen und sich danach auch anderen globalen Konflikten zuzuwenden.

Es sei daran erinnert, dass sich das Mandat des Friedensrates, das vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen genehmigt wurde, in erster Linie auf die Lösung des Nahostkonflikts erstreckt. Und hier kann man sagen, dass es bis zu wirklichen Fortschritten noch sehr weit ist. Insbesondere einer der Hauptpunkte von Trumps Friedensplan – die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas – ist weiterhin nicht umgesetzt. Reale Perspektiven für die Entsendung von Friedenstruppen in den Gazastreifen sind nicht erkennbar.

Die israelische Armee behält somit ihre Positionen im Gazastreifen bei, und die zivile Verwaltung, die gemäß Trumps Plan zur Führung und zum Wiederaufbau Gazas eingesetzt wurde, bleibt in ihren Büros in Ägypten und eilt nicht in den Gazastreifen.

Man kann sagen, dass uns ein solcher Ansatz zur Friedensregelung die Möglichkeit gibt zu verstehen, wie der Präsident der Vereinigten Staaten das Ende des russisch-ukrainischen Krieges sieht. Wichtig ist, dass die Seiten sich zumindest auf irgendetwas einigen, während es von geringerer Bedeutung ist, wie sich die Situation weiterentwickelt. Entscheidend ist, dass der Friedensrat funktioniert, Trump selbst als Friedensstifter erscheint und betont, dass er des Friedensnobelpreises würdig sei.

Übrigens schlug auf dieser Sitzung des Friedensrates der Präsident Kasachstans, Kassym-Schomart Tokajew, vor, einen Donald-Trump-Friedenspreis zu schaffen, der jenen verliehen werden soll, die zur Beendigung von Kriegen und Konflikten in der Welt beitragen. Ich weiß nicht, inwieweit es den Präsidenten der Vereinigten Staaten zufriedenstellen würde, statt einer weiteren Auszeichnung – insbesondere des Nobelpreises – die Schaffung eines Trump-Preises zu erleben, mit dem andere Menschen ausgezeichnet werden. Wir werden sehen, inwieweit man in Washington diesem Vorschlag des kasachischen Präsidenten zustimmt und wie dies Trumps eigener Sicht auf seine Rolle in der Geschichte und sein Interesse an Auszeichnungen entspricht.

Wenn wir jedoch ernsthaft sprechen, zeigte die Sitzung des Friedensrates, dass sich die überwiegende Mehrheit der Verbündeten des amerikanischen Präsidenten der Teilnahme an diesem Treffen entzogen hat. Zu der Sitzung, die der Regelung im Gazastreifen gewidmet war, erschien nicht einmal der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, der stattdessen den Leiter des israelischen Außenministeriums, Saar, entsandte. Die führenden europäischen Staats- und Regierungschefs reisten ebenfalls nicht an. Und der Papst betonte in einer besonderen Erklärung, dass die Schaffung eines solchen Organs mit unklaren Funktionen die Rechte und Pflichten der Vereinten Nationen untergrabe.

Offenbar beunruhigt viele in der Welt die Situation, wonach Trump nicht nur den Friedensrat angeführt hat, sondern auch beabsichtigt, nach dem Ende seiner präsidialen Amtszeit dessen Vorsitzender zu bleiben. Einige meinen sogar, der amtierende amerikanische Präsident wolle damit die Verfassung seines Landes umgehen, sodass sein Nachfolger im Amt – sofern es ein Vertreter der Republikanischen Partei ist – lediglich eines der Mitglieder des Friedensrates wäre, das den Vorschlägen seines Vorsitzenden Donald Trump zustimmt, der gemäß der Satzung des Friedensrates theoretisch dieses Amt lebenslang ausüben könnte.

Aber wenn im Friedensrat keine Führer der wichtigsten Länder der Welt vertreten sind, wenn dort keine Staats- und Regierungschefs der ständigen Mitglieder der Vereinten Nationen teilnehmen – und wir sehen, dass sich nicht nur europäische Staats- und Regierungschefs, sondern auch beispielsweise Russlands Präsident Wladimir Putin, dem Trump demonstrativ eine Einladung geschickt hatte, von der Teilnahme ferngehalten haben –, wie soll dieses Gremium dann die Funktionen der Vereinten Nationen und ihres Sicherheitsrates ersetzen?

Auch Trumps Einladungen wirken im Hinblick auf ihre tatsächliche Umsetzung recht merkwürdig. Trump kann eine Einladung zum Friedensrat aussprechen und sie später wieder zurückziehen, wie es beim kanadischen Premierminister Carney geschah.

Oder Trump kann eine Einladung verschicken, und die amerikanischen staatlichen Institutionen können seinen Vorschlag anschließend erheblich korrigieren. Unter den Staatschefs, denen Trump eine Einladung zur Teilnahme an der Sitzung des Friedensrates geschickt hatte, befand sich auch der belarussische Machthaber Lukaschenko, was übrigens auch einer der Gründe war, weshalb der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, sich weigerte, an diesem Gremium teilzunehmen, falls sowohl Lukaschenko als auch Putin tatsächlich daran beteiligt wären.

Doch als Lukaschenko zustimmte, beschloss, seine Delegation in die Vereinigten Staaten zu entsenden, und sogar betonte, dass seine künftige Teilnahme an einer Sitzung des Friedensrates persönlich erfolgen werde, stellte sich heraus, dass das US-Außenministerium den Mitgliedern der belarussischen Delegation, die an der Sitzung teilnehmen wollten, die Visa verweigerte.

Somit kann man nie sicher sein, dass Trump politische Vorhaben tatsächlich umsetzt. Er kann eine deklarative Initiative ergreifen, die anschließend überhaupt nicht realisiert wird. Davon überzeugte sich Lukaschenko während der Sitzung des Friedensrates. Daher ist es verfrüht zu behaupten, der Friedensrat werde zu einem Organ echter Friedensregelung – ich spreche noch nicht einmal vom russisch-ukrainischen Krieg.

Was ist jedoch tatsächlich geschehen? Wir haben gesehen, dass nun ein spezielles Organ existiert, in dem Staats- und Regierungschefs darum wetteifern, wer den amerikanischen Präsidenten besser lobt. Gerade die Erklärungen zugunsten Donald Trumps, gerade seine eigenen Deklarationen über seine friedensstiftende Rolle bildeten den Hauptinhalt dieser Sitzung.

Und die nächste Frage: Sollte man sich der Teilnahme an solchen Sitzungen wirklich verweigern? Wenn man eigene politische Interessen verwirklichen will, kann man sogar die Instrumente des Friedensrates nutzen, um zumindest bestimmte Parameter der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten voranzubringen. So erschienen auf der Sitzung des Friedensrates sowohl der armenische Premierminister Nikola Paschinjan als auch der Präsident Aserbaidschans Ilham Alijew, die Treffen mit führenden amerikanischen Beamten abhielten. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Regelung des armenisch-aserbaidschanischen Konflikts aus Trumps Sicht eine seiner wichtigsten Errungenschaften ist. Und eben dieses Bestreben des amerikanischen Präsidenten, als Friedensstifter zu erscheinen, kann man nutzen.

Deshalb weiß ich nicht, inwieweit es für die Ukraine künftig sinnvoll ist, sich der Teilnahme an Sitzungen des Friedensrates zu enthalten, falls wir weiterhin eingeladen werden. Reale politische Konsequenzen – außer der Notwendigkeit, über die friedensstiftende Rolle des amerikanischen Präsidenten zu sprechen, was der Präsident der Ukraine ohnehin tut – ergeben sich daraus bislang nicht. Aber es entstehen erneut Möglichkeiten, die Führung der US-Präsidialverwaltung an unsere Probleme zu erinnern.


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Titel des Originals: „Рада“ Трампа: сценарій для України |
Віталій Портников. 19.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump will Weltpräsident werden | Vitaly Portnikov. 24.01.2026.

Der außenpolitische Dienst der Europäischen Union hat in einem vertraulichen Bericht für die Mitgliedstaaten dieses internationalen Zusammenschlusses erklärt, dass man in der EU über die übermäßige Konzentration von Befugnissen im Friedensrat besorgt sei, der kürzlich von Präsident Donald Trump während des Internationalen Wirtschaftsforums in Davos ins Leben gerufen wurde.

Trump hat bekanntlich die Satzung des Friedensrates unterzeichnet und lädt weiterhin Staats- und Regierungschefs zahlreicher Länder in dieses Gremium ein – ebenso wie er Einladungen wieder zurückzieht, wie es bereits im Fall des kanadischen Premierministers Mark Carney geschehen ist.

Dabei sollte man jedoch daran erinnern, dass der Friedensrat auf Grundlage eines entsprechenden Beschlusses des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen geschaffen wurde, um zur Stabilisierung der Lage im Gazastreifen beizutragen. Die Schaffung eines solchen Rates ist Teil der Vereinbarungen über eine Waffenruhe im Nahen Osten und über die schrittweise Wiederherstellung einer stabilen Situation in der Region.

Nun aber wird über den Friedensrat als über eine Organisation gesprochen, die Verbesserungen in einer ganzen Reihe internationaler Konflikte erreichen und generell – wie es heißt – für die Herstellung des Friedens auf der ganzen Welt arbeiten soll. Eine solche Möglichkeit hat der entsprechende Beschluss des UN-Sicherheitsrates diesem Rat jedoch keineswegs eingeräumt. Es ging ausschließlich um den Gazastreifen.

So entsteht der Eindruck, dass Donald Trump die Befugnisse des Rates faktisch eigenmächtig ausweitet. Zudem entscheidet gerade Trump darüber, wer der Führung des Friedensrates angehören soll. Wie bekannt ist, hat er ein Exekutivkomitee gebildet, in dem seine engsten Vertrauten und sogar Familienangehörige vertreten sein werden, wie Steve Witkoff oder Jared Kushner, während alle übrigen Staats- und Regierungschefs der Welt diesem Rat als ständige oder nichtständige Mitglieder angehören sollen.

Wie ebenfalls bekannt ist, verlangt Trump für eine ständige Mitgliedschaft eine Milliarde US-Dollar – was ebenfalls weit über das Mandat hinausgeht, das der Friedensrat vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erhalten hat. Und vor allem ist unklar, welche konkreten Befugnisse der Friedensrat überhaupt haben soll.

Donald Trump sagt, dass die Mitglieder des Rates, sobald dieser endgültig gebildet sei – bislang gehören ihm ja noch nicht die führenden und einflussreichsten Staaten der Welt an –, alles tun könnten, was sie wollten. Den Europäern bereitet jedoch nicht nur diese Aussage Sorgen, sondern auch die Befürchtung, dass Trump sich gerade hinter den Möglichkeiten des Friedensrates verstecken und in dessen Namen Handlungen vornehmen könnte, die weder auf Ebene des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen abgestimmt werden können noch etwa mit den NATO-Verbündeten vereinbar wären.

Dann würde sich herausstellen, dass Trump über einen Club ganz anderer Staats- und Regierungschefs verfügt, die nicht durch entsprechende Bündnisverpflichtungen mit den Vereinigten Staaten verbunden sind, aber bereit wären, jedem neuen Vorschlag des amerikanischen Präsidenten zuzustimmen. Denn wozu bräuchte Trump im Friedensrat, der sich dem Wesen nach mit der Regelung der Lage im Gazastreifen befassen sollte, den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko?

Und dabei ist dies bei Weitem nicht die einzige Figur, die Fragen aufwirft. Auch die Einladung an Wladimir Putin, der bislang noch nicht zugestimmt hat, aber zynisch versprach, Trump eine Milliarde Dollar aus den in den Vereinigten Staaten beschlagnahmten – genauer gesagt eingefrorenen – russischen Vermögenswerten zur Verfügung zu stellen, ist ein weiteres Zeichen für die große Besorgnis jener Länder, die nicht in einer neuen Struktur gemeinsam mit dem russischen und dem belarussischen Präsidenten sitzen möchten.

Es könnte jedoch noch einen anderen Grund geben, warum Trump den Friedensrat überhaupt benötigt. Dieser liegt möglicherweise weniger in den außenpolitischen Ambitionen des amerikanischen Präsidenten – denn auch als Staatsoberhaupt kann er Maßnahmen ergreifen, die keinerlei Abstimmung mit Belarus oder Russland erfordern – sondern vielmehr im innenpolitischen Bereich. Denn Trump schafft im Grunde eine neue Struktur, der er, wenn er es möchte, lebenslang vorsitzen kann. Vorerst sagt er zwar, dass er sich einer solchen Notwendigkeit nicht sicher sei.

Damit würden wir jedoch einen bereits bekannten Weg einschlagen, der in einer ganzen Reihe von Staaten erprobt wurde und kaum als demokratisch bezeichnet werden kann. Das Staatsoberhaupt bestimmt einen Nachfolger, der das Präsidentenamt übernimmt, während es selbst eine neue oder andere Position einnimmt, die es ihm ermöglicht, reale Machtbefugnisse auszuüben. 

So handelte Wladimir Putin, als er nach zwei Amtszeiten als Präsident der Russischen Föderation Dmitri Medwedew auf den Präsidentensessel setzte, selbst jedoch faktisch der uneingeschränkte Herrscher des Landes blieb. So handelte auch Nursultan Nasarbajew, als er Kassymschomart Tokajew als Präsidenten Kasachstans vorschlug, selbst jedoch als oberster Führer und Vater der Nation sowie als Sekretär des Sicherheitsrates Kasachstans im Amt blieb und auch in dieser Funktion versuchte, alle wichtigen Machtinstrumente zu behalten. Eine solche Idee könnte auch Trump kommen – oder jemand könnte sie ihm nahelegen.

Natürlich lässt sich die amerikanische Verfassung nicht auf eine einzelne Person zuschneiden, selbst wenn diese Person gerne ein drittes oder sogar viertes Mal Präsident bleiben würde, worüber Trump kürzlich in sozialen Netzwerken geschrieben hat. Doch andererseits: Wenn man sich vorstellt, dass ein von Trump unterstützter Kandidat der Republikanischen Partei neuer Präsident der Vereinigten Staaten wird, während Trump selbst lebenslanger Vorsitzender des Friedensrates bleibt und damit das Zentrum realer Macht nach Mar-a-Lago verlagert, während der neue Präsident der Vereinigten Staaten von ihm in den Friedensrat eingeladen wird und dort als eine Art weiterer „Bezirksparteisekretär“ verbleibt, gemeinsam mit anderen eingeladenen Staats- und Regierungschefs abstimmt – mit dem einzigen Privileg, dass die Vereinigten Staaten für ihre ständige Präsenz in dieser Struktur keine Milliarde Dollar zahlen müssten.

Damit hätten wir ein Zentrum paralleler Macht. Zumal Donald Trump in der Lage sein könnte, die vollständige Kontrolle über die Republikanische Partei zu behalten, die weiterhin auf seine Popularität und sein Charisma setzen würde.

Natürlich wirkt all dies zum jetzigen Zeitpunkt eher wie politische Fantasie. Doch vieles von dem, was Donald Trump bereits gesagt hat, und vieles von dem, was er bereits getan hat oder noch im Januar 2025 zu tun beabsichtigte, wirkte ebenfalls wie reine politische Fantasie – und ist dennoch Realität geworden.

Deshalb würde ich das Bestreben des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht außer Acht lassen, jede neue Struktur unter seiner Führung als Instrument zur Stärkung und Verlängerung seines eigenen Einflusses und seiner eigenen Machtbefugnisse zu nutzen. Zumal wir wissen, wie ähnliche Modelle von anderen Herrschern bereits genutzt wurden, um ihre politische Karriere – sagen wir – auf außer­konstitutionellem, aber für ihre Mitbürger sehr realem und greifbarem Wege fortzusetzen.


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Titel des Originals: Трамп хочет быть всемирным президентом | Виталий Портников. 24.01.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.01.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump ruft Putin in den „Friedensrat“ | Vitaly Portnikov. 20.01.2026.

Donald Trump hat vor seinem Abflug in die Schweiz, wo er am Internationalen Wirtschaftsforum in Davos teilnehmen wird, seine Einladung an den russischen Diktator Putin zur Teilnahme am Friedensrat bestätigt. Dieser Rat sollte ursprünglich geschaffen werden, um die Stabilisierung der Lage im Nahen Osten, insbesondere im Gazastreifen, zu gewährleisten, wird nun aber von seinen Organisatoren auf alle Konflikte ausgeweitet, die sich in der heutigen Welt abspielen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Trump zur Teilnahme am Friedensrat nicht nur Putin selbst eingeladen hat, sondern auch dessen belarussische Marionette Alexander Lukashenko – obwohl offensichtlich ist, dass Lukashenko keinerlei reale Beziehung zur Regelung der Situation im Nahen Osten hat.

Die Tatsache, dass der amerikanische Präsident den russischen Präsidenten nahezu zeitgleich mit einer erneuten barbarischen Bombardierung der ukrainischen Energieinfrastruktur durch Russland zur Teilnahme am Friedensrat einlädt – genau zu dem Zeitpunkt, an dem Putin Frauen, Kinder und ältere Menschen in Kyiv und anderen Städten der Ukraine von Wärme-, Strom- und Wasserversorgung abschneidet  –, unterstreicht einmal mehr die Gleichgültigkeit des amerikanischen Staatschefs gegenüber Werten und gegenüber dem Verständnis des Unterschieds zwischen Aggressor und Opfer. Zugleich offenbart sie Trumps Megalomanie: Indem er Putin oder andere Staats- und Regierungschefs der Welt in einen Friedensrat einlädt, in dem er aus irgendeinem Grund lebenslanger Vorsitzender sein will, macht er sich durch eigene Ernennung faktisch zu einer Art Präsidenten des Planeten auf unbestimmte Zeit – unabhängig von den Wählern der Vereinigten Staaten. Und was die übrigen Staats- und Regierungschefs der Welt darüber denken oder was die Wähler in den Vereinigten Staaten davon halten, scheint Trump nicht zu interessieren.

Er lädt die Staats- und Regierungschefs nicht einfach in den Friedensrat ein, sondern zwingt sie faktisch zur Teilnahme. So betonte der amerikanische Präsident auf die Frage, was geschehen werde, falls der französische Präsident Emmanuel Macron die Teilnahme an dieser Trump’schen Struktur verweigere, umgehend, dass er neue Zölle auf französische Produkte verhängen werde. Außerdem müsse man mit Macron ohnehin nicht rechnen, da er bald nicht mehr Präsident Frankreichs sein werde, betonte Donald Trump – der selbst nur noch bis 2029 Präsident der Vereinigten Staaten bleiben wird. Und so stellt sich für viele eine durchaus logische Frage: Was wird mit all diesen Friedensräten und anderen Projekten geschehen, nachdem die politische Karriere des amerikanischen Präsidenten beendet ist? Und was wird aus all den Sicherheitsgarantien, die Trump im Rahmen neuer Institutionen den Ländern geben will, die in die Rolle von Opfern von Aggression geraten, nachdem der amerikanische Präsident kein reales Amt mehr innehat, das ihn in die Lage versetzen würde, auf andere Staats- und Regierungschefs Einfluss auszuüben?

Putin hat auf Trumps Einladung bislang übrigens nicht reagiert. Sein Pressesprecher Peskow erklärte lediglich, man prüfe im Kreml diese amerikanische Einladung. Denn Putin könnte befürchten, dass er im Falle einer Mitgliedschaft im Friedensrat zu einem Untergeordneten eines neuen internationalen Präsidenten würde und gezwungen wäre, dessen Anweisungen unter der Androhung neuer Sanktionen und Zölle zu befolgen – diesmal sogar nicht wegen des russisch-ukrainischen Krieges, sondern schlicht wegen einer „falschen“ Abstimmung bei einer weiteren Sitzung. Und wie wir verstehen, ist das keineswegs ein Scherz. Denn von Anfang an schien die Teilnahme am Friedensrat freiwillig zu sein, und er sollte nicht aus Staaten, sondern aus einzelnen Vertretern bestehen, die den Friedensprozess im Gazastreifen überwachen sollten – einen Prozess, der kaum vorangekommen ist, da es den Organisatoren nicht gelungen ist, die Terrororganisation Hamas zu entwaffnen und damit reale Voraussetzungen für eine Stabilisierung im Gazastreifen zu schaffen.

Nun gibt es auch diese Entwaffnung nicht. Und selbst die Zusammensetzung des Friedensrates missfällt dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, der bereits entschiedenen Protest gegen Trump eingelegt hat, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten die Staats- und Regierungschefs der Türkei und Katars zur Teilnahme am Friedensrat eingeladen hat. Und man kann dem Friedensrat nicht fernbleiben, denn in diesem Fall würde der beleidigte Präsident der Vereinigten Staaten wirtschaftliche Zölle gegen jene Länder verhängen, deren Staats- und Regierungschefs sich weigern, an dieser erstaunlichen Konstruktion teilzunehmen.

Und das Wichtigste: In diesem Friedensrat wird Putin vertreten sein. Derselbe Putin, der mit seinen Verbrechen gegen die Ukraine und ihr Volk die Praktiken der Terrororganisation Hamas im Nahen Osten nachahmt oder den Hamas-Terroristen sogar vorführt, was echte Grausamkeit bedeutet. Und in dieser Entscheidung Trumps liegt selbstverständlich eine sehr ernste Falle für die Zukunft. Er zeigt einmal mehr, dass er Putin – ungeachtet aller Verbrechen des russischen Präsidenten und ungeachtet seines offensichtlichen Unwillens, den russisch-ukrainischen Krieg selbst unter Druck des Weißen Hauses zu beenden – weiterhin als Partner in internationalen Angelegenheiten betrachtet. Nicht in irgendeinem einzelnen Bereich, sondern als Partner im internationalen Geschehen überhaupt.

Putin, über den Trump bereits seit den ersten Tagen seiner ersten Präsidentschaft begeistert gesprochen hat und der für ihn stets eines der Beispiele dafür war, wie man Staaten führen sollte, bleibt selbst jetzt, nach vier Jahren eines grausamen russisch-ukrainischen Krieges, eine Person, die in einen Friedensrat eingeladen werden kann – in einen Rat, dessen Aufgabe gerade der Frieden sein sollte und nicht die Fortsetzung von Krieg, Tötungen, Verbrechen und Bombardierungen.

Und das ist alles, was man über die internationale Moral verstehen muss – nicht einmal über die Moral Putins selbst. Mit Putin ist, so scheint es, seit Langem alles klar. Es geht vielmehr um die internationale Moral jener, die heute Strukturen wie den Friedensrat schaffen und den größten demokratischen Staat der modernen Welt führen.


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Titel des Originals: Трамп кличе Путіна до «Ради миру» | Віталій Портников. 20.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.01.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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