Dmitrij Kisseljow hat den internen Konkurrenzkampf gegen andere Propagandisten verloren, nicht nur gegen Wladimir Solowjow, sondern auch gegen Jewgenij Popow, der nun die Sendung moderieren wird, die bislang Dmitrij Kisseljow zugerechnet wurde.
Der langjährige Veteran der russischen Propaganda selbst ist mit einer 26-minütigen Sendung zurückgeblieben, die man mit einiger Mühe als Autorenprojekt bezeichnen kann, doch in Wirklichkeit ist das lediglich das Vorspiel zu seiner endgültigen Ausmusterung. Sogar das Team von Dmitrij Kisseljow, das ihm jahrzehntelang dabei half, im russischen Fernsehen zu lügen, wird Jewgenij Popow durch wesentlich eifrigere und gefügigere Lügner ersetzen, die den aggressiveren und offensiveren Stil der russischen Propaganda der letzten Jahre besser verstehen. Einen Stil, in dem nichts mehr übrig geblieben ist, was auch nur entfernt an Journalismus erinnert.
Natürlich kann sich eine einfache Frage stellen: Womit ist Dmitrij Kisseljow denn in Ungnade gefallen? Man sollte doch meinen, er habe sich nach Kräften bemüht. Er ist der Urheber eines Großteils jener Aussprüche, die mit der Verwandlung des russischen Journalismus verbunden werden, der einst zumindest den Anschein von Professionalität zu erwecken versuchte, in offen propagandistischen Irrsinn.
Nehmen wir nur die „radioaktive Asche“. Das war schließlich nicht Solowjow, das war nicht Popow, das war Dmitrij Kisseljow – und zwar schon zu einer Zeit, als es noch so schien, als seien in der russischen Staatsführung Menschen übrig geblieben, die, wenn schon nicht zurechnungsfähig, so doch zumindest in der Lage waren, die Gefahr eines großen Krieges zu begreifen. Dmitrij Kisseljow aber bereitete die Gesellschaft bereits damals auf einen solchen Krieg vor, als Dmitrij Medwedew und Sergej Karaganow noch nicht miteinander darin wetteiferten, zum Einsatz von Atomwaffen aufzurufen.
Doch ein Mitläufer bleibt trotzdem immer ein Mitläufer. Die russischen Tschekisten hatten allen Grund, nicht an die Aufrichtigkeit von Dmitrij Kisseljows Absichten zu glauben. In den ersten Jahren der Herrschaft Wladimir Putins gab es für ihn im russischen Fernsehen gerade deshalb keinen Platz, weil er das Image einer Art proeuropäischen Liberalen pflegte, der von einer europäischen Zukunft seines Landes träumte und Reportagen über das Leben auf dem europäischen Kontinent drehte oder Diskussionssendungen organisierte, in denen ebenfalls viel über solche Themen gesprochen wurde.
Gerade weil das russische Fernsehen für Dmitrij Kisseljow verloren war, ging er nach Kyiv, um dort zu arbeiten. Und ich erinnere mich übrigens sehr gut an diese Zeit. Ich erinnere mich daran, wie Dmitrij Kisseljow, nachdem er gerade erst in der ukrainischen Hauptstadt angekommen war und sich auf Sendungen beim Fernsehsender ICTV vorbereitete, mit mir darüber sprach, dass auf diesem Sender auch eine Reihe seiner Europa gewidmeten Sendungen gezeigt werden müsse.
Er hatte diese Sendungen für das russische Publikum gedreht und versucht, seine Landsleute davon zu überzeugen, dass die Zukunft Russlands nur in Europa, nur in einem Bündnis mit dem Westen liege. Und selbstverständlich wollte er genau das auch dem ukrainischen Fernsehzuschauer sagen.
Als ich jedoch sagte, dass dies tatsächlich jener Entwicklungsrichtung entspreche, mit der die ukrainische Zukunft verbunden sei, und dass es gut wäre, wenn jeder ukrainische Fernsehzuschauer solche Sendungen sehen würde, antwortete er, mit dem Start des Projekts solle man besser warten, bis die Sendungen ins Ukrainische übersetzt worden seien. Denn er sei überzeugt, dass für die ukrainischen Bürger die europäische Entwicklungsperspektive mit der ukrainischen Sprache, mit der ukrainischen Kultur und mit der eigenen Geschichte verbunden sein müsse.
Da haben Sie noch eine Maske Dmitrij Kisseljows und noch eine seiner Erscheinungsformen, an die er sich heute selbstverständlich kaum erinnern wollen dürfte. Obwohl er sich, wenn wir uns vorstellen, dass das Putin-Regime fällt und Dmitrij Kisseljow bleibt, uns genau mit dieser Seite seines Wesens wieder zuwenden wird.
Und die Tschekisten verstehen das selbstverständlich ausgezeichnet und haben ihm deshalb nie vertraut. Ja, sobald Dmitrij Kisseljow begriff, dass eine Rückkehr möglich war und dass das wirkliche Geld im Kreml lag und von dort verteilt wurde, versuchte er alles nur Mögliche zu tun, um zu zeigen, dass das Regime, das sich rasch in ein faschistisches verwandelte, ihn brauchte. Doch wirkliches Vertrauen konnte er selbstverständlich nicht mehr gewinnen.
Ob du dich nun bemühst oder nicht – Genosse Ermittler erinnert sich sehr gut daran, welche politischen Ansichten du hattest, mit wem du verkehrtest, welche Erklärungen du abgabst, von wem du abhängig warst und von wem du nicht abhängig sein wolltest. Deshalb war die Karriere Dmitrij Kisseljows trotz all seiner Bereitschaft zu dienen und sich anzudienen vom ersten Tag nach seiner Rückkehr nach Russland an zum Scheitern verurteilt.
Und nun zum Wichtigsten: Eben jener Fernsehzuschauer, den Dmitrij Kisseljow zunächst von der Bedeutung des europäischen Projekts zu überzeugen versuchte und später von der Notwendigkeit, Russland in ein abscheuliches blutiges Ungeheuer zu verwandeln, wird ihn vergessen. Denn wer genug Geduld hatte, sich solche Sendungen anzusehen und all den Unsinn zu glauben, der dort verbreitet wurde, wird sich selbstverständlich mit noch größerem Vergnügen Solowjow und Popow ansehen.
Und anständige Menschen werden Dmitrij Kisseljow nicht nur niemals die Hand reichen, sie werden niemals auch nur eine einzige Fernsehsendung mit seiner Beteiligung einschalten. Für die einen wie für die anderen ist er tot.
Im Grunde ein vollkommen vorhersehbares Ende. Und jetzt stellt sich nur noch eine Frage: Wozu war das alles eigentlich nötig? Wozu die eigene Reputation begraben? Wozu vom Fernsehbildschirm aus lügen? Für ein gutes Gehalt, für einen Platz im Fernsehen, dafür, dass irgendein Putin einem auf die Schulter klopft und einen Orden überreicht?
Ein solcher Abschied von der eigenen Reputation und vom eigenen Beruf, eine solche Bereitschaft, sich selbst dem Vergessen preiszugeben, ist ebenfalls lehrreich für jeden, der versuchen sollte, diese zweifelhafte Erfahrung zu wiederholen.
Ja, natürlich gefällt es dem Pack in Uniform immer, wenn man ihm die Stiefel mit der Zunge sauberleckt. Aber wer bereit ist, solche Dienste zu leisten, muss immer daran denken, dass diese Dienste nicht gewürdigt werden und dass sich andere finden werden, die noch eifriger und unterwürfiger sind und jeden ersetzen, der den Kontakt zu seinem eigenen Gewissen und seinem Anstand verliert.
Das ist das Ende der Geschichte der Fernsehkarriere eines Mannes, der noch vor Kurzem zu den wichtigsten russischen Propagandisten gehörte.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Дмитрия Киселева списали в утиль |
Виталий Портников. 06.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 06.09.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.