Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, hat sich überraschend mit dem Ministerpräsidenten der Slowakei, Robert Fico, versöhnt, der noch vor kurzem gegen Verhandlungen der Ukraine über eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union auftrat und ein Paket neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation blockierte.
Nun erklärt der slowakische Regierungschef, dass er den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union unterstützt, da er daran interessiert ist, dass an den Grenzen der Slowakei ein stabiler demokratischer Staat existiert. Bereits an diesem Montag werden sich der Präsident der Ukraine und der Ministerpräsident der Slowakei am Rande des Gipfels der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Jerewan treffen. Darüber hinaus haben Präsident Zelensky und Ministerpräsident Fico vereinbart, gegenseitige Besuche auszutauschen. Volodymyr Zelensky wird Bratislava besuchen, und Fico – Kyiv.
Dabei ist zu bedenken, dass Robert Fico seit seiner Rückkehr an die Macht in der Slowakei die ukrainische Hauptstadt kein einziges Mal besucht hat. Er traf sowohl den Präsidenten der Ukraine als auch die Leiter ukrainischer Regierungen in Uschhorod, an der Grenze zwischen der Slowakei und der Ukraine, doch nach Kyiv ist er nie gelangt.
Somit kann man von einer deutlichen Erwärmung der Beziehungen zwischen Kyiv und Bratislava sprechen, trotz der Bereitschaft des slowakischen Ministerpräsidenten, bereits in wenigen Tagen die russische Hauptstadt während der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg zu besuchen.
Und selbst dieser Umstand hat, wie wir sehen, den Dialog zwischen dem Präsidenten der Ukraine und dem Ministerpräsidenten der Slowakei nicht verhindert, ebenso wenig wie die friedlichen Formulierungen, in denen die offiziellen Mitteilungen über das Gespräch zwischen Volodymyr Zelensky und Robert Fico sowohl in Kyiv als auch in Bratislava verfasst wurden.
Womit hängt also diese unerwartete Erwärmung zusammen? Man könnte sagen, dass der Ministerpräsident der Slowakei schlicht damit zufrieden ist, dass Kyiv diesmal auf seine Bedingungen eingegangen ist und die Ölpipeline „Druzhba“ repariert hat, durch die russisches Öl wieder in Richtung Slowakei und Ungarn fließt. Doch derselbe Robert Fico hatte noch vor kurzem erklärt, dass die Pipeline überhaupt nicht beschädigt gewesen sei und dass die Gespräche über ihre Beschädigung lediglich ein Vorwand der ukrainischen Regierung gewesen seien, um der Slowakei und Ungarn russisches Öl zu verweigern.
Tatsächlich ist die Erklärung viel einfacher. Nach den Parlamentswahlen in Ungarn verlor Robert Fico seinen wichtigsten Verbündeten auf der europäischen Bühne, den Ministerpräsidenten dieses Landes, Viktor Orbán. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Orbán über einen deutlich größeren Einfluss in der Europäischen Union verfügte als sein slowakischer Kollege. Orbán wurde, trotz aller Irritationen, die er bei europäischen Führern hervorrief, traditionell auch deshalb gehört, weil er enge Beziehungen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, pflegte.
Fico verfügt über solche Kontakte nicht. Zudem ist das politische und wirtschaftliche Gewicht der Slowakei in der Europäischen Union und selbst in der Visegrád-Gruppe nicht mit dem Gewicht Ungarns und dem persönlichen Einfluss von Viktor Orbán vergleichbar. Und allein gegen die europäischen Strukturen zu kämpfen, ist der slowakische Ministerpräsident nicht gewohnt.
Zudem ist ein weiterer wichtiger Umstand zu berücksichtigen, der mit dem Faktor der ungarischen Parlamentswahlen zusammenhängt. Der künftige Ministerpräsident des Landes, Péter Magyar, nennt als einen der zentralen Punkte seines politischen Programms für die kommenden Jahre den Schutz der ethnischen Ungarn sowohl in der Slowakei als auch in der Ukraine. Und wenn Viktor Orbán gegenüber der Ukraine wiederholt ernsthafte Forderungen erhoben hatte und die Probleme der Ungarn in Transkarpatien einer der Gründe für die Verschlechterung der ungarisch-ukrainischen Beziehungen und für die Blockierung der europäischen Integration der Ukraine durch Budapest waren – was, gelinde gesagt, unlogisch ist –, so gab es im Fall der Slowakei seitens der Regierung Orbán nie ernsthafte Vorwürfe.
Péter Magyar hingegen hat genau diese Vorwürfe. Er versucht zu zeigen, dass sein Vorgänger im Amt des ungarischen Regierungschefs mit doppelten Standards gearbeitet hat, indem er Forderungen an Kyiv stellte und die Probleme der ungarischen Bevölkerung in der Slowakei ignorierte. Und einer der wichtigsten Konkurrenten für Magyar im Hinblick auf seine Rolle in der Visegrád-Gruppe und in Mitteleuropa insgesamt ist gerade Robert Fico. Gegen ihn werden sich die Hauptvorwürfe in Bezug auf slowakische Bürger ungarischer Herkunft richten.
Somit könnten – so paradox es auch klingt – der Ministerpräsident Ungarns und der Präsident der Ukraine durch die Notwendigkeit verbunden sein, eine gemeinsame Position gegenüber den Forderungen des neuen ungarischen Regierungschefs zu entwickeln. Wie man sagt: Kein Unglück ist ohne Nutzen.
Natürlich bedeutet dies noch nicht, dass man in Bratislava so einfach auf die konfrontative Politik gegenüber der Ukraine verzichten wird, die Teil des politischen Programms ist – wenn nicht des Ministerpräsidenten selbst, so doch der ultrarechten politischen Kräfte, die mit ihm in der Koalition stehen. So oder so wird der slowakische Regierungschef seinen Koalitionspartnern zeigen müssen, dass es sich nicht um eine echte politische Kehrtwende handelt, sondern lediglich um den Versuch, die Interessen der Slowakei in der Europäischen Union mit der Bereitschaft zu verbinden, vernünftigere Beziehungen zu den Nachbarn aufzubauen.
Doch schon die Tatsache, dass nach mehreren Monaten harter Kritik der Ministerpräsident der Slowakei und der Präsident der Ukraine freundlich miteinander gesprochen, sich auf ein Treffen in den kommenden Tagen sowie auf gegenseitige Besuche in Bratislava und Kyiv lgeeinigt haben, kann auf eine deutlich nüchternere Einschätzung der Situation hinweisen, die sich in Europa nach den Parlamentswahlen in Ungarn und vor dem Hintergrund der Bereitschaft Donald Trumps, Truppen aus dem Gebiet europäischer NATO-Mitgliedstaaten abzuziehen, entwickelt hat.
Es ist klar, dass Robert Fico in dieser Situation gezwungen ist, Konstruktivität zu demonstrieren, um nicht als einziger Störenfried unter den Führern der Mitgliedstaaten der Europäischen Union dazustehen. Natürlich könnte man sagen, dass sich dem slowakischen Ministerpräsidenten bald sein neuer bulgarischer Kollege Rumen Radev anschließen wird. Doch Radev könnte sich in Wirklichkeit als deutlich vorsichtiger erweisen als sowohl Orbán als auch Fico, wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg und Fragen im Zusammenhang mit der europäischen Integration der Ukraine geht.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Фицо помирился с Зеленским | Виталий
Портников. 02.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.05.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.