Die größte Sensation des Auftritts des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, von dem man Aussagen zum Ende des Krieges der Vereinigten Staaten gegen den Iran erwartet hatte, war in Wirklichkeit der Angriff des amerikanischen Staatschefs auf seinen französischen Kollegen Emmanuel Macron – in einer selbst für Trump unerwartet scharfen Form.
Trump betonte, dass er mit Macrons Ehefrau gesprochen habe, während der französische Präsident selbst sich erst von einer Auseinandersetzung mit ihr erhole. Eine solche Aussage Trumps, die erwartungsgemäß bei einem Teil seines Publikums Gelächter auslöste, wurde in Frankreich selbstverständlich mit Empörung aufgenommen. Praktisch alle französischen Politiker – von der extremen Linken bis zur extremen Rechten – werteten diese Äußerungen des amerikanischen Präsidenten als Respektlosigkeit nicht nur gegenüber dem Präsidenten Frankreichs, sondern auch gegenüber der französischen Staatlichkeit selbst.
Und diese Einschätzungen entsprechen natürlich der Realität. In den Beziehungen zwischen zwei befreundeten und verbündeten Staaten erlauben sich die Führungen in der Regel keine derart, gelinde gesagt, merkwürdigen Beleidigungen. Der französische Präsident selbst bezeichnete Trumps Aussagen als unelegant und nicht den Standards entsprechend und demonstrierte damit einmal mehr den Unterschied zwischen seinem eigenen Verhalten und dem Verhalten des alternden amerikanischen Führers.
Nicht weniger interessant ist jedoch die Frage, warum Trump zu einem derart unausgeglichenen Verhalten greift. Und es kann mehrere Antworten darauf geben. Erstens kann man von einem schwierigen psychologischen Zustand des amerikanischen Präsidenten selbst sprechen. Jeder, der seinen Auftritt gesehen hat, konnte erkennen, wie schwer es Donald Trump inzwischen fällt, unter den Bedingungen ständigen Stresses öffentlich aufzutreten.
Zweitens ist offensichtlich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten darüber verärgert ist, dass sich die Ereignisse im Krieg gegen den Iran ganz anders entwickeln, als man ihm offenbar dargestellt hat – anders, als er sich selbst überzeugt hat. Im Iran-Krieg ist Trump in eine echte politische Falle geraten, die ihn und sein engstes Umfeld die politische Karriere kosten kann.
Für Trump würde das eine Rückkehr auf die Anklagebank bedeuten, mit allen offensichtlichen Konsequenzen für den amtierenden amerikanischen Präsidenten. Und es ist klar, dass diese Anklagebank der letzte Ort ist, an den Donald Trump in seinem Leben zurückkehren möchte. In dieser Situation hofft Trump natürlich, dass ihn jemand an den Haaren aus dem Sumpf ziehen kann.
Und Emmanuel Macron, als Präsident eines weiteren nuklearen Staates, wird – wie übrigens auch andere westliche Führer – nun von Trump, der seine Verbündeten nicht einmal über die Folgen seiner Angriffe auf den Iran konsultiert hat, als eine Art seltsamer Retter wahrgenommen.
Es ist jedoch offensichtlich, dass die westlichen Staaten heute nichts Reales tun können, um die Straße von Hormus freizugeben, den Ölpreis zu senken ode den Lebensstandard jener amerikanischen Wähler zu verbessern, die bereits im November 2028 der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten praktisch ein politisches Verdikt ausstellen könnten, der diese politische Kraft für viele Jahre von der Macht im wichtigsten demokratischen Land der Welt fernhalten könnte.
Trump würde dies natürlich gerne verhindern, doch die Verbündeten haben ihn davor gewarnt, dass die Unüberlegtheit einer strategischen Operation gegen ein Regime wie das iranische zu genau diesen – und übrigens noch weitaus schwerwiegenderen – Konsequenzen führen kann, mit denen die Welt bald konfrontiert sein wird, wenn keine Möglichkeiten zur Beendigung des Konflikts gefunden werden.
Diese Möglichkeiten liegen jedoch nun nicht mehr in Trumps Händen, sondern in den Händen der iranischen Ajatollahs, die die Situation natürlich nutzen werden, um ihren amerikanischen Gegner im politischen Sinne dieses Wortes zu schwächen.
Macron betonte, dass sich angesichts von Trumps Aussagen seine Einschätzung der Lage rund um die Straße von Hormus nicht geändert habe, dass diese für die Weltwirtschaft wichtige Route nicht ausschließlich durch militärische Mittel geöffnet werden könne und dass man auch nach diplomatischen Lösungen suchen müsse. Diese Auffassung vertritt der französische Präsident bekanntlich seit den ersten Tagen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran.
Während er das terroristische iranische Regime verurteilt, das nicht nur für seinen Wunsch bekannt ist, die Existenz des jüdischen Staates im Nahen Osten zu beenden, sondern auch für Repressionen gegen die eigene Bevölkerung, erinnerte der Präsident Frankreichs auch daran, dass der Präsident der Vereinigten Staaten seine NATO-Verbündeten nicht einmal darüber konsultiert habe, wie die Operation der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran verlaufen werde – und vor allem, zu welchen Zielen sie letztlich führen solle. Denn die Charakterisierung dieser Ziele ändert sich jeden Tag, je nachdem, was in den Beratungen Donald Trumps geschieht und wie sich die wirtschaftliche Lage in der Welt entwickelt.
Wenn Trump jedoch sagt, seine Prognose sei gewesen, dass der Krieg mit dem Iran in drei Tagen beendet sein müsse, dann erklärt er damit offensichtlich auch sein mangelndes Interesse an Konsultationen mit den Verbündeten. Der amerikanische Präsident glaubte tatsächlich, er könne das iranische Problem innerhalb von drei Tagen lösen.
Als sich herausstellte, dass dies eine völlig inkompetente Einschätzung war, die nichts mit der Realität zu tun hatte, und dass die Operation tatsächlich gemeinsam hätte vorbereitet werden müssen, unter Berücksichtigung der Risiken für die Weltwirtschaft – und natürlich für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten sowie für die politische Karriere Donald Trumps und die Chancen der Republikanischen Partei bei den Nachwahlen –, geriet der amerikanische Präsident, gelinde gesagt, in eine schwierige Stimmung und versucht nun, seinen Unmut an den Führern der verbündeten Staaten auszulassen.
Es reichte ihm offenbar nicht, mit dem Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Nordatlantischen Bündnis zu drohen – ein Schritt, den Trump ohnehin nicht umsetzen kann, da die geltende amerikanische Gesetzgebung ihm derzeit keine entsprechenden Befugnisse einräumt. Er entschied, dass offene, grobe Beleidigungen gegenüber den Führern verbündeter Staaten, selbst gegenüber jenen, mit denen ihn langjährige persönliche Beziehungen verbinden, irgendwie seinen schlechten Gesundheitszustand und seine Stimmung verbessern und zugleich seinem Publikum gefallen könnten, das offenbar bereit ist, selbst die unakzeptabelsten Ausfälle des amtierenden amerikanischen Präsidenten zu beklatschen.
Und genau dieser offensichtliche Wunsch von Trumps Umfeld, jede Laune der ersten Person zu unterstützen und sogar zu propagieren, ist ein nicht minder ernstes Symptom für den Zustand der amerikanischen politischen Elite als das Verhalten Donald Trumps selbst.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп наїхав на Макрона | Віталій Портников. 02.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.