Das Paradox der Demokratie im Krieg. Vitaly Portnikov. 27.03.2026.

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Die Niederlage von Winston Churchill bei den ersten Parlamentswahlen in Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg sorgt bis heute für Verwunderung: Wie konnten die Briten denjenigen nicht unterstützen, der das Land – und später auch den größten Teil Europas – faktisch vor der nationalsozialistischen Besatzung gerettet hatte?

Doch die Antwort auf diese Frage ist einfach. Während seiner gesamten Karriere war Churchill ein herausragender Staatsmann, der auf die Perspektive ausgerichtet war – zugleich jedoch ein marginaler Politiker, der nicht in der Lage war, sich mit der Logik der Wähler abzufinden. Letztlich war es gerade diese Marginalität, die ihm die Möglichkeit gab, Premierminister des Landes zu werden, nachdem sein Vorgänger, der tatsächlich herausragende Politiker und Liebling der Gesellschaft Neville Chamberlain, ein Fiasko erlitten hatte. Was wäre geschehen, wenn ein für die Erwartungen der Wähler sensibler Politiker – wie Chamberlain – nach dessen Rücktritt Regierungschef geworden wäre? Möglicherweise hätten die Konservativen die Wahlen gewonnen. Doch ebenso wahrscheinlich ist, dass Großbritannien zu diesem Zeitpunkt den Krieg bereits verloren hätte.

Ich erinnerte mich an diese überzeugende Erfahrung, als ich die Warnung des Chefs des Generalstabs Eyal Zamir über die Notwendigkeit einer Verstärkung der Einberufung in die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte las. Die Kriege für Israel haben sich verändert, die Bedrohungen haben zugenommen, die Zeiten „kurzer Kriege und langen Friedens“ sind Vergangenheit geworden. Es scheint, dass die Menschen, die Israel regieren, dies sehr wohl verstehen. Gleichzeitig verstehen sie jedoch auch, dass ihre Wähler sie bei den nächsten Wahlen nicht unterstützen werden, wenn sie für diese Wähler unpopuläre Entscheidungen treffen. Sie beeilen sich nicht – und die Zeit in der Sanduhr der Geschichte wird immer knapper. Es entsteht ein offensichtliches Paradox: Die Gesellschaft ist sich der Herausforderungen bewusst, ist zum Widerstand bereit, aber ein bedeutender Teil von ihr unterstützt keine unpopulären Entscheidungen. Und die Politiker, die im Käfig der Wiederwahl gefangen sind – weil sie einfach Angst haben, die Macht zu verlieren –, können die Meinung dieses bedeutenden Teils nicht außer Acht lassen.

Alles, was Israel betrifft, betrifft auch die Ukraine. Der ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Valery Zaluzhny, warnte bereits zu Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine vor möglichen Problemen, die entstehen könnten, wenn es nicht gelänge, die Schwierigkeiten bei der Mobilisierung zu überwinden. Doch die elektorale Logik bleibt weiterhin das Motiv, das das Handeln der Regierung bestimmt. Und das ist dasselbe Paradox: Die Gesellschaft ist zum Widerstand bereit, aber nicht bereit für unpopuläre Entscheidungen, mit deren Hilfe allein man den Widerstand aufrechterhalten und verstärken kann. Die Gesellschaft beruhigt sich mit der Erwartung eines unvermeidlichen Endes des Krieges, und die Politiker – mit unvermeidlichen Wahlen. Und solange es weder das eine noch das andere gibt, enthält sich die Macht Entscheidungen, die ihre elektoralen Chancen untergraben könnten.

Aus der Sicht eines Wahlsiegs ist das der einzig richtige Ansatz. Nur finden in Ländern, die von den politischen Landkarten verschwinden, keine Wahlen statt.


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Art der Quelle: Social Media

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 27.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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