Russland erstickt an seinem eigenen Öl | Vitaly Portnikov. 09.02.2026.

Die Agentur Bloomberg berichtet, dass die Erdölförderung in der Russischen Föderation bereits den zweiten Monat in Folge zurückgeht, während gleichzeitig die Menge des Öls zunimmt, das auf Tankern der sogenannten Schattenflotte Russlands feststeckt, also auf See. Derzeit beläuft sich diese Menge nach Einschätzung von Fachleuten auf rund 143 Millionen Barrel.

Das bedeutet, dass Russland zuvor Öl auf diese Schiffe verladen konnte, in der Hoffnung, Käufer zu finden. Doch wie wir sehen, finden sich keine Abnehmer. In den letzten Monaten haben nach den amerikanischen Sanktionen gegen die russischen Ölriesen Rosneft und Lukoil viele Länder des globalen Südens – vor allem deren Raffinerien – Verträge mit der Russischen Föderation gekündigt, aus Angst, unter sekundäre US-Sanktionen zu fallen. Hinzu kommt das offensichtliche Bestreben Neu-Delhis, die Beziehungen zu Washington nicht zu gefährden.

Nach dem jüngsten Telefonat mit dem indischen Premierminister Narendra Modi erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, Indien werde auf den Kauf russischen Öls verzichten. Narendra Modi selbst äußerte sich nicht in dieser Form. Indische Journalisten stellten jedoch einen deutlichen Rückgang der russischen Ölimporte im Ölbilanzmix ihres Landes fest.

Gestern wurde zudem bekannt, dass sich Indien sogar an den Bemühungen beteiligt hat, die Schattenflotten von Ländern zu stoppen, die unter US-Sanktionen stehen. Indische Grenzschützer beschlagnahmten drei iranische Tanker. Dabei ist klar, dass die iranischen Öllieferungen eng mit jenen Russlands – und in jüngerer Zeit auch Venezuelas – verknüpft sind. Alle drei Länder profitieren gewissermaßen von der realen energiepolitischen Unterstützung der Volksrepublik China.

So ist Russland in eine Lage geraten, in der der Ölsektor faktisch kollabiert. Einerseits gibt es einen erheblichen Rückgang der Kapazitäten der russischen Raffinerien selbst, was vor allem mit ukrainischen Angriffen auf diese Anlagen zusammenhängt. Und um die Wahrheit zu sagen: Hätte die Ukraine von den Vereinigten Staaten und den europäischen Ländern Langstreckenwaffen erhalten, gäbe es in Russland möglicherweise derzeit überhaupt keine Ölverarbeitung mehr. Das bedeutet, dass Russland gezwungen ist, raffinierte Erdölprodukte im Ausland zu kaufen.

Was aber soll man dann mit dem Öl machen, das zuvor in die russischen Raffinerien geliefert wurde? Natürlich muss man es verkaufen. Doch wie soll man verkaufen, wenn die westlichen Länder – vielleicht mit Ausnahme Ungarns und der Slowakei – sich weigern, den russischen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren und russisches Öl zu kaufen, und wenn die Länder des globalen Südens amerikanische und europäische Sanktionen fürchten?

Für Russland verschärfte sich die Lage noch weiter, als deutlich wurde, dass europäische Sanktionen gegen jene Länder zu greifen beginnen, die weiterhin Erdölprodukte aus russischem Öl herstellen. Diese Produkte gelangen nun nicht mehr auf den europäischen Markt, was das Interesse der früheren Sponsoren der russischen Ölindustrie am Kauf russischer Rohstoffe weiter reduziert hat.

Schon jetzt lässt sich sagen, dass der russische Staatshaushalt nicht mehr auf Öl und Gas hoffen kann wie in den ersten Jahrzehnten von Putins Herrschaft. Jahr für Jahr sinkt der Anteil der Energieeinnahmen am Budget. Es ist sogar eine Situation entstanden, in der die größten Energieunternehmen der Russischen Föderation, eng mit dem Kreml verbunden, staatliche Subventionen erhalten, anstatt dem Haushalt Mittel für die Kriegsfinanzierung und die Aufrechterhaltung relativer sozialer Stabilität zu verschaffen.

Zu den wichtigsten Empfängern staatlicher Hilfe zählen Rosneft und Gazprom, die über Jahrzehnte hinweg Putins persönliche Geldbörsen waren und von seinen engsten Vertrauten geführt werden.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Putin über ein sofortiges Ende des russisch-ukrainischen Krieges nachdenkt. Stattdessen versucht der russische Staat zunehmend, die Lage auf Kosten seiner eigenen Bürger zu bewältigen: durch steigenden Druck auf Unternehmen außerhalb des Energiesektors und durch höhere Steuern für gewöhnliche Bürger. All dies soll es dem Staatshaushalt ermöglichen, zumindest vorerst ohne Öleinnahmen auszukommen, während Putin den Krieg fortsetzt.

Wir alle verstehen jedoch sehr gut, dass eine solche Situation nicht lange anhalten kann, denn Putins Krieg gegen die Ukraine war für ihn gewissermaßen ein „Premiumkrieg“.

In der russischen Geschichte war es immer so: Sobald überschüssiges Geld vorhanden ist, vertrinkt es der einfache Arbeiter aus einem Rüstungsbetrieb in Nischni Tagil, während der russische Diktator – Zar, Generalsekretär oder Präsident – einen Eroberungskrieg beginnt. In diesem Land scheint man kaum zu verstehen, was man sonst mit überschüssigem Geld anfangen könnte, außer jemanden dafür zu töten.

Wenn es jedoch kein überschüssiges Geld gibt, verhalten sich die Russen völlig anders. Die einfachen Menschen suchen nach Wegen zu überleben, und die Staatslenker verhandeln nicht mehr über luxuriöse Mercedes für die verroh­te Elite, sondern über „Bush-Hänchenschenkel“, um die verarmte Bevölkerung zu ernähren. Genau zu einer solchen wirtschaftlichen Lage könnte der Zusammenbruch der russischen Energiefähigkeiten führen.

Dabei haben wir noch gar nicht die Möglichkeit betrachtet, dass der Ölpreis stark fallen könnte – nicht so wie heute, sondern so, wie es in großen Wirtschaftskrisen geschieht.

Wenn in Russland die Energieeinnahmen bereits dann sinken, wenn von einer schweren Krise auf den Energiemärkten noch keine Rede sein kann, dann stellen wir uns einfach vor, was mit der russischen Wirtschaft geschieht, wenn die Energieunternehmen sie nicht mehr stützen können, sondern selbst immer mehr Geld für ihr eigenes Überleben verlangen.

Und wird Putin dann Igor Setschin oder Alexei Miller etwas abschlagen können – jenen Männern, die ihm über viele Jahre ermöglicht haben, Paläste in Gelendschik zu bauen oder Eroberungskriege gegen Nachbarländer zu führen?

Die Lage ist für Putin also keineswegs so rosig, wie es der Kreml darstellen möchte. Der russische Präsident hofft vielmehr weiterhin, für sich komfortable Bedingungen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu erlangen und alles zu tun, damit die russische Krise erst eintritt, nachdem er diese Bedingungen durchgesetzt und die Ukraine in einen eigenen Satelliten verwandelt hat.

Doch die Zeit spielt derzeit ganz und gar nicht auf Putins Seite. Das wissen nicht nur im Kreml, sondern auch im Weißen Haus alle sehr genau, wo man weiterhin hofft, den russischen Präsidenten in den kommenden Monaten zu Zugeständnissen für ein Ende des Krieges gegen die Ukraine zu bewegen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія захлинається власною нафтою | Віталій Портников. 09.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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