Der Kreml lehnt Sicherheitsgarantien ab | Vitaly Portnikov. 29.01.2026.

Der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, betonte, dass Moskau nichts über Sicherheitsgarantien wisse, die die Vereinigten Staaten der Ukraine im Falle eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges gewähren wollten. Sollte das Ziel dieser Garantien jedoch darin bestehen, ein bestimmtes Regime auf einem Teil des ukrainischen Territoriums zu bewahren, werde Moskau dem niemals zustimmen.

Als reale Sicherheitsgarantien bezeichnete Sergej Lawrow jene Garantien, die angeblich 2022 während der Verhandlungen zwischen den russischen und ukrainischen Delegationen in Istanbul vereinbart worden seien. Damals jedoch – so betonte der Chef des russischen Außenministeriums – habe der damalige britische Premierminister Boris Johnson der Ukraine verboten, diesen russischen Vorschlägen zuzustimmen.

Damit hat sich, den Äußerungen Lawrows zufolge, an der russischen Position praktisch nichts geändert. Sie bleibt dieselbe wie vor dem Beginn des sogenannten Friedensprozesses, der initiiert wurde, nachdem in den Medien Punkte eines Plans erschienen waren, der offenbar vom russischen Sondergesandten Kirill Dmitrijew den US-Vertretern Steve Witkoff und Jared Kushner vorgeschlagen worden war.

Es wurde bereits mehrfach erklärt, dass dieser sogenannte Friedensplan für Moskau nicht zur Beendigung des Krieges gedacht war, sondern dazu, Initiativen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zur Verhängung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern. Nachdem der Plan diese Rolle nicht erfüllt hatte, verlor Moskau das Interesse an ihm, ist jedoch gezwungen, weiterhin den Wunsch nach Beteiligung an Verhandlungen zu inszenieren, um nicht erneut mit neuem Sanktionsdruck aus Washington konfrontiert zu werden.

Dennoch unterstreicht Lawrow bei jeder Gelegenheit im Kern die offizielle russische Position, die sich sowohl von dem unterscheidet, was Dmitrijew sagt, als auch von dem, worüber offenbar bei den russisch-ukrainisch-amerikanischen Gesprächen gesprochen wird. So war es übrigens auch damals, als Donald Trump angeblich mit Präsident Putin ein Treffen in Budapest vereinbart hatte. Doch ein kurzes Gespräch zwischen dem US-Außenminister Marco Rubio und Lawrow führte dazu, dass man in Washington überzeugt war, Putin sei zu keinerlei Kompromissen bereit, die den russisch-ukrainischen Krieg beenden könnten. Daraufhin sagte Trump das Treffen ab und beschloss Sanktionen gegen russische Ölgiganten.

Jetzt wird dies allerdings nicht geschehen, da Lawrow seine Erklärungen vor dem Hintergrund von Meldungen über die Fortsetzung der russisch-ukrainischen Verhandlungen mit möglicher amerikanischer Beteiligung abgibt. Selbst in dieser Rede des russischen Außenministers ist von Verhandlungen die Rede – davon, dass Moskau bereit sei, „faire Vorschläge“ der amerikanischen Seite anzuhören. Einerseits wird der Verhandlungsprozess also nicht verworfen, andererseits bleibt die russische Position unverändert.

Damit stellt sich natürlich die Frage: Wozu setzt Moskau die Verhandlungen fort, wenn es seine Position nicht ändert? Genau aus den Gründen, über die hier bereits mehrfach gesprochen wurde. 

  • Der erste Grund ist der Wunsch, Donald Trump in einer Situation zu halten, in der der amerikanische Präsident weiterhin auf Kompromisse seines russischen Amtskollegen hofft. Und wenn er schon Sanktionen, die nach weiteren russischen Erklärungen oder Handlungen dennoch verhängt werden, nicht vollständig verhindern kann, so liefert er zumindest keine weitreichenden Waffen an die Ukraine – Waffen, vor deren Einsatz durch die ukrainischen Streitkräfte man sich in Russland tatsächlich fürchtet. Und wenn es keine amerikanischen Langstreckenwaffen gibt, gibt es, wie wir sehen, auch keine europäischen. Insofern kann man sagen, dass dieser Verhandlungsprozess real zur Erreichung der Ziele Moskaus beiträgt.
  • Zweitens hilft der Verhandlungsprozess den Russen, die Europäer von scharfen Schritten abzuhalten, vor denen man sich in Moskau ebenfalls fürchtet. Das deutlichste Beispiel dafür ist der Druck der Amerikaner auf die Europäer, der darauf abzielte, der Ukraine nicht die eingefrorenen russischen Vermögenswerte zu überlassen, sodass Moskau das Geld, das es zurückzuerhalten hofft, nicht verliert.
  • Der dritte Punkt ist die Hoffnung, dass während des Verhandlungsprozesses die Angriffe Russlands auf die ukrainische Infrastruktur sowie die Aktionen der russischen Armee an der Front – wobei wir sehr gut verstehen, dass Putin hierzu seine eigenen Vorstellungen hat – zur Kapitulation der Ukraine vor der Russischen Föderation beitragen werden. Dann würde Kyiv all jenen sogenannten Vorschlägen zustimmen, die wir in den Reden des russischen Außenministers hören. Dann würde man in Kyiv begreifen, dass dies die offizielle Position Russlands ist, mit der man rechnen muss. Alles andere sei lediglich ein chekistischer Trick gewesen, der weniger auf die Ukraine als vielmehr auf die Vereinigten Staaten und andere westliche Länder abzielte.

Genau deshalb sollte man meiner Ansicht nach vor allem auf die offiziellen Erklärungen achten und nicht auf Hoffnungen, die mit der Fortsetzung des Verhandlungsprozesses verbunden sind. Diese Sichtweise wird auch dadurch gestützt, dass der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow, nahezu zeitgleich mit Lawrow daran erinnerte, dass der Kreml den Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, eingeladen habe, zu Gesprächen mit Putin nach Russland zu kommen – wie wir verstehen, ohne jegliche Vermittlung durch Donald Trump.

Aus dieser Perspektive müssen wir begreifen, dass man in der russischen Hauptstadt glaubt, die Einladung des ukrainischen Präsidenten „auf den Teppich“ zum russischen Präsidenten sei nicht bloß eine offene Verhöhnung Zelenskys oder der Versuch zu demonstrieren, dass Trump im Verhandlungsprozess nichts Ernstzunehmendes darstelle. Nein, dahinter steht auch die aufrichtige Überzeugung, dass der ukrainische Präsident die Notwendigkeit einer Kapitulation vor dem russischen Präsidenten erkennen müsse und jederzeit nach Moskau kommen könne, um diese Kapitulation zu unterzeichnen. Und wenn er nicht erscheinen wolle, wenn man ihn im Kreml dazu auffordert, bedeute das lediglich, dass er noch nicht zur Kapitulation bereit sei – und dass Russland den Druck auf die Ukraine fortsetzen müsse, um diese Kapitulation unseres Landes vor dem brutalen Aggressor zu erzwingen.

Und was ist dann der Verhandlungsprozess? Nun, der Verhandlungsprozess befindet sich praktisch dort, wo er schon war: bei Treffen von Delegationen, die weiterhin technische Fragen erörtern, die nichts mit der politischen Entscheidung des russischen Präsidenten über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu tun haben.

Die Konturen dieser politischen Entscheidung – in Form der bedingungslosen Kapitulation der Ukraine, der Installierung einer Marionette an der Macht und gewissermaßen einer Revanche für den gescheiterten Blitzkrieg – werden genau von der offiziellen Person umrissen, vom Außenminister der Russischen Föderation, der entsprechende Weisungen von Präsident Putin erhalten hat. Alles andere kann man, solange es keine realen Ergebnisse des Verhandlungsprozesses gibt, genau genommen außer Acht lassen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Кремль відкидає гарантії безпеки | Віталій Портников. 29.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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